Hellenist Paris – Les Bras de Morphée und Le Chant d’Achille

In meinem letzten Beitrag habe ich euch bereits das Interview mit Jean-David Jacoby präsentiert, heute starten wir mit den Duftrezensionen. Fünf Düfte umfasst die Kollektion der französischen Nischenduftmarke mit einer Vorliebe für Griechenland: Les Bras de Morphée, Le Chant d’Achille, À l’Ombre d‘Artémis, Les Dieux aux Bains und La Nuit des 300 sind die klangvollen Namen der Kreationen, die sich alle der östlichen Mittelmeerregion verschrieben haben. Heute möchte ich euch zunächst Les Bras de Morphée und Le Chant d’Achille vorstellen, ehe wir uns morgen den restlichen Kompositionen widmen.

Flakon von Hellenist Paris „Les Bras de Morphée“ auf einer Steinoberfläche, umgeben von violetten Irisblüten, grünen Blättern und Haselnüssen. Die Inszenierung greift zentrale Duftnoten der Komposition auf und unterstreicht ihre elegante, von der griechischen Mythologie inspirierte Ästhetik.

Les Bras de Morphée – In Morpheus’ Armen

Mit unserem ersten Duft am heutigen Tage begeben wir uns ins Land der Träume. Denn der griechische Gott Morpheus ist keineswegs der Gott des Schlafs, wie manche vielleicht annehmen könnten, sondern vielmehr für die Traumwelt zuständig. Er ist in der Lage, sein Aussehen zu verändern und kann so, als menschliche Gestalt, in Träumen auftauchen. So überbringt er dem Schlafenden göttliche Botschaften oder erinnert an geliebte Menschen. Dabei ist sein Erscheinungsbild täuschend echt.

Sein Schicksal als Traumgott scheint fast vorbestimmt gewesen zu sein. Seine Großmutter ist Nyx, die Göttin der Nacht. Der Vater ist Hypnos, der Gott des Schlafs, und seine Mutter ist Pasithea, die mit Entspannung, Ruhe und bewusstseinsverändernden Zuständen in Verbindung gebracht wird. Auch seine Brüder bewegen sich in der Welt der Träume: Phobetor erscheint als Tier oder fantastisches Wesen in Alpträumen, während Phantasos sich in Landschaften und der Natur offenbart.

Kopfnote: Veilchenblätter, Pfirsich, Heliotrop
Herznote: Iris, Veilchen, Haselnussholz
Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Cashmeran

Flakon von Hellenist Paris „Les Bras de Morphée“ auf einer steinernen Stufe vor einer klassischen Skulptur. Die warme Lichtstimmung und die mediterrane Architektur greifen die von der griechischen Mythologie inspirierte Atmosphäre des Duftes auf.

Ich hoffe auf einen traumhaften Einstieg in die olfaktorische Welt von Les Bras de Morphée. Das Eau de Parfum erfüllt diese Erwartungen mühelos. Erdig-cremige Iris vereint sich mit krautig-pfeffrigen Veilchenblättern, samtigem Pfirsich und warmen Holznoten zu einem tiefgründigen, behaglichen und umhüllenden Duft, der nicht umsonst in warme Brauntöne getaucht ist. Ein Hauch von Nusspuder legt sich über die Komposition, der die geschmeidigen, weichen und milchigen Noten der Iris wunderschön unterstreicht. Heliotrop, Vanille und Tonkabohne sorgen für würzig-liebliche Momente und feine, vanillige Aspekte, die die Kreation auf wundervolle Art und Weise abrunden.

Les Bras de Morphée von Hellenist Paris ist ein sanfter, ruhiger, ja, fast schon tröstlicher Duft, der sich um eine wunderschöne Iris dreht, die mit nussig-pudrigen und würzig-cremigen Nuancen kombiniert wurde. Perfekt für alle, die entspannte und wohlig-weiche Kompositionen mit mittlerer Präsenz und einer guten Haltbarkeit bevorzugen. Ideal für kühlere Tage und hier zu jedem Anlass tragbar. Eine klare Testempfehlung!

Le Chant d’Achille – Gesang des Achill

Unser zweiter Duft, Le Chant d’Achille, widmet sich einem weiteren Charakter aus der griechischen Mythologie: Achill, ein Halbgott, Sohn der Meeresgöttin Thetis und eines mittelgriechischen Königs, der für seine Schönheit und Kampfkunst berühmt war. In zahlreichen antiken Quellen vorkommend, ist sein Schicksal vielfältig und facettenreich beschrieben. Um ihn unsterblich zu machen, tauchte ihn seine Mutter in den Styx, den Fluss der Unterwelt. Nur die Stelle, an der die Mutter ihren Sohn festhielt – die Ferse – blieb vom Wasser unberührt, wodurch er genau dort verletzlich blieb.

Diese Verletzlichkeit und die tiefe Verbundenheit zu seinem Gefährten Patroklos, stehen im krassen Kontrast zur Kampfkunst und dem immer wieder aufflammenden Zorn des griechischen Halbgotts. Dieser Gegensatz wurde in dem Duft Le Chant d’Achille von der Parfümeurin Alexandra Carlin aufgegriffen und olfaktorisch umgesetzt.

Kopfnote: Neroli, Zitrone, Schwarzer Pfeffer
Herznote: Geranium, Orangenblüte, Ylang-Ylang
Basisnote: Immortelle (Italienische Strohblume), Vetiver, Moschus

Flakon von Hellenist Paris „Le Chant d’Achille“ auf dem Holzdeck eines Segelbootes. Dicke Tauwerkseile und warmes Sonnenlicht schaffen eine maritime Atmosphäre, die an die griechische Küste und die Reisen antiker Helden erinnert.

Frische, zitrische Noten treffen auf prickelnd-scharfen Pfeffer und die aromatisch-floralen Akzente von Neroli und Orangenblüte, wodurch sich eine luftige, fast schon fragile, sommerliche Komposition ergibt. Das Geranium erzeugt eine kühle, minzige Frische, die an mit Tau benetzte Rosen am Morgen erinnert, während sich allmählich die milchigen Nuancen von Ylang-Ylang in der Kreation entfalten. Sie verleihen der Kreation zart-tropische Tendenzen und sorgen für einen feinen Sonnencreme-Effekt. Salzig-krautige Akzente setzt die Immortelle, die Le Chant d’Achille gemeinsam mit den erdig-cremigen und kristallinen Nuancen von Vetiver und Moschus abrundet.

Das Eau de Parfum von Hellenist Paris ist ein sonniger, sommerlicher und zitrisch-cremiger Duft, der luftig, transparent und herrlich mediterran wirkt. Die krautigen und salzigen Noten der Immortelle verleihen dem hauptsächlich von zitrischen Noten geprägten Duft spannende Facetten und Tiefe, was die Kreation von anderen, ähnlich gearteten Kompositionen unterscheidet. Transparent, minimalistisch und durchaus auch clean anmutend, ist Le Chant d’Achille ein eingängiger und angenehmer Allrounder für die wärmere Jahreszeit.

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Julia Biró Verfasst von:

Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

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