Wetterlaunen mit Hermetica Paris: Sandalsun und Spiceair …

… entführen uns duftend gedanklich in den Urlaub, und zwar einerseits in den Orient und andererseits in ganz andere Gefilde, nämlich in verregnete London. Hermetica Paris ist, wie die Aufmerksamen unter Euch jetzt wissen dürften, die neue Marke der Molloys, Clara und John die darüber hinaus auch hinter MEMO und FLORAÏKU stecken. Für die „Neuen“ habe ich nochmals die bisherigen Rezensionen der gar nicht mal so kleinen Kollektion gesammelt:

Clara & John Molloy

Faulenzen unter der orientalischen Sonne –  Sandalsun

„Sandalsun Eau de Parfum is a celebration of the brightness and oriental heat of the sun. The fragrance is wrapped in the creaminess of SANDALWOOD ESSENCE with the sweet caress of Hazelnut Molecule HAZELNUT MOLECULE and VANILLA EXTRACT. Like a sweet lazy day under the sun, Sandalsun explores the sweeter side of woods.“

https://www.pexels.com/photo/photo-of-dessert-during-dawn-3889894/

Sandalsun verspricht uns einen „sweet lazy day“. Köstlich süßer Müßiggang, Dösen unter der Hitze der vermutlich orientalischen Sonne also … Das kurbelt mein Kopfkino erwartungsgemäß an, erst recht, wenn ich das schmückende Wortbeiwerk lese, welches Hermetica Paris Sandalsun mit auf den Weg geben:

„Sun – Sunshine – Sunny – Sunbeam – Sunrise – Sunrays – Suntan – Sunbath – Sunset – Sunday – Sandalsun“

Irgendwo im Nirgendwo im Liegestuhl oder in einer Hängematte „chillen“, wie es so schön Neudeutsch heißt … die Sonne auf den „Pelz“ scheinen lassen, ein Buch lesen, vielleicht hin und wieder in irgendein kühlendes Nass springen, ein Buch lesen, ein bisschen Obst, Häppchen, ein erfrischendes Getränk in greifbarer Nähe … so lässt es sich leben, oder nicht?

https://www.pexels.com/photo/brown-wooden-framed-glass-door-767676/

Das Bild zum Duft deutet auf Ägypten hin, ganz klar – was erwartet uns also mit Sandalsun? Gourmandanklänge lese ich heraus aus der Beschreibung, fügen diese sich in einen klassischen oder modernen Orientalen ein, oder …? Es hilft nichts, er muss auf die Haut 😉

Sandelholz, Haselnuss und Vanille werden genannt – das Versprechen halten Hermetica Paris auch ein, was mich überaus entzückt. Nuss, Nüsse, vor allem aber auch Haselnüsse sind recht selten in Düften, Parfumistas werden es wissen – monothematische Nussdüfte wollen mir auf Anhieb gar keine einfallen. Ansonsten finde ich, wenn ich in meinem Gedächtnis krame, lediglich eine Handvoll Kandidaten, die nennenswert nussig tönen, und zwar in unsortierter Reihenfolge: No. 10 Aomassaï von Pierre Guillaume, den ich als überaus haselnussig und gourmandig in Erinnerung habe (allerdings leider nicht hier zum Vergleichstest), Cœur de Noisette von Sinfonia di Note (ebenfalls sehr haselnussig, aber leider discontineud), Amazing Jade von Les Sœurs de Noé (ledrig-weihrauchige Haselnuss), Tiziana Terenzis Al Contrario, No. 6 À la Carte von Lengling, Adiós Pampamia Mujer von La Martina (Mainstreamer, aber gut!) und der Angel-Flanker Muse von Mugler, Antonio Alessandrias Dies Auroræ und  Felino von Carner Barcelona, natürlich der Klassiker Méchant Loup von L’Artisan Parfumeur, Dolce Passione von Pantheon, Amber Oud von by Kilian, Hermèssence Vétiver Tonka, Atelier PMP anti anti und … ja, genau, der vergriffene Immortelle Marilyn von Nez à Nez. War da nicht auch noch was von Serge Lutens?

https://pixabay.com/de/photos/haseln%C3%BCsse-hazel-n%C3%BCsse-getrocknet-1707601/

Okay, es sind doch ein paar mehr geworden 😉 … Dennoch, Nüsschen haben etwas in Düften, keine Frage. Sie sind für gewöhnlich an und für sich nicht girliesk-gourmandig, häufig eingebettet in eine wohlige Wärme und gerne köstlich – so auch im Falle von Sandalsun: Haselnuss, geröstet und überaus reizvoll, zeigt sich diese Ingredienz doch exakt so wie die gute alte Haselnussnote, die wir aus Nuss-Nougat-Brotaufstrichen kennen. Überhaupt ist dieser Vergleich durchaus angebracht, denn ich rieche tatsächlich geröstete Haselnüsse im Zusammenspiel mit sacht-schokoladigen Nougatnoten und cremig-milchiger Vanille. Diesem duftenden Schauspiel lässt sich ewig beiwohnen, so lecker ist es – und garantiert kalorienfrei 😉

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Sollte die Frage aufkommen: nein, ich sehe Sandalsun, den strahlenden, warmen Gourmand-Sonnenanbeter keinesfalls als reinen Damenduft, sondern würde ihn als vollkommen geschlechtsunabhängig kategorisieren. Warum? Weil seine Süße, sein Gourmandcharakter perfekt ausbalanciert wird durch die herb-würzigen Röstaromen. Was er auf jeden Fall ist – ein Seelenschmeichler, der zudem einen idealen Herbstbegleiter darstellt.

Eine Ode an das verregnete London – Spiceair

„Spiceair Eau de Parfum is inspired by the nostalgia of rainy London — a contrast between the lightness of clouds and the warmth of the city. The mist that rises up from the city’s slick wet pavements is recreated with the notes of MOSS MOLECULE. This is combined with the charm of CINNAMON OIL and BERGAMOT ESSENCE that captures the sophistication and mystery of London.“

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Spiceair oder „Spice on Air“ soll die britische Hauptstadt einfangen, die bekannt ist für alles Mögliche, vor allem aber auch für … Regen, exakt 😉 Als Inspiration kommt darüber hinaus von Hermetica Paris:

„Pearlsintheclouds – Cloudsinthesky  Skyhigh – Highmystery – Mysteriousrain – Raininlondon – Londoncharm – Charmingmoon – Moonshine – Shinyspice – Spiceonair – I am Spiceair“

https://www.pexels.com/photo/city-view-at-london-672532/

Die Nostalgie des verregneten Londons – hach … man würde ja auch dort gerne einmal wieder weilen, nicht nur in exotisch-heißen Gefilden, oder nicht? Ich hoffe, es geht irgendwann einmal wieder. Bis dahin muss ich mich, müssen wir uns trösten – mit einem Tässchen gutem Tee und einem Buch. Vielleicht der Urban Fantasy-Reihe Die Flüsse von London von Ben Aaronovitch oder auch Neil Gaimans Niemalsland (eigentlich bin ich kein Hardcore-Fantasy-Fan, die genannten Werke mag ich aber sehr, unter anderem beziehungsweise anderen – und Ihr so?). Wer es klassischer mag, greift gleich zu Sherlock Holmes, und zwar unabhängig davon, ob nun in geschriebener oder in verfilmter Variante (sowohl die Kinofilme von Guy Ritchie mit Robert Downey Jr. in der Rolle des Holmes als auch die BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch als Sherlock sind sehr sehenswert!).

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Spiceair ist ein olfaktorisches Gemälde Londons – und nicht das einzige: mir fällt natürlich sofort BeauFort London ein, die Marke im Allgemeinen (die mit ihrem düsteren Shakespeare-Charme überaus gut zu den oben genannten literarischen und filmischen Werken passt), darüber hinaus Business Man von Simone Andreoli und Black Citrus von Vilhelm Parfumerie. In diesem Blogartikel findet Ihr noch ein paar mehr Düfte, die der Stadt gewidmet sind.

Sowohl Business Man als auch Black Citrus habe ich als enorm grün, herb-krautig-bitter und eher maskulin in Erinnerung, zudem auch in Teilen regengetränkt-wässrig. Wie sieht es hier mit Spiceair aus, fügt er sich nahtlos ein oder zieht er andere Register?

Er ist anders, ganz anders – anders als die anderen und anders, als ich ihn erwartet hatte. Moosig – ja, aber kein typisches Eichenmoos mit Vintage-Charme, sondern eher langflaumiges in leuchtendem Grün, Feuchtigkeit verströmend dank des unmittelbar zuvor abgeklungenen Niederschlags. Spiceair wohnt zudem eine Frische inne, einerseits – eine, die mich an einen luftigen Himmel mit unzähligen Schäfchenwolken erinnert, eine frische, kühlende, aber nicht kalte Brise, die einen umweht. Gleichermaßen aber zeigt Spiceair andererseits Noten von … ja, wovon eigentlich? Creme, Bodylotion, eine saubere, subtil-süße Variante von einer sachten Wärme, die so wirkt als schnuppere man an gepflegter, soeben eingecremter und satt-warmer Haut. Zimt ist weder auf dem Teststreifen noch auf der Testperson, ergo mir, als solches wahrzunehmen, was mir sehr gut gefällt: er übernimmt auf hintergründige Weise die Rolle jener Würze und Wärme, die ihn so hautnah wirken lässt.

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Yep, vielleicht ist der eine oder die andere schon draufgekommen – das hat was. Raffiniert gibt sich Spiceair und wirkt auf eine Art erotisch, obschon er ein Understatement-Duft ist. Vornehme englische Zurückhaltung quasi, was aber nichts über seine Präsenz aussagt – er hat eine hervorragende Sillage und ist ausdrucksstark, nur drängelt er sich nicht „Ich, ich, ich!“ rufend in den Vordergrund, was in meinen Augen ein echter Vorteil ist sowie Qualitätskriterium.

Darüber hinaus dürfen hier alle die Ohren spitzen und die Nase schürzen: er ist geschlechtsunabhängig tragbar. Ich vermag ihn mir wirklich aufgrund seiner interessanten und besonderen „Wie Haut, nur besser“-Aura an sehr vielen vorzustellen.

Spiceair ist bis dato zu meinem Liebling der Kollektion von Hermetica Paris avanciert – mal schauen, ob einer der beiden letzten Kandidaten von morgen ihn noch vom Thron stürzen können 😉

In diesem Sinne, meine Lieben – es bleibt spannend!

Herzliche Grüße

Eure Ulrike

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Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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