Nach dem Interview mit dem Markengründer Jean-David Jacoby und meiner Review zu den ersten beiden Kreationen Les Bras de Morphée und Le Chant d’Achille von Hellenist Paris folgt heute mein Beitrag zu den drei Düften Les Dieux aux Bains, La Nuit des 300 und À L’Ombre d’Artémis. Natürlich dreht sich auch heute alles um Griechenland, dessen Geschichte und Mythologie. Wir begeben uns in ein göttliches Bad, gedenken einer besonderen Eliteeinheit der Antike und planschen mit der Göttin der Jagd in einer Quelle im Wald.
Les Dieux aux Bains – Bad der Götter
Der Parfümeur Pierre-Constantin Guéros war für die olfaktorische Umsetzung von Les Dieux aux Bains verantwortlich. Um welches Götterbad es sich genau handelt, bleibt ungewiss. Es gibt verschiedene Orte, die als Vorbild infrage kommen. Persönlich spricht mich das Bad der Aphrodite am meisten an, jedoch liegt es auf der Mittelmeerinsel Zypern und nicht in Griechenland.
Die griechische Insel Euböa ist bekannt für ihre Thermalquellen, die sich insbesondere im Norden des Eilands befinden. Hier soll der Halbgott Herakles, ein Held der griechischen Mythologie, nach kräftezehrenden Kämpfen Ruhe und Erholung gefunden haben. Auch die Heiligen Quellen der Musen am Fuße des Olymp verzaubern mit zahlreichen Wasserfällen und Naturbecken und sollen nicht nur Nymphen und Musen Erfrischung geboten haben, sondern auch dem Göttervater Zeus selbst.
Kopfnote: Wacholderbeeren, Zitrone, Eukalyptus
Herznote: Aquatische Noten, Florale Noten, Rosmarin
Basisnote: Patchouli, Vetiver, Ambroxan
Spritzige Zitrusfrüchte treffen im Auftakt des Eau de Parfum auf holzig-prickelnde Wacholderbeeren und die kühle Frische von Eukalyptus. Bald schon fließen helle Wassernoten in die Komposition, die von salzigem Rosmarin begleitet werden. Wie ein kühler Bachlauf plätschert die Kreation auf meiner Haut, unbeschwert, sommerlich und herrlich luftig. Diese Transparenz und Leichtigkeit sind unter anderem auch Ambroxan geschuldet, das im weiteren Verlauf zum Vorschein kommt. Im Ausklang sorgen Patchouli und Vetiver für etwas dunklere, holzig-erdige Momente.
Ein sommerlicher, frischer und belebender Mix aus Zitrusfrüchten, Eukalyptus und holzigen Noten, untermalt von hellen Wassernuancen, die eine sanfte maritime Brise in sich tragen. Perfekt für heiße Tage und alle, die leichte, zitrische Kreationen mit mittlerer Präsenz und einer ebensolchen Haltbarkeit bevorzugen. Ein klarer, eher geradliniger und unkomplizierter Duft, der in der wärmeren Jahreszeit zu jedem Anlass passend ist.
La Nuit des 300 – Die Nacht der 300
Bei unserem zweiten Duft des Tages – La Nuit des 300 von Hellenist Paris – widmen wir uns dem Militär der griechischen Polis Theben oder besser: der besonderen Eliteeinheit namens Heilige Schar. Sie umfasste 300 Mann und bestand komplett aus männlichen Liebespaaren. Diese spezielle Auswahl wurde aus einem bestimmten Grund getroffen. Man erhoffte sich, dass die Einheit dadurch eine große Verbundenheit zueinander zeigt und dadurch besser kämpft. Dieses außergewöhnliche Thema griff der bekannte Parfümeur Maurice Roucel an, der „sowohl eine Erinnerung an die Schlacht als auch eine Hymne an die Begierde.“ erschaffen wollte.
Kopfnote: Ambrette, Moschus, Wermut, Bergamotte
Herznote: Ambroxan, Moschus, Tonkabohne, Lavendel
Basisnote: Moschus, Patchouli, Sandelholz
Weiche, samtige Hautnuancen eröffnen La Nuit des 300 von Hellenist Paris. Ambrette und Moschus zeigen sich von ihrer verführerischsten Seite. Subtile Zitrussprenkel sorgen für eine zarte Frische, während Lavendel und Tonkabohne der Kreation krautig-heuartige Nuancen verleihen. Ein Hauch von cremigem Patchouli und ambriertem Sandelholz gesellt sich im weiteren Verlauf hinzu, nach wie vor gebettet auf ein watteweiches, sanftes und an warme Haut erinnerndes Moschusbett.
La Nuit des 300 ist ein wunderschöner, heller und luftiger Skin Scent, der umhüllend und tröstlich wirkt. Sehr leicht, luftig und luzide, sinnlich und verführerisch. Ein angenehmer und eingängiger Moschusduft, der sehr modern, minimalistisch und molekülig ist. Ob im Sommer oder im Winter, das Eau de Parfum passt für mich immer und kann auch zu jedem Anlass getragen werden. Richtig schön!
À l’Ombre d’Artémis – Im Schatten von Artemis
Artemis ist unser dritter Duft des Tages gewidmet. Sie ist die Göttin der Jagd und auch sie badet gerne. Der Sage nach wird Artemis beim erfrischenden Bad in einer Waldquelle von einem jungen Jägersmann beobachtet, woraufhin sie ihn – wie man das in Götterkreisen halt so macht – stante pede zu einem Hirsch werden lässt. Der Duft À l’Ombre d’Artémis dreht sich nicht direkt um dieses Ereignis, sondern vielmehr um die Szenerie der geheimnisvoll anmutenden Waldquelle, die die Parfümeurin Suzy Le Helley „in ein olfaktorisches Erlebnis“ übersetzen wollte.
Kopfnote: Schwarze Johannisbeere, Bergamotte, Maiglöckchen
Herznote: Rose, Feige, Ambrette
Basisnote: Eichenmoos, Sandelholz, Vetiver
Herbe Schwarze Johannisbeere und spritzige Bergamotte eröffnen das Eau de Parfum aus dem Hause Hellenist Paris, von Beginn an begleitet von hellem, cremigem Maiglöckchen und der taubenetzten Frische der Rose. Die Feige bringt grünlich-holzige Momente in den Duft, während sich allmählich moosig-erdige Noten in die Komposition schieben, die Atmosphäre einer Quelle im Wald wunderbar transportieren.
À l’Ombre d’Artémis ist ein kühler, fruchtiger und holziger Mix aus dunkel-herben Früchten, grünlicher Feige, luftigen Blüten und erdig-holzigen Nuancen. Das Eau de Parfum wirkt spritzig-prickelnd und zugleich angenehm klassisch. Ein sommerlicher und unbeschwerter Duft für alle, die grünliche, waldige Kreationen mit Früchten und Blüten lieben.
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