Vesper Reverie von Electimuss – Träumerei am Abend

Mit Vesper Reverie von Electimuss begeben wir uns einmal mehr in die Antike, denn das Londoner Label hat eine gewisse Vorliebe für die Römer und die römische Kultur. Viele Düfte der Marke sind hiervon inspiriert und so auch unser heutiger Protagonist Vesper Reverie, der von einer antiken römischen Villa mit üppigen Garten- und Pflanzenfresken inspiriert ist.

Electimuss Vesper Reverie – grüner Parfumflakon in einer opulenten Stillleben-Komposition aus roten Blüten, dunklen Beeren, Granatapfel und moosigem Grün vor dramatischem Abendhimmel

Electimuss im Duft-Tagebuch

Die Marke Electimuss stammt aus London, auch wenn der Name an eine andere Herkunft und Epoche denken lässt. Denn die Römer und die Antike sind Inspirationsquelle für das Dufthaus, das 2015 von Luke Granger und Jason Collison gegründet wurde, ein paar Jahre später ergänzt durch Claire Sokell Thompson. Das Trio hat nicht nur ein Faible für die Römer, deren Legenden und Sagen, sondern auch für edle und extravagante Duftkompositionen aus hochwertigsten Rohstoffen. So handelt es sich bei allen Kreationen um Extraits de Parfum mit einer Konzentration von 25 % oder 30 %, die über eine intensive Präsenz und außerordentliche Haltbarkeit verfügen sollen.

Diese Worte stammen aus meinem ersten Beitrag über das Dufthaus Electimuss, den ich im Juli 2023 hier veröffentlicht habe und besser kann ich die Hintergrundinfos auch heute nicht zusammenfassen. Zwischenzeitlich hat Claire Sokell Thompson das Label wieder verlassen, alles andere scheint noch gleich geblieben zu sein, wie meine Nachrecherche ergeben hat. Wer noch mehr zu den Düften von Electimuss erfahren möchte, finden im Folgenden alle Artikel fein säuberlich aufgelistet:

Electimuss Vesper Reverie – grüner Parfumflakon mit goldenem Verschluss, umgeben von leuchtend roten Hibiskusblüten vor warmem Abendhimmel

Die Gartenfresken der Villa di Livia

Die Villa di Livia liegt im Norden Roms, in einem Bereich, der heute landwirtschaftlich genutzt wird. Aus diesem Grunde sind die Überreste des Gebäudes nicht komplett freigelegt und drohen mehr und mehr beschädigt und zerstört zu werden. Was allerdings von Archäologen ausgegraben wurde, offenbart Wunderbares. Ein Raum, Gartensaal genannt, mit bemerkenswerten bunten Fresken, die Vögel, Blumen, Bäume und Sträucher in einer idyllischen Szenerie darstellen. Die den Raum umgebenden wandfüllenden Fresken müssen den Eindruck einer echten Gartenlandschaft erzeugt und eine ganz besondere sommerliche Atmosphäre geschaffen haben.

Die Villa selbst war vermutlich im Besitz von Livia Drusilla, ihres Zeichens Gattin von Kaiser Augustus. Sie selbst stammt aus einer alten, einflussreichen und angesehenen Adelsfamilie und hatte den damals noch unter dem Namen Octavian fungierenden Triumvirn im Jahre 39 v. Chr. geheiratet. Pikant war, dass die damals im 6. Monat schwanger war, und zwar nicht von Augustus respektive Octavian, sondern von ihrem ersten Mann Tiberius Claudius Nero. Der war keineswegs gestorben oder sonst abhandengekommen, sondern wurde von Octavian direkt dazu aufgefordert, sich von Livia scheiden zu lassen, da dieser sich in sie verliebt hatte. Um dem ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, stimmte der geschasste Tiberius Claudius Nero dem Arrangement nicht nur zu: Er führte die Braut bei der Hochzeit auch noch zum Altar. Verstehe einer die alten Römer!

Vesper Reverie – Abendliche Schwärmerei

Die Kreation Vesper Reverie wurde von dem Parfümeur Arturetto Landi geschaffen, der hierfür die Ingredienzien Schwarze Johannisbeere, Mango, Pfirsich, Grüntee, Blutorange, Sternanis, maritime Noten, Champaka, Hibiskus, Maiglöckchen, Jasmin, Damaszener Rose, Magnolie, Iris, Bourbon-Vanille, Zuckerrohr, Adlerholz (Oud), Ambroxan, Ambra, Buchsbaum, Sandelholz, Leder und Moschus. In bester Electimuss-Manier wird einmal mehr nicht an Duftnoten gespart. Klotzen, statt kleckern ist die Devise des Labels und das können wir an dieser prachtvollen Liste definitiv ablesen.

Electimuss Vesper Reverie – Detailaufnahme des grünen Parfumflakons mit goldenem Verschluss und Emblem vor dramatisch gefärbtem Abendhimmel

Vesper Reverie von Electimuss im Test

Fruchtige Noten eröffnen Vesper Reverie: Pfirsich und Blutorange nehme ich wahr, Schwarze Johannisbeere auch unterschwellig. Die erwähnten maritimen Noten bringen eine zarte Salzigkeit und Leichtigkeit in den Auftakt, zeigen sich aber wirklich nur subtil. Von Beginn erschnuppere ich dunkle, holzige Noten im Hintergrund, die den Früchten eine geheimnisvolle, tiefgründige Aura verleihen. Das Opening ist keineswegs sommerlich, spritzig und unbeschwert, wie man es von einer Melange an Früchten erwarten könnte. Dem Auftakt wohnt eine gewisse Nachdenklichkeit und Erhabenheit inne.

Die dunklen Holznuancen treten im weiteren Verlauf weiter in den Hintergrund und verschwinden fast, dafür übernehmen die Blüten das olfaktorische Ruder. Hell, sanft, luzide, weniger cremig als pudrig und hier und da auch frisch unterstreichen sie die leichteren Facetten der Komposition, bis sich schließlich dunkel-vanillige, rauchige-süße und pudrig-kristalline Noten der Kreation eine neue Wendung geben. Oudige Akzente vereinen sich mit Moschus, Ambra und Sandelholz zu einem behaglichen, ledrig-holzigen Ausklang, dem erdige und dezent animalische Nuancen innewohnen.

Die Inspiration war eine sommerlich-unbeschwerte Gartenidylle, doch Vesper Reverie von Electimuss zeigt sich als erhabener, etwas ernster und tiefgründiger Mix aus Früchten, Blüten und Hölzern, der sehr elegant, erwachsen und geheimnisvoll anmutet. Die Kombination von Adlerholz und Früchten ist gerade sehr angesagt und das Extrait de Parfum von Electimuss bietet hier eine weitere spannende Variante. Weniger für die Arbeit geeignet, sondern eher eine Kreation für den Abend, zum Ausgehen oder auch die Freizeit, denn die Präsenz und Haltbarkeit sind ausgezeichnet. Habt ihr den Duft schon getestet?

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Julia Biró Verfasst von:

Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

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