Piguets V. Intense oder auch: Das Märchen …

… von Schneeweißchen und Rosenrot – so könnte es heißen, das war mir bereits auf den ersten Schnupperer klar. Wieso, weshalb, warum – den ganzen W-Fragen widmen wir uns heute, und, ganz wichtig, selbstredend auch der Frage, WIE er den Duft, der Neuling.

Snow White and Rose Red

Genauso wie das Oud-Duo, bestehend aus Divin Oud und Oud Délice, das ich Euch bereits vorgestellt hatte, hier nachzulesen, ist V. Intense neu auf dem deutschen Markt. Er wurde zwar bereits vor dem auf der diesjährigen Esxence vorgestellten Oud-Duo lanciert, ist aber erst gerade in Deutschland gelandet. Alle drei trudeln dieser Tage bei uns ein, einige hatten ja auch schon nachgefragt. 🙂

V. Intense hat für einige Verwirrung im Netz gesorgt, wofür vermutlich ein Missverständnis verantwortlich wahr: Ein paar geheimnisvolle Andeutungen der Marke selbst im Hinblick auf die Lancierung, dann der Name … was daraus resultierte, ist klar, zumindest mir: Alle Welt hielt V. Intense für eine Variation, viel eher aber eine konzentrierte Variante von Visa, einem Klassiker und Bestseller des Hauses. Jein ist die glasklare Antwort auf diese Schlussfolgerung: V. Intense ist keine Variation von Visa, erst recht aber nicht eine intensivere Auflage dieses Duftes. Wie einige von Euch wissen, schreibe ich die deutschen Texte für Robert Piguet, so habe ich mich natürlich auch V. Intense angenommen:

piguetvintense „Die Mysteriöse – V. Intense

Ein duftendes Geheimnis: 2014 auf den Markt gekommen, sorgte V. Intense bei seinem Erscheinen für Furore und Fragen – für was steht der Buchstabe „V“, was verbirgt sich hinter dem Duft? Des Rätsels Lösung: V. Intense zollt dem Klassiker Visa Tribut – auf seine ganz eigene, unvergleichliche Art und Weise.

Visa, 1945 kreiert und 2007 wieder relanciert, ein Bestseller des Hauses Piguet. Mit V. Intense schuf Aurélien Guichard ein weiteres Meisterwerk: Sich vor Visa verneigend, dessen orientalischen Charakter teilend und seine Fruchtigkeit zitierend, zelebriert V. Intense im Gegensatz zu seiner strahlend-weißfloralen und pfirsich-fruchtigen, in edles Wildleder gewandeten Schwester die ungezügelt-wilden Facetten des Nachtlebens.

Kostbarer Safran veredelt scharlachrote Rosen, von opulenten Noten betörend-saftiger Pflaumen begleitet. Elegant in sachten Weihrauchnebel gehüllt, sieht sich der Duft durch Sandelholz vervollkommnet, das köstlich-milchige Anklänge stiftet und würzige Wärme spendet.

V. Intense – eine dunkle Rosenschönheit von modern-orientalischem Naturell,
die ihresgleichen sucht.“

Für mich sind Visa und V. Intense Schwestern: Sehr unterschiedlich in ihrer Aussage, in ihrem Temperament, aber dennoch verwandt – ich denke, so etwas in der Art war auch die Intention. Denn man hat ein paar Duftnoten aus Visa übernommen, genauer gesagt den Pfirsich, die Bergamotte und die Rose sowie ein paar Ylang-Blüten. Darüber hinaus aber ist V. Intense von ganz anderem Naturell – die Duftnoten: Kopfnote: Bergamotte, Birne, Safran; Herznote: Rose, Ylang-Ylang, Pflaume; Basisnote: Patchouli, Weihrauch, Sandelholz, weißer Moschus.

Visa lieben viele, laut Vertrieb ist es einer der absoluten Bestseller des Hauses. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, ist Visa doch eine Bilderbuchfrau: Ein (paar) Früchtchen im Kopf, durchaus kokett, feminin und sinnlich dank der floralen Anklänge und dem wundervollen und weichen Wildleder, das subtile Gourmandanklänge vorzuweisen hat, da es auf einer überaus deliziösen Basis aus Vanillecreme ruht. Visa ist für mich – ein Immergeher für die Frau, vorausgesetzt sie ist geneigt dazu, einen weiblichen Duft zu tragen. Vielleicht nicht für die ganz heißen Sommertage geeignet, passt Visa dennoch das ganze Jahr über und geht sowohl zum Ausgehen als auch tagsüber im Geschäft. Ich habe ihn schon rezensiert im Rahmen meiner Vorstellung der Piguetschen Classic Collection – lest hier – und zitiere mich einmal kurz selbst:

„Ich verstehe es nicht, wirklich nicht! Denn Visa ist traumhaft: Als Florientale klassifiziert, hat Visa noch um einiges mehr zu bieten, als diese Gattungsbezeichnung erahnen lässt: Es ist diese herrliche Basis, die oszilliert, schimmert und strahlt, und meine Haut in ein herrlich milchig-würziges Kleid hüllt: Sandel und Vanille, die Süße kokett-scharfen Zimtes und Leder, wunderbar weiches Wildleder. Die Hesperiden im Kopf stiften Frische, von himmlich samtigem Weinbergpfirsich und reifer Birne gekonnt ergänzt, und die Rose im Herzen lässt den Duft sinnlich und feminin strahlen. Meine Lieben – das ist ganz großes Kino! Ein Damenduft, wie er schöner nicht sein könnte – und einer, den ich mir sowohl an Hell- wie auch Dunkelhaarigen perfekt vorstellen kann. Nur zur Jeans, da harmoniert er nicht so gut – ein Kleidchen darf es dazu schon sein ????“

Prinzipiell sehe ich es immer noch gleich: Sowohl Visa als auch V. Intense passen zu jeder Frau, allerdings habe ich immer ein Bild im Kopf, wenn ich die Düfte schnuppere. Visa sehe ich hier an einer blonden Frau, einer heiteren, dem Typ nach ein „Everybody’s Darling“. Mir kommt da immer eine gute Bekannte von mir in den Sinn: Blond gelockt, karamellbraune Haut im Sommer, die hervorragend mit Weiß harmoniert, Jeans tragend als auch Kleidchen, im Job auch gerne mal Etuikleider. Und eine ansteckende Frohnatur ohne ein Kasper zu sein. V. Intense assoziiere ich immer mit … der ungezähmten Schwester: Ein „Wild Child“, ein Wildfang, vielleicht eine Künstlerin, in jedem Falle aber ein Schöngeist. Vielleicht ein bisschen mehr Träumerin, manchmal etwas melancholisch(er), in jedem Falle aber … kantiger. Und unkonventioneller. Versteht Ihr, was ich meine?

Behind the closed eyes

Kari Hak „Behind the closed eyes“ via Flickr – CC BY 2.0

Frisch auf der Haut zeigt V. Intense seine Verwandtschaft recht deutlich: Birne stürmt mir entgegen, von herb-prickelnder Bergamotte begleitet, die aber alsbald überleiten, vielmehr – die Bühne frei machen für die anderen Protagonisten, die eigentlichen Hauptdarsteller: Safran in seiner ihm eigenen charakterstarken Persönlichkeit schillert bitter-aromatisch, ein paar glattlederne Akzente setzend und gleichermaßen die Süße des Duftes, die verlockende, untermalend. Scharlachrote Rosen sehe ich hier, samtig und vor allem opulent, in ihrer leisen Fruchtigkeit durch reife Pflaumen ergänzt.

Valentine

stephane „Valentine“ via Flickr – CC BY 2.0

Diese Kombination ist es hier, die so unwiderstehlich ist: Safran, Rose und Pflaume, wunderschön und einprägsam. Patchouli stiftet eine Prise Pudrigkeit, bisweilen an Kakao gemahnend, während Moschus einfach nur Weichheit kreiert. Sandelholz würzt und wärmt, die sinnliche Süße von V. Intense verstärkend und Freund Weihrauch, ja, der hält sich eigentlich eher im Hintergrund, hin und wieder leise Rauchnoten sendend und somit die im Vergleich zu Visa vorhandene Ambivalenz dieser Schönheit betonend.

V. Intense ist ein herrlicher Damenduft und für mich ein äußerst gelungener Vertreter eines modernen und zeitgemäßen Florientalen. Bei mir steht bereits ein Fläschchen und ich habe doch tatsächlich seit der Messe auch schon etliche Komplimente dafür bekommen.

Ich muss es an dieser Stelle mal loswerden: Ich liebe die drei letzten Düfte von Piguet, das Oud-Duo Oud Délice und Oud Divin als auch V. Intense. Aurélien Guichard scheint sich hier zu Hochform aufzuschwingen – ich bin sehr gespannt, was er uns als nächstes präsentiert!

Habt Ihr schon getestet, meine Lieben?

Viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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