Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Land des Donnerdrachens

Geschrieben in Blüten, Duft, Gewürziges, Leder am 26.07.2010

…heißt das Königreich Bhutan in der eigenen Landessprache. Wenn Ihr mich fragt, klingt es ein bisschen wie eine Mischung aus einem Harry Potter-Titel und einem Gericht auf der Speisekarte beim Chinesen um die Ecke. Letzteres trifft geographisch gesehen auf Bhutan auch wirklich zu. Natürlich nicht ins Form eines Restaurants. Nein, die Volksrepublik grenzt direkt an das kleine Königreich im Himalaya.

Etwas eingezwängt zwischen China und Indien ist das Land hoch droben in den Bergen ungefähr so groß wie die Schweiz. Etwa zwei Drittel davon sind auch heute noch bewaldet. Da in der Verfassung des Königreiches der Umweltschutz einen festen Platz einnimmt – Nachhaltigkeit ist hier das A und O – kann sich Bhutan über einen unglaublichen Floren- und Faunenreichtum freuen. Der Schutz der Umwelt kommt selbst vor wirtschaftlichen Interessen und Vorhaben. Thimphu, die Hauptstadt des Landes befindet sich im vorderen Himalaya auf etwa 2300m Höhe und zählt etwa 80.000 Einwohner. Angeblich ist sie die einzige Hauptstadt der Welt ohne eine einzige Ampel. Einzig zwei Kreisverkehre und einige Polizisten regeln den, ohnehin nicht sehr zahlreichen Verkehr. Die meisten Einwohner Bhutans, wie auch die Königsfamilie, gehören dem tibetischen Völkerkreis an. Staatsreligion ist der Buddhismus und die bhutanische Amtssprache nennt sich Dzongkha.

Womit wir beim eigentlichen Thema dieses letzten Reiseduftartikels angekommen wären. Denn Dzongkha ist nicht nur der Name der Amtssprache des kleinen südasiatischen Binnenstaates, sondern auch der einer Duftkreation Bertrand Duchaufours. Eine Reise in das hochgelegene Königreich mit seinen weit verbreiteten Klosterburgen (Dzongs) inspirierte den unternehmungslustigen Chefparfumeur von L’Artisan Parfumeur zu diesem Düftchen.

Duftnoten: Pfingstrose, Litschi, Kardamom, Chai-Tee, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Leder, Papyrus, Iris.

Da die Ergebnisse auf meiner Haut und dem Teststreifen sehr stark divergieren, möchte auf beide getrennt voneinander eingehen. Zuerst also der Teststreifen, der mich, das muss ich vorwegnehmen, ein bisschen enttäuscht hat. Hier dominieren zuerst intensiv herb-säuerliche Noten, zu denen sich, beinahe schleichend, süß-florale Nuancen gesellen, die schließlich in eine subtil-scharfe Würzigkeit übergehen. Mit der Zeit wird der Duft weicher, cremiger, ja fast milchig mit harzigen und holzigen Anklängen, stark weihrauchig. Viel zu schnell entschwebt Dzongkha dem Teststreifen, so dass ich mehrmals nachsprühen musste, um ihn in allen Facetten wahrnehmen zu können.

Ganz anders dagegen auf der Haut. Hier vernehme ich zuerst einen Duft, der mich spontan an Schnapspralinen denken lässt. Beim zweiten Schnupperer muss ich das allerdings revidieren: es ist Whiskey. Eindeutige Whiskeynoten duften mir da entgegen, würzig untermalt von Kardamom, der deutlich wahrnehmbar ist. Beinahe fließend ist der Übergang zu den Chai-Teenoten, in denen sich der Kardamom immer noch findet, die aber weitaus weicher, ja milchig-süßlicher erscheinen. Buttrige Iris kommt hinzu und unterstreicht in all ihrer erdigen Cremigkeit die warmen Milchnoten des Gewürztees. Doch das Schwertliliengewächs kommt nicht alleine. Im Schlepptau hat sie einen ihrer liebsten Kompagnons: samtig-weiches Leder. In diesem Fall, muss ich sagen, hat das Töpfchen sein Deckelchen gefunden. In harmonischer Eintracht schmiegen sich die beiden Duftnoten aneinander, verschmelzen und ergeben in einer wunderbaren Melange eine dermaßen prächtige Lederiris, so hell, so cremig-weich, dass ich meine Nase nicht mehr von meinem Arm wenden kann. Wunderschön! Lange, lange Zeit bleiben die beiden sich selbst überlassen, genießen ihr duftendes Glück, bis schließlich von Ferne dezente Weihrauchwölkchen vorbeischweben, gespickt mit ein paar salzig-skinnigen Vetivertupfern. Einfach umwerfend!

Ich kann es nicht anders sagen: hin und weg bin ich vom letzten Reisedüftchen, zumindest auf meiner Haut. Ja, Dzongkha und meine Hautchemie liegen wohl auf einer Wellenlänge. Ob da auch das Töpfchen sein duftendes Deckelchen gefunden hat? ;-)

Die warme Jahreszeit ist meiner Meinung nach für den Duft nicht ganz optimal (fast würde ich mir wünschen, es wäre schon Herbst), dafür ist er in der kühleren Hälfte des Jahres absolut alltagstauglich. Das werde ich auf jeden Fall ausnutzen! :-)

Damit wären wir am Ende unseres kleinen Ausfluges in die L’Artisansche Travel-Series. Wie findet Ihr denn die Düfte? An welchem Ort gefällt es Euch olfaktorisch am besten?

Einen schönen Wochenstart wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Himalayan Landscape in Bhutan von Jan und Taktshang von Douglas J. McLaughlin – some rights reserved. Vielen lieben Dank!


Weitere Einträge zu diesem Thema:

La Martina – Argentinien – das Land der glühenden Leidenschaft
Boellis – Panama 1924 – Eau de Toilette
Dzongkha – Neuer Duft von L’Artisan Parfumeur


Kopfkino oder: Laboratorio Olfattivo Teil 2.

Geschrieben in Blüten, Duft, Gourmand, Leder am 21.04.2010

Gestern hatte ich bereits die eine Hälfe der Laboratorio Olfattivo-Düfte vorgestellt, heute folgen nun Duft drei und vier auf dem Fuß.

mexiko1Cozumel entspringt wie Alkemi der Feder oder besser: der Pipette von Marie Duchêne und wurde – mal wieder weil wie bei vielen Düften der Fall – inspiriert durch einen Urlaub oder besser: eine Urlaubserinnerung. Mexiko war es wohl und Cozumel die Insel, der Frau Duchêne den Duft widmete, der Sonne dort, der Vegetation und – natürlich: einem Mann. Den von dem intimen Geruch männlicher Haut ist da die Rede, der mit Cozumel zitiert werden soll.

Nach Hals über Kopf verliebt hört sich das an, nach kopflos und nach Herz-voll. Und macht mich ehrlich neugierig auf den Mann zum Duft, denn mir persönlich gefällt Cozumel aus der Linie nämlich am besten. Ein ausgeprägter Macho kann es kaum gewesen sein, der Madame D. den Kopf verdrehte, den Cozumel ist ein distinguiert-distanzierter Duft, zurückhaltend und unaufdringlich, aber präsent. Hier sind so viele Eigenschaften olfaktorisch eingefangen, die man oder besser: Frau sich von einem zeitgemäßen Mann so wünscht: Sanftheit und Sensibilität, eine gewisse Weiche in Kombination mit Kernigkeit, Maskulinität. Und sinnlich soll er natürlich sein, der intelligente und freiheitsliebende Kerl, der sich aus freiem Willen heraus für „die eine” entscheidet. Zuviel verlangt? Ein modernes Märchen? Nun, zumindest schafft Cozumel es, einen solchen Burschen duftend darzustellen: Noten von frischem Tabak bilden mit Hanf (Caaannaaabis, jawohl) und Hölzern ein virilies Trio, das gleichzeitig feinwürzigrauchig wie auch weich daherkommt und von smoothestem Leder akzentuiert wird, welches auf einer aromatisch-balsamischen und warmen Basis ruht.

mexiko2Der Duft erinnert mich an so vieles, das ich mag, ein bißchen und dann doch wieder an nichts bestimmtes… Mein Lieblingsmann von Byredo, der Fantastic Man? Royal Heroes 1805 von Washington Tremlett? Stephanie de Saint-Aignans Un Thé au Sahara? Von allen ein wenig vielleicht… Es bleibt Euch also nichts anderes übrig, als selbst zu testen ;)

Daimiris, der letzte Duft der Laboratorio Olfattivo-Kollektion, stammt von einem alten Bekannten, und zwar von Pierre Guillaume, seines Zeichens, Kopf, Herz und Nase hinter Parfumerie Generale. Als „olfaktorisches Experiment” wird Daimiris bezeichnet. Eine Ode an die Weiblichkeit soll Daimiris sein und jenen Zauber einfangen, der von einer Frau in ihrer gelebten Femininität ausgeht, welche damit Mittel- und Anziehungspunkt männlicher Aufmerksamkeit, männlicher Blicke und männlichen Begehrens wird.

Huihuihui… auch hier frage ich mich: Wo oder besser: bei wem weilte Herr Guillaume mit seinen Gedanken bei der Kreation dieses Duftes? Ich wäre ja zuu neugierig… Denn Daimiris ist verwirrend – in jeglicher Hinsicht, nämlich sowohl ambivalent als auch betörend. Ambivalent, weil sich hier die Eindrücke kontrastieren, teils widersprechen und doch so gut harmonieren: Eine Businesswoman in Jil Sander gewandet, einen guten Rum schlürfend und sich auf einem Eames-Lounge-Chair räkelnd? Eine samtige Iris ist es, die für vermeintliche Distanz sorgt, für die ihr eigene kühle und auch kühne, erwachsene Überlegenheit. Erwachsen ist aber auch das richtige Stichwort – es ragt hier nämlich auch ein dickes „Ab 18″-Schild im Hintergrund hervor: Die Würze von Safran und Kardamom sowie die (keinefalls übertriebenen!) Gourmandnoten eines karamelligen Leders lassen das Ganze irgendwie kinky wirken, ein bißchen verrucht und auf jeden Fall ein wenig verboten… Dabei ist Daimiris aber nie zuviel und erst recht nie zu wenig – er hält und schafft den schmalen Grad. Und – er ist eine echte Old-School-Schönheit, denn in seiner Machart ist er trotz allem sehr traditionell und typisch weiblich.

Absolut nicht genuin feminin mache ich es heute ausnahmsweise kurz und verabschiede mich kurz und schmerzlos – einen schönen Tag Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: New Mexico Landscapes von Deborah Finnell via stockxchng – vielen lieben Dank! Some rights reserved.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duftverzeichnis L – Z
Freitagsverlosung einmal anders…
Gralssuche die Zweite…


Frühlingsgefühle…

Geschrieben in Duft, Hesperiden, Krautiges, Leder, Tabak & Rauchiges am 30.03.2010

… beginnen nun auch bei mir so langsam. Kalendarisch hat er ja bereits vorletzte Woche angefangen, genauer: Am Samstag, den 20. März war es soweit – der Frühling war da. Und in der Tat haben wir davon in weiten Teilen Deutschlands auch schon etwas gespürt Ende letzter Woche. So wirklich überzeugend und dauerhaft war das alles noch nicht, aber vielleicht ist er einfach aus der Übung, der gute Frühling, und muß sich erst „warmlaufen”, wie bei Theodor Fontane:

apfelbluteNun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
“Er kam, er kam ja immer noch”
Die Bäume nicken sich’s zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuß auf Schuß;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muß.
Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt; “Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.”
O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du.

Mein Fuß hat sich zwar noch nicht in die Sommerschuhe gewagt, ich bin aber bereits gewappnet und pedikürt. Mein Geldbeutel läßt eine neue Garderobe gerade mal nicht zu, da ich aber ohnehin ein antizyklischer Käufer aus Bedürfnis, nicht aus Bedarf heraus bin ist auch jenes nicht so tragisch – genügend Kleidungsstücke harren noch des ersten Tragens… Mein Herz aber hat sich schon getraut und gewagt: Frühlingsgefühle müssen olfaktorisch unterstützt werden – so ließ ich Herzenswünschen Taten folgen und habe – the same procedure as every year – meine Duftbestände einmal mehr „umgegraben”, um Frühlingshaftes zutage zu fördern.

Und habe Euch just eine Liste meiner Lieblingsfrühlingsboten erstellt, die ich gerne mit Euch teilen mag – verknüpft natürlich mit der Frage nach EUREN Lieblingen! Die Reihenfolge spielt im übrigen keine Rolle und ist bewußt unbewußt gewählt ;)

The Different Company Divine Bergamote
Vor einigen Tagen schon zur Sprache gekommen: Meine Lieblingsbergamotte. Nomen ist hier omen, absolut: Eine Göttliche, sanft, elegant, feminin, erwachsen und sich permanent verändernd im stetigen Spiel. Süße, spritzig-prickelnde Hesperidenfrische, Ingwertee, säuerlich-herbfruchtiger Rhabarber = die immer ein wenig melancholische Leichtigkeit des Seins – herrlich!

Parfum d'Empire Eau de GloireParfum d’Empire Eau de Gloire
Eine Hommage an Napoleon Bonaparte und nach dessen angeblichen Duftvorlieben hergestellt. Kleine Männer mit großem Ego hin oder her, mir alles ganz gleich, ich brauche nur: Den Duft. Den Eau de Gloire eignet sich ganz hervorragend für den Frühling: Hesperiden in einem klassischen strengen Kräutermantel, ein Tupfer Tee für die Weite um die Brust und ein wenig Anis und Immortelle, die mit ihren charakteristischen Dufteigenschaften eine trockene, fast lakritzige Süße bescheren. Ledernoten gruppieren sich hinzu samt frischer Tabakblätter, die von einer Basis von Weihrauch und Eichenmoos getragen werden. Ein wunderschöner krautig-(er)frisch(end)er Geselle und einer der wenigen im Frühjahr/Sommer wirklich tragbaren Lederdüfte.

Vip Room Signature (leider discontinued)
Vip Rooms Signature, den ich neulich in der Lederserie bereits erwähnte, ist auch eines jener Sommerlederchen: Ein herrlich fruchtig-floraler, exotischer Lederling, sehr feminin und sinnlich. Spritzige Ananas und betörend-tropische Tiaréblüte treffen hier auf feinstes, buttrig-weiches Wildleder. Untermalt wird das Ganze durch pudrige Vanille, samtene Iris sowie Harze und Sandelholz. Man nehme, wie ich schon sagte, Maitre Parfumeur et Gantiers Bahiana, einen meiner Sommerfavoriten, und kreuze diesen mit Annick Menardos kongenialem Bulgari Black. Dann dürfte man in etwa bei Vip Room landen. Ein echter Jammer, daß dieser Duft nicht mehr produziert wird. Allerdings hat man manchmal noch Glück bei Ebay…

Hermès Hermessence Osmanthe Yunnan
Und schon wieder ein Lederchen, wenn auch ein gut verstecktes: Ja, Osmanthe Yunnan ist ein Lederchen. Aber – nicht nur. Und dürfte deshalb auch Nicht-Leder-Herzen höher schlagen lassen. Jean Claude Ellena, Hermès-Hausparfumeur in seinem Element: Puristisch-minimalistische Düfte, transparent und luzide, aber trotzdem komplex. Siehe auch Divine Bergamot. Und hier sind durchaus bestimmte Ähnlichkeiten feststellbar, aber riecht selbst. Ich finde Osmanthus hier perfekt umgesetzt: Fruchtig-frisch mit den ihm typischen Aprikosen/Pfirsich-Noten ist jener mit subtil rauchigen Teenoten versetzt, die im Zusammenspiel mit Freesie für sanft-wässrige Anklänge sorgen, unterstrichen von einem Hauch zarten Wildleders. Edel. Elegant. Understatement. Und sowas von perfekt für den Frühling.

Jo Malone Black Vetyver CaféJo Malone Black Vetyver Café Cologne
Wie ich neulich am Counter meines Vertrauens sah, nun endlich auch in Deutschland gelandet und erhältlich: Black Vetyver Café. Bei mir weilt schon seit Jahren eine Flasche, denn: Ich liebe Kaffee. Und: Ich liebe Vetiver. Black Vetyver Café ist ein typischer Malone und somit auch ein typischer Engländer: Ecken und Kanten sucht man vergebens, aber, ganz ehrlich – die braucht man auch nicht immer. Zwischendurch darf es auch ein Immergeher sein, und dafür sind die meisten Malones ja ohnehin prädestiniert, zumindest meines Erachtens nach. Black Vetyver Café ist ein Bestandteil ihres Layering-Konzeptes und somit wie die meisten seiner Malone-Kollegen nicht über die Maßen komplex. You get what you read: Grün-grasiger und verstohlen rauchiger, vermehrt aber frischer Vetiver mit einer Sauberkomponente trifft auf zum Teil noch grüne, dennoch leicht angeröstete und würzige Kaffeebohnen. Sehr nett wie ich finde.

Welches sind denn nun Eure FRÜHLINGSFAVORITEN? Ich bin gespannt. Und Ihr dürft es auch sein, morgen gibt es nämlich einen Bericht von der Messe und übermorgen Teil 2 meiner Frühlingsboten ;)

Liebe Grüße und einen schönen Tag Euch,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Apple Blossom von Rai Varpunen, Tea Leaves von kira69, Freshly Roasted von Courtney Francis – alle via stockxchng, some rights reserved. Vielen Dank!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duftverzeichnis L – Z
Duftverzeichnis
Das Wandern ist des Müllers Lust


Histoires de Parfums’ Moulin Rouge 1889.

Geschrieben in Duft, Leder, Reines und Pudriges am 19.03.2010

Sehr gespannt war ich auf diesen Duft. Und, wie ich gleich vorwegnehmen kann: Zu Recht. Histoires de Parfums Moulin Rouge 1889, der offizielle Signature-Duft zum 120jährigen Bestehen des legendären gleichnamigen Pariser Cabarets und Nachtclubs. Hier ist Nomen gleich Omen, aber trotzdem könnte der Duft den einen oder anderen überraschen, weil er zwar zum Namen paßt, man sich allerdings andererseits auch etwas anderes darunter erwarten könnte… Was erwartet man denn vom Duft und was assoziiert man mit Moulin Rouge? Mein Bild ist, wie schon einmal erwähnt, literarisch geprägt: Für mich ist Moulin Rouge Jahrhundertwende, Salonkultur, Tanztheater in jeglicher Form. Es liegt viel in der (Bühnen)Luft: Aufregung, Nervosität, Frivolität, Freude, Ausgelassenheit und – Erotik. Der Duft von Puderquasten und Stoffen unterschiedlichster Natur, Samt und Seide sowie schwerer Brokat, ein Hauch von Transpiration, ein bißchen Alkohol oder besser: Champagnerbäche… na, ihr wißt schon…

toulouse-lautrec1Und natürlich Toulouse-Lautrec, der Maler, den ich schon in meinem letzten Artikel mit dem Moulin Rouge in Verbindung brachte, weil er das verführerisch überbordende Leben dort in den leuchtendsten Farben für die Nachwelt eingefangen hat: Glanz, Gloria und Glamouröses, Passionen und Obsessionen in jeglicher Hinsicht sowie… Exzesshaftigkeit.

Moulin Rouge fängt all diese Vorstellungen vollkommen ein. Er präsentiert sich mitnichten als kuschelig-muckeliger Skinduft oder hyperpudrig, sondern er repräsentiert das ganze obige Programm: Im Auftakt erinnert er – und das zieht sich wie ein roter Faden durch den Duft – im Geruch an einen guten Lippenstift oder einen qualitativ hochwertigen Puder. Wißt Ihr, diese cremig-trockene Komponente? Trocken ist hier auch genau das Stichwort – der Duft ist trocken, und zwar durchgängig. Er entwickelt sich nah der Haut und verschmilzt richtiggehend mit ihr. Das Wort skinnig im herkömmlichen Sinne trifft es aber nicht, da er weder klassisch pudrig ist noch eine wirkliche Süße an den Tag legt, obgleich ihm süße Elemente innewohnen. Diese sind aber betont – ich wiederhole – trocken, ähnlich wie bei getrockneten Früchten. Urheber dessen ist – die Iris, eine wunderbar samtig-weiche und sanfte, verträumte Variante davon, welche im weiteren Duftverlauf herrlich mit den sich zu ihr gesellenden Ledernoten korrespondiert – ein sehr schöner Kontrast. Die Lipstick-Anklänge enthüllen alsbald ein florales, nicht näher zu charakterisierendes Herz, welches von (ganz klar: trocken)fruchtig-beschwipsten Pflaumennoten (mit einer Prise Salzigkeit) sowie cremigen Zimtakzenten (erinnert sich jemand an den Big-Red-Kaugummi?) abgerundet wird. Die Basis, die dahinter bereits hervorragt, offenbart Großes: Absinth, leicht bitter, typisch wermutig und wehmütig, begleitet von ätherisch-tiefem Patchouli stiften melancholische Momente, während Vanille und Moschus sich zu einer subtil-warmen Weiche vereinen und den Duft somit gekonnt abrunden.

toulouselautrec2Seine Ingredienzen: Mandarine, Pflaume, Zimt, Absinth, Rose, Iris, Leder, Patchouli, Vanille, Moschus.

Chapeau! Respekt – dieser Duft ist ganz großes Kino oder besser: ganz großes Theater! Ich bin sehr sparsam mit derlei Komplimenten, vielmehr: Ausdrücken, aber Moulin Rouge 1889 ist etwas komplett eigenständiges, ein Unikat, ein absolutes und einzigartiges. Ich kenne nichts, was auch nur ansatzweise so riecht wie dieser Duft, welcher eine fast lyrische Qualität besitzt mit seinen unterschiedlichen und in der Tat aussagekräftigen (Verlaufs)Stadien. Eine großartige und bemerkenswerte Kompostion, welche endlich wieder mal Femininität nach meinem Geschmack auszudrücken vermag – für mich persönlich ein Musthave, in jedem Falle aber ein Musttry würde ich sagen.

In diesem Sinne – einen schönen Tag wünsche ich Euch und liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Foto Toulouse-Lautrec bei der Arbeit / 1890 sowie das fertige Bild “Ball im Moulin Rouge” – beides via WikiCommons, some rights reserved.

Histoires de Parfums’ Moulin Rouge 1889 in unserem Shop: Hier klicken!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Tuberose die Dritte…
Moulin Rouge oder…
Humiecki & Graef – Multiple Rouge


Die Krachledernen Teil 2.

Geschrieben in Duft, Leder am 2.03.2010

Heuer erwarten Euch nun die restlichen angekündigten kantigen Lederkerle. Den Anfang macht einer meiner speziellen Lieblinge: Oud Cuir d’Arabie.

leder2Was war das damals schwierig, diesen Duft zu ergattern, als ich ihn vor Jahren das erste Mal unter der Nase hatte… kein Geschäft führte ihn, die „Verhandlungen” mit den Franzosen zäh… irgendwann endlich war er dann mein eigen. Ich weiß noch, daß ich damals eine Kurzrezension über ihn gelesen hatte im Netz, in der jemand schrieb, er rieche ein wenig Mullbinden und Krankenhaus und Stützkorsette aber trotzdem oder besser: gerade deswegen „terribly sexy”. Die restlichen Rezensionen klafften meilenweit auseinander und meine Neugierde war dann natürlich sowas von geweckt, das muß ich Euch nicht weiter erklären…

Nun – was die Mullbinden angeht: Ich weiß und kann nachvollziehen, was dieser Schreiberling damit gemeint hat. Es ist eben wieder unser Freund Oud, das in letzter Zeit häufig zitierte, das in Kombination mit den vorhandenen Ledernoten eine Allianz bildet, die sich sehen läßt: Medizinisch anmutendes Oud in Verbindung mit schönstem frisch verarbeiteten Leder, würzig und animalisch. Was soll ich sagen? Oud Cuir d’Arabie ist das, was manche einen Stinker nennen würden. Andere wiederum versetzt der Duft in Verzückung. So unter anderem auch mich. Er riecht wie die beste Handtasche, die ich je hatte und ist wirklich sehr sexy, gleichermaßen wohnt ihm aber auch eine Vertrautheit inne, die ihn Geborgenheit und Sicherheit vermitteln läßt. Ein Duft, der für mich schon öfter die starke Schulter war in Situationen, in denen ich einer unsichtbaren solchen bedurfte. Sehr ungewöhnlich und – immer wieder hochgelobt und gerne komplimentiert, wenn ich ihn trage. Insofern – vielleicht ist es es so ähnlich wie mit dem Käse… Ihr erinnert Euch? ;)

Serge Lutens Cuir MauresqueMit Cuir Mauresque bleiben wir im arabischen Raum – der ohnehin bevorzugte Tummeplatz von Herrn Lutens. Cuir Mauresque stammt aus der Paris-exklusiven Serie, das heißt der Duft ist, wie eine Reihe anderer, nur in Paris direkt zu kaufen (oder europaweit auch zu bestellen). Cuir Mauresque ist ein bemerkenswerter und seltsamer Mischling: Ein fruchtiges Lederchen, definitiv geschlechtslos oder besser: ein Hermaphrodit, er wird nämlich Männlein wie Weiblein bestens zu Gesichte stehen. Darüber hinaus scheint Sheldrake, der Parfumeur Lutens’, hier einige seiner eigenen Besten sowie einige Klassiker zu vereinigen. Fast riecht sich Cuir Mauresque wie ein Gang querfeldein durch die schönsten Lutens-Düfte: Anfänglich hell und buttrig-ledrig mit floralen Noten durch Orangenblüten bewegt sich der schillernde Duft oszillierend umher, ein reichhaltiges Repertoire ausbreitend: Zimt samt würzig-scharfer Gewürznelke, Muskat und Mandarine breiten sich auf einem warmen Gewürzteppich aus und wecken Reminiszenzen an Ambre Sultan und Arabie, während die Basis von kostbaren Hölzern und Harzen sowie weichem Moschus mit animalischen Anklängen geprägt ist. Ein wenig Cuir de Russie von Chanel wage ich zu entdecken und Hochachtung vor den alten Carons, den Piguetschen Banditen hat der Duft auf jeden Fall auch ein wenig gestreift… ein echtes Chamäleon. Und, noch einer der „alten” Lutens: Ein Lutens, der Bilder malen kann, Farben und Impressionen heraufbeschwört, einer, der eine Menge zu erzählen hat.

Die Ingredienzen: Leder, Ambra, Moschus, Zimt, Mandarinenschale, Orangenblüte, Zedernholz, Muskatnuss, Gewürznelke, Cumin, Hölzer.

Wer es gerne fruchtig, aber weniger würzig mag und nicht orientalisch, der sollte mal einen Blick auf meinen letzten Lederkandidaten heute und vorerst werfen – das ist Cuir Venenum von Parfumerie Generale. Hier kracht es nun weniger als in der Überschrift versprochen, denn Cuir Venenum ist ein eher leiserer Vertreter seiner Gattung – kein „Ruf-mich-an”-Dompteur in Lederkluft mit schwingender Peitsche, nein. Und doch lohnt sich ein zweiter Blick – ich gestehe, den habe ich auch gebraucht. Riskiert man ihn, fällt schnell auf, daß Cuir Venenum doch recht einzigartig ist in seiner Kombination. Ein helles Wildleder, wie man es aus Daim Blond von Lutens kennt, gepaart mit einer ähnlichen Süße – Honig ist da zu riechen und honigsüße Orangenblüte. Schatten und Licht also, ein Spiel: Die animalisch-ungezügelte Seite und die Unschuld gegenüber in ihrer reinen Natur – tjaja, der Name ist Programm, den uns der Herr Guillaume hier vorsetzt. Venenum wie die Gifte, aber wie sagt der Volksmund so schön? Die Dosis alleine macht’s. Und hierum wird man sich im Badezimmer streiten müssen mit dem Partner – sowohl auf männlicher wie auf weiblicher Haut kann dieser Duft sehr schön zur Geltung kommen.

Die Ingredienzen: Leder, Orangenblüte, Myrrhe, Moschus, Hesperiden

So – jetzt sind wir vorerst mit den Lederchen durch, obgleich ich das Thema sehr gerne lose immer mal wieder aufgreifen würde… Was hat Euch denn nun am meisten neugierig gemacht die Tage, was wollt Ihr auf jeden Fall noch testen?

Und, die Gretchenfrage: Wie haltet Ihr es mit den Lederchen? Welches sind Eure Lieblinge? Ich bin gespannt!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Leather 1 von Matteo Pescarin, Ramadan 3 von Dennis M. Andrews de Paul, beides via stockxchng – vielen lieben Dank für die schönen Fotos!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duftverzeichnis L – Z
Freitagsverlosung.
Kosmetikprodukte: Frauen sind wahre Powershopper


Lederluden…

Geschrieben in Duft, Leder am 1.03.2010

… sind es mit Sicherheit nicht – weder die Düfte, die ich Euch heute und morgen vorstellen mag, noch die Männer, die sie tragen. Aber – einige der versprochenen weiteren Lederkandidaten haben es durchaus in sich: „Separate the boys from the men” wäre das Motto für die nächste Lederrunde.

Andy Tauer Lonestar MemoriesAndy Tauer Lonestar Memories: Hier haben wir ihn, den lonesome Wolf oder besser: Cowboy. Wie heißt es schon in Goethes Faust? Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. In diesem Falle sieht man den Marlboro-Man vor sich, den verwitterten (Leder)Sattel fest unter dem knackigen Hintern alleine durch die Steppe reitend, über das weite offene Land, dabei sinnierend und philosophierend über Freiheit, Unabhängigkeit – und all das, ihr wißt schon ;) Einen echten Männertraum hat der Herr Tauer uns da olfaktorisch umgesetzt, intensiv, farbenprächtig und bilderträchtig wie immer: Ein ehrliches, sehr rauchiges (Sattel)Leder, verwittert und würzig, authentisch, das mit all den Jahren verschiedenste Gerüche aufgesogen hat und viele Geschichten zu erzählen weiß…
lonestarmemories2

Die Ingredienzen: Kopfnote: Geranium, Karottensamen, Muskatellersalbei; Herznote: Birkenteer (eine von Tauers Lieblingszutaten – wer Tauer kennt, weiß, was ich meine, wenn ich sage, sie ist definitiv deutlichst vorhanden), Labdanum, Jasmin, Zedernholz; Basisnote: Myrrhe, Tonkabohne, Vetiver, Sandelholz.

Knize Ten: Der Klassiker. Knize Ten wurde in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts für den Herrenausstatter Kniže & Comp. (gesprochen: Knische, bitte nicht anglisiert als Neis oder gar Knitzsche wie Nietzsche) kreiert und war einer der ersten Lederdüfte überhaupt. Ich bin immer wieder platt ob der absolut zeitlosen, wenn gleich auch nicht unbedingt für ganz junge Männer geeigneten Eleganz und Souveränität dieses Duftes. Und hier kommen wir auch schon zu einem wichtigen Punkt: Knize Ten ist meines Erachtens nach wirklich nur für Männer geeignet.

Ich, die ich viele sogenannte Männerdüfte mein Eigen nenne und auch trage, halte es eigentlich mit Düften nicht so, daß ich strikt trenne. Erlaubt ist, was gefällt. Für mich, für andere. Die Persönlichkeit muß ein Duft einfangen, ja. Und man sollte den Duft tragen und nicht andersrum. Aber auf die Deklaration eines Duftes als Herren- oder Frauenduftes gebe ich keinen Pfifferling wie man so schön sagt. Nun – bei Knize Ten allerdings… Ich kenne ehrlicherweise keine einzige Frau, an der ich ihn mir vorstellen könnte. Er ist wirklich zu – maskulin. Oder besser: Die Ledernote ist zu maskulin.

Knize Ten gibt sich bereits in den Kopfnoten so, wie er eben ist: Als kühles und kühnes unnahbares Lederchen, hart und weich zugleich und mit verhalten animalischen sowie dezent rauchigen Akzenten ausgestattet. Unterstrichen wird die kalte Anmutung durch im Hintergrund agierende frische Hesperidennoten sowie krautig-floralen Anklängen. Im Laufe der Zeit entwickelt Knize Ten eine Art Wärme, hervorgerufen durch die Harze sowie das Moos in der Basis – diese ist jedoch trügerisch, da sie den gesamten, doch eher kühlen Eindruck des Duftes lediglich auf interessante Weise kontrastiert, nicht jedoch aufhebt.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Petitgrain, Orange, Rosmarin, Bergamotte, Zitrone; Herznote: Zedernholz, Sandelholz, Geranie, Iris, Rose, Nelke, Zimt; Basisnote: Leder, Ambra, Moschus, Moos, Vanille, Castoreum.

Wem jetzt als Frau die Tränen in die Augen steigen aufgrund mangelnder geschlechtlicher Eignung, dem sei getrost Etros Gomma empfohlen: Gomma ähnelt Knize Ten für meine Nase sehr, ist allerdings auch für Frauen gut tragbar. Gommas Leder fehlt die Schärfe, es ist weniger kühl, sondern eher trocken und ein wenig seifig-sauber. Ja, das paßt auch bei und zu Leder und riecht hier wirklich sehr ansprechend – in Kombination mit einer feinen Würzigkeit, vielleicht einer winzigen Beimengung von Nelke, die ich im Hintergrund zu vernehmen meine sowie holzig-krautigen Anklängen. Für mich ein Immergeher, der für beide Geschlechter gleichermaßen gut paßt, obgleich ihn vermutlich mehr Männer als Frauen präferieren werden. Mit Gomma macht Mann auch nun wirklich gar nichts falsch.

Die (mutmaßlichen, weil mal wieder nicht eindeutig zu recherchierenden) Ingredienzen: Leder, Hesperiden, Wermut, Ambra, Jasmin.

Einen guten Start in die Woche  und bis morgen zu Teil 2 -

liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Western Saddle und Chillin von Scot S. via stockxchng – vielen Dank für das schöne Bild!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duftverzeichnis


Lederluder die Zweite.

Geschrieben in Duft, Leder am 26.02.2010

lederluder2Jasmin und Leder ist eine beliebte Kombination, hatten wir jene doch auch gestern schon mit Mecheris Fleur de Peau. Sicher liegt es auch an den durch das Indol oftmals hervorgerufenen animalischen Tendenzen des Jasmins, die sich ganz hervorragend mit Leder vertragen. Unsere heutigen beiden Kandidaten zeichnen sich ebenfalls dadurch aus, das ihre beiden Hauptprotagonisten Jasmin und Leder heißen. Und – vielleicht verrät es das „Bildchen” nebenan schon: Die Lederlinge heute haben es faustdick hinter den Ohren…

Cuir Ottoman von Parfum d’Empire ist mein erster Kandidat. Parfum d’Empire, diese kleine italienische Manufaktur von Marc-Antoine Corticchiato ist ein, ich werde es nicht müde zu erwähnen, meines Erachtens nach völlig unterschätztes Haus. Zahlreiche bemerkenswerte Düfte stammen dorther, von denen ich einige sicher noch vorstellen werde – unter anderem mein Ambra-Liebling Ambre Russe oder das wunderschön melancholische Rosenchypre Eau Suave, mein krautiger Lederliebling Eau de Gloire, der sich so perfekt für beginnende Sommer eignet und noch viele andere…

Kommen wir zurück zu Cuir Ottoman. Dessen Ingredienzen: Kopfnote: Jasmin, Iris, Labdanum (Zistrose); Herznote: Leder, Tolubalsam, Benzoe; Basisnote: Weihrauch, Vanille, Tonkabohne.
Cuir Ottoman ist, wie jeder Duft von Parfum d’Empire, eine Hommage. Eine Hommage an eine bestimmte Zeit oder Epoche, eine Reminiszenz, eine olfaktorische Impression davon. Cuir Ottoman sieht sich so inspiriert durch die Erotik und das Mysterische des Osmanischen Reiches… Was erwartet uns da? Eine sehr ambivalente und kraftvolle Komposition. Hier prallen alle möglichen Attribute aufeinander: Cuir Ottoman ist sowohl elegant als auch herrisch und dominant, sanft als auch wild und ungezügelt. Bereits kurz nach dem Sprühen zeigt Cuir Ottoman sein wahres Gesicht: Eine virile (Glatt)Ledernote, bestens ausbalanciert durch erdig-weiche, samtige Iris, die für eine durchgängige Süße sowie buttrige Noten sorgt und von indolisch anmutendem, betörendem Vollblutjasmin ergänzt wird. Virtuos abgestimmt ist das ganze Vergnügen mit Harzen, Weihrauch und würzig-weicher Vanille. Cuir Ottoman ist ein sehr besonderer Duft: Einerseits wirklich dreckig, tiefdunkel-ledrig und animalisch, verfügt er doch über eine Eleganz und eine, manche würden jetzt in falsch übersetztem Englisch „sensitive” Art schreiben… Empfindsamkeit? Zartheit? Sensibilität? Kann ein Duft sensibel sein? Ich habe keine Ahnung. Aber ich weiß, daß ein Duft erotisch sein kann. Und das ist er auf jeden Fall. Im übrigen sicher an beiden Geschlechtern.

Parfum d'Empire Cuir OttomanAuf jeden Fall aber bemerkenswert ist nicht nur der Duft selbst, sondern auch eine spezielle Note, die nicht jedem gefallen wird: Ich rieche auf meiner Haut auch… Benzin. Mit etwas Gummi vielleicht? Nicht so extrem wie in den dementsprechenden Comme des Garçons-Düften, nein, aber Cuir Ottoman hat auch schon einen Tick Gummi aus Bulgaris Black inhaliert, die Spritnote wiederum erinnert mich an Nostalgia von Santa Maria Novella, der eigentlich nur Benzin, Rauch und Leder war, wie ein schönes altes Auto, das ich leider noch nie hatte ;)

Das nächste Lederchen ist eines, das ganz bestimmt in nächster Zeit noch bei mir einziehen wird: Tuscan Leather von Tom Ford aus seiner Private Blend Collection, konzipiert als Herrenduft – aber was sagt das schon… Unglücklicherweise habe ich ihn erst spät entdeckt, die Private Blend Collection ist so groß, nicht ganz billig… nun, ich war zu der Zeit auch ein bißchen ledermüde, ergo kam er mir erst vor circa einem halben Jahr unter die Nase. Wow. Ich könnte die ganze Restrezension mit Wows und Woahs füllen, das wäre für Euch aber sicher wenig lesenswert. Ein Kracher. Dieser Duft macht keine Gefangenen, wirklich nicht. Marcher ou mourir – marschieren oder sterben ist hier die Devise, hier gibt es keine Kompromisse. Und ich marschiere mit, keine Frage, schreite vorwärts in heller Freude, denn: Tuscan Leather ist ein Puristenleder allererster Güte, eine wirklich ganz reinrassige Interpretation schönsten Glattleders – einerseits. Aber andererseits eben auch mit einem modernen Twist, einer sehr zeitgemäßen Ausprägung.

Das erschließt sich einem schon nach der Lektüre der Ingredienzen: Safran ist da angeben, Himbeere und Thymian sowie Jasmin, Leder, Hölzer und Weihrauch. Leder ist schon von vornherein das dominierende Element, tiefschwarzes Glattleder wie dasjenige einer unendlich teuren Lederjacke oder einem sündhaften Paar neuer Schuhe (oder auch, olfaktorisch verglichen: wie das in Knize Ten). Rauchige Noten, ein wenig angebrannt, die einem fast schon in der Nase brennen, kommen hinzu und kreieren einen gewagten Spagat mit den wirklich vorhandenen, äußerst deliziösen Beerennoten, die eine hintergründige frische Fruchtigkeit schaffen. Jene Fruchtigkeit beherrscht allerdings eher den Hintergrund beziehungsweise zeichnet diesen, welcher ebenfalls von verhalten-leisen würzigen Noten bestimmt wird. Jasmin hingegen vollendet den Akkord von (Him)Beere und Leder und brilliert mit dem ihm eigenen Aroma, das ich, obgleich abgedroschen, eben immer nicht anders als „betörend” weil eben typisch weißfloral atemberaubend bezeichnen kann. Kühles forderndes Leder kontrastiert mit dezenter Wärme und subtiler Süße – ich finde Tuscan Leather “hot hot hot”.

Für mich von Null auf Hundert einer der schönsten Lederdüfte, den ich kenne… und schon zuckt er wieder, mein Bestellfinger…

Viele liebe Grüße,

Eure duftsüchtige Ulrike.

Bildquelle: Beware! von Jenny Rollo, Warm to cool von Aldon Scott Mc Leod, beide via stockxchng – vielen Dank für die schönen Bilder!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Condé Nast Verlag: zweite Ausgabe von VOGUE BEAUTY noch in diesem Jahr
Duftverzeichnis L – Z
Duftverzeichnis


Ein Lederluder…

Geschrieben in Duft, Leder am 25.02.2010

… bin ich schon lange – zumindest olfaktorisch, um Euch gleich vorneweg den Wind aus den Segeln zu nehmen, bevor falsche Vermutungen auftauchen ;) Diese Leidenschaft habe ich mit einigen anderen gemeinsam, unter anderem auch mit Gaia von The Non-Blonde und Marina von Perfumesmellingthings, welche eine ganz imponierende Liste mit Lederdüften erstellt hat – siehe hier.

In letzter Zeit hatten wir ja bereits Mecheris Cuir Cordoba, das mich auf die Idee gebracht hat, ein paar meiner Lieblingsleder mit Euch zu teilen. So habe ich einige herausgepickt und werde Euch heute und auch morgen, vielleicht auch mal noch zu späterer Gelegenheit ein paar davon vorstellen – in kurzer Form und sehr subjektiv selektiert.

Uuuh, Leder, werden sich jetzt einige denken – aber: Der Blick lohnt. Die Bandbreite der Lederkandidaten, im übrigen auch eine der ganz klassischen Duftnoten, gibt einiges her, unter anderem auch etliche Lederchen, die gar nicht so typisch streng nach Leder duften und auch für die Träger und Liebhaber weicherer und/oder femininerer Düfte durchaus einen Testversuch wert sein sollten. So sind auch die ersten beiden Tage meiner Ledernotizen den eher softeren, süßeren und weiblicheren Lederdüften gewidmet, während nächste Woche dann die Düfte für echte Kerle folgen…

viproomBeginnen möchte ich mit Vip Room, dem leider auf – soweit ich weiß – 3000 Exemplare limitierten Signatureduft des gleichnamigen Pariser Nachtclubs. Kreiert wurde Vip Room von Benoist Lapouza, die Ingredienzen sind: Bergamotte, Mandarine, Tiaréblüte, Ananas, Sandelholz, Vetiver, Birke, Iriswurzel, Leder, Styrax, Ambra, Vanille und Moschus.

Vip Room ist… Mata Hari auf Hawaii oder auch: eine Piña Colada trinkende Domina. Mir zaubert dieser Duft jedes Mal postwendend ein Lächeln auf mein Gesicht: Hier treffen tropisch-florale Noten von Tiaré auf frisch-prickelnde Hesperidennoten samt sehr prominenter spritzig-fruchtiger Ananas, definitiv an einen leckeren Cocktail erinnernd und untermalt von einer sehr schönen und weichen Wildledernote. Ein helles und butterweiches Wildleder ist es, das von einer subtil-warmen Süße begleitet wird, die allerdings weit entfernt davon ist, eine ähnliche Direktheit vorzuweisen wie jene fruchtig-offensive in Mecheris Cuir Cordoba oder jene in Lutens’ Daim Blond. Das Wildleder hier ist feiner, weicher, ohne dominant-animalische Noten.

Vip RoomSmooth, mit einer schönen Wärme in der Basis durch samtige Iris, Vanille und Harze erinnert dieses durchaus elegante Düftchen wirklich an einen perfekten Urlaub, ohne in eine banal-blöde Tropic-Tralala-Ebene abzugleiten. Möchte man sich den Duft vorstellen, möge man gedanklich Ananas Fizz oder besser: Bahiana von MPG in einen Topf werfen mit Bulgaris Black, bei welchem man allerdings die doch prägnanten Gummi-/Kautschuknoten etwas zivilisiert (ja, ahnliche Anklänge besitzt auch Vip Room) und durch Cuir Cordobas Wildledernoten ergänzt.

viproom3Ein weiterer Kandidat, wenn wir schon bei Mecheri sind, ist deren A Fleur de Peau. Was sich hier so harmlos anhört, hat es definitiv in sich: Anders als der Name vielleicht vermuten läßt, der frei übersetzt so etwas wie nahe an der Haut heißt, eine Phrase, die aber von der wortwörtlichen Übersetzung der „Hautblume” auch bereits wachgerufen wird – bei A Fleur de Peau handelt es sich mitnichten um das, was man normalerweise unter einem Skin-Duft versteht. Meines Erachtens nach hat sich Frau Mecheri hier ein wenig durch die alten Carons, allen voran Tabac Blond inspirieren lassen, aber auch und vor allem durch Chanels altes Meisterwerk Cuir de Russie. A Fleur de Peau ist eine moderne und etwas vereinfachte Interpretation von letzterem, wie mir scheint: Ein leicht-würzig-pudriger Lederduft mit zum Teil auch ins Indolische gehenden Noten. Indolisch? Das ist eine sogenannte „fäkale” Note, die bei Zibet und auch Jasmin vorkommt – beides Ingredienzen, die A Fleur de Peau beinhaltet. Natürlich riecht der Duft deshalb nicht nach Exkrementen, nein – lediglich hat er die dafür typische, etwas animalische Tendenz, wirkt insofern für meine Nase auch etwas „dreckiger” als Chanels russisches Leder, was durch den vorhandenen Moschus noch unterstrichen wird. Ein Duft, den ich mir sowohl bei Frauen als auch Männern gut vorstellen kann, wobei er letzteren schon ein bißchen Wagemut abverlangt, da er, ja – wollüstig wirkt und eine erotische Aura hat.

Die Ingredienzen, bevor ich es vergesse: Leder, Jasmin, Mandarine, Iris, Ylang-Ylang, Ambra.

Für heute erst einmal genug der Lederchen, morgen geht es weiter…

Ich wünsche Euch einen schönen Tag!

Liebe Grüße, Eure Ulrike.

Bildquelle: Tropical Waters 2 von Dez Pain, Pineapples 2 von Angela Knipe sowie Woman’s Body von Celiece Aurea, alle via stockxchng – Danke für die tollen Bilder!

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Duftverzeichnis L – Z
Lederluder die Zweite.
Duftverzeichnis


Luxusleder und Luxusluder.

Geschrieben in Blüten, Duft, Fruchtiges, Leder am 20.01.2010

Wie letzte Woche verkündet verweilen hier bei mir noch einige Pröbchen, derer ich mich noch annehmen möchte mittels des geschriebenen Wortes. Und zwar spreche ich von Keiko Mecheris Loukhoum-Trio sowie Datura Blanche und Cuir Cordoba. Auf letzteren werde ich heute mein Augenmerk lenken, der Rest folgt

Viele von Euch kennen meine Duftvorlieben ja schon ein wenig, insofern wird es den einen oder die andere auch nicht weiter verwundern, wenn ich mich zuerst auf den Lederduft stürze. Den Lederchen gehört nämlich seit je her meine Leidenschaft – unabhängig von ihrer Ausprägung.

Und es gibt ja sooo viele davon…. Sattelleder mitsamt wettergegerbtem Cowboy (Tauers Lonestar Memories), dann den kühlen Understatement-Gentleman (Knize Ten), die beste Handtasche der Welt oder auch: den mysteriösen, aber doch auch vertrauenseinflößenden Fremden (Montale Oud Cuir d’Arabie), die Domina auf Hawaii oder besser: Caipirinha-trinkende Mata Hari (Vip Room) und viele mehr: z.B. den ambivalenten Heeley Cuir Plein Fleur, diese Mimosen-Leder-Lolita, Chanels Klassiker Cuir de Russie, Serge Lutens Cuir Mauresque, Parfum d’Empires Cuir Ottoman oder Tom Fords Tuscan Leather, um nur einige meiner Lieblinge zu nennen… Ich sehe schon, eigentlich sollte ich mal ein Lederspecial machen… das werde ich mir vormerken.

Nun zum eigentlichen Thema zurück, Cuir Cordoba. Benannt logischerweise (und jetzt nicht soo originell) nach dem diesbezüglichen Ledertyp, dem Cordovan-Leder, das seinen Namen von der spanischen Stadt Córdoba bekam. Die Leder aus Córdoba, vornehmlich Ziegen- und Pferdeleder, waren schon immer im oberen Preissegment angesiedelt und kleideten in den letzten Jahrhunderten nicht nur Hände und Körper sondern auch Wände. Darüber hinaus wurden sie für Möbel und Kunsthandwerk verwendet – in natur, bestickt, bemalt und sonstwie be- und verarbeitet.

Bleiben wir doch einmal bei den Kunstwerken. Cuir Cordoba hat nämlich in meinen Augen eher weniger etwas mit der Gebrauchskleidung zu tun, riecht weder nach Biker noch nach Domina, mitnichten. Mich erinnert Cuir Cordoba an ein rares Kleinod, ein sammelwürdiges „Stück” Kunst, ein kleines Lederkunstwerk: Vielleicht ein paar feinste Handschuhe, die die zarten Hände eines schönen Menschen vor der rauen Realität bewahren oder auch ein prächtig gefertigtes Tagebuch, das dessen Gedanken und Träumen Raum gibt.

Widmen wir uns erstmal den Ingredienzen: Bergamotte, Iris, Hagedorn, Elemiharz, Patchouli, Sandelholz, Benzoeharz, Wildlederakkord.

Bergamottesprenkel wird man im Auftakt gewahr, die sich allerdings bald zurückziehen für fruchtig-herben Hagedorn sowie eine cremig-erdige Iris. Diese bekommen Gesellschaft von dem sogenannten „Wildlederakkord”, einer „Mixtur” aus mindestens drei bis vier unterschiedlichen Zutaten, die eben jenen Wildledercharakter imitieren. Die Basis ist harzig-warm, opulent und süßholzig und bildet somit einen perfekten Untergrund für die restlichen Protagonisten.

In der Tat vermeine ich, wie man oben bereits erkennen konnte, verschiedene Ledertypen herauszuriechen, obgleich jene eben immer Resultat eines Akkords sind und natürlich kein Destillat. Trotzdem halte ich die Differenzierungen zwischen Wildleder und normalen Ledernoten nicht für einen Marketingkniff – und ich bin der Ansicht, daß man das bei Cuir Cordoba einmal mehr schön ersehen kann.

Das hier ist Wildleder. Reinstes und feinstes Wildleder. Mit fruchtigen Akzenten, die an Aprikosen oder Pfirsich erinnern, floralen Anklängen sowie warmen Harzen. Es schmiegt sich an und legt sich auf die Haut als wäre es für nichts anderes geschaffen. Cuir Cordoba vermittelt ein Gefühl des Luxus. Wie sagte bereits Oscar Wilde? „Man umgebe mich mit Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten.”

Keiko Mecheri Cuir CordobaCuir Cordoba verkörpert genau das. Und er ist darüber hinaus noch – sinnenfroh. Wir sprechen hier nicht von einem kühl-distanzierten und komplett unnahbaren Leder – nein. Ein bißchen Erotik wohnt dem Düftchen auf jeden Fall inne… Also keine überlegene Blauer-Engel-Marlene… Emma Peel? Zu rockig. Cat Woman? Schon besser. Barbarella? Zu spacig und zu offensiv. Vielleicht Dita? Jaaah. Genau so könnte ich mir das vorstellen, seht selbst:

Im übrigen: Cuir Cordoba ist eine Schwester von Serge Lutens Daim Blond, ohne Zweifel. Diesen habe ich zwar lange nicht mehr gerochen und auch leider als Vergleich nicht zur Hand, allerdings weiß ich doch deutliche Ähnlichkeiten zu erkennen. Daim Blond wurde damals bei mir furchtbar klebrig auf der Haut, eine schwere und pappige Süße, die mir den Duft damals verleidete. Diese fehlt Cuir Cordoba gänzlich insofern könnte das ein neues Lederchen für meine Kollektion werden.

Bin gespannt auf weitere Meinungen und grüße Euch erstmal ganz herzlich,

Eure Ulrike.

Bildquelle Hamburger Abendblatt, some rights reserved.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Ein Lederluder…
Duftverzeichnis


Dein Wunsch sei mir Befehl…

Geschrieben in Duft, Fougère, Leder am 3.12.2009

… liebe Jutta, obgleich Du ihn nicht offen aussprachst… Aber – Du hast mich gestern inspiriert mit Deinem Post, insofern kommt heute der von Dir eigentlich gestern erwartete Patchouli Homme von Parfums de Nicolaî an die Reihe, der ohnehin schon einige Zeit auf meinem Schreibtisch im Duftkörbchen seiner Rezension harrte. Heute paßt er ganz vorzüglich, steht doch diese Woche schon im Zeichen des Mannes, wenn man sich die gestrige Rezension noch einmal vor Augen führt – und ich glaube, ich setze das auch die nächsten beiden Tage so fort.

Ein Männerduft sollte es sein, den uns Patricia de Nicolaî mit Patchouli Homme beschert. Dem Patchouli spricht Nicolaî eine ganz besondere Wichtigkeit zu: Er spielt die „erste Geige” in dem Orchester der Ingredienzen wie sie sagt. Unter allen holzigen Noten ist er die sinnlichste, provoziert die meiste Reichhaltigkeit mittels seiner Facetten. Mit ihrem neuen Duft Patchouli Homme wollte Madame Nicolaî einen holzigen Orientalen explizit für das männliche Geschlecht kreieren – es zeigte sich jedoch sofort auch das weibliche Geschlecht sehr angetan von dem Duft, was Anlaß dazu gab, ihn demnächst in Patchouli Intense umzubenennen.

Vielleicht sollte ich fairerweise vorab erwähnen, daß ich persönlich Nicolaî für eines der vollkommen zu unrecht unterschätztesten Häuser am Markt halte. Ich weiß ehrlicherweise nicht, weshalb Nicolaîs Düfte nicht allgemein prominenter und vor allem auch bekannter sind – an der Qualität der Düfte kann es kaum liegen. Madame Nicolaî selbst stammt aus einer Parfumeursfamilie, hatte ergo das Handwerk bereits in die Wiege gelegt bekommen und wuchs damit auf – als Teil der Guerlain-Familie. Später studierte sie Chemie und daraufhin an der ISIPCA, der berüchtigten Versailler Parfumeursschmiede, um hernach als ebensolche zu arbeiten.

Parfums de Nicolaî Patchouli HommeGenauso wie bei Guerlain vermag man auch bei Frau Nicolaî immer eine Grundnuance zu erkennen, eine Handschrift, die sich wie ein roter Faden durch das olfaktorische Werk zieht: Was bei Guerlain die sogenannte Guerlinade ist, ist bei Nicolaî der zitrische Aufakt (Orange?), in diesem Falle kontrastiert mit würzigem Zimt und Lorbeer. Das darauffolgende Herz offenbart Fougère-Charakter: Der Duft wird bitter-herb und erlesen krautig, dunkelgrün für meine Nase. Er weckt mit Lavendel und Geranium sehr modern umgesetzte Reminiszenzen an die klassische Duftfamilie der Fougère-Düfte, während eine subtil im Hintergrund waltende Rose gekonnt süß-florale Akzente, kleinen feinen Nadelstichen gleich, setzt. Namenspatron Patchouli ist natürlich ebenfalls mit von der Partie – hier im Herzen in einer grün-krautigen und frischen Ausprägung. Auf meiner Haut hält sich das Parfum in diesem wunderbaren Stadium sehr lange und wird alsbald auch durch eine sehr elegante kühle Glattledernote raffiniert abgerundet. Die darauffolgende Basis, die immer noch einen prominenten Patchoulianteil offeriert, atmet einen Hauch Weihrauch, ist aber in erster Linie ambriert und durch das Zusammenspiel von Ambra, Vanille und Sandelholz warm und holzig-würzig.

Die Ingredienzen: Zimt, Lavendel, Rose, Geranium, Myrte, Leder, Ambra, Vanille, Weihrauch, Sandelholz.

Parfums de Nicolaî Patchouli HommePatchouli Homme ist extrem vielschichtig und komplex – der Duft mäandert während seines Verlaufs sich permanent verändernd, er oszilliert zwischen verschiedensten Impressionen umher. Die Qualität ist beeindruckend, genauso wie die Haltbarkeit.

Patchouli Homme wird nicht jedem gefallen, soviel ist klar. Ich sage das häufig, ich weiß, aber, wie ich meine, auch immer – oder zumindest meist ;) – zu und mit Recht. Der Duft ist aufgrund seiner Komplexität vermutlich nicht auf das erste Mal sofort zugänglich, darüber hinaus wird er nicht jedem Menschen stehen. Ich kann es nachvollziehen, daß auch Frauen Gefallen an ihm finden, gleichwohl sollte der Träger dieses Duftes mit Bedacht gewählt werden: Ob nun Frau oder Mann, nicht jeder ist für ihn gemacht und umgekehrt. Vor allem jüngeren Männern würde ich diesen Duft nun nicht wirklich empfehlen bzw. kann ihn mir an solchen nur schwer vorstellen.

Ich persönlich kann ihn mir sehr gut an einem selbstsicheren und reifen (nicht notwendigerweise alten!) Mann vorstellen – einem Mann mit Persönlichkeit, Charakter und Format, dem man jenes bereits an seiner Kleidung und an seinem Auftreten ablesen kann.

Nicht umsonst wanderte meine Phantasie einige Jahre zurück zu den damaligen Filmschauspielern: Ich assoziiere mit Patchouli Homme einen Mann wie Humphrey Bogart oder Gregory Peck – einen eleganten und gleichwohl coolen Mann, der sich seiner selbst sehr wohl bewußt ist. Oder, meinetwegen auch: Sean Connery, gerne als Bond.

dietrich1Warum hier dann Marlene noch mit ins Bild gerutscht ist? Weil sie so gut zu jenen Männern paßt. Und weil für mich Patchouli Hommes Herz, das langanhaltende, wie der optimale, obgleich zivilisiertere und subtilere männliche Begleiter für Piguets Banditen anmutet, dieses einzigartige Fougèrebiest, einer der Lieblingsdüfte Marlenes.

Ich bin, wie immer, sehr gespannt auf Eurer Feedback, sobald Ihr ihn unter der Nase hattet!

Liebe Grüße,

Eure Ulrike.

P.S.: Für all die Neugierigen: Hier ein interessantes Interview mit Frau Nicolaî.

Weitere Einträge zu diesem Thema:

Die Düfte von Gianni Campagna aus Italien jetzt in unserer Kollektion
Gianni Campagna – eine Kollektion Duftjuwelen für Sie in Italien entdeckt !
Beim Schopfe packen


Ältere Beiträge »
blogarama.com

BlogPingR.de - Blog Ping-Dienst, Blogmonitor Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Directory & Search engine Beauty Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Proudly powered by Wordpress - Impressum