Unsere Duftreise geht heute in den hohen Norden. Island ist unser Ziel und damit ist zumindest Nischenduftkennern schnell klar, welche Marke heute im Zentrum dieser Rezension steht. Andrea Maack hat vor nicht allzu langer Zeit zwei neue Kreationen lanciert, nämlich Muse und Neon Veil. Da mich die Düfte der isländischen Künstlerin in der Vergangenheit bereits sehr begeistert haben, standen die beiden Neulancierungen ganz weit oben auf meiner To-review-Liste. Heute ist es nun also so weit. Auf nach Island!

Andrea Maack im Duft-Tagebuch
Andrea Maack und ihr gleichnamiges Label sind in der internationalen Nischenduftszene längst kein Geheimtipp mehr, aber für viele – gerade für Einsteiger – durchaus noch eine Entdeckung. Die isländische Künstlerin ist seit über einem Jahrzehnt fest in der Parfumwelt verankert und zeichnet sich durch außergewöhnliche, durchaus auch mal eigenwillige und sperrige Kreationen aus. Weit entfernt vom Mainstream setzt sie nicht auf schnelle Likes oder gefällige, massenkompatible Kompositionen, sondern folgt konsequent ihrer eigenen ästhetischen Linie, die Kunst, die Landschaft Islands, Materialität und Emotionen vereint. Wer nordisch-klare, atmosphärische und kunstvoll kreierte Düfte liebt, sollte sich mit der Marke Andrea Maack unbedingt näher beschäftigen. Zum Einlesen und Informieren habe ich Euch im Folgenden alle bisherigen Beiträge über das Label hier zusammengestellt:
- Það er frábært! Andrea Maacks „Coal”
- Der Hexenzirkel im Eis der Tundra von Andrea Maack
- Lightsource und Entrance von Andrea Maack – Neues aus dem Land aus Feuer und Eis
- Frühlingsdüfte: Ein bunter Strauß von Trudon, Andrea Maack Parfums, Pierre Guillaume und mehr
- Pavilion und Magma von Andrea Maack Parfums – ins Land aus Feuer und Eis
- Top 5 Frühlingsdüfte – Julias Lieblingsparfums für das Frühjahr
- Osmo, Zing und Jest von Andrea Maack – Island hoch 3
- Flux von Andrea Maack – Ein Duft wie flüssiger Mondschein
Muse – Floraler Jubiläumsduft
Zum 10-jährigen Jubiläum stand Andrea Maack der Sinn nach einem Blütenduft. Wie sie selbst schreibt, ist Muse der „erste echte Blumenduft“ in ihrem Portfolio. Für die Umsetzung engagierte Maack die Parfümeurin Domitille Michalon Bertier, die für ihre außergewöhnlichen floralen Düfte bekannt ist. Als zentrale Blüte fand die Gardenie Verwendung – die Lieblingsblume der isländischen Künstlerin –, die mit Mango, Kokosnuss, rosa Pfeffer, Wicke, Sandelholz, Zedernholz und Kaschmirholz kombiniert wurde.

Muse von Andrea Maack im Test
Sehr leicht und luzide strahlt Muse von Andrea Maack mir von meiner Haut entgegen. Tropische Früchte treffen im Auftakt des Extrait de Parfum auf die trockenen, milchig-pudrigen Noten von Kokosnuss. Rosa Pfeffer setzt prickelnd-scharfe Akzente, jedoch sehr unterschwellig und subtil. Tauchen hier schon die ersten Hölzer auf? Sehr hell, luftig und minimalistisch meine ich, sie im Hintergrund wahrzunehmen. Und natürlich sind auch die Blüten schon auf der Duftbühne. Die Gardenie in strahlendem Weiß, sehr zurückhaltend umgesetzt. Ihre florale Cremigkeit wird von süßer Wicke unterstrichen. Mit den sanften, behaglichen Facetten heller und weicher Hölzer klingt die Kreation schließlich aus.
Muse ist ein Extrait de Parfum, das cleane, minimalistische, tropisch-sommerliche Nuancen miteinander vereint. Exotisch-fruchtige Akzente – ich schnuppere irgendwie auch Ananas heraus – treffen auf milchige Kokosnuss, auf cremige Blüten und cozy Hölzer und evozieren so eine Atmosphäre, die unglaublich sanft, optimistisch und unbeschwert wirkt. Wie ein duftender Kurzurlaub ist es, diesen Duft zu testen. Eher mit einer leichten bis mittleren Präsenz versehen, eignet sich die Kreation wunderbar für alle Gelegenheiten und Anlässe in der wärmeren Jahreszeit. Übrigens: Die Haltbarkeit ist sehr gut, was für so eine helle und minimalistische Komposition bemerkenswert ist. Mein Tipp: Unbedingt testen!
Neon Veil – Der Schleier der Zukunft
Ebenfalls aus der Feder von Domitille Michalon Bertier stammt Neon Veil. Die jüngste Kreation der isländischen Künstlerin Andrea Maack widmet sich unserer modernen Welt und dem Neuen, dem Fremden: „Ein Duft, der aus der Idee einer nahen dystopischen Zukunft entstanden ist, in der menschliche Emotionen und künstliche Intelligenz aufeinanderprallen. In einer Welt, die zunehmend von künstlicher Intelligenz und digitalen Identitäten geprägt ist, zeigt Neon Veil, wie ein Duft in der Zukunft sein könnte – frei, ungebunden und voller elektrisierendem Optimismus.“
Beim Lesen dieses Texts hatte ich sogleich kraftvolle, üppige, raue, dunkle Duftnoten im Hinterkopf, sind es doch zwei sehr gegensätzliche Welten, die hier aufeinandertreffen. Allerdings setzt sich das Extrait de Parfum tatsächlich aus den Noten rosa Pfeffer, Ambra, Orangenblüte, Iris, Zedernholz und Moschus zusammen. Also keine brachiale Duft-Apokalypse, sondern vermutlich ein durchaus harmonisches Kennenlernen.

Im Test: Neon Veil von Andrea Maack
Kühl, zart, luftig und moschusartig-molekülig ist Neon Veil und damit so ganz anders, als ich erwartet hatte. Clean, minimalistisch, skinnig und klar, erinnert mich der Duft an den aktuell bei uns liegenden Pulverschnee, der so fluffig und feinrieselnd ist, wie ich es noch nicht erlebt habe. In strahlendem Weiß gehalten nehme ich kristallinen Moschus, pudrige Iris und helles Zedernholz wahr, die mit zarten Orangenakzenten und der prickelnden Schärfe von Pfeffer nuanciert sind. All dies spielt sich auf einer sehr transparenten, sehr luftigen und hautnahen Ebene ab. Wie ein Schleier legt sich die Kreation auf die Haut, umhüllt, besänftigt und beruhigt.
Neon Veil von Andrea Maack ist ein olfaktorischer Hauch, der clean, minimalistisch und zurückhaltend ist. Ein Duft, der mit der Haut verschmilzt, der sehr persönlich und intim bleibt. Ideal für alle, die sanfte, subtile und strahlend weiße Kreationen mit dezenten Frische-Wäsche-Vibes bevorzugen, die zu jedem Anlass und jeder Gelegenheit getragen werden können. Trotz aller Leichtigkeit empfinde ich die Haltbarkeit des Extrait de Parfum als sehr gut. Fans von Clean-Düften aufgepasst! Neon Veil solltet ihr euch unbedingt merken.
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