Unser zweiter Tag mit Onyrico …

… ist heute: Vier Düfte sind noch „übrig geblieben“ zur Rezension, denen ich mich heute, so kurz vor dem Wochenende, genauso wie zum nächsten Wochenauftakt noch widmen mag. Prompt ans Werk, würde ich sagen, meine Lieben!

Rossa Bohème ist unser erster Kandidat:

rossaboheme „„Ich lebe allein in einem kleinen weißen Raum. Ich sehe auf die Dächer und den Himmel, aber wenn das Tauwetter kommt, gehört der erste Sonnenschein mir, der erste Kuss des April gehört mir! Eine Rose blüht in einer Vase … Ich sehe sie Blatt für Blatt wachsen! So sanft ist der Duft einer Blume!“

Rossa Bohème ist ein Duft, der Giacomo Puccini gewidmet ist, der uns durch sein Werk unvergessliche Momente der Musik beschert und einige der größten Tenöre der Welt inspirierte.

Die großen Opern haben ihre Protagonisten unsterblich und unvergesslich gemacht – „Rossa Bohème“ ist ein unvergessliches Werk: eine Essenz, die ihre Spur im Lauf der Zeiten hinterlässt.“

Puccini – na klar, der darf in dieser Liste nicht fehlen. Ein großer italienischer Meister – wie alle, denen Onyrico ihre Düfte gewidmet haben. Mit Rossa Bohème ist selbstverständlich Puccinis Oper La Bohème gemeint, die er nach Roman Les scènes de la vie de bohème von Henri Murger verfasste. Zwei Liebespaare gibt es darin, das wichtigere von beiden sind Rodolfo und Mimí, die leider am Ende der Oper ihrer Tuberkulose erliegt. Hier ihre letzte Arie:

Auf was zielt wohl Rossa ab, das im Namen enthaltene Rot? Ich nehme an, es bezieht sich auf das rosa Hütchen, das Rodolfo seiner Mimí schenkt in der kurzen Zeit ihres Glückes.

Die Zutaten dieser tragischen Liebe: Kopfnote: Koriander, Rosa Pfeffer, Zitrone; Herznote: Angelika (Engelwurz), Tabak; Basisnote: Ambra, Moschus.

La Boheme poster by Hohenstein.PNG
La Boheme poster by Hohenstein“ by Adolfo Hohenstein (1854-1928), Publisher: G. Ricordi & Co. – Allposters. Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons.

Kühl und aromatisch sowie krautig kommt unser Rossa Bohème daher – gepfefferte Zitrusfrische mit einem Quentchen Koriander und ordentlich Angelika, leider viel zu selten in Düften anzutreffen. Würzig und gleichermaßen süßlich als auch herb präsentiert sich dieses hübsche Pflänzelein, flankiert von grün-krautig-würzigen Tabakblättern und unterlegt von einer harzgewärmten Basis, die ein wenig Rauch mit sich bringt, aber vor allem auch Moschusweichheit.

Rossa Bohème ist ein Unisex-Duft mit einer leichten Tendenz ins Maskuline. Er gewinnt einem alten Männerthema ein paar neue Facetten ab, und zwar dem der aquatischen Düfte. Irgendwoher bezieht Rossa Bohème seine aquatisch-frischen Anleihen, garniert diese allerdings mit Rauchigkeit und dem herrlichen Engelwurz, womit er sich selbst zu adeln vermag.

Ein hübscher Duft, der sicherlich auch und gerade als Einstieg in die Nische perfekt funktioniert. Wer kennt ihn denn nicht, den Mann, der CK One, L’Eau d’Issey, Cool Water und Konsorten bei sich herumstehen hat und schon seit Jahren verwendet? Einem solchen hilft man gerne auf die Sprünge, und zwar am besten mit einem Duft, der ebenfalls frisch und sophisticated ist, ein Immergeher und Crowdpleaser – aber gleichzeitig genügend Charakter hat, vielleicht noch ein paar innovative Züge, um sich von der Masse wohltuend abzuheben, ohne allzu sehr herauszustechen. Dafür ist Rossa Bohème wie gemacht. Und verfügt darüber hinaus noch über eine schöne Geschichte.

Tau ist der Name des zweiten Onyrico-Duftes, den wir uns heute zur Brust, vielmehr: zur Nase nehmen:

tau „„Lasst mich Liebe bringen.“

Franz hatte einen Traum: Frieden zu bringen, Brüderlichkeit und Liebe, allen Kreaturen auf der Erde.

Die Freundlichkeit seiner Worte und seine Taten erleuchteten alles, wohin er auch kam. Seine Worte waren ein Sonnenstrahl, der Licht spendete, mochten dort auch Millionen von Schatten sein. Er war erfolgreich, wo die Großen dieser Welt scheiterten; auf einer Reise in den Osten verdiente er sich den Respekt des Sultans der Ayyubiden al-Kamil Muhammad al-Malik, der ihm ein großes Geschenk machte.

Ein gutes Beispiel, von dem man sich inspirieren lassen kann: Dialog, Höflichkeit, Achtung vor der Vielfalt, vereint durch ein einziges Ziel … Liebe besiegt alles …

Franz liebte es besonders, in der Natur zu sein und dachte über die Wunder des Waldes nach. „Tau“ ist ein frischer und doch auch antiker Duft, fast urwüchsig in seinem spielerischen Gepräge, beeinflusst durch die Stimme des Waldes und der Tiere, die in jenem leben. Bei der Kreation von „Tau“ stellte man sich bei Onyrico Franz vor, wie er am Ufer eines Baches saß, seiner „Schwester Wasser“, welcher klar und rein dahinfloss, auf seinem Weg über Steine stolpernd, doch besänftigt durch seine schöpferische Kraft. Während ein Vogel sich auf seiner Schulter niederlässt und ein Wacholderbusch eine Salbeipflanze umarmt, zeigt sich all die Schönheit der Schöpfung.

Nachdem er die Essenz all dieser Gedanken in sich einsog, schrieb er sein wunderbares Werk „Sonnengesang“. Die Pflanzenessenzen bringen alte Erinnerungen mit sich, zusammen mit denselben Kiefern, Buchen, denselben Steinen, der Sonne, dem Mond und den Sternen, all dem, was er beobachtet, worüber er nachgedacht und was er gepriesen hatte. Durch den unvergänglichen Wind, durch das Wasser, das sich in seiner Form, aber nie in seinem Wesen wandelt, wurden uns die lebendigen Noten auf der hauchdünnen Linie des Parfums überliefert … Schließlich, in einem Birkenwald, umgeben von Geraniumblättern, die der feuchten Erde entwachsen, stellen wir uns Franz vor, wie er mit seinen bescheidenen Ledersandalen auf einen moosbedeckten rutschigen Stamm klettert, um einen herausgefallenen Vogel in sein Nest zurückzulegen … einen glücklichen und dankbaren Vogel…“

Auch dieses Mal ist man bei Onyrico nicht Muster abgewichen: Unser Franz, dem Tau als Hommage zugeschrieben wird, ist selbstredend ebenfalls ein Landsmann, ein Italiener. Von Franz von Assisi ist die Rede, der eigentlich Giovanni Battista Bernardone hieß, von der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird und gegen Ende des 12.Jahrhunderts bis ins 13. hinein lebte.

Frankfurt Liebfrauenkirche Innenhof Franziskus-Mosaik.jpgFrankfurt Liebfrauenkirche Innenhof Franziskus-Mosaik“ von Sr. Maria Ludgera Haberstroh
Photo: Andreas Praefcke – Eigenes Werk (own photograph). Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Die oben in der Artikelbeschreibung bereits zum Ausdruck kommende Demut und Bescheidenheit verwundert im Zusammenhang mit Franz von Assisi nicht, ist er doch der Begründer des Ordens der Franziskaner, eines Bettelordens. Die vom heiligen Franziskus verfasste Ordensregel wurde vom damaligen Papst im Jahre 1223 beglaubigt und gilt seitdem als „Verhaltensregel“, als Regelwerk für die Ordensbrüder und selbstverständlich als Reliquie – das Original wird bis heute in Assisi aufbewahrt. Sollte es Euch interessieren – Ihr könnt den wortgetreuen Inhalt auf der Seite der Franziskaner (ja, die haben eine Webseite) nachlesen, und zwar hier. Auch der Sonnengesang findet sich dort – seht hier. Selbstverständlich ist für Franziskaner natürlich der Verzicht auf Eigentum sowie Geld, welches die Mönche auch nicht annehmen dürfen, selbst wenn sie es geschenkt bekommen. Da könnte sich die katholische Kirche doch mal ein Scheibchen von abschneiden, oder? In diesem Zusammenhang: Was macht eigentlich Franz-Peter Tebartz-van Elst? Lange nichts mehr gehört oder gelesen … Ich wette im übrigen, dass Monsieur in seinen Gemächern auch edle Raumbeduftung benutzte, meint Ihr nicht? Ich meine, es gibt doch genügend herrliche Duftkerzen, die Weihrauch, Myrrhe oder andere Herrlichkeiten beinhalten, die man in solch sakralem Umfeld herrlich einsetzen könnte.

Bei Tau geht es entscheidend bescheidener zu – die Ingredienzen: Kopfnote: Wacholder, Salbei; Herznote: Kiefer, Birke; Basisnote: Geraniumblätter, Moos.

onyricotau

By KavewallCC BY 2.5 –> https://creativecommons.org/licenses/by/2.5/

Tau ist – toll. Aromatisch, herb, erfrischend, krautig-kräuterig, satt mit einem klitzekleinen Hauch Herbheit und grün, in allen Facetten. Wacholder, waldig und eigen- sowie einzigartig fruchtig, herb-holzig und harzig, in Kombination mit dunkelgrün-petrolblauem Salbei, kräuterig-saftig und, ja, taubenetzt, weil von Wasser überzogen. Baumharze toben sich hier ohnehin aus, grün-leuchtend und frisch, keineswegs knarzig-rauchig oder gar trocken. Geranium sorgt für Anleihen von Minze, und das Moos, ja das Moos … das ist feucht. Traumhaft feucht und satt und grün, nicht trocken-pudrig streng, wie wir es von manch anderem Duft kennen und wie ich es, ich gestehe, nicht immer mag.

Grün-Petrol-Blau-Dunkel – das ist meine Farbassoziation zu diesem wundervollen Herren. Und mich hat er auf Anhieb für sich eingenommen, wozu seine aromatische Frische und selbstredend der Wacholder beigetragen haben.

Bin gespannt, was die letzten beiden Düfte von Onyrico so drauf haben – das erfahrt Ihr nächste Woche! Bis dahin frohes Schwitzen und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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