Die Feuertaufe und das trockene Wasser von Serge Lutens

Ihr habt es sicher mitbekommen, dass wir bei Aus Liebe zum Duft nun Serge Lutens im Sortiment haben. Hier kommt eine kleine Übersicht aus unserem Duftverzeichnis, welche seiner Düfte im Duft-Tagebuch bereits besprochen wurden:

Serge_Lutens_Logo Arabie
Borneo 1834
Cuir Mauresque
Datura Noir
Douce Amère 1, 2
Fille en Aiguilles
Fumerie Turque
L’Eau Serge Lutens
Vitriol d’Œillet

Zu Lutens selbst müssen wir wohl keine Worte verlieren, er ist bestens bekannt und viele seiner Düfte gelten als moderne Klassiker, eine oft bemühtes Attribut, das hier wirklich einmal passt. Die umfangreiche Kollektion werden wir Euch hier selbstverständlich vorstellen, wenn auch erst nach und nach angesichts ihres Umfangs.

Warum nicht mit dem Aktuellsten beginnen? Erst vor Kurzem erreichten uns zwei neue Kreationen des Meisters nämlich L’Eau de paille und Bapteme du feu.

Die Feuertaufe von Serge Lutens

Serge Lutens Bapteme du feu

„Meine Gefühle fließen wie Wachs in eine Form. Diese bestimmt, was mich verführt, wie etwa dieses Lebkuchenherz.“ Serge Lutens

Wie bei allen Düften beginnt auch dieser Text mit einem Zitat von Lutens, das die Idee in wenigen Worten umreißt. Bapteme du feu – die Feuertaufe – ein Begriff, der aus dem Militär stammt und gewissermaßen die Bewährungsprobe eines Soldaten beschreibt, der zum ersten Mal in einer Schlacht kämpft. Glücklicherweise geht es hier aber nicht blutrünstig zu. Man stürzt such vielmehr ins Getümmel eines Rummels.

Es waren vielmehr der Karneval, die Jahrmärkte und Rummelplätze mit ihren Schießbuden in seiner Jugend in Nordfrankreich, an die sich Serge Lutens gerne erinnert. So wird die Feuertaufe wohl nur an der Schießbude überstanden, mit einem Lebkuchenherz um den Hals.

Schießbude

Bapteme du feu beweist, dass ein Gourmandduft nicht immer klebrig süß sein muss. Mandarinenschalen, scharfer Ingwer und nicht minder scharfer Zimt, lassen erst gar keine allzu große Süße aufkommen, wenn auch Osmanthus seine pfirsichähnliche Fruchtigkeit beisteuert. Bitte erwartet keinen Jahrmarktduft à la Zuckerwatte und Konsorten, die Feuertaufe scheint mir vielmehr ein distinguierter Orientale mit einer ausgeprägten Würzigkeit zu sein. Vielleicht nicht unbedingt das Richtige für die gerade hinter uns gebrachten Hundstage, aber für den kommenden Herbst schon einmal vormerken, ja, er kommt bald.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Mandarinenschale, Gourmand-Noten
Herznote: Ingwer, Zimt
Basisnote: Osmanthus, Castoreum

Bapteme du feu ist pefekt für Männlein und Weiblein, die auf die genannten Gewürze stehen und auf gezähmte Gourmands.

Strohwasser

Serge Lutens Eau de Paille „Für alle, die nicht nass werden wollen.“ Serge Lutens

Was soll denn das nun bedeuten? Mir kommt der gar nicht nette Ausspruch „Wasch mich (oder: wasch mir den Pelz), aber mach mich nicht nass!“ in den Sinn, der mit Leuten abrechnet, die für sich nur den Vorteil herausziehen, aber nicht die „Kosten“ oder Konsequenzen tragen wollen. Jedenfalls bedeutet der Name so viel wie „Wasser des Strohs“ oder „Strohwasser“, damit ist nicht das Lateinwörterbuch gemeint, das heißt Stowasser, und auch nicht der berüchtigte Stroh 80, der zum Flambieren der Kehle und sicher auch Vertreibung böser Geister taugt. 😉

Ein heißer Sommertag bei der Weizenernte soll die Inspiration zu diesem Duft gewesen sein und das Lächeln eines strohblonden Jungen, der beim Einbringen der Garben half, auch wenn im Video nur eine Vogelscheuche zu sehen ist. Nicht alles wird in der Erinnerung schöner. 😉

Sprüht man den Duft auf, ist klar, was gemeint ist. Wir befinden uns in Lutens’ Eau-Serie, aber der Duft riecht auf eine abstrakte Weise trocken, getreidig, staubig, wie Heu oder Stroh, wie der Staub aus einer brüllenden Erntemaschine an einem ebenso brüllend heißen Hochsommertag. Warum befindet sich der Duft dann aber in der Eau-Serie? Weil er ebenso eine frische Komponente besitzt, eine wässrig-aquatische Note, die zu Beginn präsent ist, aber zusehends abnimmt. Was folgt ist das Getreidig-Strohige mit einer süßen Note, das nun aber auch nicht allzu dominant wird. Verantwortlich für diesen Eindruck soll Vetiver und Silberweihrauch sein, ohne dass man diese aber genau identifizieren könnte. Ein bisschen Moschus ist meiner Meinung nach auch noch in der Mixtur gelandet. Die Haltbarkeit ist im Gegensatz zur Feuertaufe recht überschaubar.

Die Duftkomposition
Kopfnote: Getreide, Vetiver, Silberweihrauch

Für die derzeit herrschenden Temperaturen empfehle ich erst einmal L’Eau de paille, sollte es aber bald wieder kühler werden, lassen sich die Vorboten des Herbstes wunderbar mit Bapteme du feu begleiten.

Liebe Grüße
Harmen

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Harmen Biró Verfasst von:

Hallo, ich heiße Harmen, war bis vor Kurzem irgendwas­unddreißig und habe immer die Nase im Wind, um Duftschätze für Euch zu finden und hier vorzustellen. Selbst bevorzuge ich feine Lederdüfte oder Gewürzkompositionen, ohne mich da aber festzulegen. Warum auch? Es gibt ständig so viel Neues in der Welt der Düfte zu entdecken. → BIRÓ

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