Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Alle guten Dinge sind drei: Costume National, der “Rest”.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Duft, Gewürziges, Solifloral am 3.09.2010

Heute also biete ich den Rest der Costume National-Düfte in meiner Rezension feil, wobei „Rest“ dem Ganzen nicht wirklich gerecht wird, assoziiert man mit „Rest“ doch Resterampe, Ladenhüter und Co. – das trifft auf die Düfte nun mal so überhaupt gar nicht zu.

Ich werde mich mal weiter entlang der chronologischen Reihenfolge bewegen, wie ich es gestern bereits begonnen hatte. Deshalb steht als nächstes Scent Gloss an, lanciert 2004, sowie Scent Cool Gloss, 2005 erschienen. Beide sind ebenfalls Werke des leider jung verstorbenen Laurent Bruyère und eine Fortsetzung, Erweiterung des ursprünglichen Scent-Trios.

„Wenn SCENT GLOSS ein Stoff wäre“, schwärmte Ennio Capasa, der Designer von Costume National (der natürlich auch für die schönen Flakons der Parfums verantwortlich ist), „wäre er roséfarben schimmernder Seidentaft.“

Das sagt schon viel aus – denn genauso in derselben Farbigkeit wie der Flakon des Duftes schimmert auch die Rose, welche in beiden Düften die Hauptrolle spielt: Eine junge, freundliche, helle, zwischen rosa und pink oszillierende Rose mit fruchtigen Anklängen. In Scent Gloss ist jenes Rose auf einem in allererster Linie weichen, zarten und sehr sauberen Moschusbett drapiert, und gewinnt durch Orchidee an samtiger Süße. Scent Cool Gloss dahingegen, der anstatt der Orchidee mit Sternanis und einer weiteren Rose aufwartet, ist dahingegen im Vergleich kühler und spritziger: Sternanis nehme ich nur abstrahiert als solchen wahr, und zwar in einer aquatisch anmutenden Frische, die mich ein wenig an die Anisinterpretation in Borsaris Mirra e Anice Stellato erinnert. Durch die doppelte Rose (es sind normale sowie bulgarische Rosen angegeben) liegt der Fokus in der Tat mehr auf jenen hellen Rosen, die mithilfe des Anis in ihrer wässrigen Fruchtigkeit verstärkt werden und tatsächlich einen „coolen“ Eindruck machen.

Beide Düfte sehe ich ausschließlich an Frauen, und hier eher jüngeren Alters – es gibt sicherlich sportlich-dynamische Frauen, denen der Duft unabhängig vom Alter steht, meines Erachtens nach wirkt er aber am schönsten an Jüngeren.

Bei 21 dürfen aber wieder alle mitmachen, versprochen ;) Es handelt sich hierbei um den Geburtstagsduft zum 21. Firmenjubiläum, der außerdem noch genau 21 Ingredienzen enthält: Bergamotte, Orangenblüte, Safran, Milch, Cumin, Pfeffer, Kaschmirholz, Gelée Royale, Muskatellersalbei, Moos, Weihrauch, Ambra, Sandelholz, Oud, Vetiver, Labdanum, Moschus, Vanille, Tonkabohne, Patchouli und Zedernholz.

Das erinnert mich auf den ersten Blick ein wenig an Guerlains Cologne du 68, angelehnt an die Hausnummer von Guerlain auf der Champs-Élysées, das ebenfalls 68 Ingredienzen enthielt. Jenes Cologne du 68 ist ein sehr angenehmer Duft mit einem interessanten Duftverlauf, der sich auch in meinem Besitz befindet, jenerwelcher mich immer ein bißchen an die phänomenalen Resteeintöpfe meiner Mutter erinnert: Aus allem, was sich noch fand und weg mußte, zauberte meine Mutter gerne mal eine Suppe oder einen Eintopf, der meistens vorzüglich mundete, aber so in keinem Kochbuch zu finden war und für den auch kein reguläres Rezept existierte.

In Guerlains Cologne du 68 ist ungefähr alles, was gut ist und demnach riecht der Duft auch einfach nur gut, auch wenn man natürlich die Masse der verwendeten Materialien nicht unbedingt herausriecht, wie auch?

21 stellt einen vor ähnlich unerreichbare Herausforderungen: Natürlich läßt sich nicht jede Ingredienz einzeln identifizieren, vor allem nicht, da der Duft eine herausragende Dichte an den Tag legt: 21 ist ein dicht gewebtes Ganzes, das wirklich, ja, milchig riecht. Karamellige Ambramilch mit holzig-herben Honignoten auf vanilleweicher Harzsüße.

Meine Lieben – ein echter Kracher und somit bei mir glatt auf Platz zwei gelandet hinter meinem Homme, den er für mich nicht stürzen kann. Ich bin mir aber sicher, daß die meisten anderen, darunter vor allem Ambra-Liebhaber, der 21 den Vorzug geben werden. Alles in allem eine sehr nette Reihe, die man durchaus einmal testen sollte!

Liebe Grüße und bis bald,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Rose von Makio Kusahara, Morning Rose von Tomislav Alajbeg, beides via Stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Costume National die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Blüten, Duft, Fruchtiges am 2.09.2010

Gestern hatte schon deren neuer Mann meinen Einstieg in die Costume National-Duftkollektio geleistet: Ropions Homme, welcher mich in Verzücken versetzte. Heute und morgen folgen die restlichen Düfte des italienischen Hauses, das sich durch seine (Mode)Designs schon seit Jahren einen exzellenten internationalen Ruf erarbeitet hat.

Für die Düfte des Hauses sind exakt zwei Herren verantwortlich: Herr Ropion, welcher meinen Mann schuf und hauptsächlich Laurent Bruyère, dem alle restlichen Düfte zuzurechnen sind. Bruyère war Parfumeur bei IFF, einem der großen Aromahersteller, und verstarb 2008 tragischerweise im viel zu jungen Alter von 43 Jahren. Ropion arbeitet ebenfalls seit 2000 bei IFF, die beiden kannten sich also, was vielleicht auch erklärt, daß sie viele Düfte zusammen gemacht haben: Muglers Alien sowie Innocent, Cacharels Amor Amor, Sentiment pour Homme für Escada und einige weitere. Zu Ropion selbst, dem Preisträger des begehrten Prix François Coty (heute: Cosmetic Valley’s International Fragrance Prize) des Jahres 2008, muß ich eigentlich nichts mehr sagen – das habe ich gestern bereits getan. Laurent Bruyère selbst hat alleine natürlich auch eine ganze Anzahl Düfte kreiert, unter anderem Paul Smiths Floral, Azzaros Azzara, Lalique Le Baiser, etc..

Um der Anzahl der Düfte Herr zu werden, beginne ich jetzt erstmal mit der sogenannten Scent-Trilogy und hier beim ersten, ganz einfach Scent benannten Duft, erschienen 2002. Scent hat folgende Ingredienzen: Jasmintee, Hibiskus, Ambra, Hölzer.

Die Kofpnoten von Scent werden beherrscht von fruchtigen Akzenten mit einem ökogummibärigen Touch, die ich ehrlicherweise nicht als Hibiskus enttarnt hätte, aber mit dem Wissen darum und jener Fruchtherbheit, die sie an den Tag legen, durchaus als solche zu identifizieren sind. Darunter legt sich auf meiner Haut ein zarter Wildlederschleier hellster Sorte, der eventuell der Ambra mitsamt ihren dezent animalischen Akzenten. Überhaupt entwickelt sich bei diesem Duft der Teststreifen fast schon kontradiktorisch zu meiner Haut: Auf jenem überwiegt eine fruchtig-florale Teenote, sehr prominent und durchdringend, für meine Nase ähnlich jenen Bio/Ökogummibärchen aus Fruchtsäften, unterstrichen von einer sanften Wärme und Hölzern. Auf meiner Haut entwickelt sich das ganze wie eine Schwester von Daim Blond aus dem Hause Lutens: Floral-Fruchtiges auf einem süßen (Wild)Lederlager. Beides schön und interessant, zeigt aber auch, daß ein Test auf der eigenen Haut vor dem Kauf angesagt ist ;)

Scent Intense erschien ebenfalls im Jahre 2002 und ist sowas wie der ältere Bruder von Scent, die Erwachsenenvariante, die düstere Seite: Wo Scent noch freundlich und dezent ledrig eher im Obstkorb wühlt mit seinen Hibiskusnoten, verstärkt das in Intense wohl beigefügte Labdanum die Ambra und dreht hier den Pegel voll auf: Harze stehen im Mittelpunkt, süß-würzige Wärme und dunkle, trockene Rauchigkeit. Sehr sehr lecker und meines Erachtens nach auch sehr schön an einem Mann.

Beide Düfte sind unisex tragbar, ich kann mir letzteren an einem Mann allerdings besser vorstellen. Ersterer benötigt schon ein junges und sehr stylisches Exemplar, da er eher metrosexuelle (nicht negativ gemeint!) Züge trägt.

Scent Sheer, 2003 lanciert, ist der dritte Duft im Bunde, ein Eau Fraîche und somit eine leichtere, transparentere Variante der beiden Vorgänger. Was die Ingredienzen angeht ist wieder alles strittig, man findet in vielerlei Quellen noch viel mehr Angaben… Im Pressematerial ist von fließender Seide die Rede sowie von der Essenz von Jasmintee… wenn ich ehrlich bin, ich rieche den nicht. Mit viel Vorstellungskraft auf dem Teststreifen, ok. Für mich aber in erster Linie eine sehr sanfte Moschusinterpretation mit einem Touch seeehr zivilisierter und über die Maßen heller freundlicher Ambra.

Soweit so gut für heute – morgen folgt der Rest der Düfte. Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Costume National…

Geschrieben in Duft, Gewürziges, Holziges am 1.09.2010

… ist nicht nur ein ganz hervorragendes Klamottenlabel, das mein Herz schon seit Jahren mit seinem minimalistischen Stil samt raffinierter kleiner Details erfreut – die Italiener haben auch eine ganze Duftkollektion im Programm, die wir neulich ins Sortiment unseres Shops aufgenommen haben.

Ich bin ganz ehrlich: Natürlich hatte ich diese, trotzdem ich das Label schon lange kenne und schätze, größtenteils noch nicht getestet. Warum? Weil ich, ich gestehe es, bei sogenannten „Mainstream“-Düften, die man in vielerlei Parfumerien bekommen kann, die flächendeckender lanciert werden, immer lediglich semi-interessiert bin und viele Düfte wie die zum Beispiel die 28. Auflage eines Escada-Sommerduftes gar nicht teste (in dem Falle schon auch weil ich das Label ganz gruselig finde…). Eine Voreingenommenheit, die nicht immer richtig und angebracht ist – sind es doch mitunter dieselben Parfumeure, die jene Düfte für die ganzen herkömmlichen Parfumerielabels herstellen: Annick Menardo beispielsweise, die Göttliche, hat neben Le Labos Patchouli auch Bulgari(s) Black gemacht, den kongenialen. Und darüber hinaus noch Diors Hypnotic Poison. Kurkdjian, den wir von seinem eigenen Haus kennen sowie von einigen Düften für Juliette has a Gun, von Indult, der sich verantwortlich zeichnete für Guerlains Rose Barbare und Acqua di Parmas Iris Nobile wurde als Jungspund bekannt mit seinem Meisterwerk für Gaultier, Le Male – und fertigte weiter fleißig noch weitere Düfte für Gaultier, Elisabeth Arden, Joop! und Konsorten.

Wie das kommt? Weltweit gibt es diverse Aroma- und Duftstoffhersteller, einige davon teilen sich den Großteil des Marktes, nämlich Givaudan, IFF, Firmenich, Symrise und Takasago (siehe Blogroll). Diese stellen nicht nur Duftstoffe für Parfums her, sondern eben auch Aromen für Hygieneartikel, für Wasch- und Putzmittel sowie für den Verzehr, ergo für Speisen und Getränke. Einige Labels und Firmen aus dem Parfumeriebereich gehören ohnehin schon zu diesen Konzernen, für andere fertigen ebendiese deren Düfte an – mit hauseigenen Parfumeuren, die je nach dem mal Waschmittel und mal Parfum machen, wobei die bekannteren Stars vermutlich nur noch im Duftbereich agieren und nicht die Limited Edition eines Spülmittels in der Sommersambavariante erfinden müssen. So arbeiten viele unserer angebeteten Parfumeure vom Laborsessel eines dieser Konzerne aus – und betreiben nebenher oder parallel ihre eigenen Projekte, Labels, Kooperationen whatever, in denen sie mehr Freiheit(en) haben.

Ich vergleiche das immer ganz gerne mit der Arbeit eines Malers: Viele Mainstreamlabels erheben mittels der Trendforschung bestimmte zyklische Präferenzen und machen demgemäße Vorgaben. Nehmen wir einmal an, diesen Sommer seien Lotosblüte bei Damen und Grapefruitakzente bei Herren en vogue, im Winter soll die Frauenwelt nach Vanillekipferl riechen und der Mann nach Spekulatius. Nach diesem Schema soll der Parfumeur dann arbeiten, er bekommt oft recht strikte Angaben bezüglich der Inhaltsstoffe und vor allem dem (Liter)Preis, den die Essenz nachher kosten darf – ein bißchen, wie wenn man einem Maler eine Leinwand in die Hand drückt, die die Maße 30 x 40cm hat, ihm eine Palette mit verschiedenen Blautönen gibt sowie weiß und grau, ihm einen Pinsel mittlerer Dicke spendiert und von ihm eine Wasserinterpretation japanischer Natur haben mag. Viel Spielraum bleibt da oftmals nicht, was nicht heißt, das nicht auch mal ein hervorragender Duft herauskommen kann. Häufig aber dürfen auch die Komponenten eben eine bestimmte Preisgrenze nicht überschreiten – was man dem endgültigen Ergebnis mitunter auch „anriecht“, ganz abgesehen davon, daß es darauf getrimmt ist, einer breite(re)n Masse zu gefallen.

Viele der sogenannten Nischenduftfirmen machen derlei Vorgaben nicht, sie lassen den Parfumeuren oft freie Hand bezüglich der Duftkreationen, sowohl was deren Geruch angeht, das Thema als auch die Inhaltsstoffe beziehungsweise deren Preis. Der Parfumeur darf hier häufig verwenden, was sonst selten zum Einsatz kommt: Seltene und teure, weil rare oder sehr schwer herzustellende Essenzen natürlicher und zum Teil auch synthetischer Art. Zum Beispiel nicht irgendeinen Weihrauch, sondern den Silberweihrauch aus dem Oman, der als der beste weltweit gilt, nicht irgendeinen Moschus, sondern eine jener ganz schwer herzustellenden sehr hochwertigen synthetischen Verbindungen. Oder Oud des Adlerholzbaumes, über dessen zum Teil auch traurigen Raubbau ich bereits hier erzählte. Oder jene typischen Essenzen – Iriswurzel, Tuberose und Jasmin, die zu den teuersten gehören.

Darüber hinaus sind die meisten Kollektionen nicht darauf angelegt, gefällig zu sein im Sinne von einer Kompatibilität mit dem Massengeschmack. Diese Düfte muß nicht jeder mögen, nein – davon war schon Carons Gründer Ernest Daltroff überzeugt, der um die Zwanziger des 20. Jahrhunderts Düfte wie Tabac Blond lancierte, den ersten Tabak-Leder-Duft für Frauen, der rauchenden Frau gewidmet (damals ein Affront!) oder En Avion, jenen abenteuerlustigen Frauen gewidmet, die zu jener Zeit Charles Lindbergh nacheiferten und Flugrekorde (weiblicher Piloten) aufstellten.

Jetzt habe ich furchtbar lange ausgeholt – und dargelegt, was ich an Nischendüften, den sogenannten, so liebe: Jene unkonventionellen kleinen und großen Firmen, die ihrer Tradition schon seit Jahrhunderten folgen und gleichbleibend exzellente Produkte produzieren oder jene, die Neues wagen, gegen den Mainstream – alles in jedem Falle mit viel Herzblut und oft manuell kreiert mit aus Liebe zum Produkt und dem Glauben daran, daß es deshalb seine Freunde finden wird.

Jedoch finden sich aus bereits dargelegten Gründen auch bei jenen Labels, die breiter verkauft werden, Juwelen – viele werden hier auch gleich die richtigen nennen, z.B. Hermès, die sich den Luxus leisten, Jean Claude Ellena, einen der größten Parfumeure unserer Zeit als Hausparfumeur zu leisten. Oder Bulgari, die für die Erschaffung ihrer Düfte durchweg nur große Namen beauftragen.

Bei Costume National durfte ich neulich auf einem Shoppingstreifzug mit einer Duftfreundin – an dieser Stelle ein herzliches Hallo an Jutta, falls Du mitliest! ;) – ein solches Juwel in der Kollektion entdecken: Deren letzter Streich, schlicht Homme genannt.

Ein toller Mann, wirklich – und ein ganz und gar ungewöhnlicher, was einen nicht wirklich wundert, wenn man mal einen Blick auf den Parfumeur wirft: Der bei IFF tätige Dominique Ropion, einer der großen Namen der heutigen Zeit. Und wie gestaltet er unseren Mann? Unaufdringlich, aber doch durchdringend und von atemberaubender Präsenz. Eine dichte Komposition mit säuerlich-frischen Zitrusfrüchten im Auftakt, die jedoch bald eintauchen ins das atmosphärische Geflecht des Duftherzens: Dominante warm-würzige Noten von süßlich-scharfem Zimt getragen von einem harzig-rauchigen Holzlager mit Sandelholz, Labdanum und Patchouli… Die Haltbarkeit ist, genauso wie der Duft superb – ganz klar heiratsantragsgefährdet, dieser Mann äh kaufgefährdet dieser Duft äh ich…

Verwirrt-benebelte Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Morgen und übermorgen geht es weiter mit der restlichen Kollektion!

Bildquelle: Cinnamon Sticks von YappsCotta via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Grün, grün, grün und…. grün

Geschrieben in Duft, Grünes am 31.08.2010

Wieder einmal ein Duft, der in den letzten oder zumindest vorletzten Sonnenstrahlen dieses Sommers unbedingt noch vorgestellt werden möchte: Green, Green, Green and… Green von Miller et Bertaux. Das 1985 von Francis Miller und Patrick Bertaux gegründete Label ist in unserem Dufttagebuch rezensionsmäßig noch völlig unterrepräsentiert. Zu Unrecht, wie ich finde. Ein erster Schritt sei hiermit getan. :-)

Die Herren Miller und Bertaux führen eine kleine Boutique im Herzen von Paris, in der sie selbstdesignte Kleidung, Accessoires und eben Parfums an den Mann bringen. Zu letzteren zählen die Reisedüfte Shanti, Shanti und A Quiet Morning, die ihre Inspiration in eine Reise nach Indien fanden, und der Duft Bois de Gaïac et Poire, dem die Referenznummer 015813 und der Halbsatz „Close your eyes and…“ beigestellt sind, ein ruhig-kontemplativer Duft zum Augenschließen und… genießen, träumen, entspannen. Des Weiteren beherbergt das Miller et Bertaux-Sortiment ein Trio, zu welchem auch unser heute rezensierter Gründuft zählt. Da die Herren wohl ein geheimes Faible für Zahlen haben, sind auch diese drei Düfte durchnummeriert. Für Individualisten geschaffen und zwar am besten für solche mit minimalistisch-puristischen Neigungen. Ersteres kann man leicht an der unkonventionellen Namensvergabe erkennen kann: #1 (for you)/parfum trouvé, #2 Spiritus/land und eben unser heutiger Stargast #3 Green, Green, Green and… Green. Bei aller namentlichen Unkonventionalität zeigt das Trio laut Hersteller inhaltlich eine recht opportunistische Grundeinstellung: die drei Düfte können querbeet miteinander kombiniert, also gelayert werden, oder einzeln getragen. Eine Art Kommune 1 der Düfte, was dann ja aber doch wieder irgendwie individuell-unkonventionell ist. Oder so ähnlich. ;-)

Zu den Duftnoten des grünen Gefährten: Lorbeer, Verbena, Koriander, Jasmin, Mastix, Zedernholz, Vetiver.

Ob der deutlichen Unterschiede zwischen Teststreifen und Haut, werde ich wieder einmal getrennt auf beide Varianten eingehen. Zuerst der Papierstreifen: Hier beginnt der Duft – nomen est omen – dunkelgrün mit krautigen Lorbeernoten und dezent seifigem Koriander. Verbena verströmt eine zitrische Süßlichkeit, die allerdings jene erfrischende Spritzigkeit vermissen lässt, die echten Zitrusfrüchten innewohnt. Florale Noten stürzen sich mit ins aromatisch-grüne Treiben und bringen zusätzliche Süße mit ins Spiel. Außerdem rieche ich eindeutig Waldmeister, auch wenn er in den Ingredienzien nicht erwähnt wurde. Saftig, belebend wie ein Karussell aus unterschiedlichen grünen Noten präsentiert sich der Duft, dessen zitrische Noten im Duftverlauf lange wahrnehmbar sind. Leicht und transparent mit fruchtigen Tendenzen und einem weich-holzigen Ausklang.

Auf dem Teststreifen legt Green, Green, Green and… Green bereits einen starken Auftritt hin, gegen meine Haut zieht der Papierstreifenduft aber den kürzeren. Frisch aufgesprüht kommen erst stark-zitrische Noten zum Tragen, weitaus frischer als auf dem Papier und ohne diese süßlichen Nuancen. Intuitiv würde ich auf spritzig-herbe Bergamotte tippen. Dann intensive Lorbeernoten, die schnell weicher werden und Gesellschaft von Koriander bekommen. Dicht gewebt ist der Teppich aus grünen Noten, sehr komplex und authentisch, beinahe wie ein Korb voller frisch gepflückter Gräser und Kräuter. Alsbald verliert der Duft an Intensität, wird transparenter. Aquatische Tendenzen zeigen sich ebenso wie eine subtile Zitrussüße. Hier steckt sie also die kleine Verbena. Nachdem sie auf dem Teststreifen gleich zu Beginn ihren großen Auftritt hatte, habe ich sie auf der Haut schon vermisst. Zart-grün zeigen sich dezente Waldmeisternoten (auch auf der Haut rieche ich ihn eindeutig), während ich die floralen Noten, die auf dem Teststreifen deutlich zu erkennen waren, auf meiner Haut völlig fehlen. Sanfte Holznoten mit fruchtigen Tendenzen bestimmen den Ausklang dieses wunderschönen Sommerduftes.

Schade, dass die Jahreszeit schon so weit vorangeschritten ist und ich Green, Green, Green and… Green erst jetzt für mich entdeckt habe. Aber vielleicht gibt es ja noch einen schönen Spätsommer. Und wenn der Winter nur ganz kurz ist, kommt auch der Frühling schon bald. Grün ist ja schließlich die Farbe der Hoffnung und die stirbt bekanntlich zuletzt. ;-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Colocasia esculenta leaf von Wildfeuer – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z
Es grünt so grün…


Ein wenig skeptisch

Geschrieben in Blüten, Duft, Tropisches am 30.08.2010

stehe ich dieser Rezension gegenüber und zwar schon von Beginn an. Ist die Protagonistin des heute besprochenen Duftes eine, wie ich finde, verkannte Persönlichkeit: die Kokosnuss. Förmlich sehe ich schon wie der sonst interessierte Blogleser nach dieser Offenbarung eilig die Maus Richtung „Fenster schließen“ bewegt und doch möchte ich Euch alle bitten, auch die, die der Kokosnuss mit Vorbehalt, Vorbedacht und Vorurteil gegenüberstehen, ihr doch wenigstens in diesem kleinen Artikel eine Chance zu geben. ;-)

Auch ich muss zugeben, dass mein Verhältnis zu genannter Tropennuss (die botanisch gesehen keine Nuss ist, sondern vielmehr eine Steinfrucht) mitunter etwas angespannt ist. Zum einen weil die Guteste mir olfaktorisch durch so manches synthetische Billo-Duftwässerchen vergällt wurde, zum anderen weil ich sie gustatorisch fast ausschließlich nur mit klebriger Süße in Verbindung bringe; diese Assoziation schiebe ich insbesondere dem unsäglichen Bountyriegel in die Schuhe. Auch ich esse einen solchen alle Jubeljahre mal, wenn mich ein Künstlich-Süß-Gelüstchen überkommt. Aber, wenn man mal ganz ehrlich ist, wird der Schokoriegel der wahren Größe der Kokosnuss nur bedingt oder besser: überhaupt nicht gerecht. Aber wer eine geschmacklich-natürliche Umsetzung in Form eines Knusperriegels sucht, ist ja eigentlich ohnehin auf der falschen Fährte oder wahlweise auch auf dem Weg ins Reformhaus, was aber auch das Gleiche bedeuten könnte. ;-)

Wer von Euch dagegen schon einmal eine ganze Kokosnuss im Laden gekauft hat (oder gar eine eben geerntete in den Tropen selbst?), diese geknackt hat und das fasrig-frische, natürliche, nicht mit künstlichen Aromastoffen zugedröhnte Fruchtfleisch geknabbert hat, wird mir bestätigen können, dass da doch Unterschiede zu erkennen sind. Natürlich ist der charakteristische Kokosgeschmack deutlich erkennbar, aber diese klebrige Süße fehlt. Nach Duftrezensionkriterien würde ich den Geschmack aromatisch, milchig, mit aquatischen Tendenzen nennen. So mag, so liebe ich die Kokosnuss! Lecker!!

Doch bevor sich jetzt ein Mob erregter Kokosgegner und erzürnter Bountyverfechter auf den Weg Richtung Bodensee begibt, um mich zur Räson respektive zum Schweigen zu bringen – Gemach! Gemach! Bin ich doch seit jeher ein Freund der Worte Friedrichs II. : „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“ Wer Bounty liebt, der esse Bounty und wer generell bei Kokos flüchtet, nun, dem wünsche ich ‚Gute Reise’. Ganz nach dem Motto: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. ;-)

Ach, ihr seht, ich befinde mich in einer Art Bredouille. Irgendwie bin ich schon ein Kokosfreund und irgendwie auch wieder nicht so richtig. Dabei würde ich mich so gerne vorbehaltlos für sie einsetzen. Aber davor, also den Vorbehalten, bin selbst ich nicht gefeit. Was das Geschmackliche angeht, kann ich mich zwar unter bestimmten, bereits genannten Umständen für sie verbürgen, was Düfte angeht bin ich äußerst vorsichtig (ich erinnere da nur an erwähnte Billo-Deos,-Düftchen und -Bodylotions). Denn auch hier sind für mich Authentizität und Natürlichkeit das A und O. Wir hatten es kürzlich schon in einem Artikel von Ulrike davon, dass es wenige erwachsene Kokosdüfte ohne Bountynote gibt. Vittoria Apuana von Profumi del Forte wurde da genannt, Virgin Island Waters von Creed und eben auch Love Coco der Ökoduftlinie Honoré des Prés. Sehen wir mal, ob der heute rezensierte Duft dazugehört!

Letzte Woche habe ich sie Euch schon kurz (und begeistert) vorgestellt und dabei auch drei Ihrer Düfte: Patricia de Nicolaï. Auch heute stammt der rezensierte Duft aus ihrer Feder: Cococabana. Der Name ist meiner Meinung nach etwas unglücklich gewählt; eine Verunglimpfung des brasilianischen Vorzeigestrandes Copacabana, und lässt bei mir sofort den Klebrig-Süß-Bounty-Alarm im Kopf losschrillen – und das nur vom Hören beziehungsweise Lesen. Nichtsdestotrotz schreite ich mutig ans Testen (Frau de Nicolaïs Düfte waren bisher durchweg bezaubend, was soll also schiefgehen?). Hier zu allererst einmal die Duftnoten: Kokosnuss, Tiaré, Bitterorange, Galbanum, Ylang-Ylang, Neroli, Zedernholz, Sandelholz, Moschus, Vanille.

Frisch aufgesprüht ist von der erwarteten Kokosnote (die ja auch im Duftnamen extra erwähnt wird) weit und breit nichts zu entdecken. Satt und üppig duftet mir dagegen eine Armada an Weißblühern entgegen, in einer Intensität, die mir bisher in dieser Form noch nicht untergekommen ist und die mir ehrlicherweise kurzzeitig den Atem raubt. Tiaréblüte und Ylang-Ylang toben sich im Auftakt gehörig aus; mal mehr in die berauschend-cremige Richtung tendierend, mal mehr mit quietschigen Bubble Gum-Noten aufwartend. Im weiteren Verlauf beruhigt sich der Duft ein wenig. Die Weißblüher treten etwas in den Hintergrund, aber nicht völlig und da taucht sie plötzlich auf: die Kokosnuss. Authentisch, sehr zart, sehr dezent (was aber auch an dem starken Kontrast zum barocken Auftakt liegen könnte), flankiert von den allgegenwärtigen weißen Floralen und Noten, die ich intuitiv Sandelholz, Moschus und Vanille zuordnen würde, womit wohl auch schon das Ende dieser rasanten Duftachterbahnfahrt eingeläutet wird. In einer berauschend-floralen Note klingt der Duft langsam und gemächlich aus.

Tja, in Hinblick auf meine Ode an die Kokosnuss zu Beginn meines Artikels muss ich zugeben, dass sich der Duft etwas anders entwickelt hat als erwartet. Hierfür muss ich Tiaré und Ylang-Ylang zur Verantwortung ziehen, die den Duft vom Auftakt bis in die Basis hinein dominieren (auf Teststreifen und meiner Haut). Schade, wie ich finde, denn die anderen Duftnoten gehen beinahe völlig unter. Die von mir ersehnte Kokosnote präsentierte sich zwar recht authentisch, wurde aber von den wuchtbrummigen Weißblühern doch eher in den Hintergrund gedrängt und unterjocht.

Von daher würde ich den heute rezensierten Duft (so wie er sich auf meiner Haut und dem Teststreifen entwickelt hat) eigentlich gar nicht in die Kokosriege aufnehmen. Auch wenn der Name das eigentlich vermuten ließe, haben wir es hier doch mit einem weißen Prachtfloralen allererster Güte zu tun; tropische Tendenzen inklusive.

Tja, und somit ziehe ich zwei Lehren aus der heutigen Rezension, nämlich erstens: „Probieren geht über Studieren.“ Ein kleiner Vorabtest hätte mein ellenlanges Plädoyer für die Kokosnuss erübrigt. Außerdem sollte ich in Zukunft Vorsicht walten lassen, wenn mit die Duftnotenkombination Tiaré und Ylang-Ylang unter das Näschen kommt. Da mir doch eher transparente Düfte liegen und ich mit Weißblühern noch nicht ganz per Du, hat mich der Duft heute etwas überrollt. So hoffe ich, dass Ihr mir den abrupten Kurswechsel in meinem Artikel verzeiht. :-)

Immer noch platt wie eine Flunder grüßt Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Kopraherstellung von Robert Stein III und Cocos nucifera von Forest & Kim Starr – some rights reserved. Vielen Dank!

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Das Skin Yoga Spa Face Ritual
Molinard – Tendre Friandise Eau de Parfum, wieder in unserem Sortiment
Botrytis von Ginestet aus dem Bordeaux


Freitagsverlosung.

Geschrieben in Allgemein am 27.08.2010

Hallo Ihr Lieben,

wie jede Woche suchen fünf Probenpakete geeignete und geneigte Nasen zur olfaktorischen Verkostung – wer eines davon haben mag schreibt uns bitte bis So, 24 Uhr, eine Mail an info@ausliebezumduft.de und nennt uns neben seinem Namen und seiner Adresse einen der Düfte, die wir diese Woche rezensiert haben.

Darüber hinaus verlosen wir, wie jeden letzten Freitag im Monat, zudem noch ein tolles Geschenkset mit Duft und Pflegeprodukten von Washington Tremlett – bitte gleich in der Mail angeben, ob Black Tie oder My Fair Lady gewünscht wird! Viel Glück!

[Nachtrag: Das MFL-Set beinhaltet: 100ml Eau de Toilette, 100ml Badeöl und 250ml Duschgel - das BT-Set beinhaltet: 100ml Eau de Cologne, 100ml Aftershave und 250ml Duschgel - also fleißig mitmachen an der Verlosung, es sind wirklich tolle Sets!]

Letzte Woche war das Glück folgenden Leserinnen und Lesern hold: Josefa H., Christian W., Elke H., Jutta S. und Uta P.

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Freitagsverlosung.
Freitagsverlosung.
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Der frischen Wasser zweiter Teil

Geschrieben in Duft, Fruchtiges am 27.08.2010

folgt nun also heute mit den beiden Düften Eau Exotique und Eau Turquoise aus dem Hause Nicolaï. Diese beiden komplettieren die Riege der hier zu rezensierenden Eaux Fraîches. Wie gewöhnlich startete ich meine Rezension, lange vor dem eigentlichen Probeschnuppern, mit einer allumfassenden Recherche und deckte dabei eine Verschwörungstheorie auf, deren Wahrheitsgehalt ich leider, leider weder bestätigen noch dementieren kann. Der Blog Scented Salamander postete im Juni dieses Jahres die Theorie, dass Eau Turquoise der Nachfolgerduft von Eau Exotique sei. Ersterer stammt aus dem Jahre 2008, letzterer aus dem Jahre 2005. Das Exotenwasser wäre vom Markt genommen worden und klammheimlich durch das Türkiswasser ersetzt worden. Nun, wie ich bereits erwähnte, kann ich für diese Hypothese weder Beweise noch Gegenbeweise finden. Die Duftnoten weisen zwar einige Übereinstimmungen auf, die Düfte sind allerdings trotzdem recht unterschiedlich. Außerdem wird auf der Parfums Nicolaï-Seite explizit von fünf Eaux Fraîches gesprochen. Mit Fig Tea, Eau d’Été, Eau Exotique, Eau Turquoise und dem hier nicht rezensierten Vie de Château ist diese Zahl meiner Rechnung nach auch erreicht. Mmmh, ich stehe mal wieder vor einem Rätsel, wenn auch diesmal nicht Haut und Teststreifen betreffend. Vielleicht wisst Ihr da mehr, meine lieben Leser und Leserinnen? Nur keine Scheu, falls mich (und andere Unwissende) da jemand kompetent aufklären kann, dann nur raus damit! Ich lerne gern dazu. :-)

Nun wollen wir uns aber genauer mit den angeblich-verwandten Düften beschäftigen. Fangen wir mit dem älteren der beiden an: Eau Exotique, entstanden im Jahr 2005. Die Duftnoten: Limette, Petitgrain, Orange, Schwarze Johannisbeere, Mango, Jasmin, Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Moschus.

Die sonst im Auftakt gerne dominanten Hesperiden halten sich in der Kopfnote des Exotenwassers vornehm zurück. Subtil zitrische Noten vereinen sich auf umwerfende Art und Weise mit der herben Süße von Mango und den charakteristischen Fruchtnoten der schwarzen Johannisbeere. Zusammen mit dem enthaltenen Alkohol des Eaus ergibt sich ein beinahe prickelnder Sommerfruchtcocktail: Frisches Mangomark, süß und saftig, kombiniert mit einem Spitzer Limette und einem Schuss Cassislikör auf einer spritzig-perligen Basis aus Prosecco. Mmmh, lecker! Schön ausgewogen und stets ins Balance präsentiert sich der Duft: nie zu süß, nie zu herb, nie zu zitrisch. Dieser bunte Obstsalat driftet im weiteren Verlauf in dunklere, erdigere Gegenden, wofür ich die Basisnoten Patchouli und Vetiver zur Verantwortung ziehen würde. Holzige Aspekte vernehme ich, auch diese eher dunklerer Natur. Moschus vermag ich höchstens ganz unterschwellig wahrzunehmen. Bis in die Basis hinein ist die Fruchtnote deutlich riechbar; im fortgeschrittenen Duftverlauf übernimmt die Mango eindeutig das Ruder. Die schwarze Johannisbeere und die zitrischen Noten verpassen den olfaktorischen Anschluß ein wenig. Die Mango offenbart in der Basis nicht nur ihre Hartnäckigkeit, sondern auch leicht überreife Noten, was der Kombination mit den bereits erwähnten Basisgefährten geschuldet sein dürfte.

Ein überraschender Duft in mehrerlei Hinsicht. Eau Exotique zeichnet sich durch diverse Eigenschaften aus, die ich ihm als Eau Fraîche nicht unbedingt zugesprochen hätte: eine langanhaltende Präsenz und Intensität sowie eine eindeutig vorhandene Tiefe. Hierzu erscheint mir das gestern getestete Eau d’Été beinahe wie ein Körperspray, ein Wässerchen, das ich mir üppig auf den von der heißen Sommersonne malträtierten Leib sprühen kann. Ganz anders dagegen das Eau Exotique, das für meinen Geschmack für ein großzügiges Auftragen nur bedingt geeignet ist. Ein wenig erinnert mich der Duft, ob seiner dominaten und langanhaltenden Fruchtigkeit an die Mangokörperbutter einer bekannten, ursprünglich britischen Kette von Kosmetikläden, die unlängst von L’Oréal aufgekauft wurde. So ganz will mir auch der Name nicht einleuchten: Eau Exotique. Sonderlich exotisch finde ich ihn nicht, was aber daran liegen mag, dass ich weder Mango noch schwarze Johannisbeeren sonderlich exotisch, sprich: fremdländisch finde. Aber vielleicht meint Frau de Nicolaï hier ja auch viel eher den Exoten als die Exotik. Und als solches, als außergewöhnlichen, ja ungewöhnlichen Duft würde ich ihn ohne Weiteres durchgehen lassen. Ein Exotenduft eben. ;-)

Doch nun zum jüngeren Geschwisterchen Eau Turquoise und dessen Duftnoten: Mango, Aprikose, Limette, Türkische Rose, Pfeffer, Kardamom, Patchouli, Zedernholz. Laut Hersteller ist es „sweet and sensuous, light, young and feminine“ – süß und sinnlich, leicht, jung und feminin.

Frisch aufgesprüht zeigt Eau Turquoise in der Tat einen ähnlichen Duftcharakter wie Eau Exotique. Fruchtige Noten dominieren; Mango gespickt mit herb-frischen Limettenspritzern, allerdings ohne Cassis-Prosecco-Prickeligkeit. Im weiteren Verlauf zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen dem Teststreifen und meiner Haut. Während auf dem Papierstreifen die Fruchtnoten fast schon künstlich-schrill wirken und in eine, für meine Nase wenig attraktive Süße abdriften, offenbart meine Haut eine zarte Fruchtigkeit, sehr dezent, sehr natürlich, süßlich, aber nicht süß, mit bezaubernd samtigen Noten, die ich dem wohlwollenden Einfluss der Aprikose zuschreibe. Die Rose ist auf meiner Haut nicht wirklich herausschnupperbar, auch die Gewürze sind zwar vorhanden, aber so dezent, dass sie nicht einzeln beziehungsweise bestimmt wahrnehmbar sind. Auf dem Teststreifen dagegen meine ich seifige Rosennoten zu vernehmen. Aber auch hier keine bis kaum Gewürze, dafür gewinnen die Früchte mit der Zeit an Natürlichkeit. Die Aprikose tritt schließlich auch auf dem Papier ganz deutlich in Erscheinung, allerdings mit eher fruchtigen statt samtigen Nuancen.

Auf meiner Haut verfliegt der Duft recht schnell, zurück bleibt eine buttrig-weiche Note, die mich wieder ein wenig an die Fruchtcremes eben genannter Kosmetikkette erinnert. Gibt es da nicht auch eine Aprikosenvariante? Der Teststreifen hält den Duft im direkten Vergleich länger.

Eau Turquoise erscheint mir insgesamt heller und transparenter (letzteres zumindest auf meiner Haut) als das vorher getestete Eau Exotique. Für Freunde von fruchtigen Düften sind beide auf jeden Fall ein Must-Try. Mir persönlich allerdings ein wenig zu fruchtig, daher gebe ich dem gestrigen Duft Eau d’Été in meinem persönlichen Eaux Fraîches-Duftranking den ersten Platz.

Habt Ihr die drei schon einmal getestet? Wie waren Eure Erfahrungen? Welche Düfte von Frau de Nicolaï gefallen Euch am besten? In den nächsten Wochen werden Uli und ich noch ein paar von ihr vorstellen. Vielleicht sind Eure Lieblinge ja auch dabei. :-)

Ein schönes Wochenende wünscht,

Eure Stephanie.

Bildquelle: A cultivar of Mango von W.A. Djatmiko – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Beim Schopfe packen

Geschrieben in Duft am 26.08.2010

möchte ich die Gelegenheit oder besser: den Umstand, dass draußen gerade einmal wieder die Sonne scheint. Habe ich doch in meinem Rezensionsschächtelchen noch diverse Sommerduftphiolen ausfindig machen können, die unbedingt noch zur warmen Jahreszeit vorgestellt werden möchten. Also: Husch! Husch! Der Herbst schwebt ja schließlich schon seit geraumer Zeit wie ein scharf gewetztes Damoklesschwert über unseren Köpfen. ;-)

Genannte Sommerdüfte stammen von einer Dame, die hier im Blog bisher eher selten vertreten war: Patricia de Nicolaï. Ulrike hat vor einiger Zeit bereits zwei ihrer Düfte rezensiert, nämlich: Fig Tea und Patchouli Homme. Ersterer gehört zu den Nicolaïschen Eaux Fraîches, jenen Sommerdüften, die luftig-leicht, erfrischend-spritzig und somit ideal für heiße Temperaturen sind, zu denen auch die heute und morgen rezensierten Wässerchen zählen. So habe ich mich nun auch schon auf meinem sonnenbeschienenen Südbalkon eingefunden und bin bereit, die Düfte im hochtemperierten Milieu im Selbst- und Feldversuch zu testen.

Doch zuerst einmal ein paar Worte zu Frau de Nicolaï selbst. Geboren wurde sie im Jahre 1957 in Paris. Und zwar in keine geringere Familie hinein als die Guerlain-Sippe, deren gleichnamiges Parfumhaus eines der ältesten der Welt ist. Leider wurde es Anfang der 1990er von der allgegenwärtigen LVMH-Gruppe aufgekauft. Davor war es beinahe 170 Jahre im Familienbesitz. Als direkte Nachfahrin des Gründervaters Pierre-François Pascal Guerlain sog Frau de Nicolaï die Welt der Düfte ja quasi mit der Muttermilch auf. So lag es nahe, dass sie am Institut Supérieur International du Parfum de la Cosmétique et de l’Aromatique Alimentaire, kurz ISIPCA, studierte; jener weltbekannten Parfumeursschmiede, die von ihrem Onkel Jean-Jacques Guerlain im Jahre 1970 in Versailles gegründet worden war. Nach ihrem Abschluss dort arbeitete sie erst mehrere Jahre für diverse große Aromen- und Duftstoffhersteller wie Firmenich oder Quest International, bevor sie im Jahre 1989 mit ihrem Ehemann das Unternehmen Parfums Nicolaï gründete. Dies geschah zum einen, weil Frau de Nicolaï endlich ihr eigener Chef sein wollte, um völlige kreative Freiheit zu genießen, andererseits wollte sie die lange Parfumeurstradition der Familie Guerlain fortführen. Das Firmenkonzept ist einfach gehalten:

„A company based on its creator, family owned, having the ambition to create top-notch fragrances at affordable prices with a long term development.“

Ein Familienunternehmen also, das erstklassige Parfums mit langer Haltbarkeit zu erschwinglichen Preisen auf den Markt bringt. In der Simplizität des Konzepts mag der Erfolg von Parfums Nicolaï liegen. In den letzten zwanzig Jahren hat sich das Unternehmen ein beachtliches Sortiment zusammenkreiert: beinahe einhundert verschiedene Düfte für Damen, Herren, beiderlei Geschlecht oder Räume.

Heute werden wir uns also der von Uli bereits anrezensierten Riege der Eaux Fraîches widmen. Zu diesen zählen, neben dem bereits erwähnten Fig Tea, auch Eau d’Été, Eau Exotique, Eau Turquoise und Vie de Château. Fünf an der Zahl, wobei letzterer in meinem Phiolenschächtelchen leider nicht vorrätig war und somit eines Rezensionsaufschubs bedarf. Aber die mittleren drei müssen heute und morgen dran glauben. ;-)

Fangen wir doch vorne an: Eau d’Été – erinnert mich namentlich stark an die kürzlich rezensierten Düfte aus dem Hause L’Artisan Parfumeur, was aber vielmehr an den gerne verwendeten Namensbestandteilen Eau und Été liegen mag, als an den Düften selbst. Die Duftnoten des im Jahre 1997 geschaffenen Sommerwassers: Limette, Grapefruit, Orange, Jasmin, Zimt, Benzoeharz, Moschus, Fruchtige Noten.

Frisch aufgesprüht stürmt das Hesperidentrio sofort auf die olfaktorische Bühne: Limette und Grapefruit sorgen für säuerlich-herbe Spritzigkeit, die Orange für fruchtige Süße. Doch die drei bleiben nicht lange unter sich. Alsbald gesellt sich würziger Zimt zu den Zitrusfrüchtchen, umgarnt diese auf gekonnt verführerische Art und Weise. In dieser Konstellation verbleibt der Duft geraume Zeit, bis zart-florale Noten das würzig-zitrische Quartett beinahe gänzlich verdrängen. Jasmin kann ich nicht explizit herausschnuppern; die Blütennuancen sind extrem dezent und luftig-leicht. Ob der bewusst geringen Konzentration der Eaux Fraîches ist der duftende Spuk recht schnell vorbei. Was für einige Stunden bleibt ist die weiche Basis: sehr hautnah und samtig, aber ohne pudrige Noten. Nein, der Moschus, der sich im Lager eines Duftes ja gerne mal in den Vordergrund drängt, ist hier beinahe nicht erschnupperbar, dafür offenbart sich eine transparent-vanilline Note, die in keinster Weise süß erscheint, der vielmehr eine zarte Fruchtigkeit innewohnt. So verbleibt der Duft auf seine Weise von Kopf bis Basis erfrischend, was ihn ideal für den Alltag der heißen Jahreszeit macht. Ein wunderschöner Sommerduft; leicht, luftig, transparent, der ohne viel Schnickschnack für gute Laune sorgt. Très bien!

Nach diesem äußerst positiven Dufterlebnis harre ich bereits gespannt der beiden Düfte der morgigen Rezension, deren Namen in mir schon vorab akute Südseeassoziationen wecken: Eau Turquoise und Eau Exotique.

Bis dahin wünsche ich Euch einen schönen Tag,

Eure Stephanie.

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Es ist mal wieder an der Zeit…

Geschrieben in Ankündigungen am 25.08.2010

… für Neuigkeiten meine Lieben! Zwar schnarchen noch diverse Hersteller wie man meinen mag in der Sommerpause – in mediterranen Gefilden passiert ja im August eh nichts –, dafür bahnen sich schon weitere Herbstneuheiten an, die ich Euch natürlich mitteilen mag.

Bulgari, neben Hermès meines Erachtens nach immer eines der interessantesten „Mainstream“-Labels, weil sie sich eigentlich nur große Namen leisten was Parfumeure angeht, launcht im September einen neuen Herrenduft, schlicht Bulgari Man genannt.

Als Aushängeschild dient Clive Owen, der bereits 2007 das Gesicht für Lancômes Hypnôse for Men war. Bulgari Man wird beschrieben als ein heller, holzig-orientalischer Duft, der einem neuen Männlichkeitsideal huldig [was sonst]. Entwickelt wurde der Duft von Alberto Morillas, die Ingredienzen werden angegeben mit Bergamotte, Lotosblüte, Birne, Veilchenblätter, Benzoeharz, helle Hölzer, Honig und einem speziellen Ambra aus der Firmenich-Aromaschmiede Eine Ergänzung zum bisherigen Männerportfolio soll es sein zu dem eher klassischen Pour Homme und dem sportlichen Acqua, wie man aus dem Hause Bulgari über WWD verlauten ließ. Hört sich ja gar nicht schlecht an… Folgend ein Video zur Produktbeweihräucherung einführung auf der Mailänder Fashion Week sowie ein Interview im Esquire-Blog hier.

Das Haus Acqua di Parma erweitert seine Colognes dieser Tage umm eine Nummer vier: Nach Colonia, Colonia Assoluta und Colonia Intensa kommt jetzt Colonia Essenza, eine Variation eines älteren Duftes von 1916. Im typischen Flakon, diesmal aber in edlem schwarz [soo schön!] wird Colonia Essenza im August lanciert, das heißt nach der Sommerpause dürfte er auch in unseren Gefilden eintreffen. Die Ingredienzen: Zitrone, Bergamotte, Mandarine, Orange, Grapefruit, Petitgrain, Neroli, Rosmarin, Gewürznelke, Maiglöckchen, Rose, Jasmin, Patchouli, Vetiver, weißer Moschus, Ambra.

Jo Malone, die uns dieses Jahr eigentlich noch mit der Cologne Intense Collection – siehe hier – sowie mit einem Birnen-Fresien-Duft – siehe hier – beehren wollte, beschert uns vorab (oder gleichzeitig?) noch einen anderen Duft im September, passend zum Auftakt in den Herbst (haben wir den nicht jetzt schon?): Vanille Anise. Ein „Ausflug in die florale Landschaft Madagaskars“ soll der Duft laut eigenem Bekunden sein und den Moment des Blühens der raren Vanilleorchidee einfangen. Dies soll ihm mit folgenden Ingredienzen gelingen: Bergamotte, Neroli, Sternanis, Frangipani, Gewürze, Vetiver, Ambra, Nelke, Vanille. Im Ami-Blog Bois de Jasmin kann man schon eine kurze Rezension nachlesen – hier.

L’Occitane hat neben dem neuen limitierten Duft Calanques, den ich schon erwähnte, noch eine weitere Offerte für uns, nämlich Verbena Summer Secret, ebenfalls limitiert und eine Spezialedition, ergo eine Variation des althergebrachten Verbenaduftes. Als Ingredienzen sind angegeben: Verbena, Minze, Basilikum, grüner Apfel, Anis, Zedernholz und Moschus.

Creed haben soeben einen neuen Mann auf den Markt geworfen: Aventus heißt der Herrenduft, der all jenen Eigenschaften Tribut zollen soll, die zu einem echten Kerl dazugehören: Stärke, Kraft, Visionen und Erfolg. Insofern wundert es nicht, daß sich Aventus durch einen Eroberer, einen großen historischen beeinflußt sieht:

„Creed Aventus is inspired by the dramatic life of an historic emperor who waged war, peace and romance on terms he set, riding on horseback to victory.“

Hach, da schmilze ich gleich dahin – wie im übrigen auch die New York Times, welche am 26.07.10 folgendes zu Aventus bemerkte:

“This mesmerizing mix of bergamot, apple and pineapple perched on wood and oakmoss is evanescent and summery, so chill it, and deploy it quickly.”

Wir dürfen gespannt sein. Die Ingredienzen: Schwarze Johannisbeere, Bergamotte, Apfel, Ananas, Rose, Birke, Jasmin, Patchouli, Moschus, Eichenmoos, Ambra und Vanille.

Der nach dem nordischen Göttervater Odin benannte New Yorker Lifestylestore launcht seinen vierten Streich, Odin No. 4 Petrana: Inspiriert von einer jordanischen Wüstenlandschaft mit blühender schwarzer Iris, Veilchenblättern, Koriander, rosa Pfeffer und schwarzer Johannisbeere sowie Heliotrop, weißem Moschus und Vetiver hört sich das doch äußerst vielversprechend an… Entwickelt wurde Petrana von Jean-Claude Delville.

Die Parfumeurin Ineke Rühland lanciert im September den siebten Duft ihrer Alphabetkollektion. Jener hört auf den Namen Gilded Lily, was auf die Shakespearsche Phrase „gilding the lily“ im King John zurückgeht. Rühland, immer kunst- und literaturinteressiert, sieht hier eine Entsprechung zum Parfumeurshandwerk, da diese ebenfalls beständig bestrebt sind, die Schönheit der Natur auszudrücken und auszuschmücken. Gilded Lily trägt im Herzen die Lilie Lilium Auratum, die ursprünglich aus Japan stammt und dort Yamayuri genannt wird, was in etwa Berglilie heißt. Der Duft ist wohl ein fruchtiger Chypre mit Noten von Ananas und Rhabarber, jener Lilie, Patchouli, Ambra und Eichenmoos.

Und zu guter Letzt noch Neuigkeiten von einem Altbekannten, von Herrn Tauer aus der benachbarten Schweiz: Herr Tauer hat einiges für uns in petto, nämlich einerseits einen Maiglöckchenduft, einen grünfloralen namens Carillon Pour un Ange, welchen es momentan nur exklusiv in den Staaten gibt, der aber Anfang nächsten Jahres auch zu uns kommt. Darüber hinaus wird es im Herbst noch zwei weitere Düfte aus der Feder Phiole des Wunderknaben geben: No. 10, Une Rose Vermeille – ab Oktober international erhältlich in der (neuen) 30ml-Größe, darüber hinaus gibt es wenig später die No. 12, Eau d’Épices in der 50ml-Größe, den Herr Tauer auf der Pitti Imagine in Florenz erstmalig präsentieren wird. Sobald nähere Informationen zu den beiden Schmankerl vorliegen, reiche ich die natürlich nach!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Der große Auftritt…

Geschrieben in Duft, Solifloral am 24.08.2010

… ist es, welchem Pierre Guillaume mit seinem zweiten, wie gestern Bois Naufragé ebenfalls neuen und leider ebenfalls limitierten Duft Gardenia Grand Soir huldigt. In die Worte von Parfumerie Générale gefasst:

„Der intensive, sommernächtliche weiße Hauch der Gardenie, unterstützt durch die Vibration von Sandelholz – ein luxuriöses Abendparfum.“

Gardenie läßt mich immer sogleich an den Klassiker von Isabey denken, Gardenia: Eine wundervolle, aber, ja – altmodischer Gardenienduft, die man sich bestens an einem jener alten amerikanischen Filmstars vorstellen kann, an einer Hollywooddiva alter Garde. Eine tropische, überüppige, cremige, wachsige, dichte, dicke, süße Gardenie mit subtil salzigen Noten und einem Hauch Fruchtigkeit, die perfekt zur (hoffentlich falschen) Pelzstola paßt und mit den Heels und dem weitschwingenden Abendkleid harmoniert, dem tiefdekolletierten. Eins ist klar: Gardenia möchte ausgeführt werden. Gardenia ist kein Duft für jeden Tag, sondern einer für den großen (abendlichen?) Auftritt.

Eine solche soll nun die gleichnamige Gardenie von Herrn Guillaume auch sein. Zum Thema Gardenie sollte nicht unerwähnt gelassen werden, daß Gardenie eigentlich immer irgendwie eine Fälschung ist: Natürliche Gardenie wird gar nicht eingesetzt, laut dem Parfumhistoriker Octavian Coifan (siehe dessen Blog 1000 Fragrances) nicht mehr – in den 30ern gab es wohl letzte Reste einer teuren Essenz. Luca Turin hat in NY einen Shop entdeckt, der jenes wohl wieder zu horrenden Preisen führt, über 70 Jahre später. Gardeniendüfte werden ergo über einen Akkord gebaut, in welchem oft andere Weißblüher anstattdessen duften, ob nun natürliche oder synthetische. Nicht fehlen darf natürlich auch jene pilzige Komponente, die der Gardenie als einziger Blume so eigen ist.

Zurück zum Ausgangspunkt – Pierre Guillaumes Gardenia Grand Soir. Sollte ich hier auf die Doppeldeutigkeit des Terminus Le Grand Soir aufmerksam machen? Der für einen revolutionären Bruch steht und gerne auch mal von den Kommunisten und Anarchisten benutzt wurde? Verbirgt sich gar hinter der schönen stolzen weißen Blüte eine Revoluzzerin?

Ihr seht schon, heute vergaloppieren mir meine Gedanken mitunter. Gardenia Grand Soir bricht aber in der Tat – nämlich zumindest auf dem Papierstreifen, und zwar mit dem Konzept der gängigen Gardeniendüfte. Diese Gardenie kommt dahergeweht, luzide, leicht, luftig. Eine ätherische Blüte mit feiner milchiger Süße, einem Tupfer Fruchtigkeit und ansprechend umrankt von leuchtendem Blattgrün.

Als weniger großer Fan weißer Blüten – ich bin dafür einfach zu… nein, anders: diese sind mir zu… feminin feminin – bin ich begeistert, ähnlich wie ich es letztes Jahr schon bei dem sehr gelungenen und ungewöhnlichen Matin D’Orage von Goutal war, den ich auch schon längst einmal rezensieren wollte. Beide verknüpfe ich aufgrund ihrer Transzendenz gedanklich mit asiatischem – wo sollte die Harmonie auch sonst wohnen außer dort…

Auf meiner Haut, das muß ich leider zugeben, entpuppt sich Gardenia Grand Soir dann weniger als die zarte, sanfte Revoluzzerin, sondern vielmehr ganz konträr als jene Verführerin, die Ausgeh-Gardenia für den großen Auftritt: Ein wenig an Carnal Flower erinnernd, jene Tuberose allererster Güte aus der Frédéric Malle-Kollektion, versucht mich hier ein weißblühender Profi zu umgarnen in kokosangehauchter cremiger Sahnigkeit. Keine Frucht. So gut wie kein Grün. Und das in mehrmaligen Anläufen. Wunderschön, keine Frage – aber auf meiner Haut leider nicht so, wie auf dem Teststreifen. Und jenen Duft, den hätte ich sofort haben müssen. Die Grazie auf meinem Handgelenk ist nicht minder betörend, aber eben nichts für mich.

Ich bin mir aber sicher, daß viele unter Euch sie mögen werden, insofern muß ich der Verstoßenen gegenüber kein schlechtes Gewissen haben ;)

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Hashiguchi Goyõ (ca. 1920): Woman at a Hot Spring Hotel via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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