Karibisches Flair mit Ligne St Barth …

… umfängt uns noch einen weiteren Tag – die drei vorerst letzten Düfte harren noch einer Rezension, dann haben wir die Kollektion „durch“ 🙂 Also nichts wie ran an den olfaktorischen „Speck“! Eine Anmerkung muss ich allerdings noch machen: Die Duftnoten, die ich hier verwende, stammen direkt von der Webseite der Firma – das deutsche Pressematerial, das wir bekommen haben, listet zum Teil differierende, die wir im Shop hinterlegt haben. Wir gehen dem bereits nach, was denn nun wo drin ist ;)Beginnen wir mit Les Alizés:

les_aliz_s_box „Das Eau de Toilette Les Alizés mit seiner fruchtigen, blumigen Amber-Note ist ein Gruß des Windes der Antillen. Diese lebendige Komposition erinnert an einen sonnenwarmen Garten voller weißer Blumen, die im Tanz mit den Passatwinden, den Alizés, ihren betörenden Duft verströmen.“

Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Rosenholz, Zitrone; Herznote: Tuberose, Jasmin, Neroli; Basisnote: Sandelholz, Amber, Moschus Benzoe.

Tja, hier haben wir es schon, das Problem: Tuberose oder Hyazinthe, wie bei uns im Shop angegeben? An eine Tuberose glaube ich hier nicht, ich nehme nur Jasmin wahr – und zudem wässrig-metallische Akzente, die mich von dem Vorhandensein von Hyazinthen überzeugen. Dachte ich … und bekomme dann doch indolische Anklänge, die eben auch von einer Tuberose stammen könnten. So unschuldig wie Les Alizés startet, bleibt er also nicht. Der Beginn ist cremig-floral und luftig-leicht, zarte zitrische Sternchen, die das ganze beleuchten und doch … alsbald fällt auf, dass der Garten, der angesprochene, hier wirklich in voller Blüte steht – weißer, natürlich. Les Alizés atmet in der Tat jenen Wind, hat etwas Dahingehauchtes, aber eben auch gleichzeitig ein Herz voller opulenter Weißblüher, die allerdings in allererster Linie cremig sind, darüber hinaus aber auch ein paar indolische Facetten zeigen. Die Basis ist watteweich und von einer zarten Süße. Ein üppiger Duft und dennoch weich, leicht, weiblich, sinnlich. Für mich ist er – weiß, aber eben keine Unschuld, eher eine Lolita 😉

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Der zweite Duft von Ligne St Barth hört auf den Namen Ouanalao:

ouanalao_box „Inspiriert vom alten indianischen Namen der Insel Saint-Barth mit ihren exotischen Düften, präsentiert sich das Eau de Toilette Ouanalao mit fruchtigen, blumigen und holzigen Duftnoten. Diese liebliche Komposition vereint die Traditionen der Inseln, die Liebe zum Meer und die Vielfalt der Erde und kombiniert die grüne, knisternde Frische mit dem Feueratem des Holzes.“

Die Ingredienzen: Kopfnote: Stachelannone, Mandarine, Coccoloba; Herznote: Inselsträucher, Rose; Basisnote: Guajakholz, Nelkenpfeffer.

Was bitte ist eine Stachelannone? Ich wusste es nicht – genauso wie mir Coccoloba unbekannt war. Ok, die säuerliche Stachelannone, auch Sauersack genannt, sieht von außen aus wie eine überdimensional große Stachelbeere und von innen wie ein Apfel. Sie wird selten exportiert, da sie reif wohl sehr druckempfindlich ist, deshalb bleibt sie überwiegend in ihrer Heimat in südamerikanischen Ländern, Indonesien, den Philippinen und auf diversen karibischen Inseln. Dort wird sie zu Getränken, Eis, Marmelade oder auch Pudding verarbeitet, darüber hinaus verzehrt man zum Teil die unreifen Früchte auch als eine Art Gemüse oder kocht aus den fermentierten Blättern Tee, der geschmacklich zwischen Kaffee und Tee liegen muss. Coccoloba sieht ebenfalls aus wie Stachelbeere, diesmal allerdings gekreuzt mit Trauben, so wundert es auch nicht weiter, dass aus dieser Frucht gerne Wein hergestellt wird sowie ferner auch Marmelade. Meertraube oder Seetraube nennt man Coccoloba auch.

Als „lieblich“ empfinde ich Ouanalao eigentlich eher nicht, er ist zitrisch-säuerlich und aquatisch-fruchtig, auf eine exotische Art und Weise. An was erinnern mich diese Früchtchen? An noch nicht ganz reife Honigmelone, ein bisschen, ansonsten bleibt es eher diffus, aber … grün, allerdings nicht krautig. Frische zeichnet Ouanalao vor allen Dingen aus, Meeresfrische, die von einer jungen und dynamischen Rose unterstrichen wird. Die Hölzer halten sich bedeckt, zumindest auf meiner Haut, lediglich im späteren Duftverlauf wärmt das ansonsten eher dominantere und oftmals balsamisch-würzige Guajakholz etwas.

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Ouanalao ist ein Unisex-Duft, keine Frage, und als solcher ein Begleiter für warme bis heiße Temperaturen.

Patchouli Awarak ist der letzte Duft in unserer Rezensionsrunde zu Ligne St Barth:

patchouli_arawak_box „Mit blumigen, holzigen Amber-Duftnoten erinnert das Eau de Toilette Patchouli Arawak an die dunkle, duftende Tiefe indianischer Essenzen. Die sinnliche Komposition mit orientalischem Charme schlägt eine Brücke zwischen dem Duft von weißen Blüten und den spirituellen Erdnoten von Kampfer und Moos.“

Die Ingredienzen: Kopfnote: Orangenblüte, Jasmin; Herznote: Bengalisches Patschuli, Rose; Basisnote: Orientalischer Amber, Moschus.

Regelmäßige Leser werden es wissen – im Gegensatz zu meinem Chef bin ich kein allzu großer Patchoulifan, da ich durch meine Jugend in Gothic-Kreisen wirklich oft durch derlei Schwaden gestolpert bin 😉 Nichtsdestoweniger – Patchouli Awarak ist ein Hübscher. Er bewegt sich irgendwo zwischen einer sehr klassischen Patchouli-Interpretation, Hippieduft und modernem Ibiza-Begleiter. Einerseits zelebriert er diejenigen Facetten, die Liebhaber des Protagonisten so sehr an ihm schätzen: das Erdige, das Feuchte, das hier wirklich kampferartig anmutet. Und andererseits brilliert er darüber hinaus mit zarten, latent nektarsüßen Blüten, cremigen, die überaus pudrig von Kakao bestäubt ambriert sich zeigen, von einem klitzekleinen Hauch Karamell überzogen.

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Patchouli Awarak ist ein Wanderer zwischen den Welten, was ihm durchaus Alleinstellungsmerkmale verschafft: Irgendwo zwischen der Eleganz des modernen, fast schon abstrakten Patchouliful und der traditionellen „Bodenständigkeit“ der üblichen Verdächtigen, der Patchouli-Ikonen wie beispielsweise von Reminiscence, Etro, Maître Parfumeur et Gantier und anderen. Der obligatorische Satz – wer Patchouli nicht mag, wird mit ihm nicht warm, wer die Ingredienz allerdings schätzt, der muss testen, keine Frage!

Meine Favoriten bleiben weiterhin Fleur de Canne à Sucré und Tijuca – und wie sieht es mit Euch aus?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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