Die letzten Drei aus dem Hause Anna Paghera …

… erwarten uns heute – zumindest vorerst 🙂

rossodicipro Rosso di Cipro macht den Anfang:

„Ein verführerischer Zaubertrank, um vergessenes Verlangen zu wecken. Blüten – leicht wie gehauchte Worte – in Verbindung mit warmen und wertvollen Aromen – mystisch und pudrig. Es beschwört alte Rituale herauf, die der Venus und der Liebe gewidmet waren.

Rezept: Neun Unzen Knospen und Mohn, neun Pfund wertvollstes Sandelholz, neun Prisen Bourbon-Vanille, neun Achtel vom Porgi-Amor-Lied, geborgt von der „Hochzeit des Figaro“, neun Gedanken voll von Liebe.“

Wenn wir es hier schon von dieser Arie haben, dann muss ich auch Madame Callas dazu heranziehen:

Rosso di Cipro enthält, wenn man den Angaben glauben darf, nur drei Zutaten: Mohn, Bourbon-Vanille und Sandelholz. Und die entwickeln sich doch wirklich sehr anmutig auf meiner Haut: Viel Sandelholzwürze und -wärme, getunkt in ordentlich sahnige, sanfte Vanillecreme und Mohnanleihen, sich eher im Hintergrund tummelnd, zumindest auf meiner Haut. Schön, entspannend und ziemlich lecker.

vanilla

Turchese di Nila, die Nummer Zwei, soll „ein reinigender Zaubertrank […] für diejenigen, denen ihre Arbeit über alles geht“ – mmmhh … Ist das eine positive Beschreibung? Das Selbstbekenntnis zum Workaholic? Und – was darf ich mir unter einem Duft für einen solchen vorstellen? Etwas, das antreibt? Oder motiviert? Oder wach hält? Mich erinnert das unweigerlich an Aromatherapie, da ich mir unter einer solchen Widmung lediglich etwas vorstellen kann, was in irgendeiner Art und Weise auf die Tatkraft wirkt beziehungsweise diese stimuliert.

Allerdings, wenn wir weiterlesen, erfahren wir, dass der Duft gedanklich entführen, ja, eigentlich sogar ablenken soll:

turchesedinila „Wellen schwappen über den Strand einer einsamen Insel im Pazifik. Farn, Wasserblumen und Korallen – für einen Duft, der leise von Freiheit erzählt.

Rezept: Acht Unzen des Haares einer Jungfrau, ein Pfund Muscheln, eine Handvoll Tigerorchideen vom Pazifik, ein Pfund Moos, ein Löffel Korallenstaub, zwei Achtel gemahlene schwarze Perlen, eine Handvoll Gutmütigkeit.“

Mit dem Ritual zusammen hört es sich alles fast schon ein wenig traurig nach Arbeitshamster an:

„Ritual: In die Luft gesprüht und lange eingeatmet, lässt uns dieser Duft von der Freiheit träumen und nach dem Fliegen sehnen. Eine Einladung zur Leichtigkeit des Seins und sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu besinnen.“

Ich will jetzt nicht weiter auf den Beschreibungen herumreiten – ich finde sie unpassend weil nicht wirklich animierend zu einem Test. Zumindest was mich betrifft – wie seht Ihr das? Turchese di Nila zeigt sich als aquatischer Duft: Sonne und Sauberkeit am Langnese-Strand mit überwiegend aquatischem Anstrich, flankiert von maritimen Anklängen (sprich: ein Hauch Dünenbegrünung), die vom würzigen Moos herrühren. Florale Noten spenden Nektarsüße und Noten wässriger Blüten.

Beach, Barbados

Eingängig und sicherlich für viele ein adäquater Immergeher für alle Gelegenheiten, Jahres- und Tageszeiten. Für mich duftet Freiheit anders – und aquatische Düfte sind, sorry, nicht meine Kragenweite. Insofern geht Turchese di Nila definitiv an meinem persönlichen Geschmack vorbei.

[Das muss ich noch hinzufügen: In der Basis entwickelt sich Turchese di Nila immer mehr in Richtung eines maritimen Duftes. Die Würzigkeit nimmt zu, was den aquatischen Charakter des Anfangs etwas in den Hintergrund rückt – zugunsten des Duftes, meiner Meinung nach.]

Verde di Kent, unser letzter Duft aus dem Hause Anna Paghera, verspricht wieder etwas für mich zu sein: Grün, grün, grün – das mag ich meistens äußerst gerne. In diesem Falle soll es „ein Zaubertrank […], der wachrüttelt – für diejenigen, die alles zu ernst nehmen.“ Tja, kommt hin. Ich gehöre ja auch immer eher zu der Montaigne-Fraktion, auf den folgendes Zitat zurückgeht: „Mein Leben bestand aus lauter Katastrophen, von denen die meisten nie eingetroffen sind.

Verde di Kent hört sich sich nach einem Wohlfühlduft für Liebhaber satten Grüns an:

verdedikent „Frisch gemähtes Gras, Blumen und Keimlinge, die direkt zu unserem Herzen sprechen, um uns an Gerüche zu erinnern, die mit den Freuden der einfachen Dinge im Leben verbunden sind.

Rezept: Fünf Pfund vormittags gemähtes Feldgras, zwei Unzen Nelkenblüten, ein Pfund Rapunzeln und Kornblumen, eine Handvoll selbst angebaute Tomaten, eine gute Menge an Heiterkeit.“

Das hauseigene Ritual dazu:

„Ritual: Sprühen Sie das Parfum in die Luft, versetzen Sie sich zurück in Ihre Kindheit, drehen Sie sich mit weit ausgestreckten Armen im Kreis, bis Ihre Gedanken in das füßekitzelnde Gras fallen. Erhöhen Sie die Dosis, wenn noch Spuren von Ernsthaftigkeit da sein sollten.“

Hammer! Toller Ausspruch, ich weiß, aber das ist das erste, was mir durch den Kopf fuhr zu Verde di Kent – außer natürlich der üblichen gutturalen Gefallenslautäußerungen. Ich glaube nicht, dass ich Verde di Kent draußen tragen würde. Es ist ganz bestimmt auch kein Duft, für den man viele Komplimente bekommt, da er nicht den Erwartungen entspricht, die die meisten Menschen bezüglich Parfums hegen.

Green

Verde di Kent ist – grün. Und zwar 200%ig GRÜN! Wer immer nach einem Duft gesucht hat, der frisch gemähtes Gras wiedergibt – hier ist er! Ich nehme tatsächlich ein paar Kornblumen wahr in dem Grashaufen, und, ich liebe sie – Tomatenblätter. Das macht mich so unglaublich glücklich, dass ich den Duft sofort zu meinem Anna Paghera-Liebling küre. Im weiteren Verlauf wird es weicher, sanfter und sauberer, bleibt frisch, aber immer noch grün. Der Auftakt ist aber das, was am meisten Spaß macht an Verde di Kent, weswegen ich ständig nachsprühen muss.

Manche Düfte muss man einfach haben – auch, wenn sie nichts für’s Date oder für’s Büro sind. Verde di Kent gehört dazu, für mich, Denn auch ich habe lange gesucht, nach meinem Gras in der Flasche – und habe es jetzt endlich gefunden.

Und – wie haben Euch die Düfte von Anna Paghera gefallen, was werdet Ihr testen?

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

3 Kommentare

  1. Christiane
    23. Januar 2015
    Antworten

    Die Sprüche und Handlungsanweisungen finde ich ganz schrecklich – eine Hand voll Haare einer Jungfrau, ein Prise blaba…. Und mich nerven sie so, dass ich mich zu einem Test nicht durchdringen kann. Von daher bewundere ich Deine Tapferkeit.

  2. Christiane
    23. Januar 2015
    Antworten

    durch r ingen meinte ich.

  3. Avatar photo
    Ulrike Knöll
    26. Januar 2015
    Antworten

    Hach Christiane, ja. Ich liebe meinen Job wirklich sehr – aber manchmal nervt es. Und meistens sind dafür Texte verantwortlich. Ich habe keine Ahnung, ob diese Texte eine singuläre Erscheinung sind und dem deutschen Vertrieb geschuldet – oder ob sie direkt so aus dem Italienischen übernommen wurden. In jedem Fall kann ich Deine Meinung nachvollziehen. Allerdings solltest Du meiner Meinung nach, wenn Du ein Grasfan bist, zumindest mal Verde di Kent in seiner grünen Entschlossenheit testen!

    Viele liebe Grüße,

    Uli.

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