Malles Le Parfum de Thérèse – eine olfaktorische Liebeserklärung

Le Parfum de Thérèse aus der Kollektion Frédéric Malle ist das duftende Abbild einer Liebesgeschichte, und zwar im doppelten Sinne: Ich liebe den Duft schon seit Jahren und er hat einen Stammplatz in meinem Sortiment, das ist hier aber zweitrangig. Denn er ist in allererster Linie eine Liebeserklärung, und zwar diejenige von Edmond Roudnitska an seine Frau Thérèse:

parfumdetherese „Composed in the fifties by Edmond Roudnitska, one of the most acclaimed perfumers of the 20th Century, it was never commercially produced and remained a legendary well-kept secret; Thérèse, Roudnitska’s wife, was the only person allowed to wear it. This masterpiece is an essential testimony to the elegance of a bygone era. Tangerine and melon top notes, roses spiced up with prune as core notes and cedar wood, vetiver and leather base notes endow it with distinction. A cult and radiant perfume.“

Wie viele von Euch sicherlich wissen, ist Roudnitskas Sohn Michel ebenfalls Parfumeur. Er stellte Malle zusammen mit seiner Mutter den Duft für dessen Kollektion zur Verfügung, nachdem sein Vater bereits verstorben war – wir können ihnen unendlich dankbar sein dafür! Denn, ganz nebenbei bemerkt – schon früher interessierten sich Firmen für den Duft, entweder wollte Roudnitska nicht oder oder der Firma war der Duft zu heikel aufgrund seines außergewöhnlichen Charakters.

edmondroudnitska

Bildquelle: Frédéric Malle – all rights reserved.

Roudnitska Senior ist eine Legende – er schuf Meisterwerke wie Diorama,  Diorissimo und Eau Sauvage für Dior, Femme für Rochas und viele weitere. Und beteuerte stets, wie wichtig seine Frau für sein Schaffen war. Es war wohl echte Liebe, und dann noch eine solch lang andauernde, eine Seltenheit dieser Tage, wie es scheint. Wer möchte nicht einmal einen Duft als Liebeserklärung haben? Ich kann mir wenig Schöneres vorstellen – obgleich, ich pflege auch immer zu sagen, dass ich das Wesen sofort ehelichen werde, das mir solch schöne Gedichte widmet wie sie von Pablo Neruda geschrieben wurden an seine Auserwählte. Ein Beispiel gefällig?

DIE KÖNIGIN

Ich habe den Namen, du bist die Königin.
Es sind größere als du, größere.
Es sind reinere als du, reinere.
Es gibt schönere als du, schönere.

Aber du bist die Königin!

Wenn du durch die Straßen gehst,

Man erkennt dich.
Niemand sieht deine Kristall-Krone, niemand sieht
Den Teppich aus rotem Gold,
Den du betrittst, wenn du gehst,
Den nicht vorhandenen Teppich.

Und wenn du scheinst, alle Flüsse klingen
In meinem Körper, Glocken
Schütteln den Himmel, und eine Hymne erfüllt die Welt.

Nur du und ich,
Nur du und ich, meine Liebe,
Die dies hören.

Bei Fragrantica kann man ein paar persönliche Wörte von Michel Roudnitska zu diesem Duft lesen – seht hier. Unter anderem äußert er sich folgendermaßen dazu:

„It is a fragrance that I have very strong feelings for since my childhood, my father created it and tested on my mother for many years before reaching its final version in 1961. It is virtually the only perfume that my mother had worn on a regular basis, it is therefore strongly linked to their love and their personalities… and I find it difficult to be objective towards this scent that I adore.“

Es gibt auch einen kleinen Clip mit dem Sohnemann zum Duft:

Steffi – Ihr erinnert Euch doch hoffentlich noch an sie? – hat den Duft vor langer Zeit einmal rezensiert, und zwar war es ihr Erstlingswerk hier im Blog, seht hier. Ich habe mir Steffis Rezension absichtlich nicht erneut angeschaut, um mich nicht beeinflussen zu lassen – so habt Ihr die Möglichkeit, zwei Meinungen zum Duft zu lesen 🙂

Auf der Haut angekommen steigt mir immer als allererstes Mandarine in die Nase, eine saftige und überaus authentische, der sich Melonennoten anschließen. Zuerst mag man an Wassermelone denken ob der Frische, für mich ist es aber eine Honigmelone, eine von dezenter Süße, die noch nicht überreif ist, sondern eher noch in einem frühen Stadium. Deren mehlige Anmutung wird von dem Saft der Mandarinen erfrischt, während ihre Honigsüße leise und sinnlich hindurchschimmert. Das Herz des Duftes wird von zwei Protagonisten erfüllt, die perfekt zusammen harmonieren: Eine Rose, blutrot und samtig, schwer und dennoch fruchtige Töne offerierend, im Zwiegespräch mit Pflaume, dunkelviolett, saftig und üppig. Untermalt von glattledernen Anklängen, die fast schon chypriert wirken, gewinnt unsere Thérèse an Ernsthaftigkeit und Weiblichkeit, zeigt Charakter und Geist. Diese Frau muss Tiefgang gehabt haben, es kann gar nicht anders sein – das ist kein Duft für eine „Spielerfrau“, sondern eine im wahrsten Sinne des Wortes liebevolle Ode an ein intelligentes und geistvolles weibliches Wesen mit „Standing“, wie es so schön neudeutsch heißt, oder besser – Rückgrat. Vetiver sorgt in der Basis für herbe, salzig-grüne Anklänge während Zeder holzige sowie saubere Facetten hinzufügt.

blu12

Josh Adamski „blu 12“ via Flickr – CC BY 2.0

Was soll ich sagen? Ich liebe Parfum de Thérèse. Für mich ist es – ein Regenduft, auch wenn ich nicht erklären kann, warum. Ich finde den Hintergrund zu dem Duft wundervoll und poetisch und vermag nur zu mutmaßen, dass Thérèse für Edmond von genau solch einer berückenden Schönheit war, wie es ihr Parfum ist – das zumindest lese ich aus dem Duft heraus. Darüber hinaus: Dieser fruchtige, bisweilen auf eine sehr besondere und spezielle Art und Weise aquatisch anmutende Auftakt ist extrem modern – und ganz sicherlich ein Geniestreich, ist der Duft doch bereits vor Jahrzehnten entstanden. Damals gab es weder die Gattung der aquatischen Düfte noch sind mir derlei wässrige Fruchtnoten bekannt oder auch der Einsatz von Melone.

Kennt Ihr Le Parfum de Thérèse? Seid Ihr neugierig geworden? Ich wäre sehr gespannt, wie Ihr ihn findet!

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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