Phaedon 2.0 – so oder so ähnlich …

… könnte man diesen Artikel nennen: Ziemlich genau vor drei Jahren hatte ich über Phaedon berichtet, kurz nachdem die Linie von Pierre Guillaume auf den Markt gekommen ist. Bei uns ist sie jetzt gelandet – und wie überrascht war ich, als ich sah, dass es mittlerweile doch etliche Düfte mehr gibt, als ich damals testen konnte.

edt_l_eau_d_phaedon Einige Düfte habe ich bereits rezensiert, nämlich Cendres de Thé, Dzhari, Rue de Lilas, Grisens und Noir Marine. So, wie es aussieht, gibt es Rue de Lilas nicht mehr – Grisens heißt jetzt Oliban und der schöne Noir Marine hört auf den Namen Oriental Mint. Die anderen beiden Düfte durften ihren Namen behalten.

(Fast) Unzählige andere Düfte erwarten uns noch dieser Tage – keine Müdigkeit vorschützen, los geht es!  In Anbetracht der Anzahl gehe ich diesmal alphabetisch vor – und beginne mit den Eaux de Toilette.

L’Eau de Phaedon ist unser erster Kandidat, der mit folgenden Zutaten aufwartet: Kopfnote: Neroli, Jasmin, Mandarine; Herznote: Aloe Vera, Agave; Basisnote: Hölzer, Moschus. „Ein Duft für die ganze Familie“ soll es sein, deshalb trägt er wohl auch den Namen des Labels. Spannend finde ich hier die Herznote: Aloe Vera kenne ich sonst nur aus der Kosmetik und, natürlich, als exzellente Soforthilfe in südlichen Gefilden auf sonnenverbrannten Hautstellen (und leider auch dauerhaft auf den Kleiderstücken drumherum – Achtung, Flecken!). Und Agave, bitte entschuldigt – nur aus Tequila, dafür aber gutem 😉

Oh, dieses Eau gefällt mir ausgesprochen gut! Eine innovative Variante des Cologne-Typus‘ – sehr schön! Saftige Mandarine und zarte, sacht-zurückhaltende, honiggeküsste weiße Blüten im Kopf, kontrastiert durch wässrig-aquatische, minzig anmutende Noten von Aloe Vera und Agave. Das harmoniert so glänzend, dass die Basis nur noch abrunden sollte, was sie mit Hölzern und watteweichem Moschus auch tut.

Ein schöner, besonderer Immergeher und Allrounder, der Sonnenlicht und Wärme versprüht und zu allen Jahreszeiten ein Seelenschmeichler ist.

phaedonlentisque

Lentisque, die Nummer Zwei, sieht sich seinem Namenspaten verpflichtet:

„Der grüne, harzige und holzige Duft des Pistacia Lentiscus (Mastixstrauch), einem Strauch der im gesamten Mittelmeerraum gedeiht, beschwört augenblicklich die spanische und korsische Macchie herauf. Der Parfumeuer hat die Aromen der Sträucher auf den steinigen Pfaden unter der brennenden Sonne eingefangen. In diesem Duft wird Lentiscus in zwei Versionen verwendet: als kraftvolles, grünes ätherisches Öl, das von Galbanum in der Kopfnote befeuert wird, und als ein Absolue, vereint mit Zistrose (Labdanum) und trockenen Hölzern im Herzen. Die prickelnden, harzigen Facetten werden von zwei natürlichen Verbündeten verstärkt: Vetiver und Zedernholz. Ambra vereint sich in der Basis mit Moschus.“

Lentisque erinnert mich auf den ersten Schnupperer an einen anderen grünen Duft von Pierre Guillaume, an Papyrus de Ciane aus seiner Linie Parfumerie Générale. Grün kann Monsieur Guillaume ohnehin, und zwar in allen Facetten, man denke auch nur an seine Teedüfte! Lentisque ist dunkelgrün-krautig und herb-bitter, von einer leichten, hintergründigen Süße. Ein Hauch Salz, balsamische Anklänge und Hölzer, von einer warmen Ambraweichheit untermalt. Für mich eindeutig für Männlein als auch Weiblein gleichermaßen geeignet.

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Verveine Figuier – das liest sich für mich seehr interessant: Verbena und Feige, eine interessante Kombination! Ein Blick auf die Duftnoten macht es noch spannender: Kopfnote: Feigenholz; Herznote: Feigenblätter, Verbena, Süßholz (Lakritze), Texas-Zedernholz; Basisnote: Benzoeharz, Eichenmoos.

Verveine Figuier zaubert mir sofort ein Lächeln ins Gesicht: Er macht mir gute Laune, umgehend. Ich weiß auch nach längerer Zeit ehrlich gesagt immer noch nicht, ob ich der Überzeugung bin, dass Verbena und Feige gut zusammenpassen. Eigentlich … wohl eher nicht. Oder … doch? Es führt kein Weg daran vorbei – Ihr müsst selbst testen! Beide Noten sind dynamisch, so voller Sonne und Lebensfreude, ob sie jetzt zusammen oder nebeneinander strahlen ist irgendwie auch völlig egal 😉 Zitrische Sprenkler, grüne Noten, süße Milch grüner Feigen, ein Hauch Lakritze, das reicht, um einen glücklich zu machen.

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Pluie de Soleil, der Sonnenregen, soll eine „Sommerexplosion“ sein, „eine Ode an den Sommer“. Das glaube ich sofort, wenn ich mir die Noten einmal anschaue: Kopfnote: Zitrone, Bergamotte; Herznote: Pfirsich, Erdbeere, Ananas, Freesie; Basisnote: Sandelholz, Cashmeran, Vanille, Moschus, Ambra.

Meine Lieben, wie Ihr vielleicht schon wisst, ich bin jetzt nicht unbedingt die geborene Krönung aller Frohnaturen. Und nein, ich war noch nie ein Früchtchen. Eigentlich bin ich vielleicht manchmal ehrlicherweise eher ein bisschen wie die Internetikone Grumpy Cat auf diesem Foto:

grumpycat

… aber: Pluie de Soleil, diesen Sonnen-Früchte-Regen hält nichts auf, noch nicht einmal schlechte Laune 😉 Ein riesiger Teller voller tropischer Früchte, Ananas, Pfirsich, (Erd)Beeren und zitrische Gesellen, darüber hinaus rieche ich Honigmelone, darunter köstliche Vanillecreme und weiche, warme Hölzer.

Das ist einfach. Und einfach wunderbar.

Ein toller Auftakt – ich bin gespannt auf die restliche Kollektion, Ihr auch?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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