Byredos Rose of No Man’s Land …

… trägt einen bedeutungsschwangeren Namen, dessen Geschichte in einer Rezension des Duftes nicht unerwähnt bleiben kann, insofern – ran ans Werk!

„An einem fernen, kargen und unwirklichen Ort erscheint plötzlich wie aus dem Nichts eine einzige Rose voller Leben und Gefühl. Sie verströmt in dieser Wüste unmittelbar Stärke, Hoffnung und Licht – dadurch verleiht sie dieser eine erlesene Schönheit.“

Das ist zu lesen im Produkttext der Marke Byredo – und kann, muss metaphorisch gesehen werden. „Rose of No Man’s Land“ – das war die Bezeichnung für die Krankenschwestern des Roten Kreuzes im ersten Weltkrieg, die sie von den Soldaten in demselben erhalten haben. Krankenschwestern, die Tausende Leben gerettet haben mit ihrem selbstlosen und leidenschaftlichen Einsatz für die Verwundeten.

„Die Krankenschwestern, die im Ersten Weltkrieg für das Rote Kreuz arbeiteten, taten dies oft unter Einsatz ihres Lebens. Sie hinterließen bei vielen Soldaten, die sie versorgten, einen nachhaltigen Eindruck. Schließlich waren sie in der Regel die einzigen weiblichen Wesen an der Front und noch dazu diejenigen, die Verwundete tagtäglich sahen, bevor sie das Lazarett im besten Fall aufrecht wieder verlassen konnten. Der 1918 veröffentlichte Song “The Rose Of No Man’s Land” von Jack Caddigan und James Alexander Brennan setzte den fürsorglichen Frauen in Schwesterntracht ein musikalisches Denkmal.“

Selten, dass ich eine Quelle erst nenne, nachdem ich sie zitiert habe – in diesem Falle ergibt das aber einen Sinn, sonst hätte ich Euch von vorneherein schon zuviel verraten. Die Quelle, aus der das letzte Zitat stammt, ist „Rockabilly Rules – The Online-Magazine that rocks“ und der dazugehörige Artikel heißt „The Rose Of No Man’s Land – ein Tattoo und seine Bedeutung„. Ja, Ihr habt richtig gelesen, von einem Tattoo ist die Rede, denn die bereits angesprochenen Krankenschwestern inspirierten viele Amerikaner zu einer Tätowierung:

„Auch das besonders bei Soldaten beliebte Tattoo mit demselben Namen war ursprünglich vor allem eine Erinnerung an die Fürsorge, die der Träger von einer Krankenschwester an der Front erfahren hatte. Schnell wurde es darüber hinaus zu einem Ausweis patriotischer Gesinnung, das sich auch Männer stechen ließen, die nie ein Lazarett von innen gesehen hatten.“

Zu den Männern, die nicht im ersten Weltkrieg gedient hatten und sich dennoch mit einer Rose of No Man’s Land schmückten, gehörte unter anderem auch Pretty Floyd Boyd, Bankräuber und zeitweise Public Enemy No. 1 in den United States. Die Bürger aber liebten ihn teilweise, weil er als „Robin Hood der Cookson Hills“ den Schuldnern von Banken bei jedem Überfall einen Gefallen tat: Nach Entwenden des Bargelds vernichtete er in schöner Regelmäßigkeit alle Hypothekenpapiere, die er finden konnte, sehr zur Freude des gemeinen Volkes.

Bleiben wir bei dem Tattoo: Ein solches Rose of No Man’s Land-Tatto ist heute, da Oldschool-Tattoo schon seit Jahren wieder im Trend sind, wieder angesagt und findet sich in möglichst bunten Farben auf vielen Hautflächen, vor allem aber bei, klar, Rockabillys: Das Portät einer meist klar durch ein Häubchenals Krankenschwester zu erkennenden Frau, ein rotes Kreuz (oft auf dem Häubchen, manchmal auch im Hintergrund) und eine (meist rote) Rose, garniert darüber hinaus wahlweise mit einem Adler, einem weiteren Kreuz, einem angedeuteten Heiligenschein, einer Banderole mit Schriftzug und so weiter und so fort.

Dass Monsieur Gorham sich, wenn auch indirekt, ein Tattoomotiv als Hintergrund für einen seiner Düfte aussucht, das ist mehr als überfällig, ist unser Schöner doch auch über und über dekoriert mit Tinte, die größtenteils auch, wie man so sehen kann, im Oldschool-Stil gestochen ist. Das Tribut an die weiblichen Heldinnen des ersten Weltkrieges, die geheimen, nimmt man ihm ebenfalls ab als modernem Mann. In Szene gesetzt hat er es gekonnt zusammen mit dem dänischen Model Freja Beha Erichsen sowie dem Fotografen Craig McDean als auch M/M (Paris) – und lässt auf den Fotos tief blicken, in seinen Social Media-Kanälen sogar noch ein wenig tiefer: Sein Ausschnitt, besser: seine Brust ziert ebenfalls eine Rose of No Man’s Land. Meine Lieben – sich Brust und Brustbein tätowieren zu lassen ist nichts für Zartbesaitete, das kann ich Euch aus eigener Erfahrung sagen … Aber hübsch ist es geworden, oder etwa nicht? 😉

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Bevor wir uns nun dem Duft widmen, möchte ich Euch noch den Songtext von „Rose of No Men’s Land“ zeigen:

I've seen some beautiful flowers
Grow in life's garden fair
I've spent some wonderful hours
Lost in their fragrance rare
But I have found another
Wondrous beyond compare....

There's a rose that grows in no-man's land
And it's wonderful to see
Though its sprayed with tears, it will live for years
In my garden of memory

It's the one red rose the soldier knows
It's the work of the Master's hand
'Neath the War's great curse stands a Red Cross nurse
She's the rose of no-man's land

Out in the heavenly splendour 
Down to the trail of woe
God in his mercy has sent her
Fearing the World below
We call her Rose of Heaven
We've longed to love her so....

There's a rose that grows in no-man's land
And it's wonderful to see
Though its sprayed with tears, it will live for years
In my garden of memory

It's the one red rose the soldier knows
It's the work of the Master's hand
'Neath the War's great curse stands a Red Cross nurse
She's the rose of no-man's land

Die Ingredienzen: Kopfnote: Rosa Pfeffer, Türkische Rose, Rose; Herznote: Himbeerblüte, Türkische Rose; Basisnote: Papyrus, Ambra.

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Rose of No Men’s Land ist eine Rose, selbstredend – und zwar eine moderne, zeitgemäße und gleichzeitig zeitlose. Ist sie eine Verführerin? Nein, eigentlich nicht, zumindest nicht im konventionellen Sinne. Wir haben es hier nicht mit einer betörenden, narkotisierenden Rose zu tun, sondern mit einer frischen Rose, einer zarten, jungen, luziden Vertreterin ihrer Art. Sie ist – sauber, auf eine Art, bisweilen ein wenig seifig wirkend. In der Beschreibung ist die Rede von einem „soothing balm“ – einem lindernden, besänftigenden, tröstenden, beruhigenden Balsam. Das waren sie wohl für die Soldaten, die Krankenschwestern – durch ihre Tätigkeit, natürlich, ihre medizinische Hilfe, aber vielmehr wohl auch durch ihre Anwesenheit, durch ihre Aufopferung, durch ihre Hinwendung. Und diese Rose ist es auch auf ihre Weise: Sie beruhigt, reinigt, erfrischt und gleicht aus. Dadurch wirkt sie dynamisch und jung – eine Eigenschaft, die sich ebenfalls durch ihre fruchtigen Facetten ausdrückt. Diesbezüglich leisten die Anklänge von Himbeere(n) ganze Arbeit: Pudrig-samtige Früchtchen samt ihrer Blätter, zart und sanft, von einer wattegleichen Weichheit und Cremigkeit in der Basis aufgefangen und untermalt. Rosa Pfeffer vermag ich als Kontrast wahrzunehmen, wie immer sachter als sein schwarzer Verwandter. Papyrus aber erkenne ich nicht, genauso wenig wie Ambra, wobei ich mir hier nicht sicher bin, ob wirklich Ambra im Sinne von Ambergris gemeint ist oder Styraxharz, gerne auch weiße Ambra genannt. Wie auch immer – unsere Rose hier weist zwar eine dezente, eher hintergründige Süße auf, pudrig und cremig. Aber Wärme findet sich in dem Duft nicht, was mir persönlich sehr gut gefällt. Insgesamt erinnert mich Rose of No Men’s Land ein wenig an die Düfte von Maison Francis Kurkdjian – wer dessen Handschrift mag, vor allem aber die Düfte seines eigenen Hauses, dürfte mit dieser Rose sehr sicher richtig liegen!

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Rose of No Men’s Land ist meiner Meinung nach ein Unisex-Duft. Einer, der einen Tick mehr in Richtung der Damenwelt weist, sich aber durchaus auch am richtigen Mann machen wird.

Ein schönes Wochenende, meine Lieben, und viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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