Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Frohe Pfingsten…

Geschrieben in Allgemein am 19.05.2013

… wünschen wir allen unseren Lesern, Freunden, Kunden!

white peonies

Viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike & Harmen, stellvertretend für das AUS LIEBE ZUM DUFT-Team.

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Schöne Pfingsten…
Frohe Weihnachten!
Frohe Weihnachten…


EgoFacto – Teil Drei.

Geschrieben in Duft,Leder,Reines und Pudriges am 17.05.2013

… verbringen wir heute, und zwar mit Sacré Cœur und PooPoo Pidoo.

Auswahl_009Den Anfang macht – das heilige Herz (oder ist hier das gekrönte Herz gemeint?):

„The heart and base are enriched with reassuring notes of leather, tobacco and patchouli leaves. However, only its appearance is classical. Just as I would imagine our Richard the Lionheart after downing an excellent bottle of Chablis himself, I wanted a heady top note. And here lay the difficulty: how to transplant a Chablis white wine accord into the top note, with a mineral and clearly fruity result. Not so easy in a masculine fragrance!“

Und für was für einen Mann soll dieser Duft stehen, den sich Monsieur Oliver Polge und Aurélien Guichard vorgestellt haben, als sie Sacré Cœur schufen?

„A man who instills confidence, with a heart as big as all outdoors, a man rooted in his values, a man who we think we know and yet who…“

Richard coeur de lion
Das hört sich beileibe nach einem echten Kerl an – einem bodenständigen Mann mit Bodenhaftung und Rückgrat sowie ordentlich Gesäß in der Hose. Das soll sich auch bewahrheiten: Der Duft ist maskulin und, wie versprochen, auf den ersten Blick durchaus klassisch. Kühl-würzige Tabakblätter, mit Schmackes ein wenig Leder hinzugefügt sowie Patchouli, der übliche Verdächtige, der hier für etwas Rauch, eine gute Portion Erde und dezente (!) Kakaoanleihen sorgt. Irgendwo zwischendurch spinnt hier meine Nase, denn ich rieche auf meiner Haut – Kamille. Und zwar sehr deutlich, mittendrin und ziemlich prägnant. Der Eindruck hält sich nicht ewig, sondern schwindet langsam dahin, genauso wie der Duft nach dem ersten Sturm auf der Haut das entwickelt, was hier als Chablis-Kopfnote beschrieben wird: Kühle Fruchtigkeit von einer steinernen, ja, tatsächlich mineralisch anmutenden Ausprägung begleitet. Was sind es für Früchtchen, die sich hier verstecken? Ich meine Heidelbeere und Kirsche zu entdecken, bin sehr gespannt, wie Ihr das seht. Subtil sind sie in jedem Fall – und verwandeln diesen typischen Mann in einen gar nicht mehr so typischen Vertreter: Das klassische Moment wird hier aufgebrochen durch eine souveräne, aber dennoch indifferente Kopfnote, die dem Duft das gewisse Etwas verleiht und ihn zu einem charaktervollen, aber dennoch sehr gut tragbaren und alltagstauglichen Männerduft macht, der im Abgang noch aromatisch-maritime, aber gleichermaßen samtige Frische entwickelt. Sehr sehr schön!

Auswahl_010Wem unser nächster Kandidat von EgoFacto gewidmet ist, das dürfte sofort einleuchten: PooPoo Pidoo – von wem kann da bitte schon die Rede sein? Norma Jean, die Schöne, auch bekannt unter dem Namen Marilyn Monroe. Eine Filmlegende und amerikanische Ikone, eine tragische, leider. Zu ihren Ehren gibt es bereits einen Duft, nämlich Immortelle Marilyn aus dem Hause Nez à Nez, den ich hier rezensierte. In dem Artikel hatte ich schon über ihr Leben berichtet und dessen Schattenseiten. Und ich habe von dem Duft geschwärmt, von Immortelle Marilyn, jener Haselnussheuseide, der femininen. EgoFacto haben sich auch an eine olfaktorische Hommage gemacht – und zwar unter der Ägide von niemand geringerem als Dominique Ropion, jener begnadete Parfumeur, der ohnehin ein absolutes Händchen für Damendüfte besitzt. Und was für einen Charakter hat er ihr verliehen, der Schönen?

Marilyn Monroe im Badeanzug

„At first, you could easily let yourself be fooled by its simplicity, as it is constructed on a simple, fresh and delicate harmony. One could mistake it for orange blossom water cologne. However, just like the person wearing it, it is not that well-behaved. It evolves quickly towards more powdery nuances. I was in fact looking for a very pronounced rice powder note, blended with a musk variety that is known for its leathery or even animal character. You think you’ve figured it out and then, poo!“

An der Nase herumführen möchte uns Ropion also mit seinem Duft, was er auch nochmals betont, in dem er über die Persönlichkeit des Duftes (oder dessen Trägerin?) Folgendes sagt:

„A young girl, a young woman, she seems naïve, completely fresh, a little ingenuous. But she surprises you when she reveals her carnal woman.“

Der Wolf im Schafspelz also, eine Lolita in duftender Form. Und wieder einmal passt die Beschreibung perfekt: Die ersten Augenblicke sitze ich da und bekomme – Orangenblütenwasser. Ein sanftes Eau de Cologne mit Orangenblüten, lieblichen, unschuldigen, kein Wässerchen trübenden. Der zweite Eindruck ist dann doch ein wenig – differenter. Und differenzierter. PooPoo Pidoo hat es faustdick hinter den imaginären Ohren: Die angesprochenen Noten kommen zum Vorschein, schillernd, kokettierend, lockend, lasziv. Moschus und Reispuder – ich rieche hier alles Mögliche: Einen leichten Anflug von angekokelten Karamellzuckerkristallen, samtig-würzige und gleichermaßen seidige Anleihen von Pelz(tier), Vintagepuderquasten, flaumige, und, sorry, Croissants. Vielleicht ist die gar nicht so Unschuldige diese gerade, während sie sich in einem Negligée auf einer Chaiselongue räkelt? So ungefähr stelle ich mir das vor. Und muss sagen: Er passt. Eine äußerst gelungene Ode (die mich, irgendwann gegen später im Duftverlauf, auf einmal ein wenig an Brosseaus Ombre Rose erinnert…).

Marilyn Monroe

Und, welches ist Euer Favorit bisher? Nächste Woche folgen noch die zwei letzten Düfte von EgoFacto – bis dahin alles Liebe Euch und ein schönes Wochenende,

Eure Ulrike.

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EgoFacto…

Geschrieben in Duft,Solifloral,Tropisches am 16.05.2013

werden uns noch einige Tage beschäftigen, sind es doch noch insgesamt sechs Düfte, die Pierre Aulas für uns mit seinem Label im Gepäck hat. Heute an der Reihe: Prends Garde à Toi & Fool for Love.

Auswahl_008Prends Garde à Toi soll das Pendant zu Piège à Filles sein, unserem Don Juan-Duft von gestern: Der Carmen ist er gewidmet, jener tragischen Heldin aus Bizets gleichnamiger Oper.

„An unsettling blend of a sometimes masculine attitude, translated by a rather noticeable woody accord and a distinctive femininity, asserted by intoxicating egyptian jasmine. As free as a young gypsy, it is as airy as the wind that unveils the scent of the earth and the sea. Another nod to Bizet’s Carmen: it is prickly trouble in the true sense of the word as it contains nettle leaves essential oil. A first in perfumery! Its almost mineral base warms the skin. It is reminiscent of the scent of the warm sand in the bullring that proved so fatal for Carmen!“

Carmen, die Freiheitsliebende, die ihre Unbezähmbarkeit mit dem Tod bezahlt… die beiden Guichards sind verantwortlich für den Duft, Vater und Sohn – und beide dürften schon einige Erfahrungen mit Frauenzimmern gemacht haben.
Henri-Lucien Doucet - Carmen
Für Carmen, die rassige Schönheit, haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen, wie wir lesen können: Brennnesseln hat man verarbeitet, erstmalig in der Parfumerie. Und eigentlich passt das Motiv auch ganz gut: Jasmin, der Leidenschaftliche, und Brennnesseln, die Gefährlichen, an denen man sich kräftig Schmerzen zufügen kann. Ob das nun für die Liebe an und für sich sinnbildlich ist oder auch für die Liebe zu einem solchen Freigeist wie Carmen steht – das bleibt wohl unserer Phantasie überlassen. In jedem Falle zielt der Duft nicht nur auf weibliche Trägerschaft, obgleich er sich primär an diese richtet:

„A woman – but it could be a man for that matter – with an independent, free and willingly provocative character.“

Ich habe nicht richtig auf mich aufgepasst, wie der Name schon ermahnt: Prends Garde à Toi, Pass auf Dich auf, hat mich im Sturm erobert: Jasmin, ganz eindeutig, üppig blühend, aber von einer aquatischen Süße und ohne jeglichen Anflug indolischer Noten, vermählt sich hier mit der bitteren Herbheit von, ja – Brennnesseln, deren krautige Schärfe einen keck in die Nase zwickt. Diese Balance hält sich recht lange, jenes Zwiegespräch zwischen dem Weißblüher und der Nessel – die dadurch entstehende Ambivalenz ist exakt der Reiz von Prends Garde à Toi, der damit dem Thema Jasmindüfte eine vollkommen neue Interpretation verschafft, die sowohl Liebhaber als auch Weißblütenzögerer in ihren Bann ziehen wird. Je länger der Duft auf meiner Haut verweilt, desto mehr entdecke ich jene mineralischen Anklänge, von denen die Rede war, sowie die Sandnoten, die für die Stierkampfarena stehen, in der Carmen durch ihren rasenden Ex-Liebhaber den Tod findet. Tragik und Theatralik hat man hier als Thema gewählt – und durchaus, Prends Garde à Toi provoziert, verlockt und ist garantiert etwas für einen besonderen Auftritt, ob nun im Großen oder im Kleinen.

Auswahl_007

Bleiben wir gleich bei der Liebe, die mitunter blind macht, sich in ihren ersten Zügen aber in so gut wie jedem Falle beschwingt und grenzenlos anfühlt: Fool for Love ist Duft Nummer Zwei für heute, und heißt übersetzt „Verrückt vor Liebe“ oder auch „liebestoll“. Mich erinnert das natürlich gleich an jenen Film aus den Achtzigern, in dem Kim Basinger meiner Meinung nach ihre Paraderolle ablieferte. Aber wenden wir uns diesmal von den Tragödien ab und einem Duft zu, der die Liebestrunkenheit positiv inszeniert:

„In this composition that is, shall we say, totally overboard, everything is overdosed to translate the feelings that we have when we fall in love, when we lose our heads and even our sense of time. The note in this perfume is constructed around a Rum Coconut accord, a cocktail that is renowned for “being dangerous”, and which will, without warning, leave you intoxicated. To this we have added cinnamon, really an overdose of cinnamon, of heat, of fire that consumes from the inside out. And then, like a life-raft for the drowning lover, we have added frangipani blossom. It’s the invitation for love’s great journey, of course!“

Auswahl_006Ein berauschender Cocktail, süchtig machend – das soll Fool for Love sein, genauso wie die Liebe, der er gewidmet ist. So heil und heiter, wie der Duft ebenjene zelebriert, feiert, ihr huldigt – da möchte man sich glatt hineinwerfen in die nächste Liebesgeschichte. Hier ist kein Schwarzromantiker am Werke, kein Wölkchen trübt den Liebeshorizont und kein Drama ist weit und breit in Sicht – und das ist verdammt gut so! Fool for Love ist – überdreht. Und zwar auf vollkommen geniale Art und Weise – der Duft macht einfach nur glücklich, so fröhlich, satt und lebensfroh kommt er daher: Ein Bounty – Ihr wisst schon, jene schokoladenumhüllten Kokospralinchen – hat hier einen todesmutigen Köpfer in ein Glas guten alten Rum vollführt und schwimmt lustig und ordentlich (!) zimtbestäubt und -gewärmt darin herum. Eine Prise tropische Blüten – und der Südseezauber ist perfekt. Wer, wenn nicht dieser Duft ist die olfaktorische Impression eines Honeymoon in der Karibik? Postkartenromantik pur – fast zu schön, um wahr zu sein… dafür aber sehr präsent auf meinem Arm. Das hier, meine Lieben, ist Urlaubsfeeling in Reinform, mehr geht nicht, besser auch nicht! [Anm. d. Verf.: Und das aus meinem Munde, obgleich ich kein Kokosfreund bin...]

Urunao

Ich habe extrem Blut geleckt, was die restlichen Ego Facto-Düfte angeht – Ihr auch?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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EgoFacto – The Tail of your Trails…

Geschrieben in Duft,Orientalen,Reines und Pudriges am 15.05.2013

Auswahl_004… ist der Slogan zu unserem Neuankömmling im Shop: Die Geschichte(n) zu unserer Reise. Der Macher hinter der Marke ist Pierre Aulas, ein anerkannter Duftexperte und Fragrance Consultant, dessen Karriere sich sehr ambitioniert liest: Weder aus einer Parfumeursfamilie stammend noch von Mutters oder Großmutters Duftregalen beeindruckt worden und nicht aus Grasse kommend, waren es bei ihm glückliche Zufälle oder Fügungen des Schicksals, je nach Gusto. Als Marketingmann in der Branche arbeitend, entdeckte er die Begeisterung für das duftproduzierende Gewerbe – und wurde selbst entdeckt aufgrund seiner exzellenten Riechfähigkeiten. Und zwar zuerst durch die Firma Mane, die im die Möglichkeit verschaffte, seinen Geruchssinn zu vertiefen und zu verbessern, und später durch den Aromastoffhersteller Firmenich, die ihn als perfekten Mittelsmann zwischen den Parfumeuren und der anderen Seite sahen. Aulas akzeptierte – unter einer Bedingung: Er wollte unbedingt an den Mugler-Parfumprojekten mitarbeiten. Man kam zu einer Einigung – und Aulas traf einen Menschen, der ihn sehr inspirieren sollte: Die frühere Thierry Mugler-Perfumes-Chefin Véra Strubi. Zusammen arbeiteten die beiden über zehn Jahre lang. Zehn erfolgreiche Jahre, in denen solche Parfums wie das Thierry Mugler Cologne und Alien auf den Markt kamen. Strubi war es schlussendlich auch, die Aulas dazu ermutigte, eine eigene Consulting-Firma zu gründen, woraus Art of Nose entstand. Erster Kunde der Firma: Véra Strubi. Beratend tätig war Aulas in Folge für alle möglichen Firmen, darunter Balenciaga, L’Occitane, Jil Sander, Choé, Cavalli, Pucci, Fendi und andere.

Auswahl_003Parallel keimte, wie kann es auch anders sein, natürlich der Wunsch in ihm, ein eigenes Parfumhaus zu haben, ein eigenes Label, wozu sich Aulas 2009 entschloss. Genug Kontakte und Freunde hatte er ja mittlerweile in der Branche, was sich auch an der Auswahl exzellenter Parfumeure zeigt, die für Aulas tätig waren: Dominique Ropion, Alberto Morillas, Laurent Bruyière, Anne Flipo sowie Jean und Aurélien Guichard. Muss ich dazu noch etwas sagen? Ich werde es tun, weil die Parfumschöpfungen, die sich hinter den Namen verbergen, so bemerkenswert sind.

Dominique Ropion ist ein Altmeister, verantwortlich für Düfte wie Ysatis und Amarige für Givenchy, Kenzo Jungle, Amor Amor für Cacharel, Alien (und andere) für Mugler, diverses für Armani, Burberry, Chopard, Gucci, Yves Saint Laurent und viele weitere. Darüber hinaus hat er einige Schönheiten für Malle geschaffen wie zum Beispiel Vétiver Extraordinaire, Carnal Flower, Géranium pour Monsieur, Une Fleur de Cassie und Portrait of a Lady sowie den schönen Homme und So Nude für Costume National.

Alberto Morillas Kundenliste liest sich nicht minder schick: Givenchy, Cartier, Lanvin, Bulgari, Giorgio Armani, Caroline Herrera, Lancôme, Issey Miyake. Kenzo, Narciso Rodriguez gehören zu seinen regelmäßigen Kunden. Des weiteren ist er die Nase hinter Thierry Muglers Cologne, Yves Saint Laurents kommerziellem Ouderfolg M7, Estée Lauders Intuition und Pleasures, Cartiers leider eingestellter Schönling Le Baiser du Dragon, Marc Jacobs Daisy (und diverse Variationen davon) und Lancômes Miracle. Was die sogenannte Nische angeht gehen unter anderem Acqua Dezima von Eau d’Italie, Vanille 44 für Le Labo, S-Perfume für S-Perfume (den Vorgänger von A Lab on Fire), Aspreys Purple Water und Amouages Opus VII auf sein Konto.

Laurent Bruyière schuf Düfte für Ferragamo, Gloria Vanderbilt, Thierry Mugler, Escada, Costume National, Yves Saint Laurent und Escada, unter anderem Alien in Zusammenarbeit mit Ropion sowie Amor Amor für Cacharel, ebenfalls mit Ropion. Im Alter von nur 43 Jahren verstarb er leider vor einigen Jahren.

Anne Flipo ist sicherlich vielen ebenfalls ein Begriff, diese Dame der Blüten: Verte Violette, La Chasse aux Papillons, Mimosa pour moi, Iris Pallida, Œillet Sauvage, Ananas Fizz, Fleur d’Oranger und Fleur de Narcisse von L’Artisan stammen von ihr, darüber hinaus beispielsweise der schöne La Nuit de L’Homme von Yves Saint Laurent.

Und zu guter Letzt noch die beiden Guichards: Aurélien hat so gut wie die ganze Flotte von Piguet kreiert, des weiteren einiges von Bond No. 9, für Kenzo, Escada, Miyake, Galliano, Gaultier und Davidoff erschaffen. Jean war zum Teil mit von der Partie, hat aber selbst diverse Klassiker zu verzeichnen: Obsession von Calvin Klein, Loulou und Eden von Cacharel, Poison von Dior, Asja von Fendi oder Parfum de Peau von Montana. Und ein weiteres hübsches Kleinod bleibt da noch übrig – der wunderbare Fifi Chachnil.

Jetzt dröhnen Euch die Ohren, oder? Wird Zeit, uns die Düfte virtuell unter die Nasen zu klemmen. Beginnen wir heute mit Piège à Filles:
Le plus bel amour de Don Juan

„Constructed on a round and snug “feminine” accord, in which the heliotrope flower and almond are dominant, it numbs the vigilance of anyone it wants to seduce, and is the ultimate weapon of a Don Juan, a rather talented hunter. The spicy notes of cumin come through afterwards, followed by its animalic facets. It’s too late. He’s got her trapped.“

Der Don Juan, der ewige Verführer – reine Lust, pure Leidenschaft, verliebt in die Verliebtheit, der Verführung verfallen. Ob der Duft dieser geschichtenumrankten Figur oder vielmehr: diesem vielschichtigen Motiv gerecht wird? Don Juan ist ja vielmehr die Personifikation der Leidenschaft, also abstrakt und nicht unbedingt in einer Figur darstellbar – so zumindest sieht es mein Dissertationsopfer Sören Kierkegaard, der einige interessante Überlegungen dazu angestellt hat, rekurrierend auf Mozarts Don Giovanni.

Auswahl_002Die Zutaten von Flipos Verführung, ihrem Verführer, sind schlau gewählt: Zitrusfrüchte, Kumin, Mandel, Heliotrop und Hölzer. Und was das Persönlichkeitsprofil des Trägers angeht, stapelt man hoch:

„No need for kid gloves! This man is a real man, a lady-killer. But does this preclude tenderness and sensitivity?“

Ja, ja und ja. Dieser geballten Ladung Verführung wohnt natürlich auch Sanftheit, anschmiegsame inne – wie sonst sollte sie funktionieren? Der Auftakt des Duftes glänzt mit Leichtigkeit, zitrisch-prickelnder, neugierig stimmender. Säuerliche Hesperidenfrische, die alsbald die dahinterliegende Wärme erahnen lässt. Erste samtige Anklänge lassen sich erhaschen, die von einer herausfordernden Würzigkeit geprägt sind – Kumin drängt sich charmant hervor, umgehend Ambivalenz heraufbeschwörend: Hier ist er, der Macho. Einer, den animalische Anklänge begleiten wie den Reiter auf dem Emblem des Flakons das Pferd. Eine sehr interessante Mischung, zumal sie von leisen Blüten und bittersüßem Marzipan getragen wird, auf edlen Hölzern ruhend. Und dann ist da noch diese orientalisch anmutende Hitze, die von unten lodert, und von der man sich fragt, woher sie denn kommt, die samtige…

Die Jagd(saison) ist eröffnet, wie Aulas in seinem netten Video zum Duft eben jenem bescheinigt. Das glaube ich wohl, denn Piège à Filles, die Mädchenfalle, wird einigen Damen den Kopf verdrehen – ob nun auf der eigenen Haut oder auf der eines mutigen Mannes, der sich einen solchen Duft zutraut. Denn typisch maskulin ist er nicht – aber wer sagt denn, dass Mann immer vorhersehbar sein muss und Männlichkeit sich immer prollig-offensiv und platt ausdrücken muss…

Ich für meinen Teil würde einen derartigen Duft sehr gerne mal am (richtigen) Mann riechen!

Verliebte Grüße,

Eure Ulrike.

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EgoFacto – Teil Drei.
Frühlingsfavoriten…
EgoFacto…


Von Hölzchen auf Stöckchen mit Comme des Garçons’ „Wonderwood“

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges am 14.05.2013

In meinem Gedächtnis gibt es einen holzvertäfelten Raum (nein, kein schwarzes Fotoalbum mit ‘nem silbernen Knopf), in dem DiptyquesTam Dao“ (hier beschrieben) für immer als Holzduft abgespeichert ist. Um dem Kerlchen ein bisschen Gesellschaft zu ermöglichen, nehme ich mir heute einen namentlich vielversprechenden Duft vor, nämlich Comme des Garçons‘ „Wonderwood“.

Wonderwood100ml_HR

Das Wunderhölzchen wurde mit folgenden Duftnoten ausgestattet, die durchaus die Hoffnung auf einen veritablen Holzduft erlauben:

Kopfnote: Pfeffer, Bergamotte, Weihrauch, Muskatnuss
Herznote: Hölzer, Cashmeran, Guajakholz, Zedernholz, Kümmel
Basisnote: Hölzer, Sandelholz, Vetiver, Adlerholz (Oud)

Vor allem Pfeffer kracht zu Beginn des Duftsverlaufs durchs Gebälk, Weihrauch und Muskatnuss sind nur ansatzweise zu erahnen. Aber allerlei Holzspäne raspeln nun umher, Zedern- und Sandelholz lassen sich ausmachen, vom Oud merke ich ehrlich gesagt nichts. Obwohl ich sie nicht vollkommen auseinanderklamüsern kann, merke ich, dass es viele verschiedene Holznuancen sind, die sich hier durch den Duft ziehen. Der Produkttext bestätigt diesen Eindruck, zumal dort von einer ganzen Reihe verschiedener natürlicher sowie künstlicher Holznoten die Rede ist. Feinere Holznasen bitte ich um näheren Aufschluss, nicht dass ich hier komplett auf dem

Wood way in plitvicka bin.

Antoine Lie schuf mit „Wonderwood“ einen ausgezeichneten würzig-pfeffrigen Holzduft, der meines Erachtens so fein abgestimmt wurde, dass man mit ihm durchaus auch durchs Büro brettern kann. Ihr seht schon, die Holzassoziationen und Wortspiele nehmen so langsam überhand. Weitere Holz-Redewendungen oder -begriffe wurden im Folgenden deshalb nur noch bildlich dargestellt.

Nice CleavageWooden Man

Sich dreimal aufs Holzbein klopfend grüßt
Harmen

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Hallo Dunkelheit, mein alter Freund…
Comme des Garçons’ „Play Red“ in: „Ein Duft sieht rot“
Herbstwonne 2 – Comme des Garçons.


Nie war Rauchen gesünder – die Tabakblätter von Miller Harris

Geschrieben in Duft,Gewürziges,Holziges,Krautiges,Tabak & Rauchiges am 13.05.2013

Feuilles de Tabac“ – Tabakblätter – von Miller Harris sollen heute im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.

Croton eluteria - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-195Als ich die Duftnote „Kaskarilla“ las, schaute ich wie eine Kuh, wenn es blitzt. Noch nie zuvor war mir diese Ingredienz untergekommen. Es scheint sich um einen Strauch zu handeln, der zu den Wolfsmilchgewächsen gehört und in der Karibik beheimatet ist. Der getrockneten Rinde dieses Strauchs bzw. des Kaskarilla-Baums (Croton eluteria) wird per Wasserdampf das ätherische Öl entzogen, das für medizinische Zwecke oder auch zum Verfeinern von Getränken verwendet wird – und zum Aromatisieren von Tabak – was für „Feuilles de Tabac“ interessant sein dürfte. Doch wie duftet dieses Öl? In meinem schlauen Buch „Taschenbuch der Riechstoffe“ von Martinetz/Hartwig steht auf S. 95f: „Das Öl weist einen stark aromatischen, leicht zimt-, pfeffer- und küchenkräuterartigen Geruch und einen bitteren gewürzhaften Geschmack auf. [...] Es wird in der Parfümerie in geringen Mengen für Gewürz-, Holz-, Tabak-, Oregano-, Nelkenblüten- und Chypre-Düfte eingesetzt, die es würzig und frisch gestaltet.“

Pimenta dioica - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-239Neben Kaskarilla finden wir noch Piment in den Kopfnoten – wenn ich schon am Recherchieren bin, dann auch noch ein paar Informationen zu dieser Pflanze. Piment oder Nelkenpfeffer gehört zu den Myrtengewächsen. Hier sind es die kleinen runden Beeren sowie die Blätter, die den feinen Duft bzw. Geschmack enthalten, denn Piment wird bekanntlich als Gewürz verwendet, per Destillation wird ihm aber ebenfalls auch ein ätherisches Öl abgerungen. Für Parfums spielen dabei offensichtlich eher die Öle der Blätter eine Rolle. Balsamisch-würzige, pfeffrige und gewürznelkenartige Noten spielen hier die Hauptrolle.

Die Duftnoten
Kopfnote: Kaskarilla, Piment
Herznote: Kiefer, Salbei
Basisnote: Tonkabohne, Tabak, Patchouli

Ja, ich gestehe, dass ich mich wie viele meiner Generation beim Gedanken an Tabakdüfte ein wenig gruseln muss. Zu sehr kommt einem Opas-Rasierwasser-Assoziationen oder ein bekannter Herrenduft aus dem Massenmarkt in den Sinn, der ebenfalls recht präsent war und ist. Dann fällt mir noch ein gewisser Tabakduft von Creed ein, den ich vor etwa einem Jahr hier vorgestellt habe: „Tabarome“, der zugegebenermaßen auch nicht in die Sparte „Großvaters Bester“ fiel.

„Feuilles de Tabac“ erlaubt sich mehr Tabak als der eben erwähnte Duft und weist im Auftakt eindeutig frisch-würzige Akzente auf, die stark an Zimt erinnern. Irgendwie bekomme ich eine leichte Fruchtkaugummiassoziation und muss meine Nase schnell mal zurücksetzen. Zimtig und nelkenartig ist der Duft mit würzig-scharfen Noten, zudem mit einer leichten Holzigkeit versehen. Ja und nach Tabak riecht er erwartungsgemäß auch, leichteste Patchouliakzente und ebenso hauchdünne Tonkabohnenspritzer lassen sich erahnen. Am Anfang würde man den Duft klar in die Herrenkiste stecken, aber nach der anfänglichen Gefühlsentladung wird der Duft immer harmonischer, weicher und tendiert immer deutlicher in Richtung unisex.

Wirklich ein toller, moderner Tabakduft, von dem die Chefanfixerin wohl schon fast einen ganzen Flakon durchgebracht haben soll…munkelt man. ;-)

Liebe Grüße
Harmen

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Königliches – Royal Crown die Zweite.
Nouvelle Edition – die zweite.
Freitagsverlosung.


Frühlingsfavoriten…

Geschrieben in Duft am 10.05.2013

… möchte ich gerne von Euch wissen: Welche Düfte begleiten Euch dieser Tage, da sich die Sonne ja endlich, endlich nach diesem langen, finsteren Winter blicken lässt? Was lässt Euch olfaktorisch frohlocken, meine Lieben?

Colours

Mich hat ganz klar eine Zutat im Griff – der Rhabarber. Und das gleich doppelt: Einmal mit Aedes de Venustas und einmal mit Flash Back von Olfactive Studio. Rhabarber, das habe ich schon öfters geschrieben, übt eine ganz besondere Anziehungskraft auf mich aus:  Ich sehe ihn als melancholisches Gemüse, so es denn ein Gemüse gibt, das überhaupt melancholisch sein kann. Ich finde schon, denn der Duft desselben stimmt mich immer – wehmütig. Sehnsüchtig. Schwermütig. Melancholisch. Und Melancholie empfinde ich gemeinhin als genauso bittersüß wie Rhabarberstangen. “Der Soundtrack meines Sommers” im letzten Jahr war somit Aedes, der Signature-Duft des gleichnamigen New Yorker Parfumstores, für mich – und wird mich auch durch die kommende warme Jahreszeit wieder begleiten:

aedes_de_venustas_1Im Zentrum des Duftes steht also Rhabarber, die Ingredienz, sowie ein Chyprecharakter. Darüber hinaus sind an Zutaten anzutreffen: Rhabarber, Tomatenblätter, rote Johannisbeere, Geißblatt, Vetiver und Weihrauch, mancherorts ist auch etwas von grünem Apfel und Haselnuss zu lesen.

Frisch augesprüht drängt mir sofort Rhabarber in die Nase, frisch angeschnittene Rhabarberstangen, saftig, grün und herb-säuerlich, auf jene genuine Art und Weise fruchtig (obgleich Rhabarber ja eigentlich ein Gemüse ist…). Ein Äpfelchen, ein knallgrünes knackiges, könnte durchaus dessen Wirkung verstärken – seitdem ich weiß, dass er eventuell darin ist, meine ich auch, ihn riechen zu können, wobei er mir vorher nicht unbedingt aufgefallen wäre. Viel eher sind es Johannisbeeren, die „nasenfällig“ vorhanden sind – rote, ganz klar. Zusammen mit dem Rhabarber entwickeln sie eine seltsame säuerliche Süße, die stetig vorhanden die Nase kitzelt und einen Kontrast zu dem Grün bildet. Tomatenblätter, immer etwas nach grünen unreifen Tomaten duftend, säumen den Weg, während Weihrauch subtil-sakralen rauchigen Odem einhaucht.

Flash Back von Olfactive Studio ist ebenfalls ein Rhabarber – ein Grund, für eine gewisse Ähnlichkeit der beiden Düfte. Ansonsten mag ich allerdings nicht allzuviel Übereinstimmung zu entdecken, genauso wenig wie Harmen, der sich vor nicht allzu langer Zeit diesem duftenden Kleinod mit einer Rezension widmete – siehe hier. Ein herrlicher, frisch-säuerlicher Rhabarber mit (ganz und gar unkünstlichen) Apfelnoten knackiger Natur, einer herben Pampelmuse mit ein wenig Pfeffer veredelt und ganz viel Frische. Unkompliziert und erfrischend, aber dennoch besonders – ein schöner Streich, den Olivier Cresp da gezaubert hat (und im übrigen auch nach eigenem Bekunden den Aedes-Duft wohl nicht vorher kannte). Ich bin ganz vernarrt in diesen Duft.

Rhubarb, Borough Market, London, UK.JPG

Wenn ich nicht gerade nicht in einer Rhabarberwolke herumschwirre, greife ich momentan nicht nur gerne zu Kleidung in kräftiger Farbe (ich meine dezidiert nicht Schwarz, die Unfarbe, die mich die letzten Jahre eigentlich immer begleitet und bekleidet hat), sondern auch zu meinen, wie ich sie liebevoll nenne, “Neonfrüchtchen” – die Rede ist von Byredos Pulp und Enchanted Forest von Vagabond Prince. Den Zauberwald habe ich Euch bereits vorgestellt vor einigen Tagen und Pulp ist schon ein älterer Favorit von mir. Immer noch und immer wieder kann ich mich an seiner Naturgewalt erfreuen: Bitter-herbe Fruchtnoten in einer Dominanz und Präsenz, wie man sie selten erlebt. Bergamotte von ihrer zitrischsten Seite sowie dunkelste schwarze Johannisbeere mitsamt all ihrer Säuerlichkeit, mächtige grüne Feige und prominente Apfelnoten, dazu ein paar Blümchen, ein Quentchen Zedernsauberkeit und eine deliziöse Gourmandbasis, die auf seltsam anmutige Weise mit dem Rest mit dem Rest vermählt wird.

Diese vier sind bei mir gerade in der hauptsächlichen Dauerrotation – und jetzt Ihr :)

egofacto

Darüber hinaus freue ich mich auf einiges, was ich demnächst noch hier vorstellen darf: EgoFacto zum Beispiel, das Label von Pierre Aulas. Aulas ist Duftexperte und war jahrelang sowohl im Marketing als auch als Fragrance Consult tätig, bevor er sein eigenes Haus gründete. Sieben Düfte, sieben komplett unterschiedliche Persönlichkeiten – und dahinter große Namen, berühmte Parfumeure. Das hat mich schon lange neugierig gemacht – und Euch sollte es das auch tun, denn bei EgoFacto gibt es einiges Spannendes zu entdecken…

santiburgasSanti Burgas sind dieser Tage bei uns im Shop gelandet – eine Duftkollektion, einzeln zu tragen oder zu layern. Layeringkonzepte sind dieser Tage nicht mehr so gängig, umso mehr reizt es mich, diese Düfte für Euch (ok, nicht nur ;)) zu testen.

Friedemodin und Meo Fusciuni stehen natürlich noch auf dem Rezensionprogramm, dem nahen, genauso wie Majda Bekkali. Und sonst? Tja, meine Lieben – darf oder kann ich Euch denn noch etwas Gutes tun? Gibt es Wünsche von Eurer Seite? Was würdet Ihr hier gerne noch rezensiert sehen? Über was oder wen würdet Ihr gerne etwas lesen?

Viele liebe Grüße und ein schönes, hoffentlich sonniges Wochenende wünscht Euch

Eure Ulrike.

 

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Christi Himmelfahrt…

Geschrieben in Allgemein am 9.05.2013

… ist heute – wir wünschen Euch einen geruhsamen Feiertag!

Ascension of Christ window

Viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike & Harmen, stellvertretend für das AUS LIEBE ZUM DUFT-Team.

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Christi Himmelfahrt…
Christi Himmelfahrt…
Winterneuheiten Teil 2.


Die Collection Les Inédits…

Geschrieben in Duft,Solifloral am 8.05.2013

wollen wir uns noch einen weiteren Tag schnuppernd erschließen – weiter geht es mit Lavande Ombrée, Figue Fruitée, Jasmin Rêvé und Tubéreuse Rosée.

lesinedits

Lavande Ombrée ist der zweite maskuline Duft der Kollektion, der auf die werten Herren zielt und sich als echter Mann positioniert. Ein solcher ist er auch – aber es wäre verteufelt schade, wenn wir, und ich spreche da jetzt einfach mal im Namen meiner weiblichen Geschlechtsgenossinnen, dieses schöne Kleinod nur den Männern überlassen. An eben jenen riecht Lavande Ombrée natürlich toll: Ein kraftstrotzender Lavendel kühner Natur, die Brust stolz geschwellt. Dynamisch dank Bergamottesprenklern, die ihm frech-frische Herbheit verleihen, von Rosen gewässert und durch Zedernholz gesäubert, welche aber auch Markanz verleiht. Zimt schärft und leitet in wohlige Ambrawärme über, die Anleihen von edlem Wildleder und knackigem Rauch offenbart, Patchouli, wen denn sonst atmend. Ein französischer Casanova, ein Lebemann, ein Dandy – und zwar einer mit Profil. Und einer, der auch einer Charakterfrau zu Gesicht steht.

Lavender

The Garden of Eden

Figue Fruitée, die fruchtige Feige… hat es wirklich in sich: Dem Namen nach zu urteilen war ich auf, – nun ja, einen weiteren Feigling eingestellt. Ich mag Feigen und kann auch einige mein Eigen nennen. Der Name – er trifft eigentlich auch. Aber er ist ganz klar zu trivial für das, was sich auf meinem Handgelenk abspielt: Diese Feige hat Tiefgang, sie hat Seele, verfügt über einen opulenten, wunderschönen Körper. Anklänge von grünen Feigen, unreifen Früchten, vereinen sich mit satten reifen Exemplaren, ein wenig Milch nebst dunkelstgrünem Blattwerk umrankt das herrliche Stillleben, das sich von subtilen, an rote Marmelade erinnernden Noten angereichert sieht. Hier und da blitzt ein Zuckerkristall auf, der sich mit dem Saft der angeschnittenen Feigen vermengt, und zusammen tropfen sie auf… ein wenig Holz, das darüber hinaus mit deutliche Walnussnoten aufwartet. Ein bisschen Leder soll sich noch in der Basis verstecken – bei mir auf der Haut zeigt es sich nur sehr versteckt und verhalten, auf dem Teststreifen etwas deutlicher. Aber auf das Lederchen kommt es hier auch nicht mehr an – ein herrlicher Feigling und solch ein schöner Zuwachs in der Riege derselben!

Jasminum polyanthum - Gelsomino

Jasmin Rêvé ist, wie der Name schon erahnen lässt, ein Sommernachtstraum voller opulenter Blüten: Wir blicken auf ein weißes Meer voller Jasmin, cremig, betörend, scheinbar unschuldig lockend. Dieses Blümelein hat es faustdick hinter den Ohren, wie wir ja wissen. Hier hat man dem Jasmin aber einen Teil seiner Unschuld gelassen, vielmehr: Diese Facette unterstrichen. Lediglich ein Hauch indolische Noten haben sich in den Auftakt von Jasmin Rêvé verirrt, legen sich allerdings im Duftverlauf wieder und lenken den Fokus auf jene unberührte Schönheit: Zart-zuckrig und milchig, von einer samtigen Weichheit, sanft von Vanille geküsst und taubenetzt von Frische spendender Rose. Moschus und warm-würziges Sandelholz runden den Duft gekonnt ab und machen ihn zu einem würdigen Begleiter aller Frauen, die schon immer auf der Suche nach einem femininen hellen Jasmin-Soliflor sind.

Flowers for thee..

Der letzte Duft im Bunde ist Tubéreuse Rosée und schon beim Auftragen wird mir von Ferne klar, dass wir es hier mit einer richtig kräftigen Tuberose zu tun haben. Tuberose ist – immer Geschmackssache, klar. Dem geneigten Leser wird nicht entgangen sein, dass ich mich in den letzten Jahren vom Tuberosenunverständigen (ok, fast – Tuberosenhasser) bis hin zum absoluten Tuberosesüchtigen entwickelt habe. Mittlerweile stehen viele Tuberosen in meinem Regal und ich werde ihrer nicht müde… Tubéreuse Rosée gewinnt meiner Meinung nach der Gattung der Tuberosen-Soliflors noch einiges ab: Diese Tuberose ist, ja, narkotisierend. Voluminös. Raumgreifend. Und macht keine Gefangenen. Im Mittelpunkt stehen allerdings hier nicht die cremig-buttrig-bitteren Aspekte, die Tuberosen gerne mal aufweisen, sondern die kühle, kühne Frische der Tuberose. An die Seite gestellt hat man der Tuberose eine frische Rose, die im Zusammenspiel mit der Tuberose atemberaubend schöne fruchtige Anklänge entwickelt, die meine Nase mal an Pfirsich, mal an Melone erinnern. Dazu gesellt sich passenderweise natürlich noch nektarsüß-tropisches Ylang. Keine große Aufgabe für die Basis aus Moschus und Sandelholz – hier muss nur sanft und unprätentiös untermalt werden, alles andere kann der Duft alleine. Ich bin schon am Überlegen… muss es noch eine Tuberose sein? Eine solche hier habe ich noch nicht – und mir mag auch keine andere dieser Art einfallen.

Habt Ihr schon getestet? Auf was seid Ihr neugierig? Ich bin gespannt!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

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Au Pays de la Fleur d’Oranger

Geschrieben in Duft,Hesperiden,Holziges am 7.05.2013

… heißt übersetzt soviel wie „Im Land der Orangenblüte“ und leider ist es vorerst auch fast das Einzige, was ich Euch über diese gerade eben bei uns neu im Shop gelandete Firma erzählen kann. Auf der Mailänder Messe haben wir die seit 2005/06 bestehende Firma entdeckt, ein sehr nettes Team rund um die Gründer Virginie und Antoine Roux war es und deren Düfte wussten uns zu beeindrucken. Zwei Kollektionen hatte die Firma im Gepäck, einmal Néroli Blanc, ein Trio zum Thema Bitterorangen/Pomeranzenblüte in drei verschiedenen Intensitäten (Eau de Cologne, Eau de Parfum, Eau de Parfum Intense), sowie die brandneue, von Jean Claude Gigodot kreierte Collection Les Inédits, was soviel heißt wie die Neuartigen, die Originellen.

lesinedits

Jene Collection Les Inédits werde ich Euch heute und morgen vorstellen – nicht aber ohne die Neroliblümchen wenigstens auch zu erwähnen: Im gleichen Flakon vorgestellt konnte man die unterschiedlichen Duftintensitäten ganz unschwer an der Farbe erkennen. Alle Düfte enthalten Neroli, Bergamotte, Jasmin und Rose – und darüber hinaus jeder für sich noch zwei individuelle Ingredienzen, die die jeweilige Eigenheit des Duftes ausmachen. Néroli Blanc, das Eau de Cologne, erhält seinen spritzig-frischen Charakter durch Pampelmuse und Tee – heraus kommt ein ein feiner zitrisch-floraler Teeduft, der trotz seiner Leichtigkeit eine gute Sillage besitzt. Néroli Blanc, das Eau de Parfum, zeigt sich in den Kopfnoten durch Petitgrain noch herber (Ihr wisst alle, was Petitgrain ist? Das Öl wird aus den Blättern, den Zweigen und unreifen Früchten der Bitterorange hergestellt) als das Eau de Cologne, atmet später aber warme, durch Benzoeharz „kandierte“ Rosen und lüsternen Jasmin. Mich beeindruckt hier die Balance, die der Duft durchgehend aufrechterhält – zwischen seiner Herbheit und seinen harzig angehauchten Blüten. Feminin, aber nicht anbiedernd. Das hat Klasse – was der letzte Duft, das Eau de Parfum Intense, definitiv auch hat. Néroli Blanc Eau de Parfum Intense ist mein Liebling dieses Trios, er hat mich ganz seltsam berührt. Neben den bereits genannten Zutaten, die sich die drei Geschwister teilen, wartet dieser Duft mit Verbena, Eisenkraut, auf sowie mit Zedernholz. Eigentlich sollte man hier meinen, dass diese Neroli-Interpretation deshalb auch eher frischeren Charakters ist, vielleicht auch mit sauberem Anstrich. Diese Annahme geht fehl – Néroli Blanc Eau de Parfum Intense ist ein weicher und warmer weißblühergetränkter Neroliduft, der über Anklänge von Nektarsüße verfügt und auf einer balsamisch-würzigen, aber dennoch leichten und seidigen Basis ruht. Ich kann mir die Ausprägung des Duftes anhand seiner Ingredienzen nicht erklären, empfinde ihn aber als außergewöhnlichen und außergewöhnlich schönen Vertreter seiner Gattung.

Nun lasst uns die Collection Les Inédits einmal näher betrachten: Fünf Düfte in Eau de Parfum-Konzentration sind es, die auf die Namen Bergamote Boisée, Figue Fruitée, Jasmin Rêvé, Lavande Ombrée sowie Tubéreuse Rosée hören. Als eine Hommage an die Provence und deren schöne „Früchte“ sieht sich die Kollektion, die sich in gleichermaßen klassischen wie modernen weißen Flakons mit schönem Holzdeckel präsentiert.

Bergamote Boisée – der Name lässt bereits auf Holz schließen. Und darauf, dass Bergamote Boisée neben Lavande Ombrée die als „männlich“ titulierten Düfte der Kollektion sind. Bereits beim ersten Schnuppern der holzigen Bergamotte weiß man, dass man es mit mehr zu tun hat als mit einer belandlosen weiteren Reihe von schlicht monothematischen Düften gemäß dem Motto „You get what you read“. Ein solch simpler Ansatz wird dem durchaus komplexen Duft nicht gerecht – und ich kann Euch bereits verraten: Das trifft auch auf die restliche Kollektion zu.

Les Calanques Oeil de verre (34)

Wir haben es hier mit einem Hesperidengesellen zu tun – und so zeigt sich die Kopfnote erwartungsgemäß zitrisch. Forciert wird hier die herbe Säuerlichkeit von Zitrusfrüchten, die durch Pampelmuse und Bergamotte im Auftakt vertreten sind. Hier prickelt nichts und der Duft offenbart auch keine zitrische Spritzigkeit in dem Sinne, es handelt sich hierbei eher um eine schillernd-flirrende, permanent anwesende Agrumenherbheit, die von vornherein bereits von den restlichen Zutaten des Duftes untermalt wird. Von weißen Blüten ist da die Rede und auch von Honig, von Labdanum, Eichenmoos, Moschus, Zeder und Patchouli. Für mich mutet Bergamote Boisée schon jetzt eher wie ein Bild an. Der Duft evoziert – Urlaubserinnerungen und lässt die Provence im Spätsommer vor meinem inneren Auge wiederauferstehen. Nektarsüße rieche ich, die schwer duftend in der Luft liegt, und knarzige, von der Sonne ausgetrocknete Bäume, von einer harzig-pudrigen Moschuserde mit deutlich moosigen Anklängen getragen.

Bergamote Boisée wohnt darüber hinaus etwas Maritimes inne – die Salzigkeit der Grapefruit lässt hier nahes Meer vermuten, weckt Sehnsüchte…

Calanque de Figuerolles, La Ciotat

In meinen Augen ist Bergamote Boisée ein Unisexduft mit einem Tick in die maskuline Richtung. Ein charakteristischer Hesperidenbegleiter mit Rückgrat, der mich etwas an Etros ebenfalls aussagekräftigen Lemon Sorbet (was für ein einfallslos-einfältiger Name für einen solch schönen Duft…) erinnert. Und – Bergamote Boisée ist dicht und komplex gewebt, nicht unbedingt fokussiert auf die Bergamotte. Wer einen ausschließlich Bergamotte-lastigen Duft sucht, wird wohl eher bei The Different Companys Bergamote oder Acqua di Parmas Bergamotto di Calabria fündig.

Morgen geht es weiter mit den restlichen vier Düften – bis dahin alles Liebe,

Eure Ulrike.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Düfte des Hauses Evody – Teil 2.
Kurz vor knapp die Dritte – die letzten Neuigkeiten 2011.
Esxence Mailand 2013 – Die Zweite.


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