Interview mit Mark Buxton – Der Parfümeur hinter Eau D’Ivine und Eau D’Éclat von Gravel

Eine ganz besondere Freude war es für mich, den bekannten Parfümeur Mark Buxton interviewen zu dürfen. Viele von euch kennen seinen Namen vermutlich bereits, denn seit mehr als vier Jahrzehnten kreiert er Düfte für internationale Marken und hat zahlreiche erfolgreiche Kompositionen geschaffen. Für Gravel entwickelte er zuletzt die beiden Neuheiten Eau D’Ivine und Eau D’Éclat.

Im Gespräch erzählt Mark Buxton von seinem ungewöhnlichen Einstieg in die Parfümerie, den Gerüchen seiner Kindheit und seiner Arbeitsweise als Parfümeur. Natürlich sprechen wir auch über Eau D’Ivine und Eau D’Éclat sowie darüber, was für ihn einen wirklich guten Duft ausmacht.

Lieber Mark, Du bist eine feste Größe in der Parfumwelt. Wie hat dein Weg in die Welt der Düfte begonnen?

Ich beschäftige mich seit über 40 Jahren mit der Parfümerie. Mein Weg in die Branche begann, nachdem ich in der bekannten deutschen Fernsehsendung Wetten, dass..? entdeckt wurde. Kurz darauf erhielt ich von einem großen Dufthersteller das Angebot, eine Ausbildung zum Parfümeur zu absolvieren. So begann meine professionelle Karriere.

Gibt es frühe Geruchserinnerungen, die dich bis heute begleiten oder vielleicht sogar geprägt haben?

Ja, ich habe viele Erinnerungen an Produkte und Düfte, die ich früher geliebt habe und bis heute liebe. Ich bin in der Küche eines Restaurants in Deutschland aufgewachsen und habe es schon als Kind geliebt, Zeit mit den Köchen zu verbringen, umgeben von Gewürzen, Kräutern und all den aromatischen Gerüchen. Diese Eindrücke begleiten mich bis heute und inspirieren meine Arbeit als Parfümeur.

Besonders gerne arbeite ich mit Rosmarin, Thymian, Basilikum, Estragon, aber auch mit Noten wie Curry, Liebstöckel und anderen würzigen Akkorden. Diese Düfte stammen aus meiner Kindheit und sind bis heute ein wichtiger Teil meiner kreativen Welt.

Wie gehst du heute an einen neuen Duft heran? Steht am Anfang eher eine konkrete Idee, ein Rohstoff oder ein bestimmtes Gefühl?

Das hängt ganz vom jeweiligen Projekt ab. Im Grunde beginne ich immer mit einem leeren Blatt Papier. Am Anfang steht die Hauptidee – die DNA des Duftes. Meist sind es drei oder vier Rohstoffe, die dem Parfum seinen Charakter verleihen.

Natürlich spielt auch das Briefing eine wichtige Rolle und gibt oft bereits eine Richtung vor. Deshalb gehe ich jede Formel anders an.

GRAVEL Eau D'Ivine Extrait de Parfum mit Verpackung auf moosbewachsenem Felsen vor einem Wasserfall, umgeben von fließendem Wasser, Farnen und üppiger, grüner Natur.

Du bist bekannt für schlanke Formeln und eine sehr präzise Handschrift. Was reizt dich an dieser reduzierten Art des Komponierens?

Ja, ich arbeite gerne mit kurzen Formeln. Wie ich bereits erwähnt habe, geht es mir darum, den Kern eines Duftes möglichst präzise herauszuarbeiten. Meist stehen dabei drei oder vier Rohstoffe im Mittelpunkt, um die sich die gesamte Komposition entwickelt.

Ich glaube, genau das verleiht einem Duft seinen Charakter und seine Eigenständigkeit. Diese Art zu arbeiten entspricht einfach meiner Handschrift.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Gravel? Was hat dich an diesem Projekt besonders gereizt?

Christian, der CEO von Gravel, fragte mich, ob ich an einigen neuen Projekten der Marke mitarbeiten möchte – was ich natürlich sehr gerne gemacht habe.

Jede Marke besitzt ihre eigene Identität. Deshalb wollte ich für Gravel etwas Besonderes kreieren. Einen Duft, der zugleich die Frische widerspiegelt, für die die Marke bekannt ist. So nahm das Projekt seinen Anfang.

Mit welcher Ausgangsidee bist du an Eau D’Ivine herangegangen?

Für Eau D’Ivine wollte ich einen Duft kreieren, der von der Insel Zypern inspiriert ist. Deshalb eröffnet die Komposition mit einer strahlenden, frischen und lebendigen Kopfnote aus rosa Grapefruit, Bergamotte, Geranie und einem knackigen Apfelakkord.

Das Herz ist leicht würzig und zugleich elegant gestaltet – mit Elemi, einer wunderschön frischen, aquatisch anmutenden Rose und feinen Nuancen von Lavendel.

Im Ausklang entfaltet sich der Duft warm, holzig und elegant mit reichhaltiger Vanille, Tonkabohne, weichen Moschusnoten und – ganz typisch für meine Handschrift – einer raffinierten Vetivernote.

GRAVEL Eau D'Éclat Extrait de Parfum vor der passenden Verpackung mit geometrischem Muster in Türkis, Orange und Braun auf weißem Hintergrund.

Und an Eau D’Éclat?

Was Eau D’Éclat betrifft, spiegelt bereits der Name den Charakter des Duftes wider – strahlend, leuchtend und voller Licht. Für diese Kreation habe ich schwarze Johannisbeere als eines der zentralen Elemente der Kopfnote gewählt, kombiniert mit Davana und Granatapfel. Der Auftakt ist lebendig, strahlend und voller Energie.

Im Herzen wird der Duft weicher und eleganter und entfaltet feine Noten von Magnolie, Maiglöckchen und subtilen Oolong-Tee-Akkorden, die der Komposition Transparenz und Raffinesse verleihen.

All das ruht auf einer anspruchsvollen Basis aus Patchouli, sanftem Weihrauch, Sandelholz und warmen Ambernoten. Der Ausklang verleiht dem Duft eine wunderschöne Sillage und hinterlässt eine elegante und sinnliche Signatur.

Was macht Eau D’Ivine und Eau D’Éclat zu typischen Gravel-Düften?

Ich denke, dass sich die beiden Düfte perfekt in die Welt von Gravel einfügen. Sie greifen die charakteristische Frische der Marke auf und bringen gleichzeitig eine gewisse Originalität mit. Genau das macht für mich den Unterschied aus.

Sind Eau D’Ivine und Eau D’Éclat typisch für deinen Stil?

Jeder Parfümeur hat auf gewisse Weise seine eigene Handschrift. Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich nicht an unterschiedliche Stilrichtungen anpassen kann.

Diese beiden Briefings waren für mich allerdings eher ungewöhnlich, denn normalerweise arbeite ich eher mit orientalischen, holzigen, dunklen oder rauchigen Kompositionen als mit klassischen Frischedüften.

Gerade deshalb war dieses Projekt für mich eine spannende Herausforderung. Ich habe versucht, den beiden Düften so viel Charakter wie möglich zu verleihen. Und ich denke, das ist gelungen.

Hättest du Eau D’Ivine und Eau D’Éclat vor zehn Jahren auch so komponiert – oder zeigen sie, wie sich dein Stil entwickelt hat?

Der eigene Stil entwickelt sich natürlich im Laufe der Jahre weiter. Ich arbeite inzwischen seit mehr als 40 Jahren in der Parfümindustrie und habe in dieser Zeit unzählige neue Inhaltsstoffe kennengelernt – neue Aromachemikalien, natürliche Extrakte und innovative Technologien.

Als Parfümeur lernt man diese Materialien ständig neu kennen und setzt sie auf unterschiedliche Weise ein. Dadurch entwickelt sich auch die eigene Handschrift kontinuierlich weiter. Natürlich behält man seine persönliche Handschrift bei, integriert aber gleichzeitig neue Facetten und moderne Texturen in seine Kreationen.

Heute stehen uns beispielsweise deutlich mehr aquatische Noten und innovative Moleküle zur Verfügung als noch vor zwanzig Jahren. Und das gilt ebenso für viele andere Rohstoffe.

Deshalb verändert sich die eigene Arbeitsweise mit der Zeit ganz automatisch. Ich weiß nicht, ob diese Düfte vor zehn Jahren genauso gerochen hätten wie heute, aber ich denke, meine Handschrift ist dennoch klar zu erkennen.

GRAVEL Eau D'Ivine Extrait de Parfum vor der passenden Verpackung mit violettem geometrischem Muster auf einer glänzenden, spiegelnden Oberfläche.

Und zum Schluss: Was macht für dich heute einen wirklich guten Duft aus? Und wo geht die Reise für dich und für die Parfümerie in den nächsten Jahren hin?

Ich glaube, dass jeder Duft eine unverwechselbare Signatur braucht. Das war für mich bei der Kreation von Parfums schon immer essenziell.

Heute werden jedes Jahr unzählige Düfte lanciert. Wer wirklich herausstechen und unverwechselbar sein möchte, braucht Charakter. Etwas, das sofort wiedererkannt wird und idealerweise auch in zehn Jahren noch Bestand hat.

Wie sich die Parfümerie weiterentwickeln wird, bleibt spannend. Ständig entstehen neue Trends, neue Aromachemikalien und neue natürliche Rohstoffe, die die Duftkreation beeinflussen.

Das lässt sich kaum vorhersagen. Entscheidend ist für mich, weiterhin Düfte mit einer eigenen Identität und echter Originalität zu erschaffen. Und nicht einfach das zu wiederholen, was es ohnehin schon gibt.

Lieber Mark, vielen Dank, dass du dir Zeit für meine Fragen genommen hast.

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Julia Biró Verfasst von:

Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

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