Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Die Liebe auf den ersten Blick – eine Glaubensfrage…

Geschrieben in Duft,Solifloral am 31.03.2011

… oder etwa nicht? Bei Düften passiert mir so etwas schon sehr viel häufiger, aber trotzdem auch nicht oft. Immerhin springen so etwa ein bis zwei neue Schätze pro Jahr heraus, obgleich ich natürlich immer mehr Düfte kaufe. Eine wirkliche L-I-E-B-E wird natürlich trotzdem nicht aus jedem – mein Herz ist zwar groß, aber wählerisch.

Delrae Roths Coup de Foudre fiel mir dieser Tage wieder in die Hände, nachdem deren neuester Duft bereits soeben erschienen ist und ich diesen bald vorstellen möchte. So wollte ich Coup de Foudre noch vorziehen. Coup de Foudre, die Liebe auf den ersten Blick, ist, wie soll es auch anders sein – ein Rosenduft. Und als solcher der dritte Duft in Folge, den Delrae Roth mit Yann Vasnier zusammen kreierte(n), was mich persönlich immer neugieriger werden lässt. Vasnier ist noch kein alter Hase der Branche, aber mitnichten ein unbeschriebenes Blatt – und die Düfte, die ihm zuzurechnen sind, lassen aufhorchen: Comme des Garçons Series 2 Red Palisander und Rose, etliche Düfte für Divine (die wir gerade dankenswerter Weise wieder in unser Sortiment genommen haben und die ich Euch demnächst auch vorstellen werde), Le Lab Aldehyde 44, darüber hinaus Düfte für die Six Scents, für Marc Jacobs usw.. Wer mag kann hier auch ein tolles (älteres) Interview mit ihm lesen – auf Englisch.

Coup de Foudre ist einer bestimmten Rose gewidmet, der Rosa Centifolia, auch Zentifolie oder Provence-Rose. Jene für ihren intensiven Geruch bekannte Rose zählt zu den sogenannten alten Rosen, die sich in vielerlei Gärten, vor allem auch Bauerngärten großer Beliebtheit erfreuen und seit je her zur Herstellung von Rosenöl, Rosenwasser und Rosenkonfitüre dienten. Jene Art der Rosa Centifolia, die Delrae Roth für ihren Duft verwendeten, ist wohl ein besonders seltenes Exemplar: Zwei Felder in der Nähe von Grasse sind verblieben, auf denen dieselbe angebaut wird – eines davon seit den 20er Jahren in Familienbesitz und Familienbewirtschaftung.

Die Intention, die Idee zum Duft beschreibt Delrae Roth folgendermaßen:

„My objective with Coup de Foudre was to create a perfume that captures the ultimate beauty of the rose, as you find in nature – deep, luscious, fresh and completely intoxicating. So stunning, that when you first smell it, regardless of your previous rose experience, it is love at first sight. I used the famous Rose of May France from one of the two remaining rose fields in Grasse. These rose fields have been tended by the same family since the 20′s and are world renowned. The rose oil was processed in a new way that gives us a raw material of spectacular beauty, and immediate vibrancy – recreating the same experience that you have when you inhale a rose in the garden, and you are totally captivated. The superlative modern rose perfume.”

Da haben sie sich ja einiges vorgenommen: Einen Superlativ kreieren, DAS moderne Rosenparfum. Eine Rose in solch einer ultimativen Schönheit wie sie (nur?) in der Natur vorkommt, reich, tief, frisch und verführerisch. Eine, die einen sofort im Sturm erobert, eben – Liebe auf den ersten Blick oder vielmehr: Riecher.

Und – ich bin mir fast sicher: Den meisten Rosenliebhabern wird es genau so ergehen. Wer Rosen mag MUSS diesen Duft lieben, daran führt kein Weg vorbei. Im Auftakt stieben mir prickelnde Agrumen wie funkelnde Sterne entgegen, in deren Folge sich eine entrückte und berückend schöne Rose zeigt. Vasnier lässt uns an allen ihren Facetten teilhaben: Ihrem zitrischen Perlen, ihrer taubenetzten Frische von grünem Blattwerk gesprenkelt und von Pfingstrose und Magnolie wundervoll im Eindruck verstärkt. Minzige Noten und eine subtile pfeffrige Schärfe unterstreichen ihre beeindruckenden Konturen, bis sie uns im Abgang auf ihre Wurzeln blicken lässt, die in wohlig-weichem sonnendurchwirktem Moos ruhen, welches von einer feinen Süße und einer zarten Rauchigkeit kontrastiert wird.

Was bleibt mir an dieser Stelle viel zu sagen? Rosen sind immer so eine Sache. Ich glaube für viele sind sie eine Love-it-or-hate-it-Geschichte, vor allem wenn sie annähernd monothematisch und solifloral daherkommen, was bei Coup de Foudre der Fall ist. Wen also Röschen immer stechen, der möge hiervon die Finger lassen. Für alle anderen genauso wie für alle Neugierigen sei dieser Duft aber dringend zum Test empfohlen – er ist von wahrer Schönheit und wird sicher, Nomen est Omen, einige Rosenfreunde dazu verleiten, sich Head-over-Heels zu verlieben. Ich für meinen Teil schäme mich gerade bis ins Mark, dass er auf meinem Schreibtisch untergegangen ist. Neugierig bin ich ehrlich gesagt sehr, was uns Herr Vasnier in Zukunft so präsentiert – denn auch Panache, der andere Neuling aus dem Hause Delrae Roth, ist ein echter Kracher, soviel kann schon verraten werden… alsbald mehr meine Lieben ;)

Einen schönen Tag Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Delrae Roth, Rosa X Centifolia von Llez/H.Zell via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier erhalten Sie Coup de Foudre in unserem Shop.

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Die Vergessenen: Parfums d’Orsay Intrigante, Montale Jasmin Full & Fifi Chachnil

Kurz und knackig – Ihr dürftet es wissen, normalerweise nicht meine Stärke ;) Heute werde ich es trotzdem versuchen. Vor einiger Zeit hatte ich bereits die Kategorie der Vergessenen eingeführt, Düfte, zu deren Rezension ich trotz ihrer Aktualität (noch) nicht gekommen war. Von Zeit zu Zeit nun werden jene Schubladen geleert, in denen sich meine duftenden Arbeitsmaterialien stapeln und ich greife einige Düfte heraus, denen ich mich hier im schnellen Überblick widme.

Heute vor und unter meiner Nase: Parfums d’Orsay Intrigante, Montale Jasmin Full und Fifi Chachnil.

Die Intrigante ist ein Teil der Intense-Serie von Parfums d’Orsay, genauer: der vierte Duft derselben nach Le und La Dandy [jawohl!] sowie Le Nomade.

„A bewitching eau de parfum created in the image of the beguiling temptress, who harnesses her charms for ambitious seduction.“

Eine Verführerin ist die Intrigante, wen wundert es – und ewig lockt das Weib… Moschus, Wacholderbeeren, Myrrhe, schwarzer Pfeffer in der Kopfnote, Kamelie, Rose, Nelke, Orangenblüte im Herzen und Sandelholz, Patchouli, weißer Moschus, Vanille und Wildleder in der Basis. … Was soll ich sagen? Wieso habe ich diesen Duft nicht früher getestet? Er hätte mir im Winter sicher Freude gemacht. Ein schöner Damenduft irgendwo zwischen Klassik und Moderne, ich fühle mich an Washington Tremletts Clove Absolute und an die alten Carons, unter anderem meinen Liebling Coup de Fouet. Eine Nelke mit Gewürznelkeneinschlag, floralem Gefolge und einem orientalischen Touch, smooth und samtig, würzig und weich. Ein fein-harziger und sehr gemäßigter Florientale mit deliziösen Wildledernoten, der mich an jene Zeit erinnert, als in den ganzen französischen Etablissements jene vorgeblich fremdländischen Tänzerinnen angesagt waren, zu denen auch Baker gehörte. Bitte vorzustellen: Eine vornehme Femme Fatale mit dezent exotischem Anstrich, Kostüm, hochgeschlossen aber trotzdem männermordend, von gewagten grau-samtigen Wildlederstiefelettchen vollendet. Gefällt mir überraschend gut.

Montales neuester Streich ist Jasmin Full. Nach Full Incense mit seinen 237 verschiedenen Weihrauch-Sorten, diesem harzigen Räucherwerk-Kracher dämmert mir bereits mit dem Namen was mir blühen könnte und in welcher Opulenz. Jasmin, Orangenblüte und Geißblatt sind als Ingredienzen angegeben. Letzteres ist nur die Anstandsdame wie sich von Beginn an zeigt: Irgendwo dahinten könnte es wachsen, stehen, blühen – vielleicht. Ich meine das liebe Geißblatt wahrzunehmen, die Gouvernante, was aber auch daher rühren mag, dass ich bereits gelesen hatte, das ich es in dem Dufte finden muss. Ansonsten hat es mit zwei gar unbändigen pubertierenden Mädchen zu tun, die sich gerade in die Blüte ihres Lebens hineinbegeben. Ein Lolitazwilling aus weißen Blüten, von tropisch-cremiger Süße, dicht, narkotisch, betörend und gefährlich wie ein Sedativum, welches einem zuerst die Sinne und dann die Kontrolle raubt. In meiner Nase und auf meiner Haut aber auch indolisch, leider. Hier wedelt einem kein wie auch immer gearteter Lakai Blattwerk ins Gesicht, um wieder zu Atem zu kommen – Grün sucht man hier vergeblich. Insofern sollte man schon ein großer Freund von Weißblühern sein. Wenn man sich zu diesen zählt allerdings kommt man naturgemäß voll auf seine Kosten.

Fifi Chachnil – die amerikanische Unterwäschekönigin. Zusammenarbeit mit Pierre et Gilles, na klar. Und Pin-Up-inspirierte Dessous wie bei Agent Provocateur, dem französischen Pendant des Westwood-McLaren-Sprösslings Ferdinand Corre. Das eine oder andere 50ies-Teilchen ist sicher nicht übel, die mit den ganzen Rüschchen und dem Tünnefkram überlasse ich persönlich, obgleich schöner Unterwäsche nicht abgeneigt, aber lieber Dita von Teese. Der Signature aber von Madame Chachnil, den gebe ich nicht mehr her – und dabei hören sich die Noten so simpel an: Kopfnote: Zitrische Noten, Mandarine, Koriander; Herznote: Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Ambra, Tabak. Ein soo schöner Boudoir-Duft meine Damen! Ich rieche Zitronenbaiser, Puderquasten und Lippenstift, nebst einer eloquenten Femme Fatale mit Gauloises im Mundwinkel und Pfeffer im adrett verpackten, eine samtige Weiche verströmenden Hinterteil. Und hat sie da nicht noch ein Ledergertchen in der Hand, die seidig Verpackte auf ihren Stilettopantöffelchen? Und dann noch dieser Flakon, dieser überaus passende, ein wenig kitschig anmutende, aber überaus entzückende. Hach. Gott ist eine Frau. Ganz bestimmt. Und ich höre für heute auf.

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Histoires de Parfums – 1873 – Colette

Geschrieben in Blüten,Duft,Gourmand,Hesperiden am 29.03.2011


Colette

Viele Parfums sind von Geschichte geradezu umwoben, atmen historische Ereignisse oder blicken selbst auf eine lange Vergangenheit zurück. Man denke nur an alte Häuser wie Houbigant, Caron oder auch an die mit historischen Persönlichkeiten verknüpften Düfte wie Borsaris Violetta di Parma und viele mehr. Gérald Ghislain, der Mann hinter Histoires de Parfums, hat nun aber die Geschichte mit ihren herausragenden Persönlichkeiten selbst zum Konzept erhoben und einigen von ihnen einen Duft gewidmet. Die Umverpackung im Buchformat versinnbildlicht eine Bibliothek der Düfte, und ich habe mich entschlossen, heute 1873 – Colette aus dem Regal zu ziehen. Sidonie-Gabrielle Claudine Colette, schlicht Colette genannt, wurde 1873 in Burgund geboren, und damit haben wir auch diesen Teil des Namens geklärt. Mit nur 16 Jahren begab sie sich in eine verhängnisvolle Ehe mit dem Schriftsteller und Salonlöwen Henry Gauthier-Villars, welcher in Kürze ihr Schreibtalent entdeckte. Unter seinem Pseudonym veröffentlichte sie nun äußerst erfolgreiche autobiographisch gefärbte Romane, und als es schließlich zur Scheidung kam, verblieben die Autorenrechte natürlich beim untreuen Ehemann. Es folgte eine wilde Zeit, in der sie Beziehungen zu Frauen unterhielt und als Varietékünstlerin im berüchtigten „Moulin Rouge“ auftrat. 1910 gelang ihr endlich der literarische Durchbruch mit ihrem preisgekrönten Roman „La Vagabonde“. In dieser Zeit verstarb ihre Mutter, zu der sie immer eine sehr enge Beziehung gehabt und der sie zahlreiche Briefe geschrieben hatte. Vermutlich aus Zorn darüber, dass sie nicht zu ihrer Beerdigung erschienen war, verbrannte ihr Bruder die etwa 2000 Briefe an die Mutter. 1912 heiratete Colette den Chefredakteur der Tageszeitung „Le Matin“, für die sie als Journalistin arbeitete. Es folgten weitere äußerst populäre Romane wie ihr bekanntestes Werk „Chéri“, thematisch wohl ein Vorläufer von „Die Reifeprüfung“, „Le Blé en herbe“ (1922) schlug in die gleiche Kerbe – junger Liebhaber, ältere Frau – und sorgte für einen derart handfesten Skandal, dass der Abdruck im Feuilleton von „Le Matin“ abgebrochen werden musste. – Vielleicht erst einmal so viel fürs Erste. Was mag nun hinter dem Duft stecken, der sich auf ein so bewegtes Leben bezieht?

Colette

Los geht es reichlich zitrisch, und ich würde sagen, dass die Orange neben Zitrone und Mandarine die Hauptrolle spielt. Maiglöckchen und Lavendel, die ebenfalls in den Duftnoten zu finden sind, kommen nicht sonderlich zur Geltung, verhelfen dem Duft aber dazu, nicht allzu sehr ins Süßliche abzugleiten, denn auch Vanille und Karamell halten eine gewisse Zuckrigkeit bereit. Wer sich eine ganz prosaische Vorstellung machen möchte, denke an ein „Nimm2“-Bonbon mit einer Wendung ins Blumige und einer ganz leichten Anspielung an Kräuter.

Jetzt bin ich gespannt, wie meine Haut – das Schwarze Loch für Kopf- und Herznoten – reagiert. Und wie gewohnt kommen auch hier wieder die Basisnoten stärker zum Vorschein, die vanillig-karamelligen Noten, auf dem Duftstreifen noch im Zaum gehalten, tragen nun eine süße Schwere auf, sicherlich ist das auch dem Helfer Moschus anzulasten.

Mein Fazit: Hallo!? Die gute Frau Colette unterhielt im tiefsten Patriarchat Beziehungen zu diversen Männern und Frauen, zu denen sie sich auch offen bekannte, so etwa Affären mit Natalie Barney, Josephine Baker, Gabriele d’Annunzio und auch zu ihrem Stiefsohn Bertrand de Jouvenel; sie verhalf ihrem jüdischen Ehemann während der Nazizeit zur Flucht, gilt mit ihren rund 50 und zum Teil mehrfach verfilmten Romanen als eine der größten französischen Schriftstellerinnen aller Zeiten und wurde als erste Frau in Frankreich überhaupt mit einem Staatsbegräbnis geehrt. Da kann man doch einen Schlag auf den Gong erwarten! Der Duft ist außergewöhnlich, keine Frage, aber das ist ja ohnehin die Messlatte für unsere Düfte. Eine ganze Ecke verruchter und skandalöser hätte er schon sein dürfen. Mehr Magdalena, weniger Madeleine bitte. Wer aber die ganzen Colette-Assoziationen über Bord werfen mag, ein großer Freund von zitrischen Noten ist sowie Gourmanddüfte bevorzugt, muss hier auf jeden Fall das geneigte Riechorgan ausfahren. ;-)

Historische Grüße von
Harmen

PS: Kopfnote: Zitrone, Mandarine, Zitrische Noten; Herznote: Orangenblüte, Maiglöckchen, Lavendel; Basisnote: Vanille, Moschus, Karamell

Bildquellen: Colette von Chico, Colette von Pimbrils – beide Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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Die Schöne und das Biest: L’Hêtre Rêvé

Geschrieben in Die Schöne und das Biest.,Duft,Holziges am 28.03.2011

Mariela

L‘Hêtre Rêvé aus dem Hause Nez à Nez, jener noch recht jungen Parfum-Manufaktur aus Paris, startet sehr würzig. Es erinnert mich sofort an eine Duftschale, die ich gerne mal in der Vorweihnachszeit herrichte. Mit dabei sind Sternanis, ein paar Zimtstangen und Mandarinen mit aufgepieksten Gewürznelken. Das sind alles Ingredienzen die man auch in L’Hêtre Rêvé findet.

oranges with cloves

Kopfnote: Sternanis, Mandarine, Zimt, Gewürznelke Herznote: Sandelholz, Vetiver, Patchouli, Pflaume, Zedernholz, Guajakholz, Jakaranda, Baisnote: Moschus

Sternanis ist dabei der herausragende Kandidat in der Kopfnote, jedoch ist er auf ein weiches Zimtkissen gebettet, das die typische Anisnote abmildert. Mandarine und Pflaume sorgen für eine gewisse Saftigkeit, was bei mir gleich die Erinnerung an Früchtepunsch aufkommen lässt. Eindeutig das falsche Wetter und die falsche Jahreszeit, um diesen Duft zu rezensieren! Es ist schließlich strahlender Sonnenschein und der Frühling ist nicht aufzuhalten. Patchouli gesellt sich dazu und vermischt sich auf sehr angenehme Weise mit den Gewürzen. Die Hölzer fügen sich harmonisch ein, drängen sich nicht in den Vordergrund und Moschus rundet ab, überzieht alles mit einer pudrigen Aura.

Nur, was wollen sie uns eigentlich mit diesem Namen sagen? L‘Hêtre Rêvé, die geträumte Buche: das klingt sehr nach Naturfreunden und romantischem Idyll. Der Name ist gleichzeitig aber auch als Wortspiel L’Être rêvé, das geträume Sein zu lesen. Das Interpretieren dieser Zweideutigkeit überlasse ich für heute mal Euch. Wie schon bei Ambre à Sade erkenne ich auch hier keine wirklich einleuchtenden Konzepte hinter der Namensgebung. Eindeutig aber ist L’Hêtre Rêvé ein traumhafter Winterduft, der frühstens bei der nächsten Schafskälte oder den kommenden Eisheiligen wieder aufgesprüht wird!

Buche

Harmen

Der heutige Name gibt erst einmal Rätsel auf. Übersetzt würde er etwa „Die geträumte Buche“ bedeuten, aber nach einiger Recherche fand ich heraus, dass es sich um ein Wortspiel handelt. Da im Französischen das H nicht ausgesprochen wird, könnte man den Namen gesprochen auch als „l’Être Rêvé“ verstehen, ungefähr „Das geträumte Sein“ oder „Das geträumte Wesen“. Jedenfalls befinden wir uns in der Welt des Träumens, wahrscheinlich in einem Buchenwald voller Traumwesen. Die Werbeanzeige von Nez à Nez unten verspricht in jedem Fall eine Fülle an Holz, und ich darf gespannt sein, ob dieser Duft meinen Geschmack trifft, nach dem Walderdbeertrauma von letzter Woche.

Auf dem Duftstreifen geht es ziemlich holzig los, kein Wunder schaut man in die Duftnoten: gleich dreierlei Hölzer nämlich Sandelholz, Zedernholz und Guajakholz lassen sich dort finden. Gleichzeitig aber auch frisch, wofür wahrscheinlich Vetiver oder Sternanis verantwortlich sind. Eine deutliche Süße schwingt ebenso mit, welche die Trockenheit des Holzes unterbindet, ob diese allerdings der Mandarine, der Pflaume oder gleich dem Moschus zuzuschreiben ist, kann ich nicht sagen, denn der Duft präsentiert sich recht rund. Deswegen haben wir es hier auch nicht mit einem Kracher zu tun, der die Geister scheidet. Ich finde ihn recht konventionell und meine, dass es auch einen Mainstream-Damenduft gibt, der stark in die Richtung von „l’Hêtre Rêvé“ geht; meine Damen, vielleicht hilft mir jemand auf die Sprünge.

Ganz klar ein Duft für die Damenwelt, für Herbst und Winter, kommt er doch vor allem auf der Haut relativ schwer und auch süßlich daher. Ein absolut alltagstauglicher Duft, der eine ganz andere Richtung als „Ambre à Sade“ einschlägt. Von den quietschebunten Walderdbeeren im Sommer zu einem dunkleren und herbstlichen Wald, der den Spätsommer aber noch nicht ganz vergessen hat.

Frohes Testen und viele Grüße von
Harmen

Bildquellen: oranges with cloves by bradleygee, on Flickr, Buche by Roberto Verzo, on Flickr, Produktbild vom Hersteller

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Einem hellen und klaren Morgen…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Solifloral am 25.03.2011

… widmeten die Rosenzüchter von Meilland 1960 eine ihrer neuesten Kreationen, was derselben zu ihrem Namen verhalft: Clair Matin. Man möge es mir nachsehen, das sage ich gleich – ich habe von Rosenstöcken keinerlei Ahnung. Ich habe mir immer einen Garten gewünscht. Und ich bin mir sicher, dass ich irgendwann zum fleißigen Gärtner mutieren werde, früher oder später – Schrebergartenanwandlungen gab es schon bei mir spinnertem, sich nach Ruhe und Behaglichkeit sehnenden Städter und, ja, vielleicht auch: Schwaben ;) Und dann, dann werde ich auch einen Rosengarten haben, in dem ich fein werkeln kann und mich verwirklichen.

Meilland ist, nach einer kurzen Recherche, eine imponierend große Firma, die sich in der Tat auf das Züchten und den Verkauf von Rosen spezialisiert hat und ihrer Internetseite zufolge damit Millionenumsätze generieren. Ein Familienunternehmen in sechster Generation, dass im Jahr mehrere Millionen Rosenstöcke verkauft, darunter auch jene der Sorte Clair Matin. Diese ist, wie man den Quellen entnehmen darf, eine moderne Kletterrose, die sich in Höhen von 2 bis 3 Metern schwingt. Von ausladendem Wuchs und ein üppiger Dauerblüher hat sie zartrosafarbene, zum Teil ins lachsfarben gehende Blüten mit goldgelbem Blütengrund, die einen Durchmesser von 4 bis 6 Zentimetern an den Tag legen. Das Laub der nur schwach duftenden Clair Matin ist von dunkelgrüner Färbung, glänzend und widerstandsfähig.

Marie-Hélène Rogeon, die Dame hinter Les Parfums de Rosine, zollt nun dieser Rose Tribut und kreierte eine Hommage an die Clair-Matin-Rose – einen gleichnamigen (limitierten) Duft. Rosen und Rosine sind ja eh nichts Neues, hat sich dieses Haus doch ganz diesen Blumen verschrieben. Die Clair Matin-Rose scheint aber für Rogeon etwas ganz Besonderes zu sein: Sie war die erste Rose, die Rogeon in ihrem Rosengarten in Picardie pflanzte.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Himbeerblätter, Zitrone, Schwarze Johannisbeere; Herznote: Kamille, Veilchen, Türkische Rose, Pfingstrose; Basisnote: Moschus, Aprikose, Sandelholz, Ambra.

Im Auftakt zeigt sich Clair Matin vornehmlich grün und frisch – fruchtiges Blätterwerk und für mich eher geraspelte Hesperidenschalen als Zitrone, mit einer feinen Prise Süße ausgestattet. Jene Frische führt hinüber zur Hauptprotagonistin: Einer schönen zierlichen Rose, die von nun an die führende Rolle spielt, allerdings abwechselnd eingerahmt von unterschiedlichen Begleitern. Im Herzen sind das größtenteils zwei: An Kräuter gemahnende und verhalten bittere Akzente neben quirlig-obstigen Aldehydanklängen, in die sich beruhigend die Kamille mischt. Diese gaukelt mir bisweilen chypriert-moosige Noten vor – Euch auch? Pfingstrose, jene von mir so geliebte Blume, gesellt sich präsent hinzu und vollendet auf reizende Weise das Herz des Duftes. Dessen Fruchtthematik wird von der Basis erneut aufgegriffen, die sanfte Pfirsich-Aprikosennoten offeriert und den Duft von seiner frisch-grünen Seite in eine warme sonnige Ecke zieht, die mindestens ebenso gut mit seinem floralen Rosencharakter harmoniert und sich bestens in den restlichen Duftverlauf einfügt.

Für mich fängt Clair Matin – ohne die zugehörige Rose zu kennen – eben genau einen solchen perfekt ein: Einen klaren und hellen Morgen mit einem blauen Himmel, einen Sonnenaufgang über einem taubenetzten Rosengarten. Die dazugehörige Frische. Die sich auch auf den Betrachter ausdehnt, der nach einem Blick auf das Szenario die Arme streckt, herzhaft gähnt und erst einmal in Ruhe tieeef durchatmet. Den Frieden genießt. Und sich von der aufgehenden Sonne leicht die Haut wärmen lässt.

Clair Matin ist ein frischer, bisweilen grüner und durchgängig fruchtiger Rosenduft, der auf einer warmen Basis ruht, die seiner Frische aber keinerlei Abbruch tut, ganz im Gegenteil diese aufs Vortrefflichste unterstreicht. Wir haben es hier wie bei der gleichnamigen Rose, die ihr auf den Fotos seht – ich habe extra nach der Clair Matin gesucht – nicht mit einem Spring-ins-Feld-Duft zu tun: Das ist keine Diva, die großer Aufmerksamkeit bedarf. Vielmehr eine zurückhaltende Schönheit, die sich ihres Selbst bewusst ist und die nicht des ständigen Daseins in Mittelpunkten bedarf, um ihre Mitte zu finden und zu haben.

Aber eine, die ihre Frau steht. Was hier als Eau Fraîche daherkommt muss sich vor keinem Eau de Toilette verstecken – die Haltbarkeit auf meiner Haut ist enorm und auch ob der Intensität kann ich mich nicht beklagen.

Habt Ihr schon getestet? Wie gefällt sie Euch, die neue Rose?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rosa Clair Matin von Matin Meilland via Wiki Commons, Les Parfums de Rosine Clair Matin, Claude Monet (1913): Les arceaux de roses, Giverny via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Clair Matin in unserem Shop.

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Fremdgegangen…


Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 25.03.2011

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche so auch diesen Freitag unsere Freitagsverlosung: Fünf Probenpakete möchten sich auf den Weg machen – wer eines empfangen möchte, schreibt uns eine Mail bis Sonntag 24.00 an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben Namen und Adresse einen Duft, den wir diese Woche hier im Blog rezensiert haben. Viel Glück!

Darüber hinaus kommt natürlich noch, wie jeden letzten Freitag im Monat, ein ganz spezielles Präsent zur Verlosung. Diese Woche gibt es Kennenlern-Set von StriVectin zu gewinnen – es lohnt sich!

In der letzten Woche haben gewonnen: Heike F., Denise B., Magdalena N., Almut V., Malte S. – herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Testen!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

wünscht euch

Euer duftes Team

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Wer A sagt…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Solifloral am 24.03.2011

… muss auch B sagen. Oder könnte es zumindest – und ich tue es heute hiermit. Gestern hatte ich Euch schon in meiner Goutal-Rezension zu deren neuestem Duft Le Mimosa erzählt, dass mein Herz an einer anderen Mimose hängt – an L’Artisan Parfumeurs Mimosa Pour Moi. Dieser wurde 1992 von Anne Flipo kreiert und ist damit einer der älteren, sich noch im Sortiment des Ende der 70er Jahre gegründeten Hauses befindlichen Düfte.

Mit Blümchen umzugehen – darauf versteht sich Madame Flipo: Eine ganze Reihe der L’Artisan Parfumeur-Blüten gehen auf ihr Konto, darunter die ikonische Iris Pallida sowie die restlichen limitierten Blumeneditionen, Fleur de Narcisse und Fleur d’Oranger (die ja dieses Jahr wieder aufgelegt werden – und diesmal auch in „klein“, ergo in 50ml!), darüber hinaus La Chasse aux Papillons (auch die Extrême-Variante), Ananas Fizz, Verte Violette und Œillet Sauvage. Darüber hinaus war sie bereits für Boucheron, McQueen, Armani, Paco Rabanne, Porsche, Sonia Rykiel, Yves Rocher (der im übrigen oft exzellente Parfumeure verpflichtet), YSL und andere tätig – eine lange und vor allem auch vorzeigbare Liste, die die bei IFF tätige Parfumeurin da vorzuweisen hat.

L’Artisan Parfumeur, die im übrigen auch eine neue Webseite haben, wie ich gerade entdeckt habe, beschreiben Mimosa Pour Moi folgendermaßen:

This creamy and radiant scent is another one of Anne Flipo’s delicately rendered floral portraits, this time lying under a tree laden with the highly fragrant yellow flowers that embody holidays on the French Riviera. Capturing the green stems, the leaves and the silky vanillic beauty of the flowers themselves, this is indeed a Mimosa to make your own.

Damals, daran kann ich mich bestens entsinnen, stand da noch etwas anderes – Urlaub und Urlaubserinnerungen, ja. Aber auch etwas von einer Capriofahrt an der französischen Riviera, gesäumt von den leuchtend gelb blühenden Mimosensträuchern.

Meine frühere Assoziation zu Mimosa Pour Moi hatte ich bereits im Rahmen einer Frühlingsdüfte-Rezension mit Euch in Kürze geteilt, ich zitiere mich einmal selbst:

Mimosa pour Moi ist ein weiterer meiner Frühlingslieblinge. Und läßt mich immer sentimental werden. Denn er erinnert mich an eine Szenerie aus den besten Teeny-Jahren: Bei perfektem Wetter verdammt verliebt am Baggersee, samt roter Luftmatratze und Picknickkorb mit Wassermelone sowie, nicht lachen – Ed von Schleck. Erinnert sich noch wer? Dieses rot-weiße Eis, Vanille mit Erdbeer war es glaube ich… Auf jeden Fall erinnert mich Mimosa pour Moi an unbeschwerte Jugend. L’Artisan Parfumeur gibt für den von Anne Flipo kreierten Duft Mimose (Blüte, Blätter und Stengel), Veilchenblätter und schwarze Johannisbeerknospen an – meine Nase riecht da aber noch viel mehr: Wassermelone oder vermutlich eher Honigmelone rieche ich samt gurkig-wässrigen Anklängen darüber hinaus. Und das alles macht Mimosa pour Moi für mich zu einem ganz unwiderstehlichen Düftchen.

Diese meine Gedanken zu Mimosa Pour Moi kann ich immer noch nachvollziehen – obgleich ich, wie ich gestehen muss, obiges (leider?) nie erlebt habe ;) Mimosa pour Moi heute unter die Nase geklemmt, lässt mich auf ähnliche, wenngleich doch etwas anders geartete Gedanken kommen. Nach wie vor ist die Firma sparsam mit den Angaben zum Duft – Johannisbeere, Veilchenblätter, Mimose – das ist natürlich längst nicht alles, was einem da entgegenweht: Dahingehauchte Säuerlichkeit von dunkelrotfastschwarzen Johannisbeeren erstreckt sich hier neben, ja meine Damen und Herren, sie ist da – eine Melone. Eine kleine knackige und feste, dezent mehlige Honigmelone mitsamt der ihr genuinen speziellen Süße, die die Hauptprotagonistin, jene zarte Mimose sanft einrahmt. Veilchenblätter umranken das Stillleben, die eine samtene ruhige Unaufgeregtheit ausstrahlen. Irgendwie vermeine ich auch einen Hauch Iris zu erwischen in jener sehr subtilen Pudrigkeit, die wie ein Schleier über, vielmehr hinter dem Geschehen liegt – dies mag aber dem Fakt geschuldet sein, dass Iriswurzel in der Tat einen veilchenhaften Geruch verströmt. Gebettet sieht sich der Duft auf einer weich getupften Basis – ich würde auf eine Spur Vanille oder Tonka tippen sowie auf Moschus und vielleicht ein paar Hölzer, so habe ich die Noten bei uns im Shop auch angelegt.

Mich lässt Mimosa Pour Moi heute, an diesem frühlingshaften Tag, an Sagans Bonjour Tristesse denken, jenen Skandalroman der Fünfziger, und das ihm anhaftende Côte d’Azur-Flair, das typisch französische, leicht unterkühlte, seltsam traurig wirkende, aber auch auf sonderbare Weise Leichtigkeit verströmende.

Möchte man etwas von diesem Flair schnuppern, kann man sich natürlich sicherlich den einen oder anderen Franzosenfilm ansehen – seien es nun die neueren Datums oder die der alten Meister wie Tati, Melville oder den Regisseuren der Nouvelle Vague – die Preminger-Verfilmung von Sagans Klassiker aus dem Jahre 1958 ist und bleibt auch heute noch sehenswert. Vielleicht ja was für diejenigen Abende, die uns noch nicht nach draußen locken? Mimosa Pour Moi ist es auf jeden Fall – für mich nach all den Jahren immer noch ein Traum dieser Duft!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Mimosa Colombe d’Or Saint Paul de Vence von Jebulon, Le Village de Bormes-les-Mimosas en France von Richard Gertis/Ttog, Bronzeurs/Sunbathing at Swimming Pool von Lachy/Max Rebo Band, alles via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Mimosa Pour Moi in unserem Shop.

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Eine Mimose…

Geschrieben in Duft,Fruchtiges,Solifloral am 23.03.2011

… ist der Star des neuen Duftes des Hauses Annick Goutal, Le Mimosa, und wie so oft entsteigt er der bekannt-bewährten Phiole der Parfumeurin Isabelle Doyen, die für einen Großteil der Düfte verantwortlich ist. Mimosen – wer kennt sie nicht, vor allem auch aus dem freundlichen Gebrauch der Umgangssprache. Diese hat jenen stacheligen Halbstrauch mit seinen empfindlichen Blättern und leuchtendgelben Blüten, welcher auf Berührungen und Temperaturschwankungen mit sofortigem Rückzug reagiert, gerne für sich adaptiert – seither dient das Wörtchen als Bezeichnung für empfindliche und/oder übersensible Menschen, gerne und vor allem Frauen.

Dabei tut man manchem Mimöschen vielleicht unrecht, wie ich einst bei der Lektüre eines Ringelnatz-Gedichts dachte, welches ich bis heute nicht eindeutig zu verstehen weiß:

Jene Große
Weil jeder sie so entzückend
Grün und natürlich fand,
Ging die große Mimose
Von Hand zu Hand.
Und ging und lebte, ward müde und schlief,
Und ward herumgereicht.
Und wünschte sich vielleicht – vielleicht! -
Ganz tief,
So unempfindlich zu sein
Wie ein Stein.
Und wie sie trotzdem wunderbar
Organisch grün und wissend klar
Gedieh,
Umschwärmten, liebten, achteten sie
Die Menschen und die Tiere,
Merkten aber fast nie,
Daß sie keine Rose,
Daß sie eine große Mimose war.

Was bei aller Kunderaschen leichten Melancholie oder melancholischen Leichtigkeit nicht vergessen werden darf, ist, dass die Mimose eine (sonnen)strahlengelbe Blüte hat und somit auch schon seit je her ein Bote der Fröhlichkeit war. Zu diesem Thema sei gesagt, dass ich während des Verfassens dieser Rezension auch lauthals loslachen musste, als ich den zweiten Namen der Mimose erfuhr – wusstet Ihr, dass sie auch als schamhafte Sinnpflanze bezeichnet wird?

Wie riecht denn aber nun Mimose, die schamhafte? Eine echte hatte ich ehrlicherweise lange nicht mehr vor oder besser unter der Nase. Und was Parfums angeht gibt es auch nur wenige monothematische Mimosendüfte auf dem Markt, mir fallen spontan ein: Czech & Speake Mimosa, Mimosaique von Patricia de Nicolaï, Christiane Celle Calypso Mimosa und L’Artisan Parfumeur Mimosa Pour Moi, welchen ich auch mein Eigen nenne und auch sehr liebe – dazu bald mehr… Vielleicht führt diese Liebe, die im übrigen eine langjährige ist – Mimosa Pour Moi war mein, mmmhhh, dritter? Nischenduft – dazu, dass ich Mimose nicht mehr unvorbelastet angehen kann. Und es auch sehr schwer ist für einen Duft, jene eine von ihrem imaginären Thron zu stoßen oder von ihrem Platz aus meinem Duftregal zu fegen… Egal. In jedem Falle habe ich mich selbst dabei ertappt, dass einer Mimose für mich persönlich etwas Ätherisches anhaften sollte, eine Leichtigkeit, eine gewisse Empfindsamkeit (und fragt jetzt bitte nicht, wie sich die olfaktorisch manifestiert). Mimose als gemaltes Etwas wäre für mich immer ein in beneidenswerter Leichtigkeit mit Wasserfarben dahingehauchtes Aquarell.

Goutals und Doyens Interpretation von Mimose nun ist eine gänzlich andere. Hier liegt die Priorität ganz klar auf der Farbe Sonnengelb und ihrer Strahlkraft, der dynamischen Fröhlichkeit, was man schon dem Flakon anmerkt. Camille Goutal ließ ihn mit einem selbst entworfenen gelben Bändchen mit, ja, fröhlichen schwarzen Polkadots verzieren. Jenes begreift und interpretiert sie als symbolisches Aufgreifen der Blütenfarbe sowie deren „Pompon“-Form, die sie mit der Lebhaftigkeit und dem Geist der 80er in Verbindung bringt.

Mit meiner dezenten Empfindsamen hat diese Vorstellung nun gar nichts zu tun, schwant mir – und bestätigt sich schon beim ersten Test des Duftes, dessen Ingredienzen ich Euch natürlich nicht vorenthalten mag: Kopfnote: Mimose, Anis, Lilie; Herznote: Pfirsich; Basisnote: Weißer Moschus, Sandelholz.

Mimose, ja, deutlich, bereits im Auftakt. Aber mindestens genauso deutlich präsentieren sich hier alsbald Pfirsich und Melone, saftig-mehlige Honigmelone, die das Mimöschen in ihre Mitte nehmen, sie unterhakend wie die kleine schüchterne Schwester, die das erste Mal mit auf die Piste darf. Vielleicht könnte ich auch ein passenderes Bild finden – von mir aus ein viktorianisches Schwesterntrio beim ersten Frühlingspicknick im Park, die Kleinste fürsorglich eingerahmt. Die Sonne geht auf diesem Bild garantiert nicht unter, denn die Strahlkraft, die fruchtig-süße, die Le Mimosa an den Tag legt, ist enorm. Ein leiser grüner Schleier weht herüber, vermag allerdings das Hauptgeschehen nicht nachhaltig zu beeinflussen: Es bleibt vorrangig süßfruchtig und floral. Die Basis unterstreicht diesen Charakterzug Le Mimosas noch, indem sie für zusätzliche Pudrigkeit und milchige Cremigkeit sorgt. Darüber hinaus sind, vermutlich von Anis in Verbindung mit den Früchtchen herrührend, beschwipste likörige Noten zu vernehmen, die sich auf dem Teststreifen noch zivilisiert zurückhalten. Auf meiner Haut aber brechen sie voll durch: Ich rieche eigentlich fast durchgängig nur Hochprozentiges, Marillenlikör wäre mein erster Tipp gewesen, Pfirsichlimes hätte ich danach geraten – für mich demnach überhaupt gar nichts.

Le Mimosa lässt sicher für den einen oder anderen von Euch die Sonne aufgehen: Es ist ein durch und durch fröhlicher Frühlingsbote, floral, feminin und fruchtig mit einer frech-koketten Süße. Meiner Vorstellung von Mimose wird er allerdings nicht unbedingt gerecht. Aufgrund der prägnanten Unterschiede auf Teststreifen und Haut empfehle ich hier in jedem Fall einen Test auf dem eigenen Ärmchen ;)

Einen schönen Tag Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Annick Goutal, Emile Claus (1887): The Picknick via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

Hier finden Sie Le Mimosa in unserem Shop.

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Six Scents Series 3 – die Zweite.


Comme des Garçons – Kyoto

Geschrieben in Duft am 22.03.2011

Nach Zagorsk und Jaisalmer, die hier bereits vorgestellt wurden möchte ich euch mit einem weiteren Vertreter aus Comme des Garçons Series 3 bekannt machen. Series 3 ist ganz dem Thema Weihrauch gewidmet. Benannt sind die Düfte nach Städten, deren geographische Lage jeweils eine bestimmte Religion zugeordnet werden kann.

Die Reise heute geht nach Japan, genauer gesagt nach Kyoto, dem kulturellen Zentrum Japans und führt uns somit zum Buddhismus und Shintoismus. Da Kyoto im zweiten Weltkrieg aus Respekt vor den unzähligen buddhistischen Tempeln und Shinto-Schreinen vom Bombardement der Alliierten verschont wurde, ist es eine der besterhaltensten Städte Japans.

kyoto temple

In Japan führen Buddhismus und Shintoismus eine friedvolle Koexistenz. Viele Japaner praktizieren beides, ohne dies auch nur im geringsten widersprüchlich zu finden.
Der Shintoismus in Japan ist die Glaubensrichtung, die als einheimische Religion bezeichnet werden kann. Shintoismus bedeutet Ahnenverehrung und Naturkult.

Feste, Jubiläen und Feiern werden in beiden Religionen begangen, wobei der Shintoismus eher für die Lebenden und der Buddhismus eher für die Toten oder besser gesagt bei Beerdigungen praktiziert wird. Hier kommt wieder unser Weihrauch zum Einsatz: In buddhistischen Tempeln werden die Totenrituale mit viel Weihrauch, Gesängen und Sutra-Rezitationen vollzogen, zur Begleitung des Toten auf seinem Weg.

Weihrauch wird in nahezu allen Religionen bei der Durchführung von Totenritualen verwendet, was zum Teil sicherlich an seiner beruhigenden und stimmungsaufhellenden Wirkung liegt. Zusätzlich dient der aufsteigende Rauch auch als Abschirmung der Seele gegen allgegenwärtige Dämonen.

incense

Die Duftstoffe: Kopfnote: Kaffee, Zypresse, Herznote: Vetiver, Patchouli, Weihrauch, Basisnote: Ambra, Zedernholz, Teakholz

Die Kaffeenote nehme ich zuerst wahr. Es handelt sich jedoch nicht um einen gesüßten Milchkaffee, sondern um die pure Kaffeebohne, die, wie ich finde, auch immer leicht säuerlich riecht. Die Kaffeenote harmoniert aufs Schönste mit der feierlichen, warm-tröstenden Zypresse, jenem Baum, der vor allem in südlichen Ländern auf Friedhöfen steht. Er symbolisiert Langlebigkeit und wird seit jeher mit Trauer und Tod in Verbindung gebracht. Vetiver und Weihrauch kommen hinzu und unterstreichen diesen ernsten, kontemplativen Eindruck. Bisher wirkt unser Duft recht trocken, nicht der Hauch einer Süße ist in Sicht. Die fehlt mir in dem Fall aber auch nicht im Geringsten. Patchouli und Ambra sind nur Nebendarsteller und dienen hauptsächlich als Bindeglied. Sie geben dem Ganzen mehr Substanz. Die Hölzer mischen sich wunderbar wärmend und harmonisierend hinein. Im Übrigen wurden aus Zedernholz früher auch Särge hergestellt. Eine Eigenschaft dieses duftenden Holzes ist seine Resistenz gegen Insekten. Damit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei den Bestattungen angelangt.

Alley

Comme des Garçons Kyoto ist die perfekte Umsetzung eines meditativen, ruhigen Parfums. Ein wunderschöner Duft! Ich bin ganz verliebt. Die Ähnlichkeit zu Jaisalmer ist deutlich zu erkennen, jedoch hat Kyoto einen ganz anderen Charakter. Wo Jaisalmer üppig daherkommt ist Kyoto karg. Ein besinnliches, minimalistisches Parfum. Selten haben diese Adjektive so gut auf einen Duft gepasst. Kyoto trifft exakt meine Vorstellung, die ich vom fernen Japan habe.

Wie ein Spaziergang durch einen wunderschönen Wald an einem frühherbstlichen Tag, der an einem Schrein endet. Ich mache mich auf den Weg…

Gefällt Euch Kyoto auch so gut?
Liebe Grüße an Euch,
Mariela

Bildquellen: kyoto temple by kanjiroushi, on Flickr, incense by mararie, on Flickr, Alley by Eryn Vorn, on Flickr – some rights reserved, vielen Dank!

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Von einem, der auszog, die Welt zu entdecken…
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Der Frühling ist da…

Geschrieben in Allgemein am 21.03.2011

… zumindest kalendarisch, denn heute ist Frühlingsanfang – so auch in unserem Shop, und für den haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen: Unter all denjenigen Kundenbewertungen, die innerhalb des nächsten Monats, ergo bis 30.04.11, für unsere Shopartikel abgegeben werden, verlosen wir ein ganzes Paket toller Frühlingsboten.

Der 1. Preis: Ein 100ml-Flakon Amouage Reflection for Man.

Der 2. Preis: Ein 50ml-Flakon Amouage Ciel for Woman.

Der 3. Preis: Ein 50ml-Flakon Amouage Lyric for Woman.

Der 4. Preis: Ein 100ml-Flakon Villoresi Teint de Neige.

Der 5. Preis: Eine Duftkerze Aqua Universalis aus dem Hause Maison F. Kurkdjian.

Der 6. Preis: Eine Duftkerze Un Zest de Rose aus dem Hause Les Parfums de Rosine.

Der 7. Preis:  Eine Soothing Hand Lotion von Molton Brown in der brandneuen, demnächst erscheinenden frühlingshaften Duftrichtung Pettigree Dew.

Viel Glück!

Bitte beachtet, dass wir die Bewertungen nur zuordnen können, wenn Ihr sie abgebt während Ihr in Euer Kundenkonto eingeloggt seid! Die Bewertungen sind aufgrund der Technik nicht sofort automatisch sichtbar, sondern müssen von uns von Hand freigeschaltet werden, wir bitten daher um ein bisschen Geduld bis diese im Shop erscheinen :)

Liebe Grüße,

Eure Ulrike, stellvertretend für das ganze ALzD-Team.

Bildquelle: Krokus von Überraschungsbilder – Wikimedia Commons, some rights reserved, vielen Dank!

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