Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Eine Ikone Amerikas…

Geschrieben in Duft,Reines und Pudriges am 30.09.2011

war sie, ist sie – und nicht nur Amerikas: Die Rede ist von Marilyn Monroe, jener Filmlegende, die eigentlich auf den schlichten Namen Norma Jeane Baker getauft wurde. Aus in jeder Hinsicht eher armen Verhältnissen stammend schaffte sie einen von vielen „American Ways of Life“ – von unten bis ganz nach oben: Ungewolltes Kind, überforderte Mutter, Pflegefamilien und Heirat mit 16, wodurch ihr eine weitere Ausbildung verwehrt blieb. Hernach Montagearbeiten in einer Rüstungsfabrik, von wo aus sie dann 1945 als Pin-Up-Girl durchstartete. Eine Ausbildung als Mannequin folgte und von da an ging es steil nach oben und der Weg bis zum Film war nicht mehr weit: Der Durchbruch kam unter anderem in einer Nebenrolle in dem Marx Brothers Film Love Happy und von da an schauspielerte und sang sich Marilyn Monroe bis zu ihrem Tod im Jahre 1962 durch die Welt.

Als „archetypisches Sexsymbol und Filmikone des 20. Jahrhunderts“, wie sie bei Wiki bezeichnet wird, die Generationen von Männern den Kopf verdrehte, starb sie an einer Überdosis Schlaftabletten, was bis heute zu Gerüchten und Verschwörungstheorien jeglicher Art animiert. Fest steht aber, dass Marilyn Monroe eine ambivalente Person war: Lange Jahre war sie tablettensüchtig, hatte verschiedene schwierige Ehen – unter anderem mit Joe di Maggio und Arthur Miller – und litt wohl an einer manischen Depression, was vielleicht unter anderem auch dem Druck geschuldet war, ihrem Image gerecht zu werden. Extrem ist hier auch die äußere Wandlung der Norma Jeane Baker über die Jahre: Anfänglich eine attraktive Naturschönheit mit brünetter Haarfarbe und authentisch-naiv-fröhlicher Ausstrahlung verwandelte sie sich über die Jahre in die perfekte platinblonde Sexbombe, eine Venusfalle.

Oft stellte man sie gerne als blondes Dummchen hin, als deppertes Weibchen – ganz so einfach kann es, kann sie wohl nicht gewesen sein, wie ein Buch mit bisher unbekannten Briefen, Notizen und Gedichten vor etwa einem Jahr zeigte, unter anderem der Spiegel hatte darüber berichtet.

“Verdammt, ich wünschte ich wäre tot – gar nicht vorhanden – fort von hier – von überall, nur wie …” – das sind die letzten Zeilen eines Gedichts aus ihrer Feder, einer, die eine verzweifelte, unglückliche Schreiberin verraten. Eine, bei der man es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht hat mit der Beurteilung und der Schublade, in die man sie gepackt hat.

… das nun ist eine perfekte Überleitung: Auch ich habe es mir zu einfach gemacht – aber nicht mit Marilyn, sondern mit Nez à Nez. Und Nez à Nez, die Firma, haben es sich ganz im Gegensatz dazu gar nicht leicht gemacht mit Madame Baker.

Immortelle Marilyn heißt der neue Duft aus dem Hause und ist eine Hommage an die Leinwandgöttin, die am 01.06. dieses Jahres 85 Jahre alt geworden wäre. Und die Hommage ist gelungen – vielleicht gerade deshalb, weil Nez à Nez sich ganz augen- oder besser nasenscheinlich um Komplexität bemühten, innen daran lag, die Facetten von Monroe einzufangen, ihre Ambivalenz und gleichzeitig einen Duft zu kreieren, der ihre überbordende Weiblichkeit einfängt.

Immortelle Marilyn ist – in einem Wort: Haselnussheuseide. Herrliche Haselnussheuseide.

Im Auftakt schillert zarte Himbeere, saftig und mit der ihr genuinen samtigen Süße behaftet, welche alsbald überleitet in – Haselnuss, allerschönste Haselnuss, mit einem Hauch Nougat. Üppig, sowohl auf meiner Haut als auch auf dem Teststreifen – und wunderschön, jene in Düften doch leider so selten anzutreffende Note. Immortelle würzt, viel dezenter als vielleicht gewohnt, und lässt die Sonne aufgehen über diesem schönen Kleinod – strahlt warm und beschützend, trocknet. Sacht pudrige Iris in gewohnt exzellenter Harmonie mit Wildleder, seidenweichem. Und die Basis sorgt dafür, dass die ohnehin schon auf eigenartige Weise skinnigen Elemente des Duftes noch untermalt werden, ähnlich wie bei Histoires de Parfums’ Moulin Rouge 1889.

Wieso ich es mir zu einfach gemacht habe? Ich gestehe – weil ich Nez à Nez irgendwann für mich abgeschrieben hatte. Die ersten Düfte waren alle nichts für mich, gar nichts. Und somit bin ich irgendwann gedanklich und nasentechnisch ausgestiegen – und war erst wieder völlig überraschend für mich selbst bei Hiroshima Mon Amour wieder mit von der Partie.

Es hat sich gelohnt – Immortelle Marilyn ist einfach nur schön. Und auf so zauberhafte Art und Weise feminin, wie es zum Beispiel auch Etat Libre d’Oranges Like This! ist, der für mich eine der besten Neulancierungen des letzten Jahres war oder besagter Moulin Rouge.

Habt Ihr schon getestet, hat Euch Immortelle Marilyn schon verführt? Ich bin mir sicher, hätte die echte Marilyn diesen Duft hier gekannt – es hätte keinen Grund mehr gegeben, (nur) mit Chanel No. 5 ins Bett zu gehen!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike

Bildquelle: Marilyn Monroe – Yank Army Weekly (1945), Porträt Marilyn Monroe (2003) von Ralph Krampe, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Düfte von Nez à Nez in unserem Shop.

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Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein,Kosmetik am 30.09.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung: Eine Sensuous Hibernate & Destress - limitierte Edition – Duftkerze von NEOM im Wert von  49,90 EUR – machen Sie mit, es lohnt sich!

In der letzten Woche haben gewonnen:  Frank H., Simone H., Dagmar D., Monika F. und Beate C.  – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Duft im Blut – Blood Concept.

Im Laufe der Zeit laufen einem ja jede Menge schräger und ausgefallener Duftkonzepte über den Weg: Petite Mort – Parfum d’une Femme von Marc Atlan, der Duft der weiblichen Lust oder so ähnlich sowie Etat Libre d’Oranges männliches Pendant Sécrétions Magnifiques, dann natürlich Madame Kawakubos (mal mehr, mal weniger) verrückte Duftausflüge mit ihren ganzen Serien für Comme des Garçons, Geza Schöns Projekte wie Escentric Molecules, Elternhaus, The Beautiful Mind oder Boudicca sowie auch die Düfte von Christophe Laudamiel, gerne mal zusammen mit Christoph Hornetz geschaffen (Les Christoph’s) – Kiki Smith, der Duft nach Pflanzensex als Hommage an die bereits verstorbene Gegenwartskünstlerin, Humiecki & Graefs Kollektion der Uremotionen und viele mehr.

Blood Concept erweitert dieses bunt-fröhliche Raritätensammelsurium um eine weitere Kollektion: Vier Düfte – 0, A, B, AB -, nach den Blutgruppen benannt. Reduziert, mysteriös und konzeptuell, die Evolution des Menschen im Blick und dessen Individualität:

„Filled with legends and meanings, blood is soaked with mystery‚ fascination and respect. it’s the most tested and studied part of human body and it guards a multitude of secrets that reveals our inner and unique way of being. BLOOD CONCEPT is a private celebration of the vivid and fascinating liquid that flows in our veins. Because blood is actually the river of life.

A, B, AB and 0, retrace the evolution of manhood through time and its record of information, history and mutation, so well kept in the vital flushing of blood. BLOOD CONCEPT is a mystic ritual with no flowers to be found: deep as primeval Africa in 0‚ aromatic as the scent of familiar land in A, bold as unpredictable itineraries in B, bold and sharp as a metropolitan skyline in AB.

Ending each time with the same subtle and mysterious note: a metallic vague suspicion.“

Hinter diesem Konzept steckt Antonio Zuddas, seines Zeichens Fotograf und Werbetexter, sowie Giovanni Castelli, Modedesigner.

„Let it flow“ – in diesem Sinne, lassen wir es bluten!

0 – Type: Unisex; System: Visceral and intense. From the depths of the earth. Carnal and primitive.“

Dampfig, ledrig, erdig und süß zeigt sich 0, ein bisschen wie regennasse Erde nach einem Sommergewitter. Eine verstohlene Fruchtigkeit drängt sich mir auf, beerig vielleicht? Und Moose satt, warm, weich und nass. Mich erinnert unsere Blutgruppe hier sehr an Tom Fords Tuscan Leather und Mark Birleys Charles Street, letzterer natürlich exklusive des Kaffees.

A – Type: Unisex; System: Green and aromatic. A symbiotic relationship with nature. Reassuring and clean.“

Neongrün duftet es mir entgegen: Bittere Halme, Gräser, Blätter, zerstoßen und zerdrückt, saftig. Zitrische Lauge überschwemmt meine Nase, während eine eigenartig seifige Süße für seltsam saubere Akzente sorgt. Natürlich? Mmhhh… nein. Eher ein grell-farbenfroh-übertriebenes La Chappelle-Bild von einer viel zu grünen Wiese. Für mich eindeutig nichts, sorry.

B – Type: Unisex; System: Woody and spicy. A brave traveller keen to discover the unknown. Nomadic and ecletic.“

B zeigt sich wie alle anderen Düfte unserer Blutgruppen sehr konzentriert – und das als Mann-Mann. Ein Latino-Macho ist es, aber durchaus einer, den man gleich nehmen würde – vielleicht ein Banderas oder ein Bardem? Sehr holzig, sehr würzig, sehr warm, sehr markant und, ja, süß ist er, der Duft – Hölzer satt, vielleicht ein bisschen Sandelholz, ambriert könnte er sein und auf jeden Fall mit ordentlich Moschus in der Basis. Darüber eventuell ein liköriger Schluck? Für mich geht er anfänglich ein bisschen in Richtung Lubins Idole, dieser Eindruck verflüchtig sich aber alsbald. Auch meine ich just in der flüchtigen Kopfnote Kamille wahrzunehmen – kann mir wer folgen? Und so männlich-kantig er ist, der Duft – an einer Frau wirkt er ganz bestimmt hervorragend, ich verspreche es.

AB – Type: Unisex; System: Synthetic and individualist. A loner chemist stumbling upon unavoidable changes. Unhibited and visionary.“

Bei Chemie, die unvorhersehbare Verbindungen eingeht und dem Wechsel unterliegt muss ich an meine Lieblingsserie Breaking Bad denken über jenen krebskranken Chemielehrer Walt, der seiner Familie etwas Geld hinterlassen möchte und deshalb anfängt Drogen zu kochen. Riecht es so bei Walt im Hightechlabor? Wo riecht es so? In einer Reinigung, vielleicht auch der, die sich über Walts geheimem Arbeitsplatz befindet. Einer Großreinigung voller metallischer Geräte. Dichte süßliche Dämpfe, die eine komische Trockenheit ausstrahlen. Und aufdringlich nach WEIß riechen, nach Reinheit, Sauberkeit, vermeintlich verheißungsvoll. Was anfänglich noch fruchtig-aldehydig begleitet wurde, irgendwo, driftet allmählich ins Frische, frisch Gewaschene ab, strahlt, wie die Wäsche in jener Reinigung, von metallischem Glanz veredelt.

Blood Concept zeigen sich wie zu erwarten war sehr – konzeptionell. Wer sich mit derlei Duftprojekten schwer tut wird auch an dieser Reihe hier keine Freude finden.

Habt Ihr schon getestet – mit welchen Ergebnissen, Eindrücken, Gefühlen?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Pressefotos Blood Concept, Grass von rpichler, At the saloon von ollinger/Oliver Brandt,  some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Blood Concept-Kollektion in unserem Shop.

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Duftverzeichnis
Die Schöne und das Biest: Sécrétions Magnifiques
Lange gedrückt…


To die for… Amouage Honour.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Blüten,Duft,Holziges am 28.09.2011

Nachdem ich gestern die Vorgeschichte zu den beiden neuen Amouage-Düften namens Honour erzählt habe samt Videomaterial, möchte ich Euch nun nicht länger quälen und endlich mit den Duftrezensionen beginnen.

Mit solch einem Background und einem derart bestimmten Kreativling – Chong, der Creative Director – am Ruder wundert es nicht weiter, dass auch die Ingredienzen der Düfte wohldurchdacht sind und Madama Butterflys Geschichte von Liebe, Betrug und Verrat aufgreifen, die auf so tragische Weise endet.

Honour Woman ist in allererster Linie ein Weißblüher und spiegelt, wie Chong in dem Interview mit Ça Fleure Bon verlauten lässt, Butterflys Liebe, ihre Art zu Lieben wider sowie jenes Gefühlschaos das in ihrem Inneren tobt: Weiße Blüten als Zeichen der Liebe, Jasmin für Treue und Hingabe, Gardenie für die geheime Liebe, aber auch das Geheimnis der Liebe und Tuberose für die Gefahr. Weiße Nelken, die für den Glauben an die Liebe und die Unschuld stehen und Maiglöckchen für die Reinheit des Herzens. Insgesamt stehen die Weißblüher aber auch für die Nachtseite: Für eine tragische Liebe, die im Betrug endete, im Verrat. Und somit den Tod einer Seele auf ihrem Gewissen hat, versinnbildlicht durch den Suizid Cho-Cho-Sans, olfaktorisch umgesetzt durch Weihrauch, Ambra und Opoponaxharz in der Basis.

Bereits in der Kopfnote wird einem klar, dass man mit Honour Woman einen ganz besonderen Weißblüher vor sich hat: Der Auftakt ist ungewöhnlich – herb-fruchtige Rhabarberblätter, kühle Pfefferschärfe und ein Hauch Korianderwürze malen für mich bereits ein überaus melancholisches Bild. Rhabarber, ich erwähnte es schon mehrfach, ist für mich daran „schuld“ – mit seiner bittersüßen Ausstrahlung stimmt er mich immer traurig. Die Blüten erobern alsbald das Feld, lassen sich aber weiterhin von der Kopfnote flankieren, die auf meiner Haut den Großteil des Duftverlaufs erhalten bleibt und angenehm kontrastiert. Metallische Anklänge von Maiglöckchen und Gardenie harmonieren mit der Pfefferkälte, Tuberose umgarnt die Nase mit Verführerschwester Jasmin und Nelke kündigt bei mir wie im letzten Serge Lutens Vitriol d’œillet das nahende Ableben an. Lange blüht es, das opulente Blumengesteck, welches aber eine für weiße Vertreter angenehme Transparenz besitzt, die einem asiatisch inspirierten Duft schmeichelt, um hernach den Weg für die Basis frei zu machen: Kühlender Weihrauch und harzige Noten, das Ziel ist erreicht. Zuhause – auf eine Art. Und wieder ganz.

Melancholisch und wunderschön.

Schauen wir uns mal die Männervariante Honour Man an und lassen Chong erneut zu Wort kommen – siehe oben erwähntes Interview:

„Honour Man is a spicy and woody fragrance invoking memories of the past signified by a mixture of disturbing and conflicting accords starting with a spicy burst of pink pepper and black pepper. Geranium and elemi are used to represent a filial elegy to the honour and memory of Madame Butterfly. A woody base evolves with a musky allusion to this story of reconciliation.“

Ambivalenz zeichnet den Duft aus, das merkt man gleich: Pfeffrig ist der Auftakt, und zwar rundum – die Nase in der Pfeffermühle werde ich sehr bald eines anderen Geruchs gewahr, nämlich dem des Elemiharzes. Waldig-zitrisch kommt es daher und zudem harzig, alsbald unterstützt durch wie so oft minzig anmutendes Geranium. Darüber hinaus meine ich hier bereits Vetiver zu riechen – und zwar einen, der mich sehr an The Different Companys Sél de Vetiver oder Chanels Sycomore erinnert, einen extrem salzigen in subtilen Rauch gehüllt. Überraschend gesellt sich Muskat dazu in würzig-scharfer, aber auch süßer Ausprägung – das Herz des Duftes ist verwirrend, zugegeben. Und gewöhnungsbedürftig, ja. Grün-Waldig-Aromatisch-Harzig-Pfeffrig-Rauchig-Süßer Natur und bisweilen an einen guten Saunaaufguss erinnernd, was mitnichten abwertend gemeint ist. Diese Kontraste lichten sich, je näher man der Basis kommt: Gewohnte Amouage-Qualität, Silberweihrauch, der beste weltweit, in Kombination mit Patchouli und sauberem Zedernholz sorgt für wohlig-seidig-warme Holzigkeit.

Unbenommen ein interessanter und toller Kandidat – aber das allererste Mal überzeugt mich bei Amouage der Damenduft des Duos mehr.

Wie sieht’s bei Euch aus? Und wie steht Ihr zu den letzten Amouage-Kollektionen?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Geraldine Farrar als Madame Butterfly (1907)

Hier finden Sie die Kollektion von Amouage in unserem Shop.

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Eine Frage der Ehre – Amouage Honour.
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Eine Frage der Ehre – Amouage Honour.

Geschrieben in Duft am 27.09.2011

Amouages Creative Director Christopher Chong hat sich wieder einmal etwas einfallen lassen für die Neuveröffentlichung des Hauses: Honour ist der Name des Duftes oder vielmehr der Düfte, denn wie schon bei den letzten Parfums von Amouage trägt Damen- wie Männerduft denselben Namen, lediglich mit dem Zusatz „for Woman“ und „for Man“ versehen.

Die Inspiration zum Namen stammt von Puccinis Oper Madama Butterfly, genauer – aus der kurz vor ihrem Suizid von der Hauptfigur Cho-Cho-San gesungenen Arie „Con onor muore“: „Ehrenvoll sterbe, wer nicht mehr in Ehren leben kann“, diese Zeilen sind eingraviert auf dem Dolch ihres Vaters, mit dem Butterfly Seppuku begeht (in westlichen Gefilden gerne mal als Harakiri betitelt). Con onor muore – hier auf unvergessliche Art und Weise gesungen von Renata Tebaldi:

Die Geschichte von Madame Butterfly geht im übrigen auf den Roman Madame Chrysanthème von Pierre Loti zurück, der bereits Vorbild für Parfum d’Empires Aziyadé war und stand Pate für das Musical Miss Saigon. Natürlich ist sie von tragischer Natur: Sie handelt einerseits von kulturellen Unterschieden, aber vor allem von großen Gefühlen – von Stolz und Scham und japanischen Ehrbegriffen, aber vor allem von von Liebe und Hoffnung, Enttäuschung und Verletzung.

Ein Amerikaner und eine Asiatin, ein leichtlebiger Offizier und ein junges Mädchen, das an die Liebe glaubt, ein Kind – so einfach kann der Anfang vom Ende sein… Madama Butterfly wurde übrigens bei der Erstaufführung ausgebuht, wodurch sich Puccini zu wüsten Beschimpfungen des Publikums hinreißen ließ: Diese Banausen, es sei doch seine beste Oper – womit er wohl Recht behalten sollte.

Chong nun sieht in Honour die konsequente Fortführung von Memoir und unterstreicht in einem sehr lesenswerten Interview auf Ça Fleure Bon, dass die Oper seines Erachtens nach vor allem von Liebe und Betrug handele – und ließ anlässlich seiner Düfte eigens einen Kurzfilm drehen, ein poetisch-ästhetisches Sequel aus der Sicht des erwachsenen Sohnes von Butterfly.

Wenn man sich den Film anschaut, was Ihr hoffentlich jetzt getan habt, dann merkt man recht deutlich, dass Chong ziemlich explizite Vorstellungen besitzt – diese treffen wohl auch auf die Umsetzung der Düfte zu, wie er in obigem Interview bezeugt:

„I set the mood, theme and story for the perfumers. We select ingredients, construct accords, formulate and reformulate together. I am very demanding. So, as long as the perfumers can understand my passion and obsession, then we know it would be a productive collaboration.“

Hört sich für mich ein bisschen nach Serge Lutens an, oder nicht? Der kreative Kopf, der seine Visionen mit Passion weitergibt an kompetente ausführende Hände, in diesem Falle Christopher Sheldrake.

Auf diese Art künstlerisches Schaffen haben sich auch diesmal keine ganz Unbekannten eingelassen: Alexandra Carlin und Violaine Collas zeichneten sich verantwortlich für den Damenduft, Nathalie Feisthauer für den Herrenduft. Letztere Dame begeisterte uns schon einige Male, und zwar unter anderem mit Comme des Garçons Guerrilla 2, den Eau des Merveilles-Düften für Hermès, einigen Düften für État Libre d’Orange und einigem mehr. Die beiden anderen Damen scheinen Neulinge zu sein, zumindest finde ich nichts, was man ihren Phiolen zuschreiben könnte. Das muss bei Amouage aber nicht heißen, hatten sie doch in der Vergangenheit bereits ein verdammt gutes Händchen gezeigt, neue Parfumeure zu verpflichten – siehe zum Beispiel ihre Library-Collection.

Bevor wir zu den Düften kommen, spanne ich Euch allerdings noch ein bisschen auf die Folter – diese stelle ich Euch morgen vor und schließe heute mit noch einem Video, nämlich einem zu der Markteinführung der Düfte in Kuala Lumpur:

Liebe Grüße,

Eure Ulrike, heute ein wenig von boshafter Natur ;)

Hier finden Sie im übrigen die Kollektion von Amouage in unserem Shop.

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Überliefertes von Hugh Parsons

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 26.09.2011

Im August stellte ich bereits zwei Düfte von Hugh Parsons vor: „Piccadilly Circus“ und „99, Regent Street“. Da mir die beiden gut gefielen, werde ich mich heute einer weiteren Schöpfung dieses Hauses widmen, dem Duft „Traditional“. Aber vielleicht erst einmal ein paar Worte zum Thema Traditionen.

Bundesarchiv Bild 183-1990-1210-001, Erfurt, Zimmermänner auf der Walz Mit den Traditionen ist es so eine Sache. Den einen sind sie heilig, die anderen tun sie als alte Zöpfe ab, die schleunigst abgeschnitten werden sollten – die meisten jedoch wahren Überlieferungen, ohne es zu wissen. Denn Traditionen sind das Fundament jeglicher Kultur und können sich in unterschiedlichster Art äußern: sei es der Gebrauch von Werkzeugen im Handwerk, bestimmte Speisen wie etwa die Weihnachtsgans, Brauchtum, Musik und vieles mehr. Oft sind es einfach Verhaltensweisen bestimmter Gruppen, welche durch diese an die nächste Generation weitergegeben werden. Wer also am Vatertag seinen Leiterwagen mit einem Kasten Bier durch die Gegend fährt, einen Weihnachtsbaum aufstellt, Omas Kuchenrezept den Kindern gibt, an Fasnet oder Karneval auf gut Deutsch die Sau rauslässt, ja der lebt und pflegt Traditionen. Wie heißt das Sprichwort so schön: „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme” oder etwas humoriger in Wilhelm Buschs „Die fromme Helene“: „Es ist ein Brauch von alters her: // Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ — Sprichwörter sind übrigens genauso eine Tradition.

Gerade der Parfumbereich setzt sich massiv mit Traditionen auseinander. Viele Hersteller und Parfumeure berufen sich auf die alte Tradition ihrer Häuser, auf überlieferte Rezepturen und versuchen hierdurch bei uns Kunden den Eindruck zu erwecken, dass sich die Produkte seit langem bewährt haben, dass durch lange Berufserfahrung oder eine weit zurückreichende Unternehmensgeschichte viel Erfahrung zusammengekommen ist und somit die Schöpfungen einfach gut sein müssen. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere zeigt junge, rebellische Parfumeurstalente, die alle Konventionen über Bord werfen, auf Tradition und altehrwürdige Schnörkelflaschen pfeifen und das Fach ganz neu erfinden. Auch das ist eine Auseinandersetzung mit Tradition, die für den Markt natürlich sehr befruchtend sein kann – letzterer profitiert durch das Bewährte und den Erfindungsreichtum von beiden Kräften.

Kommen wir also zu „Traditional“, der sich wie die vorangegangenen Düfte auch die Tradition auf die Fahnen geschrieben hat. Die Duftnoten klingen in jedem Fall interessant: Kopfnote: Zitrone, Mandarine, Schwarze Johannisbeere, Blattgrün; Herznote: Pfeffer, Kardamom, Angelika (Engelwurz), Wacholder; Basisnote: Zedernholz, Sandelholz, Ambra.

Und in der Tat erweist sich der Duft als wenig experimentierfreudig. In einem frischen Auftakt legt die Zitrone eine bittere Frische vor, welche von grünen Noten begleitet wird. Die würzigen Bestandteile der Herznote bleiben stets handzahm und gehen harmonisch in einer sauberen und seifigen Basis aus Hölzern und Ambra auf.

Traditional ist ein gutes Beispiel für einen Herrenduft, mit dem man nichts falsch machen kann. Frisch, kultiviert und klassisch ist er für jeden Anlass geeignet. Vom Namen sollte man sich allerdings trotzdem nicht beirren lassen: das ist nicht der Muff von 1000 Jahren und auch kein Altherrenwässerchen. Eher ein Universalduft für alle Alterklassen. Rebellisch ist definitiv anders… aber für rebellische Düfte haben andere gesorgt.

Es grüßt ganz traditionell mit einem „Grüß Gott“
Harmen

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Und noch einmal – die Vergessenen.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Reines und Pudriges am 23.09.2011

Auch den letzten Tag dieser Woche widme ich meiner überquellenden Schublade und einigen Düftchen, die ich Euch schon zu lange vorenthalten habe: Heute stelle ich Euch Clean Summer Linen und Boadicea Regal vor.

Clean Summer Linen ist eine neue der mittlerweile fast unzähligen Varianten und Variationen des klassischen Clean-Duftes und wurde in den Staaten bereits im Frühling veröffentlicht – passend vor der Jahreszeit, derer sich der Duft inspirativ bedient:

„Inspired by the hot sunny days of summer where clean warm breezes mingle with the sun-ripened citrus of summer.“

In fröhlich gelb-terracottafarben verlaufender Flasche kommt die limitierte Edition daher und macht alleine schon von der Aufmachung her Lust auf – Sommer, Sonne, Sand und Strand, auf Urlaub und unbeschwerte Freude(n). Hesperidenfröhlichkeit allseits und ja, auch die Mirabelle vermag ich zu entdecken. Ehrlicherweise hätte ich die wahrscheinlich nicht sofort erkannt, zu selten hat man Mirabellen vor der Nase – subtil-fruchtiges Steinobst oder so ähnlich hätte der Befund gelautet, den ich für Euch in noch hübschere Worte gekleidet hätte. Zarte Rosen unterstreichen die verhalten süße Fruchtigkeit, die sich warm auf Hölzern bettet, welche ihre Süße aufgreifen.

Für jemand, der eigentlich keine Clean-Düfte mag, ist das hier ein durchaus netter Vertreter. Wie sagt der Schwabe so schön als höchstes Kompliment? „Hab scho Schlechteres gerocha“ – trifft in diesem Fall zu. Clean Summer Linen würde ich sogar tragen im Sommer – und die Farbe, ehrlich, die hat es mir angetan.

Michael Boadi war scheinbar trotz seiner neuen Firma Illuminum, die Middletons Hochzeitsduft stellte und somit zum Riesenhype avancierte, unterbeschäftigt und erweiterte seine Linie Boadicea um einen neuen Duft: Regal.

Hinter Regal verbirgt sich tatsächlich Königliches: Beim ersten Aufsprühen wird schon klar, dass wir es hier nicht mit einem Leichtgewicht zu tun haben. Mein erster Gedanke – Oud. Und ich schaue erstmal nach den Ingredienzen – scheinbar kein Oud, aber animalische Noten, die mir in ähnlicher Intensität, aber verschiedener Verpackung bisher nur in Mazzolaris Lui entgegenströmten. Gut gebrüllt, Löwe! Das riesige Tier trollt sich aber schon kurz danach, wahrscheinlich ist es ins Unterholz geflüchtet, in einem solchen befinden wir uns nämlich jetzt. Eine Lichtung im Wald sehe ich vor mir, eine mit Kräutern bewachsene, auf der sich auch so manches Blümelein tummelt. Minziges Geranium, das die hier moosig-chypriert wirkende Rose unterstreicht und Maiglöckchen, zartes, sowie ein erdiges Veilchen im Hintergrund, auf Hölzern gebettet.

Was soll ich sagen? Rotkäppchen und der böse Wolf, wäre das Bild, das mir als allererstes bei Regal in den Sinn kommt, von mir aus auch die Schöne und das Biest: Jugendlich-unschuldige Weiblichkeit von unverstellter Natürlichkeit und irgendwo dahinter – das Tier. Gefällt mir, wie zu erwarten war, gar nicht schlecht und erinnert mich von der Richtung her (!) – man möge mir die saloppen Worte nachsehen: Jungfrau trifft Schmuddelkind – ein bisschen an meine wunderschöne Entdeckung dieses Jahr, Andy Tauers Carillon pour un Ange.

Habt Ihr schon getestet? Seid Ihr Clean-Anhänger oder nicht und wie haltet Ihr es mit Boadicea?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Linen Field von bretz/Hervé de Brabandère, Sunset in Italy von goejsen, Rotkäppchen-Illustration von Carl Offterdinger (19. Jhdt.), some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Vergessenen – Ménage à Trois mit Atelier Flou, Parfums de Rosine und 10 Corso Como.


Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein,Kosmetik am 23.09.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Birgit K., Florian L., Wilfried S., Robert W. und Yvonne E. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Die Vergessenen: Bond No. 9 die Zweite – Oudparade.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges,Die Vergessenen.,Duft am 22.09.2011

Gestern waren die Parks dran, die Bond No. 9 in letzter Zeit lancierte, und heute folgen die beiden Oud-Düfte. New York Oud, ein Oudduft, der ausnahmsweise einmal der ganzen Stadt und nicht nur einem Teil gewidmet wurde, ist der neueste Oud-Streich aus dem Hause Bond No. 9, die mittlerweile auch mit dieser trendigen Ingredienz Übung haben: Der dritte Oudduft müsste es sein, wenn ich richtig mitgezählt habe, und davon der zweite, regulär erhältliche. Der Harrod’s-exklusive Swarovski Oud war der erste (und, nebenbei bemerkt, wohl ein absoluter Verkaufsschlager), danach kam Signature Perfume und jetzt New York Oud. Der Einfachheit halber stelle ich Euch heute gleich beide der „normalen“ Kandidaten vor.

Mit dem Signature Perfume wagten sich Bond No. 9 erstmalig mit ihrer offiziellen Linie in (reine) Oudgefilde:

„At Last- a New York Oud. The Arabian Nights come to Noho. To mark the 10-year anniversary of Bond No. 9’s headquarters boutique, we had no choice but to unveil our signature scent, Bond No. 9 Perfume Oud, not for a New York neighborhood, but for our NoHo address—a fixed point in the realm of the senses. So seductive and frankly erotic, we’ve named it for ourselves. As a 30 percent concentration, thereby moving it into a category that’s rare today: pure perfume.“

Ein Geburtstagsgeschenk war er also, der Signature, und hat eine herausragende Position inne: Er scheint der Liebling zu sein, sonst wäre er nicht das Aushängeschild geworden, noch dazu eines in solch einer unverschämt hohen Konzentration – 30% Duftkonzentration, das geht nicht nur als reines Parfum durch, es ist selbst für diese Kategorie ein sehr hoher Bestandteil an Duftstoffen. Die Qualität der Inhaltsstoffe ist hoch, die Quantität nicht: Man beschränkte sich auf Oud, Rosen, Moschus und Tonkabohne.

Das Ergebnis? Anders als erwartet kann ich da nur sagen. Wer an Montales Oudrosen denkt, die düsteren, oder an Czech & Speakes (frühere) Dark Rose ist komplett auf dem (Adler)Holzweg. Ein Gedanke an by Kilians Rose Oud führt uns schon eher in die richtige Richtung… Signature Perfume ist eine überaus sanfte, feminine Oudinterpretation, eine, in der die sonst oft medizinisch-streng anmutende Ingredienz gezähmt ist fast bis zur Unkenntlichkeit – was hier allerdings nichts Negatives verheißen muss. Balsamische und über die Maßen zarte Holznoten, verhaltene Harz-Bitterkeit, die die geschulte Nase das Oud entdecken lassen, in inniger Umarmung mit einer stolzen Rose von taubenetzter minziger Frische und samtiger Fruchtigkeit. Ein überaus passendes Paar, das sich hier auf einem weichen Bettchen räkelt, das von zartem Moschus und mandelig-vanilliger Tonkabohne gestellt wird.

Ich habe lange überlegt, was dieser Duft mit New York gemein hat – alles und nichts, würde ich sagen. Vielleicht ist er die perfekteste westliche Umsetzung eines Oudduftes, lässt er doch den eigentlich kantigen Oudcharakter annähernd komplett verschwinden oder besser: aufgehen in einem urbanen, zeitgemäßen Duft für die moderne Frau, gerne auch Business-Woman. Denkt man hier an Sex and the City, wäre es vermutlich am ehesten der Duft einer Charlotte York, jener bisweilen etwas oberflächlichen, aber doch hoffnungslos romantischen und sensiblen, etwas naiven Mittdreißigerin. Ein exzellent gemachter, schöner und sehr femininer Duft, einer, der häufig geht und für den man sicher viele Komplimente bekommt. Aber einer, der den konventionellen Oudliebhaber vermutlich enttäuschen wird.

New York Oud begibt sich dann wieder in gewohnte Gefilde:

„At Bond No. 9, the Oud has come out of the closet and transformed itself into a smooth, full-throttle New York-centric perfume. What a paradox! Who knew? But then New York is a place where impossible, magical paradoxes come true.“

Eine Vereinigung der Charakteristika – von New York, jener westlichen Metropole, mit Oud, jener arabischen Ingredienz, die sich in der Tat in diesem Duft auch das Gleichgewicht halten. Zuerst aber die Ingredienzen: Pflaume, Safran, Orangenschale, Oud, Rose, Iris, Patchouli, Moschus, Honig, Vetiver.

Von urbanem Dschungel ist irgendwo in der Beschreibung die Rede gewesen – nicht schlecht, nicht schlecht, denn New York Oud ist vermutlich wirklich der perfekten Duft für den Großstadtabenteurer, der durch die Clubs zieht und treffsicher die trendigsten Bars frequentiert. Satte Pflaume zeigt sich im Auftakt, die von Safran gewürzt alsbald in dem Oudtopf untergeht wie in einer Bowleschale. Oud darf hier zeigen, was es kann – der Tiger ist nicht zahnlos… Ein Quentchen medizinische Strenge und Bitterkeit samt ausgeprägten harzigen Holznoten, von einer überaus frischen Rose erhellt, der Patchouli zusätzlich Tiefgang einhaucht. Und ja, der Honig, der süßt – allerdings nicht auf so ausladende Art und Weise, dass Honighasser Reißaus nehmen müssten.

Wem die Byredoschen Ausflüge ins Oudland gefallen haben, der kann hier bedenkenlos testen. Und auch Freunde Montalscher Oudrosen sollten einen Blick auf New York Oud werfen – im Gegensatz zu seinem freundlichen Schwesterlein Signature Perfume findet sich hier der „echte“ Stoff ;)

Kennt Ihr die beiden? Und überhaupt, die Gretchenfrage: Wie haltet Ihr es mit dem Oud?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Blick auf das Empire State Building vom Top of the Rock & Freiheitsstatue von Liberty Island aus gesehen, beides von Daniel Schwen, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Bond No. 9-Kollektion in unserem Shop.

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Die Vergessenen: Bond No. 9 – Die Oudparade im Grünen oder so ähnlich.

Geschrieben in Blüten,Die Vergessenen.,Duft,Fruchtiges,Grünes am 21.09.2011

Einmal wieder habe ich für Euch in der Vergessenen-Schublade gekramt und noch einiges gefunden, dass ich Euch nicht vorenthalten mag: Von Bond No. 9 alleine harren noch drei Düfte der Besprechung – Madison Square Park, High Line und New York Oud, und weils so schön ist nehm ich den ersten Oudduft namens Signature Perfume noch gleich mit hinzu. Beginnen werde ich heute mit den Grünanlagen des Big Apple.

Madison Square Park ist, ich darf mich zitieren:

„Kurz zusammengefasst: Der Park namens Madison Square Park war und ist ein Place-to-be, in ihm saßen Schriftsteller und holten sich Inspirationen, wenn sie nicht gleich Klassiker der Weltliteratur dort verfassten, er ist eingerahmt von tollen Restaurants berühmten Hotels und so weiter. Das alles hat man in ein Parfum gepackt, das eine Mélange aus romantischen Blüten und frischen grünen Noten. Im Auftakt frühlingshaft mit Traubenhyazinthe, Heidelbeere und Präriegräsern wartet der Duft im Herzen mit Tulpen und Rosen auf, die auf einer Basis von dunklem Teakholz und Vetiver ruhen. Der Parfumeur des Duftes ist ein alter Bekannter – Laurent Le Guernec. Und, ich muss es dazu sagen – ich bin zwar absolut kein Flakonsammler, aber dieses knallige Pink finde ich schon ziemlich cool ;)“

Traubig-wässrig präsentiert sich der Duft im Auftakt auch und ich frage mich, ob die Traubenhyazinthe selbst auch im Original fruchtige Gerüche verströmt, vielleicht allerdings ist auch nur meine Nase des Wahnsinns fette Beute, denn anstatt der Heidelbeeren, der schönen züchtigen offeriert sie mir – Nektarine, Pfirsich? Zumindest strahlen mich dieses aus einem beruhigend rosig-tulpigen Bett heraus an – liege ich, liegen wir doch nicht so falsch… Tulpen, ähnlich wässrig-süß umgesetzt wie in Byredos schönem transparenten Tulipe, und minzig-frische Rose, hell und luzide leuchtend in den schönsten Pink- und Rosatönen. Das Teakholz erblasst vor dieser poppigen Schönheit und hält sich ganz Gentleman im Hintergrund, während Vetiver grasgrüne Effekte zaubert.

Ein locker-leichter Frühlingsduft, heiter, beschwingt, dynamisch – in solch einem Park lässt sich’s leben, lässt sich’s leicht arbeiten, schreiben, kreativ sein. Der Duft dazu tut sein Übriges – und ist somit hervorragend dazu geeignet, tagsüber den Frühling mit ins Geschäft zu nehmen, und mit Blühendem für frischen Wind zu sorgen.

Hinter High Line verbirgt sich ein wunderschönes Projekt, von dem ich schon einmal erzählt hatte:

„Die Geschichte hinter High Line ist durchaus bemerkenswert, ist der Duft doch der erste, der einer Bahnstrecke gewidmet ist, allerdings einer sehr besonderen: Die High Line erstreckt sich inmitten des Manhattaner Westens und wurde ursprünglich in den 30er Jahren erbaut, um den Schienenverkehr umzuleiten. Eine Hochbahntrasse, die nun, da sie keiner mehr braucht, innerstädtisch umgenutzt wird: Nach Vorgaben des bekannten dänischen Landschaftsarchitekten und -designers Piet Odouls entsteht ein Park für die Öffentlichkeit. Urbane Tristesse ade, back to Nature ahoi oder so ähnlich. Eine schöne Idee und ein tolles Projekt, dass Bond No. 9 Gründerin Laurice Rahme gerne unterstützen möchte: Sie kreierte den Duft High Line zusammen mit Laurent Le Guernec von IFF, der den Duft als „fun floral in a very modern, industrial way” bezeichnet, ergo einen fröhlichen Floralen in sehr moderner Umsetzung. Die Ingredienzen sind an die im Park vorfindlichen Pflanzen angelehnt: Bergamotte, Purpur-Liebesgras (ja, heißt wirklich so…), Traubenhyazinthe, Rhabarber, Rose, Tulpe, Orangenblüte, ozonische Noten, Aldehyde. Rahme ist dem Verein der Freunde der High Line beigetreten und spendet 4% der Einnahmen aus den High-Line-Verkäufen zur weiteren Begrünung des noch nicht fertiggestellten Parks. Wer sich das Projekt mal ansehen mag und in nächster Zeit nicht nach New York kommt klicke bitte hier.“

Fun-Floral gefällt mir als Bezeichnung irgendwie gut für einen Ami-Duft, obgleich ich diese eher als geeignet für Madison Square Park ansehen würde, vielleicht wegen der Pfirsichfruchtigkeit, die ich dort herausrieche. High Line ist vielmehr modern, ein sauberer, ozonig-luftiger Duft für den smarten jungen Großstädter, und meines Erachtens nach typisch amerikanisch: Dezent grün, subtil fruchtig und verhalten floral mit ein paar Hesperidensprenklern und, wenn ich mich arg anstrenge, auch mit ein paar Fasern fruchtiger Rhabarberherbheit, die im Duftverlauf sogar an Prägnanz gewinnen. Trotzdem ich Rhabarber sehr mag und trotzdem der Duft an und für sich nicht schlecht ist – mir fehlt hier leider ein bisschen das Profil, vielleicht auch die Kanten. Ein frühlingsfrischer Immergeher, ja. Und nett ist er auch – er tut auch nicht weh. Aber vielleicht ist auch genau das das Problem – oder ich habe einfach einen schlechten Tag, wir werden sehen…

In jedem Fall wünsche ich Euch einen schönen Resttag und sende Euch liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Flatiron Building over Madison Square Park von Daryl Samuel, The High Line in Manhattan, New York City at West 20th Street, looking downtown (south) von Beyond my Ken, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie die Kollektion von Bond No. 9 in unserem Shop.

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Die Neuigkeiten 2011…


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