Hot or Not? Der Buzzcut …

… ist jetzt wohl wirklich im Real Life angekommen – so zumindest attestieren die Elle, die Grazia, Stylebook und viele mehr, unter anderem auch RP Online und die Süddeutsche, die diesem Frisurenphänomen, von Frauen getragen, wohlgemerkt, dieser Tage einen Artikel gewidmet hat, seht hier:

„Warum Frauen den Buzz Cut lieben – Zuerst wurde der kahlrasierte Kopf auf Laufstegen gefeiert, jetzt zeigen sich Prominente wie Kristen Stewart oder Cara Delevingne: Der Buzz Cut gilt als Frisur des Jahres – auch weil viele darin das Zeichen eines neuen Feminismus sehen.“

Copyright by Dior

Ok, Zeichen des Feminismus … die sind gerade in, sogar in der High Fashion, siehe beispielsweise Diors nicht ganz billiges T-Shirt mit dem Slogan „We should all be Feminists“ (zugegeben, Dior spendet einen Anteil des Verkaufserlöses, und zwar an Rihannas The Clara Lionel Foundation). Die Dior-Designerin Maria Grazia Chiuri hat damit einen Nerv getroffen, wie man auch in der Vogue lesen konnte. Das Thema ist absolut aktuell, aus unterschiedlichen Gründen – und man kann es auch von diversen Perspektiven aus beurteilen, aber das ist nicht unser Thema heute 😉

Zurück zum – Buzzcut. Ich finde es richtig richtig gut, dass derart kurze Haare nun von vielen Frauen getragen werden. Warum? Zuallererst – es steht gar nicht wenigen Frauen richtig gut. Ein Beispiel dafür ist für mich Amber Rose – für mein Empfinden sitzt das Styling nicht immer und der Männergeschmack wäre auch zu optimieren, ich mag das Starlet aber richtig gerne. Und finde sie richtig sexy mit ihrem Buzzcut, den sie schon seit Jahren trägt.

Amber Rose - 2014 People Magazine Awards

By Mingle Media TV [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Amber Rose führt mich auch zum zweiten Aspekt, den ich am Buzzcut-Trend gut finde – lasst mich einfach die Schlagworte Gewicht, Körperstatur, Figur in den Raum werfen. Amber Rose war und ist für mich eine der ersten Frauen, die „curvy“ gelebt hat – eng anliegende, dezidiert „sexy“ gemeinte Kleidungsstücke an einer Frau jenseits der Größe 38, einer Frau, die, ja, Kurven hat. Immer wieder ist mir aufgefallen, wie sehr sie dafür angegriffen wurde, wie despektierlich die Kommentare waren, die man ihr im Netz hingeknallt hat, wie beleidigend und frauenverachtend.

Ein Grund dafür ist, da bin ich mir ziemlich sicher – Amber Rose provoziert, nicht nur mit ihren Outfits, sondern auch und gerade mit ihren Haaren, den nicht vorhandenen. Kurze Haare sind nämlich etwas, dass man, MANN, um genau zu sein, im Allgemeinen nicht mit Weiblichkeit in Verbindung bringt. Klar, da gibt es diesen Garçonne-Typen, zarte Rehlein im Stile von Audrey Hepburn oder Twiggy, dem „gönnt“ Mann das. Gemeinhin komme ich aber nicht umhin anzunehmen, dass die Gesellschaft oder besser der männliche Teil derselben sich langhaarige Frauen wünscht und Frauen, die eine normale Figur haben oder mehr auf den Rippen, nur als „weiblich“ wahrnimmt, wenn diese lange Haare haben, je länger desto besser, oder doch zumindest keine Kurzhaarfrisuren tragen.

Ein extremes Beispiel dafür ist der 2015 auf Bento veröffentlichte Artikel, den Ihr hier nachlesen könnt, der sich mit den Vorurteilen beschäftigt, mit denen man als Buzzcut-Trägerin konfrontiert wird:

„Ich werde auf der Straße mit einer KZ-Insassin verglichen. Ich werde gefragt, ob ich überhaupt noch „gefickt werde bei dem Aussehen.“ Eine ältere Frau fragt mich, warum ich mich über Krebskranke lustig mache. […] Nie hätte ich gedacht, dass ein Buzzcut die an jeder Ecke propagierte Toleranz erschüttert. Vielleicht fühlen sich die Menschen in diesem Land zu Jener verdammt. Vielleicht lassen sie deswegen ihren Unmut an Frauen aus, die sich wie Männer kleiden. An einer Frisur, die nicht dem Ideal entspricht. Weil sie es so gelernt haben, weil sie nicht anders können. Vielleicht auch, weil es sie verunsichert.“

Ich selbst hatte vor einigen Jahren eine Phase stressbedingten Haarausfalls. Ungefähr siebzig Prozent meiner Haare sind mir ausgefallen, die vorher eine Länge von circa einem Meter hatten. Danach war die verbleibende Länge witzlos, zu wenig Haar war mehr da, zumal ich relativ dünnes Haar habe. Nachdem ich mein ganzes Leben lange Haare hatten (Zitat Harmen: „Du hattest doch noch nie eine Frisur, sondern einfach nur lange Haare, oder?“), stand ich vor der Frage, was ich denn jetzt machen soll, was für eine Frisur ich mir zulegen soll. Signifikant war, dass so gut wie jeder Mann in meinem Umfeld sofort ansprach, dass ich mir doch keinesfalls kurze Haare zulegen solle, lang oder halblang sollten sie bleiben, zur Not gerne auch mit künstlicher Nachhilfe.

„Das Klischee besagt: Entweder sie muss krank sein, oder sie hat bewusst ein Symbol ihrer Weiblichkeit aufgegeben, weil sie nicht länger Objekt sein will.“

Oft habe ich damals und auch danach nach Kurzhaarfrisuren im Netz recherchiert – und klar war eben auch: Wenn einmal kurz, dann richtig kurz. Buzzcut am liebsten, ansonsten vielleicht ein Pixie. Meine Haare werden nicht mehr dicker und auch nicht mehr mehr, sie machen Arbeit, es nervt. Was aber noch viel mehr nervt ist diese Verknüpfung von Femininität und langen Haaren, darüber hinaus das quasi unausgesprochene „Verbot“ von kurzen Haaren für Frauen jenseits der Kleidergröße 38.

Sicherlich ist es deshalb auch für viele ein Akt der Befreiung, so wie man es oben in dem Artikel der Süddeutschen lesen kann, aber auch in der Allure oder in den Überlegungen der Autorin eines Artikels in der LA Weekly.

Ich lese das alles immer mit gemischten Gefühlen, denn „Akt der Befreiung“ etc. liest sich so „Contra“ – und ich frage mich ständig, weshalb man nicht einfach nur „sein“ kann, sondern immer für oder gegen etwas Position beziehen muss. Diese Überstilisierung misst eben der, vielmehr einer Frisur einer Frau selbst auch zuviel Bedeutung bei – aber vielleicht ist das notwendig, um in Zukunft das seltsame Bild von an Kopfhaar gekoppelte Weiblichkeit aufzubrechen.

Auf Youtube gibt es selbstredend etliche Videos zu sehen, unter anderem folgende:

In jedem Fall juckt es mich schon lange in den Fingern, denn ich habe selbst wirklich sehr oft keine Lust mehr – keine Lust mehr auf die Arbeit, die Pflege, die die Haare machen, und dennoch zu nichts mehr wirklich zu gebrauchen sind, weil … ich einfach keine 20 mehr bin. Und weil mir der Buzzcut richtig gut gefällt, zugegebenermaßen noch ein kleines bisschen besser, weil ich mich eben auch gerne komplett rausnehmen würde aus diesem Zirkus des Gefallen-Wollens und so weiter …

Wie steht Ihr denn zu diesem Thema, zu diesem ganzen Themenkomplex? Buzzcut – ja oder nein? Kurze Haare? Kurze Haare bei kurvigen Frauen? Ich bin ehrlich gespannt auf Eure Meinungen!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike

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Meine Liebe galt schon seit je her dem Ästhetischen: So geht mir das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und seitdem immer auf der Suche nach dem oder vielmehr: einem neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse, meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

3 Kommentare

  1. Christel
    22.Jun 2017
    Antworten

    Hallo Ulrike,
    ich trage bereits seit ewigen Zeiten kurze Haare, so zwischen 3 und 5 cm (je nach Frische des Haarschnitts) variierend, unter anderem auch aus den Gründen ‚dünnes Haar‘ und ‚extrem pflegeleicht‘. Deshalb verfolge ich mit Interesse bzw. auch etwas Verwunderung, wie seit einigen Jahren erst der Pixie (ja, den gab’s doch schon in den 70ern – Jean Seberg etc.) und nun der Buzzcut gehypt werden. Grundsätzlich stimmt die Beobachtung, dass (nicht nur!) Männer teilweise mit „was sagt denn dein Partner dazu“ reagieren – aber absolut nicht durch die Bank.
    Pixie ist meiner Meinung nach absolut alters- und figurunabhängig, wichtig ist ein ordentlicher Schnitt, dass es nicht nach Kleinkind oder Kurzhaarschneider ausschaut. Buzzcut sehe ich dann doch eher den Jüngeren vorbehalten, was zu meiner Zeit Iro, Tolle und Elbtunnel waren, ist jetzt halt mal ein Buzzcut. Ich find’s toll, dass junge Frauen mal was anderes als das inzwischen einheitliche ‚langes Haar, geglättet und mit Mittelscheitel‘ tragen.
    So, und nun noch eine einzige Vorbedingung für Pixie und vor allem Buzzcut: eine entsprechende Kopfform – sieht man teilweise auch sehr schön auf den von Dir ausgewählten Bildern oben.
    Also, dann bin ich gespannt, wann wir von Dir ein schickes Pixie-Bild sehen 🙂 und grüße bis dahin herzlich,
    Christel

  2. Ulrike Knöll
    22.Jun 2017
    Antworten

    Huhuu liebe Christel,

    Du hast natürlich recht, es gibt schon lange derartige Frisuren, man braucht aber halt immer nen neuen Namen für die Kuh, die man durch das Dorf treibt – heuer ist es halt „Buzzzzcut“ 😉

    Ich hadere wirklich … ich meine, ich kenne solche Kommentare wie die oben aus dem Bento-Artikel: Ich war als junge, gerade erst erwachsen gewordene Frau, ziemlich gepierct. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, was einem die Leute da alles an den Kopf knallen, ungefragt – und das obwohl ich höflich und „wohlerzogen“ war … da kommen wirklich Kommentare mit dem 3. Reich und Gaskammern. Ich habe das immer „ertragen“ bzw. es war nichts, dass mich niedergedrückt hätte, aber es hat mich irgendwann wahnsinnig aggressiv gemacht – dass Menschen permanent das Bedürfnis hegen, ihren Senf dazu zu geben, wie man aussieht. Das geht mir heute noch so, wenn ich mit einem sehr guten Freund von mir unterwegs bin, der über und über tätowiert ist, aber ein extrem lieber „Bär“: Ich sehe die Leute und ihre unverhohlenen Kommentare und bin sehr schnell auf 180. Und denke dann daran, dass er beispielsweise vor Jahren einmal seine beste Freundin ins Hospiz begleitet hat und sich dafür unbezahlten Urlaub genommen hat, frage mich dann, wie viele von den lästernden Trotteln das machen würden. Ob es mit dem Buzzcut auch wieder so geht? Keine Ahnung, vermutlich wird es mich nicht aufhalten, wenn ich wirklich will …

    Ein weiteres „Problem“: Keiner sagt mir ehrlich, ob meine Kopfform geeignet ist. Wenn ich das B-Wort nur anspreche, ist nicht mehr die Kopfform das Thema, sondern das Ausreden meiner Pläne 😉 😀

    Wie erging es denn Dir mit den kurzen Haaren? Was für Erfahrungen hast Du immer so gemacht? Und – jemals bereut? Ist es nicht so, dass man dann doch immer sehr viel stärker geschminkt sein muss, damit das wirkt, man wirkt – zumindest ist es bei sehr kurzen Haaren so, finde ich bzw. bei dem Buzzcut?

    Viele liebe Grüße,

    Uli

  3. Christel
    22.Jun 2017
    Antworten

    Hallo liebe Ulrike,
    ich schwanke ja trotz meines fortgeschrittenen Alters noch immer zwischen: ich will so rumlaufen, wie ICH mag, gepierct, gebuzzcutet (äh?), rabenschwarz gekleidet etc, – das geht keinen was an. Und andererseits setze ich mit einem auffälligen Look immer auch ein statement, und welches auch immer ich beabsichtige, ich muss gewärtig sein, dass irgendein Dubbel das anders deutet – oder sich durch mein statement angegriffen fühlt. Im Prinzip muss ich, egal nach welcher Sicht der Dinge, mich selbst wohl fühlen mit meinem Look und jeden, der sich drüber mokiert, als das nehmen, was er/sie ist: verunsichert, dass es neben dem Normalo-Selbst noch andere Konzepte gibt. … meine Güte, das klingt jetzt aber geschwollen … aber ich hoffe, es wird klar, was ich meine.
    Zum praktischen Tragen: mein Umfeld hat sich schon lange an meine Haarlänge (haha) gewöhnt, und inzwischen gehe ich vermutlich altersmäßig (Jg. ’64) in die Richtung, dass ich nicht mehr von Wildfremden blöd kommentiert werde – da kommen dann tatsächlich eher mal ganz freundliche Kommentare.
    Ordentlich geschminkt macht ein extremer Kurzhaarschnitt natürlich deutlich mehr her, ohne geht’s u.U. in die oben genannte Richtung ‚Kinderschnitt‘. Ich selbst trag‘ meine Haare blondiert (ja, auch so ein Überbleibsel aus den 80ern, das immer wieder kommt), das machts auch spannender (hoffe ich) als ein Pixie in straßenköterblond. Bereut: never. Vor einigen Jahren hab‘ ich die Haare etwas wachsen lassen, bis ich von meinem Chef (!) den Kommentar bekam, kürzer säh pfiffiger aus und tät besser zu mir passen.
    Ach ja, zur Kopfform: Frag den Frisör Deines Vertrauens, der sollte ehrlich sein. Optimale Kopfform heißt vor allem: runder Hinterkopf, keine Dellen oder so. Und dann das absolut unschlagbare Argument : Buzzcut wächst so was von schnell raus, bis in einem halben Jahr ist ein Extrem-Pixie draus geworden bzw. draus machbar, wenn’s gar nicht gefällt. Okay, ich würde vermutlich mit Pixie anfangen … aber ich bin ja auch vorbelastet, gelle :-).
    Einen schönen Abend noch,
    liebe Grüße, Christel

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