Endlich: Die Kollektion von Frédéric Malle …

… ist nun auch bei uns im Shop erhältlich – ein Grund für einen Freudentanz. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr wir uns bemüht haben über die Jahre – durch unsere Verbrüderung mit Nägele & Strubell, die Ladengeschäfte besitzen, was ein überaus wichtiges Kriterium darstellt um Malle führen zu „dürfen“, sind sie jetzt bei uns gelandet. Und ich muss sie Euch selbstredend vorstellen, die ganze Kollektion, gehört sie doch mit zu den schönsten in der Nische, wie ich finde. Ich werde ein bisschen splitten, sonst wird es zu viel auf einmal, nichtsdestotrotz – diese Woche beschließen wir mit zwei Tagen Malle.

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Einige Düfte habe ich bereits im Blog rezensiert, so zum Beispiel En Passant von Olivia Giacobetti, der Welt schönsten Fliederduft – lest hier. Iris Poudre von Pierre Bourdon ist eine große Liebe von mir, eine immerwährende, seitdem ich diese wundervolle und einzigartige Irisschönheit entdeckt habe – geschwärmt habe ich von ihr schon 2010. Eigentlich wundert es mich, dass ich nicht schon mehr Düfte rezensiert habe – das werden wir nachholen, versprochen! Haltet Eure Portemonnaies fest, meine Lieben. 😉

Frédéric Malle selbst wurde das Parfum in die Wiege gelegt – sein Großvater Serge Heftler-Louiche gründete Parfums Christian Dior und Malle begann seine Karriere 1988 bei Roure Bertrand Dupont, einem jener berühmten Aromastoffhersteller, der mittlerweile zu Givaudan gehört (das Haus gab es seit Mitte des 19. Jahrhunderts, wo man sich in Grasse vor allem durch den Handel mit Neroli etablierte – unter anderem arbeitete Germaine Cellier, die „Nase“ hinter Piguets Bandit und Fracas, dort). Selbstverständlich hat auch Malle vorher seine Runden gedreht – ein Studium der Kunstgeschichte und eine kurze Karriere in der Werbung gingen dem voraus.

Heterogenität ist das Stichwort hinsichtlich der Kollektion von Frédéric Malle: Der rote Faden, dem die Linie folgt, ist einzig und alleine derjenige, die Besten der Besten unter den Parfumeuren zu engagieren. Es gibt keine Handschrift, die die Düfte gemeinschaftlich verbindet, den jeder Duft steht für sich alleine – als Kreation, die umzusetzen man dem Parfumeur nach seinem eigenen Wunsch ermöglichte, zum Teil auch ohne größere Rücksichtnahme auf die Kosten. Carnal Flower beispielsweise beinhaltet einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Tuberose, die sehr teuer ist – so etwas ist im Mainstreammarkt nicht denkbar. So kommen bei Malle auch die zum Teil unterschiedlichen Preise der Düfte zustande.

Unter Parfumliebhabern herrscht, wie ich meine, unbestrittene Einigkeit ob der Qualität der Kollektion – ich habe in den langen Jahren noch niemand getroffen, der Ahnung von Düften hat und Malle nicht mag. Selbst beobachte und verfolge ich die Linie schon sehr sehr lange – und freue mich jetzt wirklich, sie für Euch hier zu rezensieren.

L’Eau d’Hiver, das „Wasser des Winters“, macht den Anfang:

leau-13v100_3 „Jean-Claude Ellena pairs two extremes of the olfactive spectrum in this fragrance of a new kind: the first transparent and light Eau that is simultaneously soft and warm. Composed like a watercolor, L’Eau d’Hiver combines the transparency of zests and hedione with the softness of white heliotrope, iris and honey. Jean-Claude Ellena set out to create the first „Warm Eau“ pushing his understated, minimalist style beyond traditional boundaries. An ocean of comfort, both pure and warming.“

Über Jean-Claude Ellena muss ich, denke ich, keine Worte verlieren, oder? Jetzt in Rente (so zumindest offiziell) war er jahrelang Hausparfumeur bei Hermès und hat das Haus durch seine fast unzähligen Düfte nachhaltig geprägt. So gut wie alle Kreationen aus den letzten zehn, fünfzehn Jahren gehen auf sein olfaktorisches Konto. Des Weiteren schuf er First für Van Cleef & Arpels, den grünen Tee für Bulgari sowie Eau de Campagne für Sisley, Colonia Assoluta für Acqua di Parma, Déclaration für Cartier und viele mehr. Und er gründete mit seiner Tochter Céline The Different Company, für die er natürlich auch an den Phiolen werkelte. Bekannt ist er für seinen minimalistischen, häufig an Aquarelle erinnernden Stil, wie oben auch erwähnt.

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Bildquelle: Frédéric Malle – all rights reserved.

L’Eau d’Hiver ist – ein Traum. Und das werdet Ihr mich, ich warne Euch vor, noch häufiger sagen hören, schreiben lesen im Rahmen meiner Malle-Rezensionen. Die Duftbeschreibung trifft exakt zu, auch wenn sie einem Oxymoron gleicht: Ellena vereint in diesem Duft Kühle mit Wärme, und das in einer solch luziden Gestalt voller Eleganz und Grazie, dass man beim Schnuppern fast in die Knie gehen möchte. Schwierig zu erfassen und schwierig zu beschreiben ist er und wirkt auf mich wie ein impressionistisches Gemälde, stimmungsvoll und dem Licht gewidmet. Eine überaus zarte Cremigkeit von einer unfassbaren Sanftheit, die sich nicht gut greifen lässt, manifestiert sich auf meiner Haut, schimmernd und oszillierend. Zarte Anklänge von Iris, erdig-pudrig, zeichnen sich ab, die in wässrige Milch getunkt sich sehen, von einem Tupfer Honig veredelt.

Iris in the rain

L’Eau d’Hiver ist aber mitnichten ein Gourmand und viel mehr als ein „Kuschelmuschel“-Duft, obgleich er anschmiegsam ist, einhüllend, beschützend. Den Kontrast stiften sacht glitzernde Hesperidenfrüchtchen zitrisch-prickelnder Natur. Und, einmal mehr – Hedione, von dem wir es bereits im Zusammenhang mit Æther Parfums hatten. Normalerweise duftet Hedione nach Jasmin, offenbart hier aber viel eher seine zitrisch-frischen, grünen Facetten und … Pfirsich, abstrakt, samtig und leise. Lynn Harris wird im Netz häufig zitiert, dass Hedione Zitrusnoten dieses spezielle Bitzeln verleiht, das sie wirken lässt wie perlender Champagner. Ein wenig davon findet sich auch in unserem L’Eau d’Hiver der hinsichtlich seines Verlaufs ein ewiges Chamäleon bleibt, dessen Charakter sich in seinen Kontrasten findet: Die sachte, sanfte, süße Wärme in Verbindung mit wässriger Kühlheit, von Iris geprägt, angestrahlt von Zitrusfrüchten und in grünem Gewand sich zeigend, von Honig zurückhaltend geküsst.

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YK  „0449″ via Flickr – CC BY 2.0

L’Eau d’Hiver gleicht für mich … einem Bach, der sich seinen Weg durchs Grüne bahnt. Ganz flach fließt das Wasser langsam und unaufhaltsam, von der Sonne angestrahlt – unzählige Blüten mit sich tragend, kleine weiße und pastell-rosafarbene, die von Bäumen abgeworfen nun ihre Reise antreten, ihre Nektarsüße an das Wasser abgebend.

Hat ihn wer zu Hause stehen? Und – welche Düfte interessieren Euch besonders bei Malle, dann könnte ich mir die herauspicken und sie bevorzugt rezensieren?

Einen schönen Tag und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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