Mark Buxton 2.0 – ein Wiedersehen …

… mit einer Duftkollektion, die ich, genauso wie viele von Euch, bereits von früher kenne. Mark Buxton ist selbstredend ein Name, zudem kenne ich Mark persönlich und er ist nicht nur ein exzellenter Parfumeur, sondern auch eine Marke für sich – umso mehr freue ich mich, dass wir die Düfte wieder im Sortiment haben und dass ich sie Euch in den kommenden Tagen vorstellen kann.

Es hat sich einiges geändert an der Kollektion: Sie erscheint in neuem Gewand und in zum Teil neuer Besetzung. Zu der Ursprungskollektion, die 2008 erschien, zählten Around Midnight, English Breakfast, Hot Leather, Nameless, Sounds & Visions, Black Angel und Wood & Absinth, von denen bis auf die letzten beiden Düfte alle discontinued sind. Im Laufe der Jahre wechselte man schon einmal den Flakon beziehungsweise das Flakondesign, bis nun das dritte Flakondesign gewählt wurde. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach stellte jede Veränderung eine Verbesserung dar. Die Flakons haben sich nicht soo sehr verändert, als das der Wiedererkennungswert auf der Strecke geblieben wäre – das stellt mitunter ein Problem dar, wenn Marken an ihrem Corporate Design schrauben, nachdem sie bereits auf dem Markt sind. Ich persönlich finde den jetzigen schwarzen Flakon überaus passend und schick – und das obgleich ich bei Düften den inneren Werten die oberste Priorität einräume. Aber wenn dann noch die äußeren stimmen, wird man bestimmt nicht anfangen zu meckern 😉

Black Angel und Wood & Absinth sind demnach mit an Bord der Neuauflage der Buxton-Kollektion – darüber hinaus gehören dazu: Devil in Disguise, Dreaming with Ghosts, Sexual Healing beziehungsweise heute Spiritual Healing (alle 2012 erschienen), Emotional Rescue (2013), der mittlerweile auf den Namen Emotional Drop hört, Message in a Bottle (2015), der jetzt Message in a Perfume heißt, und A Day in my Life (2016). Acht Düfte, eine schöne (An)Zahl für eine Kollektion – nicht zu viele und nicht zu wenige, wobei uns im Blog hier ja gar nichts schreckt diesbezüglich 😉 Auf den ersten Blick sehen im übrigen die umbenannten Düfte allesamt gleich aus, was die Ingredienzen angeht. Ich denke nicht, dass da wesentlich etwas an der Rezeptur geändert wurde, kann aber bei Bedarf auch nachhaken.

Was Mark Buxton angeht, muss ich vermutlich nicht viele Worte verlieren, eingefleischte Parfumistas kennen den Namen. Dennoch ein paar Takte für diejenigen, die sich noch nicht lange in der Nische tummeln …

Die „Nase“ – Mark Buxton

Geklaut bei markbuxton.com

Wer die Geschichte nicht kennt, wird jetzt nicht umhin kommen zu schmunzeln: Marks Werdegang als Parfumeur begann mehr oder weniger im Fernsehen und zwar 1984 bei … Frank Elstner. Bei Wetten Dass. Ja, genau, richtig gelesen – Mark trat zusammen mit einem Freund an, als Duo – die Wette war es, dass sie mehrere Hundert Düfte beziehungsweise eine Handvoll daraus ausgewählter richtig identifizieren können. Die Wette haben die beiden verloren, was allerdings nicht an Mark lag – und dieser bekam daraufhin einige Wochen später einen Anruf von Haarmann & Reimer (Aromastoffhersteller; 2013 Fusion mit Dragoco zu Symrise, die zu den Weltmarktführern der Aromastoffbranche gehören), die ihm weniger später einen Ausbildungsplatz als Parfumeur anboten.

Mark Buxton wurde in Englang geboren, wuchs in der Nähe von Hamburg auf und lebt seit geraumer Zeit mit seiner Familie in Paris – seine Frau Karoline ist im übrigen auch Parfumeurin (siehe zum Beispiel einige Raumdüfte von Linari) und arbeitet im Gegensatz zu ihm noch bei/für Symrise. Mark Buxton ist mittlerweile als selbstständiger Parfumeur tätig.

Geklaut bei markbuxton.com

„Mark Buxton is above all a hedonist, wine connoisseur, talented cook, with a passion for antiques, especially for art deco style.“

… so steht es auf seiner Webseite zu lesen – ich kann das nur bestätigen, genauso wie vermutlich jeder, der Mark irgendwann einmal getroffen und kennengelernt hat. Er ist eine Erscheinung, eine ziemlich perfekte Mischung aus kreativem Schöngeist und, mit Verlaub: Du nimmst es mir sicher nicht übel Mark, denn es ist ausschließlich positiv gemeint, extrovertierter Rampensau, ausgestattet mit einer ordentlichen Portion Humor, die ich eigentlich mehr im Ruhrpott verorten würde 😉

Selbst wenn man Mark Buxton nicht kennt, seinen Namen – es ist fast sicher, dass man dennoch bereits eine seiner Kreationen in der Hand oder gar im heimischen Parfumregal hatte, denn Mark hat bisher unzählige Düfte kreiert, von denen nicht wenige Klassiker und/oder Bestseller sind. Einige Beispiele gefällig? Laguna und Dalissime für Salvador Dali Parfums in den frühen Neunzigern sowie Mira-Baï für Chopard (1998), etliche Düfte für Comme des Garçons, unter denen sich einige Ikonen finden (CdG  der erste, der Signature, CdG 2, CdG 2 Man, CdG 3, CdG Eau de Cologne, CdG White, Series 3: Incense – Ouarzazate), Diverses für Givenchy, Gianfranco Ferré Acqua Azzurra (2008), Jil Sander Scent 79 Man, Karl Lagerfeld Kapsule Light (2008), Rebel at Heart für Thomas Sabo, diverse Parfums für Linari, einige für Cartier, für Paco Rabanne und so weiter und so fort. In der Nische muss ich selbstredend noch seine Düfte für biehl parfumkunstwerke betonen (mb01 bis 03), des Weiteren sein Cologne Noire für die Collection Extraordinaire von Van Cleef & Arpels, Vetiver 46 für Le Labo, Roboris für Calé Fragranze, d’Autore, seine Kreationen für Verdúu, 2787 Perfumes Barcelona, Folie à Plusieurs (Kooperation mit Le Cinéma Olfactif), Moth & Rabbit, Friendly Fur, House of Sillage, Wiener Blut, Atelier PMP – Perfume Mayr Plettenberg, Elternhaus, … die Liste ließe sich noch annähern beliebig lang fortsetzen. Einer geht aber noch und sollte erwähnt werden: L’Air de Panache, der Duft des Protagonisten Gustave aus Wes Andersons wundervollem Film „Grand Budapest Hotel“ – hier ein kurzer Beitrag dazu in der Welt.

Und, bevor ich es vergesse – Mark Buxton mischt auch mit bei Renégades, einem Duftprojekt, das er gemeinsam mit Geza Schoen und Bertrand Duchaufour ins Leben gerufen hat.

Von magischen Momenten und Engelserscheinungen – Wood & Absinth und Black Angel

In the summer twilight – The magic moment between the heat of the day and the night fall. A contrast of sensual vetiver and vibrating fresh absinth.“

Die Ingredienzen:
Kopfnote: Absinth, Muskatellersalbei
Herznote: Jasmin, Rosenholz
Basisnote: Vetiver, Zedernholz

Ich weiß ja nicht, in welchen Gefilden, mit Ausnahme von Paris, Monsieur Buxton so herumturnt, aber wenn hier bei Wood & Absinth von Dämmerung die Rede ist, von der Hitze des Tages und der hereinbrechenden Nacht und Absinth mit ins Gespräch kommt … da denke ich an rauschende Sommerfeste (auf denen ich lange nicht mehr war), vielleicht an Pärchenmomente oder auch an Naturerlebnisse à la Caspar David Friedrich. Ihr seht schon, meine gedanklichen Ausschweifungen unterscheiden sich vor allem in einem – im Hinblick auf die Menschenbeteiligung, ferner auch hinsichtlich des Ortes (Stadt, Land, X?). Ich bin gespannt, nach was Wood & Absinth „ruft“ …

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Harmen hatte ihn, wie gestern bereits erwähnt, vor Jahren schon rezensiert, als er sich auf eine olfaktorische Sauftour begeben hat und sich diverse Absinth-Düfte unter die Nase klemmte. Für ihn war es ein holziger Duft mit Vetiversprenklern, den er, wie er schrieb, eher Männern „unterschieben“ wollte: „Ein wirklich spannender Duft, der tief im Gehölz mit allerlei schillernden Aspekten aufzuwarten weiß. Von hellen zitrischen Lichtflecken, die den Waldboden sprenkeln über grasiges Wurzelwerk, Krautiges passt sich hier passend ein, und die ferne und unerfüllbare Hoffnung auf liebliche Blüten geht in einen versöhnlichen Ausklang über.“

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Und was ist Wood & Absinth für mich? Vielleicht eine Art Kreuzung von Absolument Absinthe und Tom Fords Grey Vetiver. Holzig ist er für mich tendentiell eher weniger, weder auf der Haut noch auf dem Duftstreifen, die Katzen habe ich zum Testen mal außen vor gelassen 😉 Selbstverständlich sind aber sowohl Rosen- als auch Zedernholz eher hellere Hölzer, kühler, weniger knarzig oder borkenbetont als viele andere. Sauber und säubernd, mitunter fast schon seifig untermalen sie den licht-grasigen, verhalten salzigen Vetiver, dessen cremige Facetten von subtilem Jasmin verstärkt werden. Muskatellersalbei zaubert eine leise Süße, die sowohl unserem Absinth-Akkord als auch dem Vetiver exzellent zu Gesicht steht. Im weiteren Verlauf wird Wood & wärmer, sinnlicher und samtiger, was dennoch nichts daran ändert, dass ich persönlich ihn im Gegensatz zu Harmen als „unisex“ deklariere. Sicher, Vetiver steht Männern hervorragend, dieser hier darf aber ruhig an und auf die Frau.

An unexpected encounter in a NY night club – A radiant Angel dressed In black… breaking up the smoky atmosphere… The perfume Black Angel captures this intense moment of grace and absolute beauty… A light and feminine vibration of ginger and jasmine in contrast with the dark sensuality of a styrax-amber accord.“

Die Ingredienzen:
Kopfnote: Mandarine, Ingwer
Herznote: Jasmin, Iris
Basisnote: Styraxharz, Patschuli, Ambra

An Clubs, in denen Mark Buxton ebenfalls feierte, kann ich mich lebhaft entsinnen … das war aber nicht in New York 😉 Seine Beschreibung einer Erscheinung zu Black Angel finde ich sexy – ich meine, wer kennt das nicht … Irgendwo im Nirgendwo feiern, die Nacht mit ihren schier unendlichen Möglichkeiten … und dann taucht da eine Lichtgestalt auf, ganz unabhängig davon, ob diese nun weiblich oder männlich ist und ob es dem Alkohol geschuldet ist oder nicht 😉 Vermutlich gibt es viele dieser Momente, in denen sich Schönheit zeigt, vor allem beim Baudelaireschen Flaneur, der ohnehin ein Beobachter ist und, alles in allem, Mark Buxton gar nicht mal so unähnlich …

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Buxtons Schönheit, sein schwarzer Engel, tanzt leichtfüßig im Scheinwerferlicht, vielleicht sogar unter einer bunt glitzernden, verspiegelten Disko-Kugel. Und ganz bestimmt nicht in einem typischen Gothic-Club. Warum? Weil Black Angel eigentlich nicht wirklich „black“, schwarz ist. Er ist weder finster noch düster, allenfalls üppig auf eine Art, die man anhand der Ingredienzen nicht unbedingt vermutet. Und sinnlich, hier trifft die Beschreibung, vielleicht auch – dramatisch, allerdings auf eine sehr moderne Weise. Will sagen: kein Vintage-Duft, obschon ihn in seiner besonderen Opulenz eine gewisse Retro-Aura umweht. War es Kat von D, von der Buxton so begeistert war? Könnte hinkommen, eine solche Frau könnt Ihr Euch zu Black Angel vorstellen. Black Angel zeigt im Auftakt Frische, und zwar fruchtige – saftige Mandarine und Ingwer, der mit den ihm eigenen holzig-fruchtig-trockenen Tönen lockt, wobei seine Fruchtigkeit hier meines Erachtens nach betont ist. Iris und Jasmin tun das, was sie am besten können – pudern und cremen, feminin, kokett und ein klitzekleines bisschen verrucht, was durch die Harze in der Basis als auch das Patschuli bekräftigt wird.

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Wer trägt es? Irisliebhaberinnen, ganz klar. Aber auch Frauen, die Düfte wie Juliette has a Guns Lady Vengeance oder Moondance lieben, ergo moderne Chypreinterpretationen. Aber – Black Angel wird später weicher, leichter, heller. Und duftet für meine Nase irritierend, aber sehr lecker nach Kirsche.

Morgen geht es weiter mit den Düften von Mark Buxton – bis dahin alles Liebe und einen guten Start ins Wochenende,

viele Grüße

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

Ein Kommentar

  1. Karl-Heinz Spiegelhoff (Bügel)
    9. Januar 2021
    Antworten

    hallo Frau Knöll, lese hier gerade, Mark sei in der Nähe von Hamburg aufgewachsen. Naja, wenn 500 km die Nähe ist, dann soll es wohl stimmen. Eigentlich kenne ich ihn aus der Schulzeit, da wir bis zur 10. in die gleiche Klasse des Gymnasium in Uedem gegangen sind. Er wohnte in Weeze (ca. 8 km von hier weg). liebe Grüße vom Niederrhein, auch an Mark falls er das sieht.

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