Einen raschen Blick… LM Parfums, Isabey & Molton Brown.

… werfe ich mal wieder – es wurde aber auch Zeit – auf einige Neuveröffentlichungen. Normalerweise ist ja diese Zeit im Jahr eher etwas ruhiger und gemächlicher – nicht so 2013. Jeden Tag kommen neue Düfte in den Shop, ein paar neue Linien stehen noch an… und ich komme mal wieder nicht hinterher. Deshalb heute kurz und knackig: Laurent Mazzone Parfums Vol D’Hirondelle, Isabeys La Route d’Émeraude und Molton Browns Mahina.

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Vol d’Hirondelle, übersetzt so viel wie „Der Flug der Schwalbe“, ist der neue Duft aus dem Hause Laurent Mazzone. Dieser widmete ihn wohl einem sehr engen Freund, wobei die Inspirationsquelle zum Duft ein Bild war. Natürlich war ich neugierig und habe recherchiert, bin aber leider mit meiner Recherche auf keinen grünen Zweig gekommen beziehungsweise habe keine Antwort gefunden. Der Duft wird mit einem Foto beworben, das, logisch, fliegende Schwalben zeigt. Allerdings weiß ich nicht, ob exakt diese Fotografie Mazzone zu seinem Duft animierte (ähnlich wie es bei Olfactive Studio üblich ist) oder ob es dafür einen anderen Gemäldepaten gab… vielleicht erfahren wir es ja noch?

voldhirondelle Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – dieser Äsop zugeschriebene Satz passt recht gut zum Schwalbenflug, der, trotz seiner eher sommerlich anmutenden Zutaten kein reiner Sommerduft sein mag: Kopfnote: Zitrische Noten, Zitrone, Bergamotte, Mandarine, Petitgrain, Rosenholz, Davana; Herznote: Rose, Jasmin, Orange, Gewürze; Basisnote: Vetiver, Moschus.

Zeit braucht Vol d’Hirondelle, und vermutlich mehrere Tests. Wie bei einem Schwalbenschwarm haben wir es hier nur auf den ersten Blick mit einem homogenen Ganzen zu tun… bei näherer Betrachtung gibt es viele unterschiedliche kleine Details, viele kleinen Ecken und Kanten, viele Richtungen, in die gestrebt wird: Der Auftakt ist von Hesperiden geprägt und zeigt sich überwiegend zitrisch-prickelnd und herb-säuerlich. Dazwischen schiebt sich dunkelgrünes Zitrusfrüchte-Blattwerk, der Duft zermahlener Blätter, der sich mit einer hellen Rose mischt, krautige Anklänge hervorbringend. Vetiver salzt, Moschus säuselt leise, warm und weich und Orange spendet saftige Süße.

Floral, herb, salzig und cremig ist Vol d’Hirondelle, und somit ein interessantes Gefüge unterschiedlichster Facetten. Nicht für jeden, aber sicherlich für einige eine willkommene Abwechslung. Mich erinnert er ein bisschen an Maestrale von Profumi di Pantelleria, den ich sehr mag – vielleicht hilft es jemand.

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La Route d’Émeraude, übersetzt „Die Straße der Smaragden“, ist die Neuauflage eines alten Isabey-Klassikers aus dem Jahre 1924 und sieht sich inspiriert von einer Reise in das sogenannte Smaragd-Dreieck, in dem die drei Länder Thailand, Laos und Kambodscha zusammentreffen. Ein Florientale soll es sein, was ein erster Blick auf die Duftnoten bestätigt: Kopfnote: Bergamotte, Rose, Zimt; Herznote: Jasmin, Organgenblüte, Tuberose; Basisnote: Ambra, Benzoeharz, Vanille, Moschus.

isabey_la_route_emeraude_gde Mehr Floral als orientalisch zeigt sich La Route d’Émeraude, und das ist meiner Meinung nach auch sehr schön so: Herbe und gleichermaßen spritzige Bergamotte im Kopf ist das Herz des Duftes, wie man schon ahnt, von Blüten dominiert, die den Charakter des Duftes entscheidend prägen. Jasmin, Tuberose und Orangenblüte, drei Weißblüher, hier opulent, aber unaufdringlich umgesetzt. Das Röslein stiftet ein wenig transparente Frische, während anfänglich von irgendwoher fruchtige Noten an meine Nase herangetragen werden. Ich hätte auf Aldehyde getippt, weswegen mich der Oldie La Route d’Émeraude auch an einige Guerlains erinnert, die sind aber scheinbar nicht vorhanden. Trotzdem rieche ich auf meiner Haut – Papaya. Nennt mich verrückt, es ist wirklich so. Und passt richtig gut hinein. Findet sie noch wer bei sich, die Papaya? Die Basis unseres Isabey-Klassikers ist natürlich warm, würzig, weich und vanillecremig – damit macht man nie was falsch, so auch nicht bei unserem kleinen Edelstein hier. Ein Kleinod, ein schönes, das ganz bestimmt seine Freunde finden wird. Ich kenne das Original des lange schon verschollenen Duftes nicht, kann aber mit Fug und Recht trotzdem behaupten, dass der Parfumeur hier vermutlich ganze Arbeit geleistet hat: Unverkennbar ein Vintage-Duft, aber behutsam an die heutige Zeit angepasst und somit ein klassischer Damenduft, unverstaubt, aber trotzdem von einer alten Seele. Schön!

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Molton Brown nimmt uns mit seinem aktuellen Duft Mahina aus seiner Navigations Through Scent-Kollektion mit auf die Reise, und zwar geht es von London aus nach Tahiti in die Gemeinde Mahina. Blauer Himmel, kristallklares Wasser, das an den Bootsrumpf einer (meiner?) Yacht plätschert, eine Hängematte, die zwischen zwei Palmen gespannt über dem fein-seidigen Sandstrand baumelt. Dazu natürlich ein Cocktail in der Hand und den Sonnenuntergang genießen. Die Sonne versinkt glühend im Meer, „Myriaden funkelnder Lichtfragmente“ kreierend, und ich sitze, eine Tiaréblüter hinters Öhrchen geklemmt, und schaue mir dieses Vergnügen an, jenes von Molton Brown so inszenierte. Ein schöner tropischer Traum, findet ihr nicht? Genauso präsentiert sich auch der Duft: Mahina besteht aus einer zauberhaft leichten Orangenblüte, eng umschlungend tanzend mit seidig-sanftem Jasmin. Dieses Liebespaar, ein zart-romantisches, sieht sich umgarnt und umrankt von tropischen Blüten gleich einem Passepartout. Tiaré, Ylang und Frangipani stiften hier süß-florale und süß-fruchtige Noten, Heiterkeit und Gelassenheit ausstrahlend. Abgerundet wird das Vergnügen mit Vanillecreme, weicher, und sauberem Zedernholz. Mahina ist ein Urlaubstraum, wirklich, und damit nicht minder schön als die anderen Düfte der, wie ich finde, gelungenen Navigations Through Scent-Kollektion.

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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