L’Air & L’Eros No. 31.1 und Costume Liquide No. 14.2 von Pierre Guillaume

Erst Ende letzten Jahres begeisterte mich Pierre Guillaume mit Tonka Bodykon No. 31 (nachzulesen hier), heute werde ich Euch mit L’Air & L’Eros No. 31.1 eine olfaktorische Variation des ursprünglichen Tonkabohnenthemas präsentieren. Und als ob dies nicht schon Grund genug für Jubelstürme wäre, gebe ich mit Costume Liquide No. 14.2 auch noch einen Irisduft on top dazu.

Es dürfte frühlingshaft bis sommerlich werden, so viel möchte ich wagemutig prognostizieren, und damit perfekt passend zur aktuellen Großwetterlage, Jahreszeit und meiner beschwingten Stimmung. Und dies, obwohl in unserem ersten Duftkandidaten L’Air & L’Eros No. 31.1 eigentlich ein Gewürz die Hauptrolle spielt, das sonst ja vermutlich eher in der kühleren Jahreszeit zum Einsatz kommen dürfte. Doch kombiniert mit einer der It-Blüten des Frühlings könnten herrliche Summer Vibes evoziert werden … so zumindest in meiner Vorstellung.

L’Air & L’Eros No. 31.1 – Luft und Liebe

Mit L’Air & L’Eros No. 31.1 widmen wir uns nicht nur der Tonkabohne, sondern auch der Luft und der Liebe. Denn an eben diese Redewendung, die im Deutschen gängig ist, könnte das Eau de Parfum angelehnt sein. Doch eine kleine Recherche ergibt schnell, dass „von Luft und Liebe leben“ im Französischen und Englischen nicht in dieser Form zu existieren scheint. Schade eigentlich, denn das mit der Luft und der Liebe als einzige Nahrungsquelle ist irgendwie unglaublich romantisch, oder nicht?

Und doch haben wir es mit L’Air, also der Luft, und L’Eros, dem Begehren oder der Liebe, zu tun in diesem Duft, der laut Pressetext Folgendes sein soll: „Ein balsamischer Blumenduft, der an den ersten lauen Frühlingswind erinnert, der nackte Haut mit seiner Liebkosung erregt.“

Pierre Guillaume – L’Air & L’Eros No. 31.1

Pierre Guillaume nutzt für seine Tonkabohnenvariation den Frühlingsblüher schlechthin und kombiniert ihn mit interessanten Duftnoten: Flieder, Tonkabohne und Kakao sind die Ingredienzien von L’Air & L’Eros No. 31.1 und wie diese drei genau miteinander harmonieren, darauf bin ich sehr gespannt.

Zärtlich wie die Liebe

Bei Düften mit Flieder muss ich ja immer an das wunderbare Frédéric-Malle-Parfum En Passant aus der Feder von Olivia Giacobetti denken – ein herrlicher Fliederduft, in den ich mich vom ersten Schnuppern an verliebt habe. L’Air & L’Eros No. 31.1 wird nun natürlich ganz anders geartet sein, das offenbaren bereits die Duftnoten. Und auch vom deutlich beschwipsten Apfel-Gewürzduft Tonka Bodykon No. 31 dürfte sich die No. 31.1 unterscheiden.

Und so ist es auch: Leicht, transparent und luftig – wie es der Name vermuten lässt – zeigt sich die Kreation von Pierre Guillaume im Auftakt. Der Flieder ist als sanft-floraler und pastelliger Hauch wahrnehmbar und sorgt mit seinen zart-aquatischen Blütennoten für eine frühlingshafte Atmosphäre. Die Tonkabohne harmoniert hier hervorragend mit ihren grünlichen und an getrockneten Heu erinnernden Facetten, die für mich auch cremig-nussige Akzente in sich tragen. Die Kakaonoten nehme ich als solche nicht wahr, doch bringt eine kurze Recherche schnell ans Licht, dass es sich hier um weiße Kakao- bzw. Schokoladennuancen handeln soll und diese finde ich in der milchig-süßlichen Cremigkeit, die L’Air & L’Eros No. 31.1 untermalt, durchaus wieder.

Pierre Guillaume – L’Air & L’Eros No. 31.1

Pierre Guillaume schenkt uns mit L’Air & L’Eros No. 31.1 eine sanfte, zurückhaltende und cremige Blüten-Gewürz-Kombination, die allen gefallen könnte, die transparente, eher hautnahe und leichte Düfte bevorzugen und noch ein alltags- und bürotaugliches Eau de Parfum für die wärmere Jahreszeit suchen, das aber durchaus auch in Herbst und Winter getragen werden kann. Die Betonung der Kreation liegt weniger auf dem Flieder als auf der Tonkabohne, was das duftende Zusammenspiel nicht minder schön macht. Auch, wenn ich die Präsenz eher als leicht bis mittel einstufen würde, empfinde ich die Haltbarkeit als gut. Zumindest im Nahbereich sind die warmen-cremigen Noten des Eau de Parfum auch nach mehreren Stunden noch erschnupperbar. Herrlich! 💜

Costume Liquide No. 14.2 – Iris Super-Ombré

Unser zweiter Duft am heutigen Tage dreht sich um eine Variation der Iris. Costume Liquide No. 14.2 ist nach Iris Oriental No. 14 und dem bei Aus Liebe zum Duft nicht erhältlichen Cuir d’Iris No. 14.1 der dritte Schwertlilienduft im durchnummerierten Portfolio von Pierre Guillaume. Nicht ledrig, nicht orientalisch soll die dritte Iris sein, sondern pfeffrig. So verspricht es jedenfalls der Pressetext.

Pierre Guillaumes dritte Arbeit zum Thema Iris, nach Iris Oriental (eine balsamische Iris) und Cuir d’Iris ist Costume Liquide eine pfeffrige Iris. (…) Ein Duft, der entworfen wurde, um das Selbstvertrauen, die Integrität und Eleganz eines maßgeschneiderten Anzugs zu vermitteln.

Pierre Guillaume – Costume Liquide No. 14.2

Wie ein flüssiger Anzug, maßgeschneidert natürlich, soll Costume Liquide No. 14.2 sitzen. Diese Inspiration setzte Pierre Guillaume mithilfe der Duftnoten Veilchenblätter, Iris, Pfeffer, Pfingstrose und Vetiver um.

Waldspaziergang mit Iris

Kühl, grünlich, fast schon minzig eröffnet der Duft und offenbart so überraschend-frische und waldig anmutende Kräuterakzente, die ich so nicht erwartet hätte. Die Iris pudert leise im Hintergrund und unterstreicht mit ihren sanft-erdigen Noten die krautigen Waldnuancen des Auftakts, während der Pfeffer für eine trockene und zart-prickelnde Schärfe sorgt.

Ein luftiges Strahlen bringt die Pfingstrose in den Duft, fein-süßlich und mit den für sie typisch sanften, dezent wässrigen Noten, die die Kühle der Kreation gleichermaßen besänftigt wie unterstreicht und ihr neue Facetten verleiht. Auch der Vetiver ist nicht unbedingt eine Duftnote, die ein Parfum erwärmt. Seine fein-erdigen und cremigen Nuancen, die wie ein frischer Windhauch durch die Komposition wehen, runden Costume Liquide No. 14.2 von Pierre Guillaume auf wunderschöne Art und Weise ab.

Pierre Guillaume – Costume Liquide No. 14.2

Costume Liquide No. 14.2. von Pierre Guillaume ist ein grünlich-kühler Duft mit sanfter Irisuntermalung, subtiler Pfefferschärfe und einer erfrischenden waldig-kräuterigen Noten. Auch dieses Eau de Parfum gehört zu den luftigen und transparenten Kalibern. Die Präsenz würde ich tatsächlich zwischen leicht und mittel einstufen und die Haltbarkeit ist in meinen Augen ebenso. Ideal für alle, die über den Tag mit Vorliebe mehrere Düfte tragen und morgens gerne zu einer anderen Kreation als am Nachmittag oder Abend greifen. Ein alltags- und bürotauglicher, fast schon sportlicher Unisex-Duft, den ich mir aufgrund seiner Kühle perfekt in der wärmeren Jahreszeit vorstellen kann. 💚

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Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

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