Land des Donnerdrachens
…heißt das Königreich Bhutan in der eigenen Landessprache. Wenn Ihr mich fragt, klingt es ein bisschen wie eine Mischung aus einem Harry Potter-Titel und einem Gericht auf der Speisekarte beim Chinesen um die Ecke. Letzteres trifft geographisch gesehen auf Bhutan auch wirklich zu. Natürlich nicht ins Form eines Restaurants. Nein, die Volksrepublik grenzt direkt an das kleine Königreich im Himalaya.
Etwas eingezwängt zwischen China und Indien ist das Land hoch droben in den Bergen ungefähr so groß wie die Schweiz. Etwa zwei Drittel davon sind auch heute noch bewaldet. Da in der Verfassung des Königreiches der Umweltschutz einen festen Platz einnimmt – Nachhaltigkeit ist hier das A und O – kann sich Bhutan über einen unglaublichen Floren- und Faunenreichtum freuen. Der Schutz der Umwelt kommt selbst vor wirtschaftlichen Interessen und Vorhaben. Thimphu, die Hauptstadt des Landes befindet sich im vorderen Himalaya auf etwa 2300m Höhe und zählt etwa 80.000 Einwohner. Angeblich ist sie die einzige Hauptstadt der Welt ohne eine einzige Ampel. Einzig zwei Kreisverkehre und einige Polizisten regeln den, ohnehin nicht sehr zahlreichen Verkehr. Die meisten Einwohner Bhutans, wie auch die Königsfamilie, gehören dem tibetischen Völkerkreis an. Staatsreligion ist der Buddhismus und die bhutanische Amtssprache nennt sich Dzongkha.
Womit wir beim eigentlichen Thema dieses letzten Reiseduftartikels angekommen wären. Denn Dzongkha ist nicht nur der Name der Amtssprache des kleinen südasiatischen Binnenstaates, sondern auch der einer Duftkreation Bertrand Duchaufours. Eine Reise in das hochgelegene Königreich mit seinen weit verbreiteten Klosterburgen (Dzongs) inspirierte den unternehmungslustigen Chefparfumeur von L’Artisan Parfumeur zu diesem Düftchen.
Duftnoten: Pfingstrose, Litschi, Kardamom, Chai-Tee, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Leder, Papyrus, Iris.
Da die Ergebnisse auf meiner Haut und dem Teststreifen sehr stark divergieren, möchte auf beide getrennt voneinander eingehen. Zuerst also der Teststreifen, der mich, das muss ich vorwegnehmen, ein bisschen enttäuscht hat. Hier dominieren zuerst intensiv herb-säuerliche Noten, zu denen sich, beinahe schleichend, süß-florale Nuancen gesellen, die schließlich in eine subtil-scharfe Würzigkeit übergehen. Mit der Zeit wird der Duft weicher, cremiger, ja fast milchig mit harzigen und holzigen Anklängen, stark weihrauchig. Viel zu schnell entschwebt Dzongkha dem Teststreifen, so dass ich mehrmals nachsprühen musste, um ihn in allen Facetten wahrnehmen zu können.
Ganz anders dagegen auf der Haut. Hier vernehme ich zuerst einen Duft, der mich spontan an Schnapspralinen denken lässt. Beim zweiten Schnupperer muss ich das allerdings revidieren: es ist Whiskey. Eindeutige Whiskeynoten duften mir da entgegen, würzig untermalt von Kardamom, der deutlich wahrnehmbar ist. Beinahe fließend ist der Übergang zu den Chai-Teenoten, in denen sich der Kardamom immer noch findet, die aber weitaus weicher, ja milchig-süßlicher erscheinen. Buttrige Iris kommt hinzu und unterstreicht in all ihrer erdigen Cremigkeit die warmen Milchnoten des Gewürztees. Doch das Schwertliliengewächs kommt nicht alleine. Im Schlepptau hat sie einen ihrer liebsten Kompagnons: samtig-weiches Leder. In diesem Fall, muss ich sagen, hat das Töpfchen sein Deckelchen gefunden. In harmonischer Eintracht schmiegen sich die beiden Duftnoten aneinander, verschmelzen und ergeben in einer wunderbaren Melange eine dermaßen prächtige Lederiris, so hell, so cremig-weich, dass ich meine Nase nicht mehr von meinem Arm wenden kann. Wunderschön! Lange, lange Zeit bleiben die beiden sich selbst überlassen, genießen ihr duftendes Glück, bis schließlich von Ferne dezente Weihrauchwölkchen vorbeischweben, gespickt mit ein paar salzig-skinnigen Vetivertupfern. Einfach umwerfend!
Ich kann es nicht anders sagen: hin und weg bin ich vom letzten Reisedüftchen, zumindest auf meiner Haut. Ja, Dzongkha und meine Hautchemie liegen wohl auf einer Wellenlänge. Ob da auch das Töpfchen sein duftendes Deckelchen gefunden hat? ;-)
Die warme Jahreszeit ist meiner Meinung nach für den Duft nicht ganz optimal (fast würde ich mir wünschen, es wäre schon Herbst), dafür ist er in der kühleren Hälfte des Jahres absolut alltagstauglich. Das werde ich auf jeden Fall ausnutzen! :-)
Damit wären wir am Ende unseres kleinen Ausfluges in die L’Artisansche Travel-Series. Wie findet Ihr denn die Düfte? An welchem Ort gefällt es Euch olfaktorisch am besten?
Einen schönen Wochenstart wünscht Euch,
Eure Stephanie.









Cozumel entspringt wie Alkemi der Feder oder besser: der Pipette von Marie Duchêne und wurde – mal wieder weil wie bei vielen Düften der Fall – inspiriert durch einen Urlaub oder besser: eine Urlaubserinnerung. Mexiko war es wohl und Cozumel die Insel, der Frau Duchêne den Duft widmete, der Sonne dort, der Vegetation und – natürlich: einem Mann. Den von dem intimen Geruch männlicher Haut ist da die Rede, der mit Cozumel zitiert werden soll.
Der Duft erinnert mich an so vieles, das ich mag, ein bißchen und dann doch wieder an nichts bestimmtes… Mein Lieblingsmann von Byredo, der Fantastic Man? Royal Heroes 1805 von Washington Tremlett? Stephanie de Saint-Aignans Un Thé au Sahara? Von allen ein wenig vielleicht… Es bleibt Euch also nichts anderes übrig, als selbst zu testen ;)
Nun ist er endlich kommen doch
Parfum d’Empire Eau de Gloire
Jo Malone Black Vetyver Café Cologne
Und natürlich Toulouse-Lautrec, der Maler, den ich schon in meinem letzten Artikel mit dem Moulin Rouge in Verbindung brachte, weil er das verführerisch überbordende Leben dort in den leuchtendsten Farben für die Nachwelt eingefangen hat: Glanz, Gloria und Glamouröses, Passionen und Obsessionen in jeglicher Hinsicht sowie… Exzesshaftigkeit.
Seine Ingredienzen: Mandarine, Pflaume, Zimt, Absinth, Rose, Iris, Leder, Patchouli, Vanille, Moschus.
Was war das damals schwierig, diesen Duft zu ergattern, als ich ihn vor Jahren das erste Mal unter der Nase hatte… kein Geschäft führte ihn, die „Verhandlungen” mit den Franzosen zäh… irgendwann endlich war er dann mein eigen. Ich weiß noch, daß ich damals eine Kurzrezension über ihn gelesen hatte im Netz, in der jemand schrieb, er rieche ein wenig Mullbinden und Krankenhaus und Stützkorsette aber trotzdem oder besser: gerade deswegen „terribly sexy”. Die restlichen Rezensionen klafften meilenweit auseinander und meine Neugierde war dann natürlich sowas von geweckt, das muß ich Euch nicht weiter erklären…
Mit Cuir Mauresque bleiben wir im arabischen Raum – der ohnehin bevorzugte Tummeplatz von Herrn Lutens. Cuir Mauresque stammt aus der Paris-exklusiven Serie, das heißt der Duft ist, wie eine Reihe anderer, nur in Paris direkt zu kaufen (oder europaweit auch zu bestellen). Cuir Mauresque ist ein bemerkenswerter und seltsamer Mischling: Ein fruchtiges Lederchen, definitiv geschlechtslos oder besser: ein Hermaphrodit, er wird nämlich Männlein wie Weiblein bestens zu Gesichte stehen. Darüber hinaus scheint Sheldrake, der Parfumeur Lutens’, hier einige seiner eigenen Besten sowie einige Klassiker zu vereinigen. Fast riecht sich Cuir Mauresque wie ein Gang querfeldein durch die schönsten Lutens-Düfte: Anfänglich hell und buttrig-ledrig mit floralen Noten durch Orangenblüten bewegt sich der schillernde Duft oszillierend umher, ein reichhaltiges Repertoire ausbreitend: Zimt samt würzig-scharfer Gewürznelke, Muskat und Mandarine breiten sich auf einem warmen Gewürzteppich aus und wecken Reminiszenzen an Ambre Sultan und Arabie, während die Basis von kostbaren Hölzern und Harzen sowie weichem Moschus mit animalischen Anklängen geprägt ist. Ein wenig Cuir de Russie von Chanel wage ich zu entdecken und Hochachtung vor den alten Carons, den Piguetschen Banditen hat der Duft auf jeden Fall auch ein wenig gestreift… ein echtes Chamäleon. Und, noch einer der „alten” Lutens: Ein Lutens, der Bilder malen kann, Farben und Impressionen heraufbeschwört, einer, der eine Menge zu erzählen hat.
Andy Tauer Lonestar Memories: Hier haben wir ihn, den lonesome Wolf oder besser: Cowboy. Wie heißt es schon in Goethes Faust? Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. In diesem Falle sieht man den Marlboro-Man vor sich, den verwitterten (Leder)Sattel fest unter dem knackigen Hintern alleine durch die Steppe reitend, über das weite offene Land, dabei sinnierend und philosophierend über Freiheit, Unabhängigkeit – und all das, ihr wißt schon ;) Einen echten Männertraum hat der Herr Tauer uns da olfaktorisch umgesetzt, intensiv, farbenprächtig und bilderträchtig wie immer: Ein ehrliches, sehr rauchiges (Sattel)Leder, verwittert und würzig, authentisch, das mit all den Jahren verschiedenste Gerüche aufgesogen hat und viele Geschichten zu erzählen weiß…
Jasmin und Leder ist eine beliebte Kombination, hatten wir jene doch auch gestern schon mit Mecheris Fleur de Peau. Sicher liegt es auch an den durch das Indol oftmals hervorgerufenen animalischen Tendenzen des Jasmins, die sich ganz hervorragend mit Leder vertragen. Unsere heutigen beiden Kandidaten zeichnen sich ebenfalls dadurch aus, das ihre beiden Hauptprotagonisten Jasmin und Leder heißen. Und – vielleicht verrät es das „Bildchen” nebenan schon: Die Lederlinge heute haben es faustdick hinter den Ohren…
Auf jeden Fall aber bemerkenswert ist nicht nur der Duft selbst, sondern auch eine spezielle Note, die nicht jedem gefallen wird: Ich rieche auf meiner Haut auch… Benzin. Mit etwas Gummi vielleicht? Nicht so extrem wie in den dementsprechenden Comme des Garçons-Düften, nein, aber Cuir Ottoman hat auch schon einen Tick Gummi aus Bulgaris Black inhaliert, die Spritnote wiederum erinnert mich an Nostalgia von Santa Maria Novella, der eigentlich nur Benzin, Rauch und Leder war, wie ein schönes altes Auto, das ich leider noch nie hatte ;)
Beginnen möchte ich mit Vip Room, dem leider auf – soweit ich weiß – 3000 Exemplare limitierten Signatureduft des gleichnamigen Pariser Nachtclubs. Kreiert wurde Vip Room von Benoist Lapouza, die Ingredienzen sind: Bergamotte, Mandarine, Tiaréblüte, Ananas, Sandelholz, Vetiver, Birke, Iriswurzel, Leder, Styrax, Ambra, Vanille und Moschus.
Smooth, mit einer schönen Wärme in der Basis durch samtige Iris, Vanille und Harze erinnert dieses durchaus elegante Düftchen wirklich an einen perfekten Urlaub, ohne in eine banal-blöde Tropic-Tralala-Ebene abzugleiten. Möchte man sich den Duft vorstellen, möge man gedanklich Ananas Fizz oder besser: Bahiana von MPG in einen Topf werfen mit Bulgaris Black, bei welchem man allerdings die doch prägnanten Gummi-/Kautschuknoten etwas zivilisiert (ja, ahnliche Anklänge besitzt auch Vip Room) und durch Cuir Cordobas Wildledernoten ergänzt.
Ein weiterer Kandidat, wenn wir schon bei Mecheri sind, ist deren A Fleur de Peau. Was sich hier so harmlos anhört, hat es definitiv in sich: Anders als der Name vielleicht vermuten läßt, der frei übersetzt so etwas wie nahe an der Haut heißt, eine Phrase, die aber von der wortwörtlichen Übersetzung der „Hautblume” auch bereits wachgerufen wird – bei A Fleur de Peau handelt es sich mitnichten um das, was man normalerweise unter einem Skin-Duft versteht. Meines Erachtens nach hat sich Frau Mecheri hier ein wenig durch die alten Carons, allen voran Tabac Blond inspirieren lassen, aber auch und vor allem durch Chanels altes Meisterwerk Cuir de Russie. A Fleur de Peau ist eine moderne und etwas vereinfachte Interpretation von letzterem, wie mir scheint: Ein leicht-würzig-pudriger Lederduft mit zum Teil auch ins Indolische gehenden Noten. Indolisch? Das ist eine sogenannte „fäkale” Note, die bei Zibet und auch Jasmin vorkommt – beides Ingredienzen, die A Fleur de Peau beinhaltet. Natürlich riecht der Duft deshalb nicht nach Exkrementen, nein – lediglich hat er die dafür typische, etwas animalische Tendenz, wirkt insofern für meine Nase auch etwas „dreckiger” als Chanels russisches Leder, was durch den vorhandenen Moschus noch unterstrichen wird. Ein Duft, den ich mir sowohl bei Frauen als auch Männern gut vorstellen kann, wobei er letzteren schon ein bißchen Wagemut abverlangt, da er, ja – wollüstig wirkt und eine erotische Aura hat.
Cuir Cordoba verkörpert genau das. Und er ist darüber hinaus noch – sinnenfroh. Wir sprechen hier nicht von einem kühl-distanzierten und komplett unnahbaren Leder – nein. Ein bißchen Erotik wohnt dem Düftchen auf jeden Fall inne… Also keine überlegene Blauer-Engel-Marlene… Emma Peel? Zu rockig. Cat Woman? Schon besser. Barbarella? Zu spacig und zu offensiv. Vielleicht Dita? Jaaah. Genau so könnte ich mir das vorstellen, seht selbst:
Genauso wie bei Guerlain vermag man auch bei Frau Nicolaî immer eine Grundnuance zu erkennen, eine Handschrift, die sich wie ein roter Faden durch das olfaktorische Werk zieht: Was bei Guerlain die sogenannte Guerlinade ist, ist bei Nicolaî der zitrische Aufakt (Orange?), in diesem Falle kontrastiert mit würzigem Zimt und Lorbeer. Das darauffolgende Herz offenbart Fougère-Charakter: Der Duft wird bitter-herb und erlesen krautig, dunkelgrün für meine Nase. Er weckt mit Lavendel und Geranium sehr modern umgesetzte Reminiszenzen an die klassische Duftfamilie der Fougère-Düfte, während eine subtil im Hintergrund waltende Rose gekonnt süß-florale Akzente, kleinen feinen Nadelstichen gleich, setzt. Namenspatron Patchouli ist natürlich ebenfalls mit von der Partie – hier im Herzen in einer grün-krautigen und frischen Ausprägung. Auf meiner Haut hält sich das Parfum in diesem wunderbaren Stadium sehr lange und wird alsbald auch durch eine sehr elegante kühle Glattledernote raffiniert abgerundet. Die darauffolgende Basis, die immer noch einen prominenten Patchoulianteil offeriert, atmet einen Hauch Weihrauch, ist aber in erster Linie ambriert und durch das Zusammenspiel von Ambra, Vanille und Sandelholz warm und holzig-würzig.
Patchouli Homme ist extrem vielschichtig und komplex – der Duft mäandert während seines Verlaufs sich permanent verändernd, er oszilliert zwischen verschiedensten Impressionen umher. Die Qualität ist beeindruckend, genauso wie die Haltbarkeit.
Warum hier dann Marlene noch mit ins Bild gerutscht ist? Weil sie so gut zu jenen Männern paßt. Und weil für mich Patchouli Hommes Herz, das langanhaltende, wie der optimale, obgleich zivilisiertere und subtilere männliche Begleiter für Piguets Banditen anmutet, dieses einzigartige Fougèrebiest, einer der Lieblingsdüfte Marlenes.