F wie …

Field Notes from Paris, Ineke Rühlands neuester Streich. Die in San Francisco ansässige Parfumeurin macht sich daran, die Sprache oder besser das Alphabet olfaktorisch zu erobern. Und zwar auf ganz einfachem Wege: Sie klappert es von vorne an ab, jeden ihrer neuen Düfte nach dem nächsten Buchstaben benennend.

So folgte nun nach A wie After my own Heart, einem aquatischen Fliederduft, B wie Balmy Days & Sundays, einem grünen Floralen mit leichten Chypreanklängen, C wie Chemical Bonding, einem Hesperidenduft mit Noten von Tee und Moschus, D wie Derring-Do, einem holzigen Fougèreduft und E wie Evening Edged in Gold, einem Florientalen mit prächtigen Pflaumennoten das F, das für Field Notes from Paris steht.

Ineke Field Notes from Paris

Field Notes from Paris soll an Rühlands Zeit in Paris und Versailles erinnern, wo sie ihre Ausbildung an der berüchtigten ISIPCA absolvierte. Erinnern an „sweet-scented Paris afternoons, life measured out in coffee spoons“, wie auf ihrer Seite zu lesen ist.

Diese Zeilen, das Leben, ausgemessen in Kaffeelöffeln, stammen aus T.S. Eliots weltberühmten Gedicht The Love Song of J. Alfred Prufrock, welches der damals erst Anfang Zwanzigjährige auf Empfehlung Ezra Pounds hin erstmalig 1915 in einer Chicagoer Literaturzeitschrift veröffentlichen konnte:

For I have known them all already, known them all:
Have known the evenings, mornings, afternoons,
I have measured out my life with coffee spoons;
I know the voices dying with a dying fall
Beneath the music from a farther room.
So how should I presume?

Sehnsuchtsvolle und ein wenig melancholische Nostalgie löst es aus, das Gedicht, das im Ganzen so schwer zu interpretierende. Nostalgisch ist auch Fields gemeint, da bin ich mir sicher.

Einerseits natürlich aufgrund der Optik – auf der typischen Ineke-Flasche ist ein alter Stadtplan von Paris abgebildet, der jeden Parisurlauber wehmütig an seine letzten Tage dort erinnern wird. Und dann natürlich das olfaktorische Moment – der Inhalt. Bereits mit dem letzten Ineke-Duft kündigte sich ja bereits ein Wandel an, was die Handschrift der Dame angeht. Muteten alle früheren Düfte eher leichtfüßig und luftig an, war Evening Edged in Gold bereits ein wunderbar atmosphärischer und moderner floraler Orientale mit üppiger Pflaume, der Reminiszenzen weckte an vergangene Tage. Auch Field Notes from Paris zielt in eine ähnliche Richtung, was man kaum vermuten würde, wirft man zuerst einen Blick auf die Ingredienzen:

Kopfnote: Koriandersamen, Orangenblüte, Bergamotte; Herznote: Tabakblätter, Tabakblüte, Patchouli, Zedernholz; Basisnote: Tonkabohne, Bienenwachs, Leder, Vanille.

Im Auftakt läßt sich die herbe Bergamotte noch deutlich erkennen, bald jedoch verweben sich jegliche Eindrücke zu einem dichten olfaktorischen Teppichtraum, der zwar einen hintergründigen Duftverlauf erkennen läßt, vielmehr aber so gut wie alle Ingredienzen in unterschiedlicher Intensität parallel präsentiert: Orangenblüte, die in ihrer Süße von dem honiglichen Bienenwachs sowie Vanille und Tonka verstärkt wird, dezente zitrische Herbheit, verhaltene Würze durch Koriander und Patchouli, ein paar versteckte Zedernakzente und, sehr deutlich: Tabak sowie eine cremige Ledernote.

Ineke Field Notes from Paris

Hier oszilliert es schillernd in einer sehr ungewöhnlichen Duftvielfalt und ich kann mir bestens vorstellen, was Frau Rühland hier mit ihren Pariser Cafés assoziierte: Das Flirren in der Luft, die Leichtigkeit des Seins, die Sonne, die einem bei einer riesigen Tasse Café au Lait die Nase kitzelt, vielleicht eine Schachtel Gauloises Blondes auf dem Tisch, für den einen oder anderen die Genußzigarette nach dem Croissant bei der Lektüre der Tageszeitung oder auch einem Modeblättchen…

F wie Famos. F wie „f“änomenal. Field Notes zieht bei mir ein – als erste Orangenblüte. Ich bin jetzt tagelang um diesen Duft herumgeschlichen. War mir auf den ersten „Riecher“ klar, daß es ein schöner und gut gemachter Duft ist, widmete ich mich zuerst weiteren Rezensionen, weiteren Tests, der täglichen Arbeit eben. Aber – er hat mich nicht in Ruhe gelassen. Tagelang habe ich ihn jetzt getestet und finde ihn wirklich unglaublich reizvoll und sehr besonders. Ich kann den Duft nicht nur jenen ans Herz legen, die Orangenblüten ohnehin schon mögen, sondern auch genau denen, die sie normalerweise eher meiden. Field Notes from Paris ist ungewöhnlich, für beiderlei Geschlechter sicher gleichermaßen gut geeignet und weist eine tolle Haltbarkeit auf. Vergleiche zu ziehen fällt mir bei diesem Duft wirklich sehr schwer – mir fällt nicht mal ansatzweise etwas ein, das ähnlich riechen könnte. Lediglich – die Tabak- und Bienenwachsnoten, das sei gesagt, sind ähnlich dicht vibrierend wie bei Parfums d’Imperfictions Alice in Wonderland sowie O Alquimista.

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Ihr den Duft findet und würde mich über Feedback sehr freuen!

Einen schönen Tag noch und

liebe Grüße,

Ulrike.

Bildquelle 1 und 2

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Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

4 Kommentare

  1. Mariela
    10. Januar 2012

    Liebe Uli,
    habe ihn gerade getestet und mich sogleich verliebt…ist der schön…mein nächster Kaufkandidat!
    Mir fällt auch kein passender Vergleich ein aber tatsächlich erinnert er mich etwas an O Alquimista. Vielen Dank für Deine tolle Beschreibung.
    Liebe Grüsse und hoffentlich bis bald.
    Mariela

  2. Ulrike
    12. Januar 2012

    Huhuu liebe Mariela,

    na das war ja mal ein später Fund 😉 Aber das macht es doch auch immer wieder herrlich, oder? Irgendwie geht ein Duft, manchmal gar eine Linie an einem vorbei, man stolpert irgendwann darüber, hat ja alles schon mal gehört, riecht mehr oder weniger erwartungslos an einem Flakon oder sprüht sich das Schälchen voll und – wenige Sekunden oder Minuten später erwischt es einen eiskalt und zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Kenne ich nur zu gut – und freut mich jedes Mal wieder, wenn ich auf diese Art und Weise einen Duft (wieder?)entdecke, der mir vorher durch die Lappen gegangen ist.

    Mich hast Du natürlich auch wieder angesteckt – bisher ist nämlich F auch noch nicht bei mir eingezogen, – ich hatte ihn schlicht vergessen, verdrängt, wie auch immer. Dabei finde ich ihn so toll. Ich glaube, er muss auf den Sommer auch noch her. Und dann kann ich mir bei der Gelegenheit gleich nochmals den Brombeertee von Ineke unter die Nase halten, der war auch richtig nett…

    Viele liebe Grüße zurück,

    die Uli.

  3. Marc Janssen
    7. April 2012

    also, ich bin der erster typ der hier über Fieldnotes schreibt…?! lustig 🙂
    Fieldnotes ist ein traum….
    Erste reaktion; huch, Minotaure (Paloma Picasso) :-/
    aber er hat mir tagelang „irritiert“ & fasciniert, hatt mich zum schmunzeln gebracht. Finde ihm frech, lustig, spannend, komplex und doch so „einfach“ schön. Für mich als kerl endlich eine neue duftrichtung nach soviele jahren die bloemig/würzig, maritime und oud düfte die schon lange den markt dominieren.
    Ein sehr einzigartiger duft,…passt nicht jeden ist das is PRIMA so!!
    lg aus Berlin

  4. Ulrike
    10. April 2012

    Ja, lieber Marc – Du scheinst der erste zu sein 🙂
    In der Tat kann ich es so gut verstehen, dass Dir Field Notes gefällt. Ich kann mir den Duft auch außerordentlich gut vorstellen an einem Mann, vorausgesetzt – es ist der richtige Mann dazu. Vermutlich haben viele Männer einfach auch Bammel vor derlei Düften – er ist schon sehr bienenwachsig, ähnlich wie Penhaligon’s Sartorial (das ist aber dann auch schon die einzige Ähnlichkeit). In jedem Fall freue ich mich für Dich, dass Du ihn gefunden hast!

    Viele liebe Grüße in die Hauptstadt –

    Uli.

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