Duftlayering – ein beliebtes Thema, …

… zu dem neulich erst eine Interviewanfrage für meinen Chef seitens eines Magazins bei uns ins Haus flatterte. Wir haben uns darüber in Folge unterhalten, Erfahrungen ausgetauscht und Vorlieben – Grund genug für mich, hier im Blog etwas darüber zu berichten. Mir ist nämlich aufgefallen, dass wir dazu bisher lediglich am Rande geschrieben hatten, hier und dort – das werde ich heute ändern, meine Lieben!

Von Kleidung kennt man es ja schon lange, sowohl von den Modebloggerinnen (siehe ein schöner Artikel dazu in der Vogue) als auch von der als Lagenlook bezeichneten Stilrichtung – aber Düfte layern, was ist das überhaupt? Der eine oder die andere, die noch neu in der Nische sind, die das Parfumvirus erst kürzlich infiziert hat, wird sich diese Frage sicherlich schon gestellt haben, stolpert man doch in einschlägigen Blogs und Medien, ob nun on- oder offline, des Öfteren darüber. In der deutschen Elle wurde es schon thematisiert genauso wie in der französischen – siehe bei Bois de Jasmin, übersetzt und kommentiert, Teil 1 und Teil 2 – und in der amerikanischen, genauso wie in der Allure, der Glamour (mit Tipps von Jo Malone) und vielen mehr. Auf Ulrich Langs Homepage findet sich ein Interview mit ihm für eine Zeitschrift, die sich ebenfalls mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Diverse Blogger haben sich schon damit beschäftigt, unter anderem Perfumeshrine, siehe hier und hier (mit Tipps von Lutens und Kurkdjian), Perfume Posse, Now Smell This und Ayala Moriel (bloggt nicht nur, sondern ist auch Indie-Parfumeurin), darüber hinaus bietet das Layern auch immer wieder Unterhaltungsstoff auf den gängigen Parfumforen und Communites, siehe beispielsweise bei Parfumo oder auf dem Beautyboard (der Thread wurde von einer unserer Leserinnen gestartet – ganz liebe Grüße an dieser Stelle!).

perfume

Lilszeto „Perfume“ via Flickr – CC BY-ND 2.0

Layern heißt schichten, mehrere Schichten übereinander (auf)tragen – insofern bedeutet Duftlayering, mehrere Düfte gleichzeitig zu tragen. Ganz so einfach ist es aber dann auch wieder nicht, es gibt selbstverständlich verschiedene Arten, das zu tun:

  • Genau die eine, an die jeder zuerst denkt: Zwei Düfte, die an derselben Stelle übereinander gesprüht werden
  • Kombinieren eines Körperpflegeproduktes mit einem (anderen) Duft
  • Verschiedene Düfte, an unterschiedlichen Körperstellen getragen
  • Die Kleidung mit einbinden: Den Körper anders parfümieren als die Kleidung, unterschiedliche Düfte auf unterschiedliche Kleidungsstücke sprühen, Haare anders beduften (Achtung: Parfum in den Haaren kann austrocknen, vor allem im Sommer; es gibt aber auch spezielle Haardüfte)

EtroMuskDas Layering wird häufig kontrovers diskutiert: Die eine „Schule“ beruft sich darauf, dass Düfte ja bereits komplexe und „fertige“ Kunstwerke sind, die man nicht verfälschen sollte – einmal abgesehen davon, dass die Träger nun doch meistens weniger Ahnung von der Kombination von Duftstoffen haben als der Parfumeur. Heißt soviel wie – Schuster, bleib bei deinen Leisten. Die andere „Schule“ plädiert für den Spaß am Experiment, dafür, dass Layern ein großes Abenteuer ist, man so einen noch individuelleren Duft erschaffen kann. Darüber hinaus – Stichwort „Hautchemie“, egal ob man einen Duft nun solo oder gelayert trägt. Hierzu ein Gastbeitrag namens „Mythos Hautchemie“ in Erik Kormanns Blog, auf den eine interessante Diskussion dazu folgte (unter anderem mit einem Beitrag von Marc vom Ende, der Wissenswertes dazu erklärt).

Wie heißt es doch so schön? „Probieren geht nicht über studieren“. Und wenn man auch den Schwaben nachsagt „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ – ich finde, man sollte das Layern in jedem Fall mal ausprobieren. Vielleicht nicht, wenn man es gerade eilig hat und für den Erstversuch das erste Date wählt 🙂 Allerdings bringt man sich wirklich um etwas, wenn man es nicht wenigstens mal versucht. Wir Duftliebhaber beschäftigen uns doch ständig mit unseren Schätzen, beim Layern können nicht nur tolle neue Düfte herauskommen, man lernt auch mehr über den Aufbau von Düften, die Wirkung, vielmehr Entfaltung ihrer Ingredienzen.

Wie startet man am besten? Da gibt es mehrere Ratschläge:

  • Kombination (eher) monothematischer Düfte
  • Kombination von Düften aus derselben Duftfamilie
  • Kombination von Düften mit (sehr) ähnlichen Ingredienzen

Damit ist man auf der sicheren Seite – allerdings sind die Ergebnisse dann auch weniger überraschend, als wenn man freier, mutiger layert 😉 Fühlt man sich etwas sicherer auf dem neuen Duftparkett, kann man folgendermaßen vorgehen:

  • jomalonegrapefruitKombination eines eher monothematischen Duftes mit einem komplexeren Duft
  • Kombination zweier Düfte, die eine bestimmte Schnittmenge haben, beispielsweise eine bestimmte dominantere Ingredienz wie Tuberose oder überhaupt Weißblüher, Harze, usw.
  • Kombination von unterschiedlichen, sich ergänzenden Düften – beispielsweise, um bestimmte Noten zu kontrastieren oder zu unterstreichen: Ein fruchtiger Geselle kann beispielsweise mit einem Vanille- oder generell Gourmandduft eine ganz andere Aussage gewinnen genauso wie eine Rose, der man einen kühlen Holzduft spendiert; ein Ambraduft kann wunderbar von anderen Harzen in seinem Charakter unterstrichen werden.

Sehr einfach kann man beispielsweise mit Zitrusdüften starten: Diese vertragen sich mit sehr vielem, holzige Düfte gehen sehr gut genauso wie kühlere Gewürzdüfte (gerne mit Pfeffer), grüne Düfte oder auch Vanilledüfte.

Generell gilt: Der Duft mit der höheren Konzentration und/oder den „schwereren“ Ingredienzen sollte nach unten, wenn man übereinander sprüht. Nicht vergessen sollte man:

  • Die benutzten Düfte müssen keinesfalls dieselbe Konzentration haben
  • Manche Düfte sprüht man, wenn übereinander getragen, besser zeitversetzt auf – gerade beispielsweise Chypredüfte oder Orientalen haben ein reiches und lang anhaltendes Herz bzw. eine ebensolche Basis, die sich sehr gut zum (späteren) Layern eignet
  • Layern kann, muss sich aber nicht notwendigerweise „nur“ auf zwei Düfte beschränken
  • Layern soll Freude machen – alles kann, nichts muss 😉

Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass es Häuser und/oder Marken gibt, deren Düfte ganz explizit zum Layern gedacht sind. Oftmals gibt es zu diesen Düften bereits Empfehlungen seitens des Herstellers – natürlich auf die eigene Linie bezogen. Das heißt nicht, dass man diese Düfte nicht auch zum Layern mit anderen Parfums verwenden kann, ist aber auch immer einen Versuch wert 🙂

Firmen, die hinsichtlich ihrer Düfte das Layering-Konzept verfolgen:

  • InitioSamplesetEtro
  • Jo Malone – Layering-Tipps siehe Webseite
  • Initio
  • Santi Burgas
  • Serge Lutens (keine Layering-Marke, Lutens hat aber dezidiert Tipps zum Layern seiner Düfte veröffentlicht, siehe den oben verlinkten 2. Artikel bei Perfumeshrine)

… wären jetzt die Marken, die mir dazu spontan einfallen.

Nun kommt die Gretchenfrage: Wie sieht es aus, meine Lieben – Layering-Fans unter Euch? Wer hat schon, wer will nochmal? Wer hat noch nicht? Und – gibt es Lieblingskombinationen? Wie layert Ihr normalerweise?

Ich für meinen Teil layere im Allgemeinen eher selten, aber – es gibt aber Düfte, die ich fast nur gelayert trage, so zum Beispiel Etros Musk, der eine wunderbare Weichheit zaubert. Eine Zeit lang habe ich viel Vanille-Weihrauch-Kombis experimentiert – Etros Messe de Minuit beispielsweise passt auf meiner Haut sehr gut zu Goutals Vanille Exquise, wobei letzterer auch sehr gut mit meinem leider eingestellten Lieblingsweihrauch Incense von Norma Kamali harmoniert. Einer meiner persönlichen Knaller ist meine Wiederentdeckung von Piguet, Calypso, mit Baiser de Dragon von Cartier – diese Kombination treibt solch herrliche Rum- und Lederblüten auf meiner Haut, genial! Obacht allerdings, es funktioniert nicht auf jeder Haut – bei meiner Freundin war es ein echter Abschrubber. Außerdem finde ich die bei Perfumeshrine hervorgehobene Kombi von Piguets Bandit und Hermès Osmanthe Yunnan auch ziemlich klasse – mindestens genauso wie den Kommentar, der dort dazu zu lesen ist: „the S/M tricks occasionally enjoyed by sexually frigid suburban housewives when their marriages are on the rocks!“ Als ich noch Serge Lutens Ambre Sultan besaß, habe ich diesen sehr gerne mit Vetiverdüften kombiniert – Etros Vetiver beispielsweise (die kantigere Gangart) oder auch Byredos Bal d’Afrique (warm und wundervoll, funktioniert aber nicht bei jedem).

Ich bin wirklich sehr gespannt auf Eure Antworten!

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Geschrieben von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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