… geht die Reise heute, zumindest olfaktorisch: Gestern waren wir beim Hippieduft Mulholland stehengeblieben, den ich Euch vorgestellt hatte. Heute folgt der vorletzte Duft der Mecherischen Hesperidenkollektion – Taormine.
Taormine ist benannt nach der sizilianischen Stadt Taormina. In der Provinz Messina gelegen erfreut sich dieses Städtchen schon seit einigen Jahrhunderten eines regen Touristenandrangs. Einer der ersten dürfte vermutlich Goethe gewesen sein, der 1787 dort weilte und Taormina hernach sogar einige Seiten seiner berühmten Italienischen Reise widmete. Taorminas Beliebtheit steigerte sich dann vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als der Landschaftsmaler Otto Geleng den Ort mit seinen Bildern von Taormina und Umgebung weit über die Grenzen Siziliens bekanntmachte. Ein weiterer Herr sorgte für touristischen Zustrom: Der nicht ganz unkritisch zu sehende Fotograf Wilhelm von Gloeden. Und zwar mit einer ganzen Reihe Knabenaktfotos – jene animierten unter anderem, bei dem einen oder anderen nicht verwunderlich, Oscar Wilde, D.H. Lawrence, Thomas Mann und Richard Strauss zu Aufenthalten in Taormina.


Taormina hört sich nach einem perfekten Urlaubsziel an – das scheint auch Jim Kerr, der Sänger der Simple Minds so gesehen zu haben, der es gleich als Zweitwohnsitz wählte und dort ein Hotel betreibt, siehe hier.
Taormine, der Duft zum Städtchen, vermag es in der Tat – genau wie seine restlichen Kollegen aus der Hesperidenkollektion, wie ich neidlos anerkennen muß – jenes Urlaubsfeeling einzufangen: Die Kopfnote weht Zitrisches herüber, transparent-prickelnde Agrumenfrische, durchsetzt von ein paar schüchternen Blüten. Mecheri spricht in ihrer Beschreibung von einem Hafen – vor meinem inneren Auge sitze ich tatsächlich irgendwo am Wasser in jenem malerischen kleinen Städtchen, vormittags, die Sonne nimmt gerade Anlauf, um ihre Tagesform zu erreichen… und steigt weiter, wärmt mehr und mehr den Tag und mich, während ich da sitze, in der Nähe des Meeres, bei einem Cappuccino meine Zeitung lesend und Amarettinis knuspernd. Denn in die Zitrusfrische mischen sich Mandelnoten, fein-süß-marzipanige und cremig-würzige, abgerundet von sanftem, dickem, hellem Wildleder.

Morgen geht es weiter in die Heimat Mecheris, nach Japan – mit Les Nuits d’Izu.
Bis bald und viele liebe Grüße,
Eure Ulrike.
Die neuen Düfte von K. Mecheri klingen ja sehr verführerisch – warum nur kommen sie erst, wenn der Sommer sich verabschiedet hat? Der eine oder andere oder … wäre sicher ein neuer Lieblingsbegleiter gewesen. So aber ist mir jetzt mehr nach den schwereren Kandidaten – her mit Tea for two, Amber- und Oud-Bömbchen!
Ja liebe Christiane, das kann ich gut nachvollziehen – früher wäre mir auch lieber gewesen. Habe die Heizung schon an und krame schon wieder die Winterlinge hervor…
Bei dem Wetter nicht weiter verwunderlich. Aber vielleicht bekommen wir ja noch einen goldenen Herbstanfang – den hatten wir ja die letzten Jahre auch. Das wäre fein *schwärm*
Liebe Grüße,
Uli.
Liebe Uli,
das ist auch etwas, das ich nicht verstehe. Warum werden Sommerdüfte im Herbst lanciert? Und die Kracher für Herbst und Winter im Frühling? doch mit der Taormina-Beschreibung und den Bildern hast Du genau das gefunden, wo ich nächstes Jahr um diese Zeit (September) sein werden. Jawoll! Sizilien! Taormina! Hippie-Hochburg in den 70ern des letzten Jahrhunderts. Simmel! Ich geh da hin! Hab mir auch schon das Hotel ausgesucht! So! Und dorthin nehme ich alle Sommerdüfte mit, die jetzt in den Winterschlaf gehen, weil ich sie hier ja gar nicht sommerlich würdigen konnte.
Bitte mehr!
Viele liebe Grüsse, Margot