Der Duft der DNA

DNADer Duft der WIRKLICH zu Ihnen passt:
Das neue „Eau de You“ wird entsprechend Ihres
genetischen DNS-Codes gemixt. Wir sagen: Bitte nicht!

Wer hat’s erfunden? Natürlich die Amerikaner. Meister des Marketings und der absurdesten PR-Gags. Denn mehr als ein Scherz kann „My DNA Fragrance“ ja wohl nicht sein…

Eigentlich eine lustige Sache: Da tönen Politiker und Menschenrechtler ständig von der Bedrohung durch den Überwachungsstaat, menetekeln das Bild des gläsernen Menschen und stemmen sich ganz aktuell mit aller Macht gegen den sogenannten Nackt-Scanner (wer will schon anonym gescannt werden, nur damit er nicht an Bord eines Flugzeuges in die Luft fliegt?). Auf der anderen Seite sind wir durchaus mündige Bürger nur allzu bereit, in jedem Supermarkt eine von dutzenden Payback-Karten zu zücken, mit der EC-Karte zu zahlen, im Internet via Kreditkarte zu shoppen und an jedem noch so unseriösen Gewinnspiel teilzunehmen, auch wenn das bedeutet, dass unser Mail-Account in Zukunft von einer Spam-Flut à la *****-Vergrößerung überschwemmt wird. Soooo wahnsinnig besorgt um unsere Intimsphäre scheinen wir also gar nicht zu sein.

Das haben nun auch Marketing-Profis in den USA gemerkt und zielen auf eine neue Ware ab, die so bisher wohl noch nicht gehandelt wurde: DNA (oder DNS auf deutsch).  Denn mit Erbgut lässt sich richtig Geld verdienen!

So titelt diesen Monat eine deutsche Männer-Zeitschrift, dass man mit seinem Sperma einen netten Zuverdienst erlangen könne. Einfach ab zur Samenbank und kräftig „spenden“. Oder die clevere Idee eines ebay-Users unter dem Pseudonym „ AMF814“. Der nämlich besuchte unlängst eine Veranstaltung auf der auch der kalifornische Gouverneur auftrat, Mr. Arnold „Terminator“ Schwarzenegger. Besagter ebay-Verkäufer beobachtete den Gouverneur dabei, wie er ein paar mal an einem Hustenzuckerl lutschte und es dann in einen Papierkorb entsorgte. Ha! Denn genau dort barg es AMF814 und stellte die Bonbon-Reste auf ebay zur Auktion ein, unter dem Titel: „Besitze ein Stück der DNA von dem Mann persönlich“. Leider werden wir nie erfahren, welchen Preis das DNA-Bonbon erreicht hätte, denn ebay löschte das Angebot, da der Verkauf von Körperteilen nicht erlaubt ist.

Die weltweit größte Sammlung historischer Haarbüschel

Nun gut, gehen wir jetzt mal davon aus, dass es tatsächlich Menschen gibt, die gerne seeehr persönliche Souvenirs von Stars und Promis sammeln. Die hätten wahrscheinlich für das Terminator-Gutterl geboten. Aber die müssen jetzt nicht enttäuscht sein, dass ebay Ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Denn es gibt durchaus noch andere Möglichkeiten, seinem Lieblings-Star nahe zu kommen. Auch wenn der Verehrte schon längst tot ist. Denn es gibt (wiederum natürlich in Amerika) einen Mann, der sammelt Haarbüschel. John Reznikoff, Präsident und Gründer einer Einrichtung, die sich „University Archives“ nennt, beherbergt in seinem Archiv in Conneticut nicht nur Historische Handschriften, sondern auch Haare von verstorbenen Promis wie Ludwig van Beethoven, Abraham Lincoln, Edgar Allen Poe oder Albert Einstein.

Und genau diese Sammlung von Haarresten nutzt jetzt eine findige US-Firma aus Beverly Hills und verwandelt die darin gespeicherten Erbinformationen in … (tadatada:) Parfums! Klingt gruselig? Finden wir auch.

Auf der Homepage des Anbieters gibt es Duftwässerchen, die auf der DNA von Napoleon, Einstein, Jonny Weissmüller (dem ersten Tarzan-Darsteller) oder Jackie Kennedy basieren sollen. Aktueller Verkaufsschlager – so lässt das Unternehmen verlauten – sei zwar der „Elvis Presley“-Duft, aber die Strategen sind sicher, dass das neue „Michael-Jackson-Parfum“ dem King of Pop sicher bald den Rang ablaufen werde. Wie genau nun Michael Jackson gerochen hat, oder wie aus der DNA ein Parfum hergestellt wird, darüber schweigen sich die „Nasen“ aus Amerika aus. Aber wie gesagt: wir halten das ganze eh für einen mehr oder weniger gelungenen Verkaufs-Gag. Da darf man über Sinn und Wahrheitsgehalt nicht lange grübeln. Ein echter Fan bestellt sich das Wässerchen, egal wie es riecht.  Soweit so gut. Aber was ein echter US-Unternehmergeist ist, der geht noch einen Schritt weiter: Funktioniert das Verfahren erstmal, aus DNA ein Pheromon zu gewinnen, muss man keineswegs bei Promis aufhören. Man könnte ja jedem Menschen der Welt sein einzigartiges Parfum abmischen:

„Eau de YOU“ – ein Duft so einzigartig wie sein Träger

Wie gesagt, die Idee ist nur eine Weiterführung der Promi-Wässerchen. Der Kunde schickt der Firma  „My DNA Fragrance“ seinen Erbcode, und die Laboranten zaubern daraus sein individuelles Parfum. Das Ganze funktioniert via Post. Man ordert auf der Homepage online ein DNS-Kit, das eine Speichelprobe aus dem Mundraum aufnehmen kann (Zitat: „Das Ganze ist so einfach wie Zähneputzen“). Das Stäbchen mit dem Speichel, also der Erbinformation, schickt man dann per Post an den Hersteller, und der verwandelt das ganze in einen Duft. Ein Duft, der exakt den einzigartigen Charakter des Trägers wiedergibt. Übrigens: Unter FAQ beruhigt der Hersteller seine Kunden, dass jedes DNA-Wässerchen gut rieche! Na, das beruhigt uns doch! Stellen Sie sich vor, Sie ordern für 80 Dollar Ihren Duft und merken dann, dass Ihre Persönlichkeit streng riecht. Wär ja doof!
Aber zurück zum Anfang dieser Geschichte: Der gläserne Mensch und so. Denn, die Frage drängt sich mir leider auf, wer bitte verschickt seine DNS denn bitte mit der Post? Ich will ja jetzt keine Horror-Szenarien heraufbeschwören, z.B. dass mit dem Erbcode allerlei Schindluder getrieben werden könnte – von gefälschten Vaterschafts-Klagen bis hin zum Ritual-Mord, und der Feststellung meiner DNS am Tatort. Aber nichts destotrotz  wundere ich mich, wer seine intimsten, innersten Daten so freimütig mit einem Briefumschlag in die Welt schickt… (und hierzulande regen sich die meisten schon auf, wenn Ihre Fingerabdrücke für den Reisepaß gespeichert werden!). Aber auch hier bemüht sich der Hersteller wenigstens, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln: Die eingesandten DNA-Proben werden nach der Bearbeitung vernichtet und NICHT an dritte weiterverkauft.  Andererseits wird mir das bei jedem Gewinnspiel auch immer wieder versichert, und irgendwoher kommen dann doch diese Penis-Enlargement-Mails. Dann doch lieber riechen wie Michael Jackson. (Naja.)

Die AlzD-Alternative:

Histoires de Parfums
Düfte, die an große Köpfe der Geschichte erinnern, ohne das Makel der fragwürdigen DNA-Probe

„Histoires de Parfums“ funktioniert nämlich ganz ähnlich und doch viel schöner:

Angeboten werden bei dem französischen Dufthaus ganz wunderbare Parfums, die als Hommage an geschichtliche Persönlichkeiten gedacht sind, und nach deren Geburtsjahr benannt wurden. Sie suchen sich einfach einen „Promi“ aus, der Sie fasziniert, oder dessen Charakterzüge sie bei sich selbst erkennen, und kaufen dann die entsprechende kraftvolle, leidenschaftliche Duft-Inszenierung. So gibt es zum Beispiel „1828 – Jules Verne“ (für kreative Freigeister, mit Eukalyptus, Minze, Muskat und Moschus. Köstlich!), oder das legendäre „1876 – Mata Hari“ (eine orientalisch blumige Variante aus Bergamotte, Litschi, Rose, Zimt und Nelke. So geheimnisvoll und verführerisch wie die Tänzerin, Kurtisane und Spionin selbst).

So, finde ich, wird aus großen Persönlichkeiten ein Duft. Die DNA-Geschichte ist eine Spinnerei, die den Namen „Parfum“ eigentlich gar nicht verdient.

Neueste Kommentare

Geschrieben von:

3 Kommentare

  1. Patricia66
    18.Jan 2010
    Antworten

    Großer Gott, wer will denn wie Michael Jackson riechen. Echte Männer ja wohl kaum. Und Frauen wohl auch nicht… Da dürften einige Strategen wohl ganz schön auf dem Holzweg sein ;-).

  2. Ulrike
    20.Jan 2010
    Antworten

    Genau das dachte ich allerdings auch, als ich das gelesen hatte… 😉

    Liebe Grüße, Ulrike.

  3. 6.Mai 2010
    Antworten

    Hallo,

    nicht sclacht,,,“Der Duft der DNA“ wie stelle ich mein Duft..??

    MfG Margaritta Hoffmann

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