Sirenide von Beaufort London nimmt uns mit auf eine Reise nach Schottland. Genauer: auf die Orkney-Inseln. Vor meinem Fenster peitschen Sturmböen durch unser Dorf. Alles ist mit Schnee bedeckt. Es ist grau, kalt und ungemütlich hier oben an der Ostsee. Dieses Wetter passt für mich gerade hervorragend zu einem Duft über die Orkneys, jene nördlich von Schottland gelegene Inselgruppe, die von grünen Wiesen, steil abfallenden Felsklippen, Sand- und Felsstränden und einem rauen Klima mit vielen Stürmen und Niederschlag geprägt ist. Auf den Orkneys hat die Legende der Selkies ihren Ursprung, maritime Fabelwesen, die die Inspirationsquelle für den Duft Sirenide waren.
Selkies – Mal Robbe, mal Mensch
Meerjungfrauen kennen wir vermutlich alle. Halb Mensch, halb Fisch, stehen Meerjungfrauen für Verlockung, Fantasie und eine romantisierte Vorstellung vom Ozean. Die Selkies hingegen entstammen einer ganz anderen Tradition – weniger märchenhaft, näher an Verlust, Melancholie und der rauen Wirklichkeit des Nordatlantiks.
Sie entstammen der Sagenwelt der sturmumtosten Inseln Schottlands und sind keineswegs ein Mischwesen, sondern Gestaltwandler. Im Meer leben Selkies als Robben, an Land können sie ihre tierische Haut ablegen und menschliche Gestalt annehmen. Ihr Robbenfell vergraben sie im Sand oder verbergen es zwischen Felsen. Es ist der Schlüssel zur Rückkehr ins Meer.
Genau dieser Wunsch prägt die Erzählungen rund um die Selkies. In menschlicher Form umgibt die Frauen stets eine leise Melancholie, eine tiefe Sehnsucht nach dem Ozean. Die alten Geschichten des Nordatlantiks erzählen davon ganz ohne Verklärung: still, nachdenklich, von Verlust durchzogen.
Sirenide von Beaufort London – Hommage an die Selkies
Für die olfaktorische Umsetzung des Gestaltwandlerdufts Sirenide engagierte Beaufort London den schottischen Parfümeur Euan McCall, der in Edinburgh lebt und arbeitet. Gemeinsam mit Chloe Mullen gründete er 2019 Jorum Studio, ein unabhängiges Duftlabor, in dem alle Kreationen vollständig im eigenen Haus entstehen. McCalls Weg in die Welt der Parfümeurie ist dabei kein klassischer. Er ist Autodidakt, geprägt von handwerklicher Praxis, vom Arbeiten mit Rohstoffen und von einer tiefen Verbundenheit zur schottischen Landschaft. Dies spiegelt sich auch in seiner klaren, oft kantigen Kompositionen wider.
Neben seiner Arbeit für Jorum Studio ist McCall auch für externe Projekte bekannt. So ist er unter anderem für die Neandertal-Düfte verantwortlich, die sich mit archaischen, ursprünglichen und mineralischen Themen beschäftigen. Auch die Force Majeure Collection aus dem Hause Beaufort London stammt aus seiner Feder – eine Linie, zu der auch Sirenide gehört und die sich mit den rauen Naturgewalten Schottlands beschäftigt (weitere Informationen findet ihr hier und hier).
Für Sirenide vereinte der Parfümeur Euan McCall die Ingredienzien Iris, Weißdorn, Mandel, Anis, Nymphaea (Seerose), Lotosblüte, Ambra, Atlas-Zedernholz und grüne Noten. Das Eau de Parfum wird als „angemessen beeindruckender Duft: kraftvoll und eindringlich, mit drei Aspekten von ‚Häuten‘, die sich auf Ihrer Haut entfalten.“ beschrieben. Klingt abenteuerlich, oder?
Wie duftet Sirenide von Beaufort London?
Grünlich-pudrig und ätherisch zeigt sich Sirenide, fast wie nicht von dieser Welt. Der Komposition wohnen markante Plastiknuancen inne, die von einer feinen, leicht scharfen Spannung durchzogen sind. Die aromatische Kühle von Anis ist deutlich wahrnehmbar, begleitet von einer hellen, cremigen Mandelnote. Als florale Akzente treten Seerose und Lotosblüte hinzu, die die maritim-salzigen Wasseraspekte der Inspirationsquelle Selkie aufgreifen. Hell, luftig, ätherisch und subtil aquatisch klingt das Eau de Parfum nach langer Zeit schließlich aus.
Wie viel Selkie steckt in Sirenide?
Natürlich steckt in dieser Kreation kein tatsächlicher Gestaltwandler – dennoch muss man sagen, dass Sirenide ausgesprochen eigenwillig und unkonventionell ist. Parfümeur Euan McCall bleibt seiner Linie treu und beweist einmal mehr, dass auch jenseits aktueller Trendströmungen außergewöhnliche und spannende Düfte entstehen können. Die Komposition ist in sich harmonisch und fein ausbalanciert. Auf meiner Haut entwickelt sich Sirenide mit der Zeit zu einem pudrig-cremigen, aquatisch-floralen, hellen und sehr runden Duftbild, das schließlich etwas zugänglicher wirkt. Hier gilt es vermutlich, selbst zu testen, wie sich das Eau de Parfum individuell auf der Haut entfaltet. Insgesamt ist Sirenide von Beaufort London eher kein Crowd-Pleaser, sondern eine Kreation für all jene, die das Außergewöhnliche suchen. Eine weitere spannende Komposition aus Schottland, die die bemerkenswerte Kreativität Euan McCalls eindrucksvoll widerspiegelt. Unbedingt testen.
Liebe Julia,
danke für die Vorstellung! Der klingt ja spannend, fast wie ein Zoologist aus dem Meer. Den muss ich unbedingt mal testen!
Bei „Gestaltwandler“ muss ich an die alte Serie „Fringe“ denken, die es leider nicht mehr gibt.
Wie interessant, dass der Jorum Chef hinter diesem Duft steckt, und auch hinter den Neandertalern. Ich meine, da hatte mir nur der Dark gefallen.
Jorum hat einige tolle Düfte, allen voran der einzigartige Gorseland 🥰
Liebe Grüße,
Kathi
Liebe Kathi,
sehr gern! 😊 Ja, Fringe habe ich damals auch mit großer Begeisterung geschaut. Das ist wirklich ewig her. Und Grimm dreht sich ja ebenfalls stark um Gestaltwandler, daran musste ich beim Schreiben auch kurz denken. Spannend, wie sich solche Motive immer wieder in ganz unterschiedlichen Kontexten zeigen – mal als Serie, mal als Duft.
Die Neandertal-Düfte sind wirklich besonders. Die beiden neuen is und was hab ich selbst noch nicht geschnuppert. Sobald ein Sample bei mir eintrifft, werde ich sie noch rezensieren.
Liebe Grüße
Julia
Liebe Julia,
Grimm hab ich bisher nie geschaut, ist mir aber vage ein Begriff. Jaa Fringe war damals einfach cool & Kult! So schade dass die Serie abgesetzt wurde.
Ah es gibt neue Neandertaler? Die kenne ich dann auch noch nicht 😉 Freu mich auf deine Rezension!
LG Kathi