Mit Histoires de Parfums in die Oper …

… gehen wir heute und morgen: Die Opera Collection ist da, über die ich bereits früher berichtet hatte – seht hier und hier. Die Düfte gibt es in der Luxusvariante, wie sie gerade bei uns im Shop gelandet sind, und zwar mit Manufaktur-Flakons aus dem Hause Waltersperger, originalgetreu der Formen der 30er Jahre, sowie kostbarer roter Lackschatulle mit Spieluhr, die die jeweilige namensgebende Oper aufgreift und ein Stück daraus abzuspielen vermag. In nächster Zeit soll es allerdings noch eine Variante für diejenigen Duftliebhaber geben, die nur auf den „Juice“ aus sind, was ich überaus begrüßenswert finde. Wie steht es denn mit Euch? Müssen Flakon und Duft eine Einheit ergeben und sind die Flakons für Euch Zierde oder kommt es Euch nur auf den Duft an?

Ich rezensiere die Düfte chronologisch, was gleichzeitig den Vorteil hat, dass ich mit einer meiner Lieblingsopern beginnen kann – Norma von Bellini:

norma „Norma von Vincenzo Bellini erzählt die Geschichte der Druidenpriesterin Norma, die ihr Gelübde mit ihrem heimlichen Geliebten, dem römischen Prokonsul Pollione, brach. Die Oper in zwei Akten wurde erstmals am 26. Dezember 1831 in Mailand aufgeführt.

Eine von Maria Callas größten Rollen wird nun im Duft 1831 von Histoires de Parfums geehrt. Eine verschwenderische Fülle aus den Blüten der Rose, Jasmin und Ylang-Ylang trifft auf die klaren Noten von Aldehyden und einen Hauch von Rosa Pfeffer. Ein weicher und cremiger Duft mit den Aromen von Ambra, Labdanum, Patchouli, Benzoeharz, Vanille, Moschus und der Gourmand-Note von Pralinen. Elegant, aber dennoch sexy, klassisch und zeitlos, ein Parfum wie ein Abend in der Oper.“

Und die Callas, ja, die Callas ist so unvergleichlich in ihrer Rolle als Norma! Seht hier – Casta Diva, die Arie, die hoffentlich auch von der Spieluhr abgespielt wird:

Eine furchtbar tragische Liebesgeschichte, die (um) Norma … Ist der Duft auch ein Melancholiker? Die Duftnoten: Kopfnote: Aldehyde, Rosa Pfeffer; Herznote: Rose, Jasmin, Ylang-Ylang, Labdanum (Zistrose); Basisnote: Patchouli, Benzoeharz, Vanille, Gourmand-Noten, Moschus.

Jein … melancholisch? Ja – wenn man Aldehyde, klassische, genauso wie ich immer ein wenig als solches empfindet. Für Norma muss man Vintage-Düfte lieben, Klassiker – ob nun von Caron, Chanel, Guerlain oder einem anderen ehrwürdigen Haus, denn die fruchtigen, aber dennoch pudrig-opulenten Aldehydnoten sind retro, auch wenn sie durch Pfeffer keck kontrastiert werden. Wenn sich der Aldehydensturm ein wenig gelegt hat, scheint ein herrliches, ausladendes Blütenbouquet hindurch: Schwere, samtige Rosen, von goldener Nektarsüße getränkt, die dennoch fruchtige Anklänge mit sich bringen. Sanfte Weißblüher, der Ylang eben, der exotische Akzente setzt, und cremiger Jasmin, üppig blühend. Ein Abendkleid, von einer reifen (nicht alten!) Frau getragen, mit einem gut in Szene gesetzten Dekolleté – in der Oper, vielleicht auch auf einem festlichen Empfang. Die Basis ist sinnlich, in jeglicher Form: Warm, weich, würzig, ein Hauch Harzrauch, pudriger Patchouli mit Kakaoanleihen, ein Quentchen Karamell und viel Creme und Weichheit von Vanille und Moschus.

1831 Norma ist ein charismatischer Duft – und ein mutiger noch dazu: Freunde von Klassikern werden sofort ihr Herz an ihn verlieren, denn er ist eine Vintage-Schönheit. Wer es jedoch gar nicht gerne retro mag, den wird unsere Norma hier nicht überzeugen können.

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ierdnall „image74“ via Flickr – CC BY-SA 2.0

1875 Carmen, unsere nächste Operndiva, ist selbstredend der gleichnamigen Oper von Bizet gewidmet:

carmen „Carmen von Georges Bizet erzählt die Geschichte von Don José, einem naiven Wachsoldaten, der von der hitzköpfigen und temperamentvollen Zigeunerin Carmen verführt wird. Die Oper in vier Akten wurde erstmals am 3. März 1875 in der Opéra-Comique in Paris aufgeführt.

1875 ist ein sonniger Duft, in dem sich die Essenzen von Zitrone, Ingwer und Davana zu einer fruchtigen und aromatischen Harmonie vereinen. Mit einem Bouquet von weißen Blüten und Safran an ihrer Bluse verstärkt Carmen ihren feurigen Charme. Das unzähmbare Mädchen von rebellischer Natur wird durch die Basis aus Sandelholz, Patchouli, Guajakholz und Weihrauch zum Leben erweckt.“

Safran entdeckt meine Nase als erstes – ooh, Safran! Safran in Düften ist viiel zu selten – und hier unterstreicht er die Feurigkeit, das Temperament, die Leidenschaftlichkeit der Zigeunerbraut, die sich dann später doch nicht trauen lässt. Safran, holzig, harzig, eigenartig und ledrig, verbindet sich hier mit dem ebenfalls einzigartigen Duft von Ingwer, dessen herb-fruchtiger und dennoch trockener Holzigkeit. Samtig-ledrig und mit einem Hauch Puder legt sich Carmen um meine Haut, gleichzeitig strahlend durch einen auf seltsame Art und Weise „dumpfen“, aber wunderschönen Hesperidenschein. Parallel dazu würzt und wärmt Guajakholz, von Sandelholz tatkräftig unterstützt und in zarten Rauchnebel gehüllt.

Gipsy

1875 Carmen ist einzigartig: Ein durch und durch sonnengelber Duft, der aber nicht frischen Charakters ist, sondern strahlt und scheint, dabei eine Tiefe und Würze an den Tag legt, die schon fast wieder einem Orientalen gut zu Gesichte stehen würde. Eigentlich, ja, eigentlich ist Carmen ein Orientale, wenn auch eine sehr freie und sehr modernde Interpretation, die durchaus auch für wärmere Tage tauglich sein dürfte.

Bin gespannt, was die restlichen Opern so „drauf haben“!

Bis morgen und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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