Jahresrückblick 2025 – Mai & Juni

Mit Mai und Juni nahm das Duftjahr 2025 für mich spürbar Fahrt auf – allerdings auf ganz unterschiedliche Weise. Der Mai war ein Monat der Einzelbegegnungen: viele eigenständige Rezensionen, viele unterschiedliche Stimmungen, viele kleine olfaktorische Reisen. Der Juni dagegen verlagerte den Fokus. Kollektionen rückten in den Vordergrund, ebenso Gespräche und Interviews, die den Düften Kontext gaben und den Blick hinter die Kulissen ermöglichten.

Mai 2025

Den Auftakt des Monats Mai machte Cowboy Grass von D.S. & Durga und brachte frischen Wind aus dem Wilden Westen ins Duft-Tagebuch. Was zunächst leicht und luftig begann, schlug mit der neuen Extrait Extrême Collection von BORNTOSTANDOUT jedoch rasch eine ganz andere Richtung ein: laut, kraftvoll und kompromisslos. Neben Black Guava und Black Mango machten auch Oud Candy und Purple Stain unmissverständlich klar, dass Zurückhaltung hier kein Thema war.

Anschließend ging es Schlag auf Schlag weiter. Melogold und Cotton von Widian setzten holzig-pudrige Fruchtakzente sowie umhüllende, cremig-florale Nuancen, während Église de Velours von Pierre Guillaume bewusst keinen klassischen Weihrauchduft versprach und dieses Versprechen auch einlöste. Lavendelfans dürften an Purple Mémoire von Floris ihre Freude gehabt haben, und auch Golden Amber des britischen Traditionshauses überzeugte mit zitrischen, cremig-floralen und maritim angehauchten Facetten.

Weil es sich anbot und thematisch so gut passte, war D.S. & Durga im Mai gleich noch einmal vertreten. Mit Big Sur Eucalyptus führte uns das US-Label an die amerikanische Westküste, genauer gesagt in die Region Big Sur mit ihren charakteristischen Eukalyptusbäumen. Behagliche, fast intime Momente folgten mit dem Eau de Parfum Blindfold sowie der Duftkerze Mamounia No. 28 von L’Objet. Wer samtige, pudrig-cremige Wildlederdüfte schätzt, sollte insbesondere das Eau de Parfum im Blick behalten.

Cowgirl Grass von D.S. & Durga – Parfumflakon auf grobem Seil vor violettem Hintergrund, inspiriert vom amerikanischen Westen
Black Guava von BORNTOSTANDOUT – Parfumflakon über aufgeschnittener Guave mit knorrigem Holz, inszeniert als kontrastreiches Stillleben
Cotton von Widian – Detailaufnahme des Parfumflakons mit geprägtem Etikett und warm schimmerndem Glas
Église de Velours von Pierre Guillaume – Parfumflakon vor dunklem, rauchigem Hintergrund mit samtigen roten Stoffakzenten
Purple Mémoire von Floris – Parfumflakon in den Händen eines Models im Lavendelfeld, umgeben von violetten Blüten und weichem Sommerlicht
Blindfold von L’Objet – schwarzer Parfumflakon mit strukturierter Kugelkappe, arrangiert in einer keramischen Schale mit grünlich schimmernder Glasur

Kindheitserinnerungen standen Pate für Kurky von Maison Francis Kurkdjian – ein überraschend verspielter, gourmandig-fruchtiger Duft mit süßer Leichtigkeit, der fröhlich, unbeschwert und wohlig wirkte und damit perfekt in die wärmere Jahreszeit passte. Auch Tulua von Kinetic Perfumes ft. Duftbunker schlug eine sommerliche Richtung ein: Zitrusfrüchte, cremige Blüten und cleane Hölzer zeichneten das Bild eines warmen Urlaubstags an der Amalfiküste.

Optisch wie olfaktorisch spannend war das Eau de Parfum Policromia von Bois 1920, das fruchtige, florale und maritim-salzige Nuancen miteinander verband und ebenso farbenfroh wie harmonisch wirkte. Mit Cerana und Ambre Cristal von Nectar Olfactif zeigte sich die Marke im Mai von zwei sehr unterschiedlichen, aber gleichermaßen feinsinnigen Seiten. Während Cerana Mango elegant, dunkel und leicht glamourös mit Oud und floralen Akzenten verband, setzte Ambre Cristal auf eine transparente, weich gezeichnete Gewürz-Ambra, die eher Wärme und Volumen schenkt als olfaktorische Wucht – leise, ausgewogen und unisex tragbar.

Den Abschluss des Monats bildete Hakuna Matata von 27 87 Perfumes, ein sonniges, unbeschwertes Eau de Parfum mit Bananenakkorden, üppiger Blütencremigkeit und feiner Honigsüße. Lebensfroh und abenteuerlustig, dabei harmonisch und überraschend elegant, wirkte der Duft wie ein kleines Urlaubsgefühl auf der Haut – genau im richtigen Moment.

Kurky von Maison Francis Kurkdjian – Eau de Parfum in warmem Orangeton, fotografiert im Sonnenlicht auf hellem Untergrund
Tulua von Kinetic Perfumes x Duftbunker – Extrait de Parfum in gelbem Flakon vor leuchtend gelbem Hintergrund mit schwarzer Umverpackung
Cerana und Ambre Cristal von Nectar Olfactif – kunstvolle Duftinszenierung mit Mango, Limette, Himbeeren, Orchideen und farbigen Flüssigkeitsspritzern
Hakuna Matata von 27 87 Perfumes – Parfumflakon mit Froschmotiv, umgeben von Bananen, Zitrusfrüchten, Blüten und Honig als Sinnbild für sonnige, exotische Duftnoten

Juni 2025

Den Juni eröffneten Mahaba und Samaha von Anfas – zwei helle, elegante Düfte, die durch Transparenz, Zurückhaltung und moderne Leichtigkeit überzeugen. Danach folgte das erste Interview des Monats. In Im Gespräch mit Herbert Stricker gewährte er persönliche Einblicke in seine Arbeit und sprach unter anderem über die Entstehung und Hintergründe seiner Kollaboration mit Pana Dora Sweden. Den gemeinsamen Duft präsentierte ich im Anschluss im Beitrag Stricker – Der sanfte Orientale von Pana Dora Sweden.

Es folgte das zweiteilige Interview Ein Gespräch mit IGGYWOO-Gründer Richard Saint-Ford, das zugleich den Auftakt zu einer umfangreichen Rezensionsreihe zu allen bislang erschienenen IGGYWOO-Düften markierte, die ich euch im Folgenden aufliste:

Stricker von Pana Dora Sweden – Parfumflakon mit goldenem Hirschkopf vor natürlichem, grünem Hintergrund
Mehrere Parfumflakons von IGGYWOO mit weißen Verschlüssen, arrangiert auf hellem Untergrund vor dunklem Hintergrund
Parfumflakon von IGGYWOO „Flower Boy“, inszeniert mit Orchideen, Rosen und weiteren Blüten vor orangefarbenem Hintergrund

Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, folgte im Juni noch ein drittes Interview. In Dr. Mike von Room 1015 im Interview ging es unter anderem um die Hintergründe und die Idee hinter der neuen Kreation Love-O-Matic. Direkt im Anschluss folgte die Rezension Love-O-Matic von Room 1015 – Lovestory im Schleudergang, in der ich die neue Kreation auch olfaktorisch genauer eingeordnet habe.

Den Abschluss des Junis bildete Melos von pernoire, ein von Kleopatras Schönheitsritual inspiriertes Eau de Parfum, das Gewürze, Blüten, Früchte und Hölzer mit feinem Honig verbindet. Dunkler, würziger und erdiger als erwartet, überzeugte die Komposition mit Tiefe, Präsenz und sehr guter Haltbarkeit – eine eigenständige, ganzjährig tragbare Interpretation des Honigthemas.

Wie sich das Duftjahr 2025 in den Hochsommer hinein weiterentwickelte, erzähle ich im nächsten Teil dieses Rückblicks mit Juli und August.

Love-O-Matic von Room 1015 – transparenter Parfumflakon auf weißer Bettwäsche, inszeniert mit weichen Texturen und intimer Atmosphäre.
Melos von pernoire – eleganter Parfumflakon mit dunklem Kugeldeckel, arrangiert mit weißen Blüten und einem Glas Honig als Stillleben.

Neueste Kommentare

Julia Biró Verfasst von:

Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert