Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Poggio in Fiore – Blühende Anhöhe…

Geschrieben in Blüten,Duft,Tropisches am 19.05.2011

ist der poetische Name des dritten Duftes von vier Düften der La Collina Toscana Reserve-Kollektion, die ich mir diese Woche zur Brust oder besser: Nase genommen habe, um sie Euch vorzustellen. Er besticht laut Hersteller „mit seinen hellen und freundlichen Duftnoten, erfüllt mit weißen Blüten und Vanille.“ Das hört sich heiter und sonnig, aber keineswegs wolkig an würde ich sagen. Bei einem Blick auf die Duftnoten allerdings werde ich trotzdem ein wenig stutzig: Kopfnote: Tiaréblüte, Jasmin; Herznote: Jasmin, Karamell, Orangenblüte; Basisnote: Moos, Vanille – diese lassen vor meinem inneren Auge einige große Fragezeichen zurück. Wir erinnern uns – wir befinden uns in der olfaktorischen Toskana – Tiaré, jene tropische Gardenienschwester? Versprochen wird zumindest mal ein verwegen-ausgefallener Garten, den ich nicht unbedingt bei unseren Bunga-Bunga-Nachbarn verortet hätte:

„Roter Jasmin und Tiaréblüte, aus exotischen sonnendurchfluteten Gärten entführt, verschmelzen mit einer delikaten Herznote aus Jasmin und Orangenblüten, durchzogen von einem Hauch Karamell, um sich in einem Strom aus umschmeichelndem Moos und Vanille hinzugeben.“

Ob nun typisch italienisch oder eben nicht – egal. Ich will kein Pingel sein und stürze mich alsbald lieber auf den Duft, jener ist ohnehin das, was zählt und auch bleibt ;)

Und in der Tat – Poggio in Fiore zaubert sogleich ein Blütenmeer vor mein inneres Auge, entführt mich aber nicht nach Italien, sondern irgendwo in die Tropen: Exotisch präsentiert sich der Duft durch und durch. Voluminöse ausladende Blumen locken mit verführerischem Duft, natürlich überwiegend weißer Natur. Tiaré und Jasmin sind sehr deutlich auszumachen, Orangenblüten stiften wie häufig honigsüße Nektarnoten. Die Vanille aus der Basis zeigt sich einerseits dezent würzig, was zu einem äußerst harmonischen Zusammenspiel mit dem Moosbett führt. Andererseits offenbart sie aber ebenfalls milchige Cremigkeit und Süße, welche von zuckrig-kristallinem und gleichermaßen sahnigem Karamell perfekt ergänzt wird.

Ein Tropenblümchen also mit sommerlich-leichtem, deliziösem Gourmandeinschlag also – und ein sehr hübsches noch dazu. Dieser Tage war ich wirklich verwundert, als ich mir anhand eines Diskussionsthreads in einem Internetforum, dem Beautyboard, Gedanken zum Thema tropische Düfte machte: Gefühlt hätte ich gedacht, dass ich auf eine ganze Menge Düfte komme, die ein Sträußchen exotischer Blüten samt ein paar gourmandigen Akzenten für Naschkatzen enthalten – dem war und ist aber nicht so.

Profumi del Fortes Gute-Laune-Sommerling Vittoria Apuana fiel mir ein, den ich bei Gelegenheit bald mal rezensieren muss: Satt Hesperiden im Kopf und ein äußerst leckeres Vanille-Kokos-Banane-Herz, welches von Tiaréblüten umrankt wird und dank seiner Ambrabasis über warme Würze verfügt.

Dann wäre da noch Anse Turquoise von Manuel Canovas, der schon dank seiner wunderschönen Verpackung (Canovas ist ein französisches Traditionstextilhaus mit Schwerpunkt auf Wohntextilien) ins Auge sticht: Orangene Korallen und rosa-pinkfarbene Muscheln auf einem türkis-petrolfarbenen Grund – heiter-fröhlich transportieren diese Muster bereits Urlaubsstimmung, die Anse Turquoise auch einlöst. Als olfaktorische Umsetzung des Stoffmusters Goa aus der Beachwear-Kollektion des Hauses sieht sich das Düftchen durch jene entlegenen Refugien der Antillen inspiriert und riecht wie der Traumurlaub, den ich so dringend nötig hätte: Spritzig-frische Hesperiden und ein überbordendes Herz voller Tropenblüten auf einer weichen und warmen Basis samt Karamellkrönchen.

Oder Cococabana von Patricia de Nicolaï, dessen Name schon verrät, dass er eine duftende Hommage an Rio de Janeiros Stadtteil Copacabana ist: Üppige Tropenblümchen, Tuberose und Jasmin, und überschwängliche Kokosheiterkeit, fein abgestimmt mit einem cremigen Vanille-Tonka-Duo und einem prickelnden Schuss Agrumenfrüchte in der Kopfnote. Damit machte Madame Nicolaï einmal mehr ihrer Herkunftsfamilie Guerlain alle Ehre und schuf einen herrlichen Tropenduft, mit dem sie den Beweis anstellte, dass Rio nicht nur aus Hinterteilen und Oberweiten bestehen muss ;)

Camille Goutal flitterwochte auf Mauritius und hat jene Tage auf immer olfaktorisch verewigt: Mit Songes, ebenfalls voller Tropenblüher, genauer: Tiaré, Frangipani, Ylang-Ylang und natürlich Jasmin, fein abgestimmt mit Vanille und einer Prise Vetiver.

Danach wird es aber schon schwierig – mir kommt noch Comptoir Sud Pacifiques Aloha Tiaré in den Sinn, Montales Intense Tiaré, Frangipani von Chantecaille und Frangipani Absolute von Ormonde Jayne, Huitième Arts Manguier Métisse und ferner Parfumerie Générales Gardenia Grand Soir, die zumindest teilweise auch zum Thema passt obgleich ihr jegliche Gourmandanleihen fehlen – und da verließen sie ihn oder besser: mich.

Es scheint tatsächlich an derlei Tropenkrachern zu fehlen, ich hätte es nicht gedacht. Wie steht Ihr dazu? Fallen Euch noch mehr ein? Entsprechen jene Düfte Eurer Kragenweite?

Liebe Grüße,

Eure Ulrike, grübelnd.

Bildquelle: The Italian garden, the Lost Gardens of Helligan, Cornwall, UK von Carcharoth, Tiaré Tahiti / Gardenia Taitensis von Hardscarf, beides via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Madame Mecheri…
Eine neue Kollektion…
Duftverzeichnis L – Z


Die Festung der Signoria…

… ist die deutsche Übersetzung von Rocca della Signoria, einem weiteren Duft aus der La Collina Toscana Reserve-Kollektion, der ich diese Woche widme. Als Signoria (Signorie) wird laut Wiki „in der historischen Forschung die Form monokratischer Herrschaftsausübung bezeichnet, die in den Kommunen Ober- und Mittelitaliens zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert weit verbreitet war. Der Begriff bezeichnet dabei die faktische Regierungsform, bei der ein „starker Mann“ (signore) an der Spitze stand.“ Eine Stadtregierung also, wobei sich normalerweise auch die Ratsversammlung, die den Signore samt der Beamten wählte, Signoria nannte.

Bei dieser Art italienischer Polis denke ich an kleine mittelalterliche Städtchen, die von oder vielmehr nach außen wie Trutzburgen von meterdicken Mauern geschützt werden. Und wenn ich schon das Mittelalter mittels meiner überschwänglichen Phantasie romantisiere, kann ich gleich weiter brainstormen: Festung assoziiere ich mit Trutzburg, Sicherheit, Stärke, nicht mit Offensivität, aber mit Standfestigkeit, mit einem festen Bezugspunkt. Ein Heimathafen quasi, der unverrückbar da ist, Geborgenheit ausstrahlt und identitätsstiftend wirkt. Die Hälfte von Euch kringelt sich jetzt sicher auf den Sesseln – was man so als studierter Geisteswissenschaftler für komische geistige Pirouetten dreht…

Allerdings liebe Freunde – das Düftchen löst dieses mir gegebene Versprechen durchaus ein… Zuerst aber einmal die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Sternanis; Herznote: Weihrauch; Basisnote: Hölzer, Zedernholz, Patchouli, Sandelholz.

Rocca della Signoria zeigt in den Kopfnoten hervorpreschenden Sternanis, flankiert von vereinzelt aufblitzenden Bergamottesprenklern von zitrisch-säuerlicher Herbheit. Aus mir wird in diesem Leben kein großer Anisfan mehr – zu sehr erinnert mich jenes Gewürzpflänzlein an das Nationalgetränk der Griechen, Ouzo. Und seitdem einmal Etros Anice, der Traum aller Anisliebhaber, durch Zufall temporär in meinem Besitz gelandet war, kann ich mich beim Tragen von sehr anislastigen Düften des Gefühls nicht mehr erwehren, ich sei in einem großen Fass dieser beliebten Spirituose gelandet. Rocca della Signoria quält mich Gott sei Dank diesbezüglich gar nicht, ganz im Gegenteil: Der Sternanis, vielleicht liegt es am Stern, ist hier mild und von leichter Fruchtigkeit, was von der Zitrusfruchtbegleitung noch untermalt wird – er erinnert mich ein wenig von seinem Auftreten an das tolle Cologne Mirra e Anice Stellato aus der Borsari-Arte-Kollektion, das ich schon rezensiert habe – siehe hier.

Dem prächtigen Anis-Bergamotte-Gespann direkt auf dem Fuße folgt eine rauchig-holzige Trockenheit, die ihre Energie aus der Weite des Weihrauchherzens speist und von der Zeder in der Basis gestärkt wird. Ruhig und kontemplativ, aber sehr bestimmt kreieren die Protagonisten eine gleichermaßen samtig-weiche wie würzige Aura die mich in ihrer Ambivalenz ein bisschen an eine Opiumhöhle erinnert, in der ich natürlich nie gewesen bin: Ein verhangener großer Raum mit dunklem Holzboden und vielen Sitz- oder besser Liegemöglichkeiten aus schweren samtigen Stoffen, in dem sich Licht und Schatten zu einem raffinierten Spiel vermischen unter den Substanzen, die es zu konsumieren gilt und die einem des Diktats der Zeit entheben.

In der Basis erwartet einen eine Wärme, deren holzig-harzige Süße dort eigentlich Ambraanteile suggerieren würde. Alles in allem schaffen die Ingredienzen ohnehin in der Kombination die Anmutung von Karamellnoten, die mich sehr an die ziemlich eigenartigen Karamellnuancen in Serge Lutens’ Douce Amère sowie Etros Etra erinnern (welche ich für eben jene liebe…). Darüber hinaus vermeine ich anfänglich auch pudrigen Kakao über den Duft gestäubt zu bekommen, welcher bei mir Erinnerungen an den Signatureduft des Litauer Modeschöpfers Juozas Statkevicius/Josef Statkus, jenen Schokoweihrauch weckt.

Die Beschreibung von Rocca della Signoria als einer „raffinierter Mischung aus bernsteinfarbenen, orientalischen und würzigen Duftnoten“ wirkt leider ein wenig farblos im übertragenen Sinne, obgleich sie dem Duft bereits eine Farbigkeit verleiht – Bernsteinfarben, was wiederum zu Assoziationen einlädt: Naturtöne, Braun in verschiedenen Nuancen, Goldgelb und Sandfarben kommen mir in den Sinn genauso wie Grau in all seinen Facetten.

Rocca della Signoria ist gleichermaßen ein überaus geerdeter Geselle, der beruhigende und verlässliche Fels in der Brandung genauso wie das stille Wasser, das bekanntermaßen tief gründet, denn in der näheren Betrachtung erwartet einen hier ein durchaus facettierter Duft mit interessanten und klugen Aspekten, welcher eine überaus ausgleichende Wirkung hat und Kraft ausstrahlt. Eigentlich ein bisschen wie der Traummann, den man sich als Frau so wünscht. Insofern – liebe Frauen, hier ist er! Und liebe Traummänner – der passt zu Euch! Was ich damit sagen will: Ein sehr schöner Begleiter, der für beiderlei Geschlechter tragbar ist.

Was die Verwandtschaftsverhältnisse angeht, komme ich nicht umhin außer den oben bereits genannten Düften auch noch jene Riege ins Spiel zu bringen, die mir sehr ans Herz gewachsen ist und die ich unter „Kontemplative Düfte“ ablegen würde: Miller et Bertaux A quiet morning, Hotel Costes 1 (der frühere Signature), Il Profumo Touaregh, ferner auch Corso Como 10 und Montales Greyland sowie natürlich Cristiano Fissores Cashmere for Man, der leider, leider mittlerweile discontinued ist (und von dem ich mir neulich dank der superfreundlichen Hilfe des Vertriebes noch eine Flasche sichern konnte – aber das ist eine andere Geschichte, die unter das Thema „Der Schrecken von Verlustängsten und die damit verbundenen Panikattacken“ fällt…).

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Festung Hohenwerfen von Memorator via Wiki Commons, “A New Vice: Opium Dens in France”, Cover des Le Petit Journal, 05.07.1903 via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Rocca della Signoria in unserem Shop.

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Pfingstrosen…

Geschrieben in Duft am 17.05.2011

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Pfingstrosen…
Mit duftenden Neuigkeiten…
Sottile 1.61…


Eine neue Kollektion…

Geschrieben in Blüten,Duft,Fruchtiges am 17.05.2011

… landete dieser Tage bei uns im Shop, und zwar die La Collina Toscana Reserve-Kollektion aus dem Hause La Collina Toscana. Wem die Firma ihre Inspiration(en) verdankt dürfte wohl jedem klar sein: Nicht nur den idyllischen Hügeln, nach denen sie benannt ist, sondern dem ganzen Landstrich der Toskana, welche sich im Herzen Italiens befindet. Als eine der Haupturlaubsregionen Italiens, aus der nicht nur etliche Weine kommen, die die ganze Welt eroberten, veranlasste die Toskana bereits Profumi del Forte zu olfaktorischen Schwärmereien und steht nun hier einmal mehr Pate für eine Handvoll Parfums, vier an der Zahl um genau zu sein – Poggio in Fiore, Rocca della Signora, Borgo delle Stelle und Loggia dei Mercanti.

Ich hatte bereits früher einmal Gelegenheit, die normale Kollektion von La Collina Toscana zu testen, welche sechs Düfte umfasst (Iris of the Signory, Hillock Sunflower, Belvedere Holm Oak, Maremma’s Tobacco, Oblivion Absinth, Poppy of Cliffs) und habe diese als nette, unkomplizierte Gesellen in Erinnerung, monothematisch zwar und nicht sonderlich komplex, aber durchaus ansprechend – vor allem auch betreffs der Duftrichtungen: Mohn, Absinth und Eiche olfaktorisch umgesetzt gibt es nicht so häufig. Mal sehen, was die neue Kollektion uns bietet…

Borgo delle Stelle, zu Deutsch „Ort der Sterne“ soll „durch seine balsamische, blumige und pudrige Alchemie verzaubern“. Der doppelte Zauberer zeigt sich auf meiner Haut zu durchaus mächtigen Zaubersprüchen imstande: Wo ich ein simples, aber üppiges Blumenbouquet auf einem Vanillebett erwartet hatte, zeigt er sich wesentlich differenzierter, komplexer und sehr viel schöner und pendelt sich bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft auf meinem Arm ein. Eine helle und frische Rose mit fruchtigen Akzenten, welche von Ylang-Ylang verstärkt werden, goldener Honignektar, ein samtenes Iris-Veilchen-Duo als Wächter im Hintergrund und ein Hauch betörend weißen Jasmins. Die ausgeprägte Honigsüße wird von Vanillecreme ergänzt, während dem Ganzen neben der überraschenden Fruchtigkeit eine Art raumgreifende Luzidität innewohnt, die ich nicht besser als mit ein paar aufgeblasenen Worthülsen zu beschreiben vermag. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Noten der seltenen Nagarmotha-Essenz geschuldet sind, welche ich ansonsten vor allem von meinem Liebling Steam Aoud von Montale und seinem Bruder Kanz von SoOud kenne: Auch hier sorgt jenes Gräslein für eine ätherische Frische und Helligkeit, welche von Waldmeisteranklängen begleitet wird und auf ihre eigenartig-einprägsame Weise innerhalb des Duftes strahlend hell leuchtet.

Borgo delle Stelle zeigt sich so als kleiner, aber feiner Stern, vielmehr als Sternenhimmel und ist meines Erachtens nach auch sehr viel mehr als „bloß“ ein neuer Blütenduft. Nietzsche ließ es seinen Zarathustra bereits verkünden: „Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ – Was soll ich sagen? Borgo delle Stelle trägt jenes kreative Chaos in sich, ein dicht gewebtes, gleichermaßen fruchtiges wie florales und waldmeisteriges, welches schillert und funkelt und somit das halbe Firmament sehnsuchtsvoll erleuchtet, mich an Rilkes wunderschönes Gedicht „Sterne“ erinnernd:

Seliger Sterne schimmernde Scharen
Schweben so ferne, blinken so schön;
Aber in blauenden Nächten, in klaren,
Gleiten sie leise von einsamen Höh’n.
Stürzen, von siegender Sehnsucht getrieben,
Jäh durch der Welten unendlichen Raum
Nieder und weben ihr leuchtendes Lieben
Ein in der Blüten keuschen Traum.
Doch wenn im Osten der Tag sich rötet,
Müssen zurück sie, verblichen und matt . . . .
Sahst du denn niemals noch ein verspätet
Sternlein hangen am Rosenblatt?

Die Ingredienzen: Kopfnote: Rose, Safran, Jasmin, Ylang-Ylang; Herznote: Iris, Veilchen, Heliotrop, Nagarmotha; Basisnote: Moos, Sandelholz, Vanille.

Die anderen Düfte der La Collina Toscana Reserve-Kollektion stelle ich in den kommenden Tagen noch vor – bis dahin wünsche ich Euch alles Gute und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Starry Night von magicmarie via stockxchng, Vincent van Gogh (1889): Sternennacht via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier erhalten Sie Borgo delle Stelle von La Collina Toscana in unserem Shop.

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Duftverzeichnis L – Z


Die Schöne und das Biest: Ael-Mat

Geschrieben in Blüten,Die Schöne und das Biest.,Duft,Hesperiden am 16.05.2011

Mariela

Ael Mat ist bretonisch und heißt Schutzengel. Schutzengel in ihrer Funktion als unsichtbare Begleiter und vielleicht auch mal Retter in der Not sind ja an und für sich schon eine schöne Metapher für Parfums; meine Erwartungen, die ich an so einen Namen stelle, sind dementsprechend himmelhoch! Ätherisch und leicht, warm und erhaben stelle ich mir den Duft vor. Um es kurz vorwegzunehmen: ich werde nicht enttäuscht…

Es beginnt mit zitrischen Noten, ohne jedoch an Zitrusfrüchte zu erinnern. Vielmehr sind es Blüten. Bisweilen erinnert es sogar an Akazien, gepaart mit subtil salzigen Noten. Der Duft soll eine Verbindung von Heide und Ozean sein. Warme Kamille paart sich mit einem ganz und gar nicht indolischen weißen Jasmin. Diese Kombination ist einfach zum niederknien, Jasmin wirkt stimmungsaufhellend, Kamille beruhigt und entspannt.

Jasmin

Im Herzen erinnert Ael Mat fast schon an Jasmintee, leicht grün und angenehm lieblich. Die kräuterige Kamille legt sich kokonartig um den Jasmin, ohne ihn jedoch seiner Kraft zu berauben. Moschus spendet weiche Cremigkeit und sorgt für einen warmen, skinnigen Ausklang.

Kamille bei Cloghmore

Der Name des Dufts ist konzeptionell sehr gut umgesetzt, die Ingredienzen passend ausgewählt. Vor allem bin ich ein bisschen über mich selbst erstaunt, dass mir doch tatsächlich ein Duft gefällt, der von Jasmin dominiert wird. Es kommt wohl wie so oft auf die richtige Kombination aller Zutaten an. In diesem Fall ist sie eindeutig gelungen.

Ael Mat ist ein ruhiger, unaufdringlicher Duft, wie geschaffen für Frühling und Sommer. Ich könnte mir vorstellen, dass sich selbst Menschen, die keine Parfums tragen oder mögen mit diesem Duft anfreunden könnten. Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, wie Engel wohl riechen aber dieser Duft wird ihnen sicher gerecht!

Harmen

Lostmarc’h“ wie auch „Ael-Mat“ sind Namen in bretonischer Sprache. Das Bretonische stellt die einzig verbliebene keltische Sprache auf dem europäischen Festland dar und wird, wie so viele Minderheitensprachen, in wenigen Generationen wahrscheinlich völlig ausgestorben sein. Einen kleinen Beitrag zur Sprachpflege und zur regionalen Identität der Bretagne leistet zumindest das Haus Lostmarc’h. Dieses wurde nach einem Strand auf der Halbinsel Crozon benannt, welche wiederum im Département Finistère liegt. „Ael-Mat“ bedeutet „Schutzengel“ und damit deutet der Hersteller auch auf die spirituelle Seite der Bretagne: traditioneller Katholizismus, in dem die Schutzengel ja eine wichtige Rolle spielen, aber auch die mystische Landschaft dieser Gegend wird zitiert: denn dort gibt es beispielsweise Dolmen, Druidentische oder auch Hünengräber genannt, Menhire oder Hinkelsteine, welche unser Comic-Held Asterix bekanntermaßen mit sich herumträgt. Aber auch ganz allgemein wird dieser Landstrich als urtümlich und geheimnisvoll empfunden.

Pointe de la Torche, Finistère 2

Eine frische Meeresbrise an der Küste empfängt uns in Form zitrischer Kopfnoten, welche aber zugleich schon von intensiven, blumigen Noten begleitet werden. „Ael-Mat“ ist nicht sonderlich komplex, aber wie so oft, sind gerade die einfachen Dinge geradlinig und damit auch überzeugend. Für mich ist dieses Parfum der eindeutigste Blumenduft, der mir bislang unter die Nase gekommen ist. Eher kein Herrenduft, aber erfreulicherweise auch kein schwerer, süßer Kracher. Die zitrischen Noten lenken den blumigen Hauptstrom in eine frische Richtung, sodass ich den bretonischen Ael-Mat gerade für frühlingshaft-sommerliche Tage empfehlen kann. Kindliche Unschuld, ein unerschütterliches Grundvertrauen und Geborgenheit sind vermutlich die passenden Stichworte zu unserem Schutzengel. Seht Ihr das auch so?

Fridolin Leiber - Schutzengelbilder

Nächste Woche gibt es hier einen weiteren Lostmarc’h-Duft.

Viele Grüße und frohes Schnuppern wünscht
Harmen

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Auf die Magnolienblüte…

Geschrieben in Aquatisches,Blüten,Duft am 13.05.2011

… warte ich ja jedes Jahr – und versuche dann dem örtlichen zoologisch-botanischen Garten, unserer Stuttgarter Wilhelma, einen Besuch abzustatten. Diese nennt nämlich den größten Magnolienhain nördlich der Alpen ihr Eigen: 70 Bäume, davon 15 noch aus der Zeit König Wilhelms des I., damit über 160 Jahre alt. Etliche dieser Magnolien sind genau so, wie ich sie mir in meiner zugegebenermaßen etwas kitschigen Phantasie für meinen zukünftigen Garten ausmale: Doppelt so breit wie hoch wachsen sie kurz über dem Boden, was einem, legt man sich zur Zeit ihrer Blüte unter einen dieser Bäume, das Gefühl vermittelt, sich mitten im Himmel zu befinden – auf einer zart-rosa Zuckerwattewolke. Scheinbar geht es nicht nur mir so – etliche Magnolienfans pilgern Jahr für Jahr zu der Blüte und die Wilhelma hat mittlerweile eine Webcam-Übertragung auf ihrer Webseite eingerichtet aufgrund der vielen Anfragen, ob sie denn schon blühen, die Magnolien… Dieses Jahr scheine ich für die Magnolien in der Wilhelma noch nicht zu spät dran zu sein, obgleich viele andere schon am Verblühen sind – äußerst kurz währt nämlich das Vergnügen nur, zwei Wochen und das Feuerwerk der Blüten ist vorüber.

Viel länger als zwei Wochen kann man die Pracht von Magnoliendüften genießen – eine wundervolle Möglichkeit den Duft jener anmutigen Blüten ganzjährig um sich zu haben. Zwei sehr schöne und unterschiedliche Kandidaten möchte ich Euch heute vorstellen: Acqua di Parmas Magnolia Nobile und Eau d’Italies Magnolia Romana.

Magnolia Nobile von Acqua di Parma wurde von Antoine Maisondieu kreiert, der sich unter anderem bereits mit diversen Düften für Burberry und État Libre d’Orange sowie Feerie und Muguet Blanc aus der Collection Extraordinaire für Van Cleef & Arpels, Armani Code for Men, Moschino Funny und einigen Düften für Paul Smith sowie Gucci einen Namen machte. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Zitrone, Cedrat (Citrus Medica); Herznote: Magnolie, Rose, Jasmin, Tuberose; Basisnote: Sandelholz, Patchouli, Vetiver, Vanille.

Im Auftakt kitzelt sanft die eher herbe Agrumenauswahl in der Nase, die den Duft alsbald in ein ausladendes Blütenbouquet überführt: Überaus floral und zugleich frisch präsentiert sich Magnolia Nobile gleichermaßen klassisch elegant wie jung (ohne geblieben!), wobei die Hauptprotagonistin auch die unangefochtene Königin ist. Rose haucht minzige Frische ein, während sich Jasmin und Tuberose überaus zivilisiert dezent im Hintergrund halten. Als Gefolge der stolzen Magnolie sind sie Schleppenträgerinnen, unterstreichen somit deren feminine Süße und verleihen dem Duft Tiefe. Die mit Bedacht gewählte Basis samt ihrer üblichen Verdächtigen kreiert ein warmes weiches Bett, auf dem sich das Blütenmeer gekonnt zur Ruhe legen kann.

Maisondieu kann, was er tut – er versteht sein Handwerk, das beweist dieser Duft. Magnolia Nobile passt perfekt zu Acqua di Parma und deren Image: Einerseits ein eleganter Damen (nicht Oma und nicht Madamen!-)Duft, der das Zeug zum Klassiker hat. Andererseits aber eine junge und tragbare Variante eines üppigen Blumenbouquets. Vielleicht nicht für den Teen und auch nicht unbedingt für jeden Twen – ansonsten aber bedenkenlos für jede Frau geeignet, die gerne Frau ist und das auch lebt.

Magnolia Romana entstammt der Phiole von Bertrand Duchaufour und ehrlicherweise ist es mir ein Rätsel, warum dieser Duft so selten Erwähnung findet. Aber zuerst einmal die Ingredienzen: Kopfnote: Basilikum, Zitronenblätter, Zypresse; Herznote: Magnolie, Lotosblüte, Aquatische Noten; Basisnote: Zedernholz, Heu, Weißer Moschus.

Wässrig-aquatische Noten wehen einem im Auftakt um die Nase und erwecken den Eindruck eines nahen Wassers. Ich sage bewusst „wässrig“, denn aquatisch im Sinne der von mir gefürchteten neuen Duftfamilie sind die Noten nicht wirklich und maritim-knarzig auch nicht. Einfach nur ein Hauch Wasser, der in der Luft liegt, und sich perfekt mit der Wässrigkeit der Magnolienblüte und deren subtiler Süße verbindet, die von Lotos untermalt und verstärkt wird. Ein wenig Blattgrün mit zitrischen Sprenkeln rahmt die Blüten ein, während Noten von Heu, sonnengewärmtem, das Bild eines schönen Frühlingstages vermitteln. Zedernholz und Zypresse stiften sowohl holzige Anklänge als auch Sauberkeit, welche von Moschus in der Basis sanft abgerundet werden.

Duchaufour hat hier ein aquarelliges Meisterwerk geschaffen: Die Impression eines mediterranen Urlaubstages in bester Anlehnung an seine genialen Reisedüfte für L’Artisan Parfumeur, und das mit einer so schönen und unprätentiösen Magnolienblüte im Mittelpunkt. Für mich, die ich immer und immer wieder auf der suche nach besonderen Blumen bin, einer der schönsten und untypischsten Blumendüfte, die ich kenne.

Seid Ihr Magnolienfans? Kennt Ihr die beiden Düfte? Welches ist Euer Favorit?

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Magnolienzweig/Magnolienblüte Ostern 2007 in der Wilhelma von Chirak, Magnolienblüten-Close-Up von 4028mdk09, Magnolienblüte von Elmar Ersch, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Pfingstrosen…
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Freitagsverlosung

Geschrieben in Allgemein am 13.05.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns bitte eine Mail bis spätestens Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

In der letzten Woche haben gewonnen: Jan P., Edith Sch., Josefa H., Olaf F., und Gisela Sch. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Die Frühstücksthematik…

Geschrieben in Duft,Gourmand am 12.05.2011

… von gestern greife ich heute erneut mit einem weiteren neuen Duft von Pierre Guillaumes Firma Parfumerie Générale auf: Nachdem Tonkamande bereits besprochen wurde ist jetzt Praliné de Santal an der Reihe, der ebenfalls der Gattung der Gourmanddüfte zuzurechnen sein soll.

Praliné de Santal soll laut Ankündigung ein „powdery-woody gourmand“ sein, demgemäß ein pudrig-holziger Gourmandduft mit Sandelholz, Heliotrop, Haselnuss, Virginia-Zedernholz und Cashmeran.

Frisch auf die Haut – diese Phase erfordere mehrere Versuche, unterschiedliche Tests. Und die Assoziation, die ich jedes Mal habe, ist – Brezel. Butterbrezel. Und weder ich noch derjenige, der da in Ruhe frühstückt, vermag sich für den adäquaten Aufstrich zu entscheiden. Deliziöse Karamellcreme, die ganz hervorragend mit der leichten Salzigkeit des gelaugten Teilchens harmonieren würde. Oder Marmelade, beschwipste Herrenmarmelade, mit Trauben und einem Schuss Edelalkohols. Oder vielleicht gleich der Klassiker: Eine Nuss-Nougat-Creme mit gerösteten Haselnüssen? Daneben könnte noch ein Ingwerbrot stehen, auf diesem reich gedeckten Tisch auf einer blütenweißen Tischdecke, der im Freien angerichtet wurde und in schönstem Sonnenschein der Frühstückenden harrt.

Sanft wehen einem im Aufakt ozonige Noten entgegen, die an eine sachte Brise erinnern. Sofort hält das Salzige Einzug begleitet von der Anmutung von Laugengebäck. Wie einen Blick, den man entlanggleiten lässt, ein Blick, den man über jenen gedeckten Tisch schweifen lässt erscheint einem der Duft. Sorgsam verwebt Guillaume die duftenden Elemente miteinander zu einem dichten Erleben: Frische Brezeln und Laugenwecken gefolgt von Ingwerbrot, feine fruchtig-geleeartige Nuancen, die eine leise Ahnung von Alkoholischem vermuten lassen, sowie Honig, heller, klarer Wiesenhonig, der seine volle Pracht erst in Verbindung mit cremiger Butter entfaltet. Geröstete Nüsse und ein Hauch Kakao, angerichtet auf einer prächtigen Holztafel.

Praliné de Santal lebt von seinen Kontrasten und erinnert mich so ein bisschen an jene in Honig und Salz gekleideten Macadamianüsse, die ich für mein Leben gerne esse, oder jenes Karamelleis mit Salz, das ich letztes Jahr als einziger Cafégast vernarrt jede Woche verschlang: Ein Gourmandduft, der auch den Nerv all jener treffen könnte, die keine Gourmands mögen. Und trotzdem etwas ist für den Gourmand-Connaisseur. Allerdings nicht für den, der ein pappig-süßes Kinderbonbon sucht. Nein, Praliné de Santal vermag es einmal mehr zu zeigen, dass Pierre Guillaume sein Handwerk versteht, nicht nur sein Parfumeurshandwerk, sondern eben gerade auch das Handwerkszeug für Gourmanddüfte beherrscht.

Der Duft erinnert mich zuerst ein wenig an Lutens’ Jeux de Peau, jene Baguette-Hommage, die sich allerdings, sorry, im Vergleich mit Guillaumes Praliné de Santal wie die Arbeit eines olfaktorischen Grobmotorikers ausnimmt: Nicht schlecht gefällt er mir, der neue Lutens, wieder ausgefallener als die letzten seiner Düfte, bei denen ich jene Extravaganz und Einzigartigkeit der jungen Jahre vermisste. Doch ist das Gebäck hier ein wenig zu knarzig, ein bisschen zu dolle, als dass ich es tragen wollen würde. Guillaumes Praliné de Santal ist da ganz anders: In seiner Opulenz und Komplexität (die ich hinter den Zutaten nicht vermutet hätte) steht er in voller Pracht neben Crime Exotique, jenem Glühweinduft, der mir an Weihnachten den Kopf verdrehte – siehe hier -, ist aber transparenter, ja fast schon ätherischer Natur. Und wunderschön malerisch. Deshalb auch der Monet, dessen Stimmung perfekt zu diesem wundervollen Düftchen passen mag.

Viele Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Claude Monet: The Dinner via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier erhalten Sie Praliné de Santal von Parfumerie Générale in unserem Shop.

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Gaumenfreuden…

Geschrieben in Duft,Gourmand,Reines und Pudriges am 11.05.2011

… spendierte uns Pierre Guillaume mit seinem Haus Parfumerie Générale vor nicht allzu langer Zeit erneut mit zwei weiteren, jeweils auf 120 Stück limitierten Gourmanddüften, die bereits mittels ihrer Namen das Herz eines jeden Leckermauls höher schlagen ließ: Praliné de Santal und Tonkamande.

Letzterer stellt betreffs seines Namens eine Kreuzung aus Tonkabohne und Mandel dar, was bereits Rückschlüsse auf die Ingredienzen zulässt: Mandel, Aldehyde, Tonkabohne, Weizen, Ambra.

Auf Cafleurebon konnte man bereits eine kurze Rezension lesen und der Autor dort erinnerte, was mich in dem Zusammenhang gleich wieder schmunzeln ließ, an die Einleitung zu dem bekannten Duftschmöker „Perfumes – The Guide“ von Luca Turin und seiner Lebensgefährtin Tanja Sanchez. Dort war launig geschrieben, dass eine der Fragen, die Frauen ja immer sehr beschäftigen, diejenige sei, welcher Duft denn nun derjenige sei, der Männer um den Verstand bringt, welcher sie quasi willenlos werden lässt. Nach jahrelanger Forschung konnte das Pärchen diese Frage recht einfach beantworten – Bacon, Schinkenspeck.

Ganz abgesehen davon, dass mich einer meiner All-Time-Favoriten, der grandiose Patchouli 24, den die tolle Frau Ménardo für LeLabo schuf, tatsächlich an einen abgehangenen Räucherschinken in einem alten Schwarzwaldholzhaus erinnert, ist das nun gemeinhin nicht unbedingt diejenige Duftrichtung, die man tragen möchte.

Wirft man das Thema Frühstück auf, ist jenes auf den ersten Blick auch eher ungeeignet als tragbares Sujet – auf den ersten Blick… Kaffeedüfte zum Beispiel gibt es einige nette, aber noch viel zu wenige. Brot und Butter hatte eben Lutens’ neueste Kreation zum Thema, auf die ich morgen nochmals zu sprechen kommen werde. Marzipan findet man schon häufiger.

Guillaume zitiert mit beiden seiner neuen Düfte jene Frühstücksthematik, was bei einem Blick auf die näheren Ingredienzen von Tonkamande sofort klar wird: Mandel, Aldehyde, Tonkabohne, Weizen, Ambra – beschrieben als „milky-balsamic aldehydic“. Weizen und Mandeliges – viele Getreidedüfte wollen mir partout nicht einfallen, eigentlich denke ich nur an Lann Ael von Lostmarc’h, jenes milchige Cerealienwohlgefühl.

Frisch aufgesprüht fühle ich mich denn auch sofort mitten in ein Café versetzt, ein lauschiges kleines Plätzchen am Rand in der Sonne, vielleicht sogar auf der Terrasse. Eine Zitronentarte oder Zitronenbaiser steigt mir in die Nase, zarte herb-fruchtige Noten. Auch meine ich Kirschen vernehmen zu können, vielleicht in einem Käsekuchen? Denn milchig-cremig geht es zu, sahnig, kuchenhaft-saftig. Der Duft meines Kaffees steigt mir in die Nase, ein Cappuccino mit sattem Milchschaum, der sich im Luftzug tanzend kräuselt. Von Ferne weht der Geruch frischen Gebäcks herüber – ein Exemplar davon liegt auch auf meiner Untertasse: Ein Marzipankeks, gold-gelb gebacken. Ich habe mir Lesematerial mitgebracht, vielleicht eine Zeitung, ein schönes Buch – und genieße so den Vormittag in der milden Sonne, sehe den Stunden zu, die verrinnen, und bin einfach nur hier, bin einfach nur ich, eingemummelt in, man gönnt sich ja sonst nichts, einem schönen Kaschmirplaid, das mir sanft den Rücken wärmt.

Guillaumes Tonkamande ist ein friedlich-freundlicher Duft mit einem sonnigen Gemüt, der eine entspannend-anregende Wirkung ausstrahlt und sofort Lust macht auf Faulenzstunden im Caféhaus oder ein ausgedehntes Frühstück auf dem hauseigenen Balkon oder der Terrasse, auf Stunden des Müssiggangs in gekonnt-geliebter Langeweile. Vielleicht auch eines Abends in einer lauen Sommernacht – deshalb der schöne Van Gogh, der die Laissez-Faire-Atmosphäre von Tonkamande sehr gut einzufangen vermag.

Zartes Marzipan und Milchcreme, begleitet von ein bisschen Getreide und ein paar anderen Facetten – hört sich so einfach an und riecht doch so reizvoll. Herr Guillaume kann es einfach, diese Gourmands. Deshalb folgt morgen gleich der nächste ;)

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Vincent van Gogh (1888): Caféterrasse bei Nacht via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Parfumerie Générales Tonkamande in unserem Shop.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duftverzeichnis L – Z


Hochebenen im Hochsommer – Acqua di Biellas “Baraja”

Geschrieben in Duft am 10.05.2011

Liebe Freunde, der Sommer ist nicht mehr allzu fern, und auch in den letzten Wochen sind die Temperaturen hin und wieder in beträchtliche Höhen geschnellt. Vielleicht ist es so langsam an der Zeit, sich mit Sommerdüften einzudecken. Ein hier bislang noch nicht besprochener Duft ist Acqua di BiellasBaraja“. Natürlich war ich erst einmal neugierig, was der Name wohl bedeuten mag. Sehr schnell kommt man dahinter, dass es sich bei „baraja“ um das spanische Wort für „Kartenspiel“ handelt. Auf der Herstellerseite hingegen findet man eine andere Erläuterung, weswegen wir das Kartenspiel einfach wieder vergessen können. Baraja ist ein Dialektwort für die Hochebene Baraggia, die u. a. zur Provincia Biella gehört und ein Naturschutzgebiet ist.

Den Duftschöpfern von Acqua die Biella schwebte also genau diese Gegend vor – und wie auf deren Seite weiter zu lesen ist – die wilde Savanne, wo es scheint, als sei die Zeit stehengeblieben, eine Ebene vor dem beeindruckenden Hintergrund der Alpen. Dort wachsen Heidekraut und Wacholder und ein intensiver Geruch von Erde weht durch die Stille dieser ockerfarbenen Landschaft.

Unter dem Eindruck dieses inspirierenden Naturbildes teste ich nun den Duft selbst. Als Inhaltsstoffe wurden im Kopf Zitrone, Zedernholz und Limette angegeben und von diesen wird man auch sogleich empfangen. Ein Duftverlauf macht sich auch nach einer Weile nicht wirklich bemerkbar. Die Herznoten Zimt, Kumin, Kardamom, Muskatnuss und Iris lassen sich für mich eigentlich gar nicht auseinanderbringen. In der Basis wartet würziger Vetiver, Patchouli und Ambra. Ich kann grob gesagt drei Hauptaspekte dieses Dufts ausmachen: eine zitrische Frische, eine starke Würze und leicht holzige Noten.

The sun1

Genau der richtige Duft für einen heißen Sommertag: er ist kräftig, linientreu, frisch und gleichzeitig würzig, kein schüchternes Zitrönchen, sondern eine klare Ansage – meiner Meinung nach eher ein klassischer Herrenduft, der ab 40 sicher souveräner daherkommt als zuvor, keineswegs altmodisch, aber deutlich erwachsen. Da ich meine kindischen Späße noch nicht aufgeben möchte, wird „Baraja“ ein paar Jahre zurückgelegt.

In sommerlicher Vorfreude grüßt
Harmen

Bildquellen: Baraggia von Comune di Candelo – some rights reserved – vielen Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Acqua di Biellas Nummer 1
Hugh Parsons – Piccadilly Circus
Woll-Lust.


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