Paris & Lugano – by Kilians Lemon in Zest und Noir Aphrodisiaque …

… klemme ich mir heute für Euch, meine Lieben, stellvertretend unter die Nase. Lange habe ich keine Düfte mehr von by Kilian rezensiert, die letzten Kreationen der Marke oder besser deren Besprechungen im Blog gehen definitiv auf das Konto von Julia oder Harmen. Grund genug, das Ruder einmal wieder an mich zu reißen – Vorhang auf also für Lemon in Zest und Noir Aphrodisiaque!

„In perfumery, it is as much about seduction as it is about protection.” Kilian Hennessy

See-Sehnsüchte – Lemon in Zest

Inspiration: Yellow and bright in dimension, Lemon in zest is addictive and citrus-drenched, evoking the popular Italian liquor Limoncello.

Fragrance story: The lemon’s almost sour skin is palatable with a splash of freshness from sweet and juicy zest of lemon. Warmth deepens in the heart of the fragrance, where sensual vanilla accord blends with orange brandy. Addictive vetiver and powerful patchouli define the drydown of this refreshing scent.“

Die Ingredienzen:
Vanille, Vetiver, Zitrone

Parfumeur: Alberto Morillas

RB 20190713 Lugano Nacht
Monster4711 / CC0

Lemon in Zest ist ein Mitglied der sogenannten Fresh Collection von by Kilian und soll uns, das verrät der Name bereits, nach Lugano ins Tessin entführen. Wäre ich dabei, Ihr auch? Dort muss es dank der schweizerisch-italienischen Mischung samt mediterran-norditalienischer Einflüsse recht hübsch sein. Und dann ist da noch der Luganersee – mmmhh. Ein Abend-Bildchen erschien mir diesbezüglich passend, denn in by Kilians Duftbeschreibung, die nur wenig ausführlicher ist als die Nennung der Duftnoten, ist von Limoncello die Rede sowie von Brandy, ergo …

Limoncello, wer kennt ihn nicht? Kein Italienurlaub ohne den pastellgelben Likör, ich würde fast soweit gehen zu sagen, dass es auch in hiesigen Gefilden kaum ohne geht beim Besuch eines italienischen Restaurants. Obschon – ich persönlich ziehe da meist einen Averna oder gleich Ramazotti vor, die Nummer sicher, denn Limoncello ist zwar unfassbar lecker, wenn es ein guter ist, kann leider aber mitunter enttäuschen. Ich erinnere mich noch an eine unglaublich grässliche Variante, die wie eine Mixtur aus Hustensaft, Hesperidenduschgel und (Toiletten)Putzmittel schmeckte – mir fährt es dabei bis heute eiskalt den Rücken runter … Kommen wir deshalb zu angenehmeren sinnlichen Genüssen, meine Lieben!

https://pixabay.com/de/photos/zitronen-zitrusfr%C3%BCchte-frisch-obst-1209309/

Lemon in Zest ist seit einiger Zeit auf der Haut gelandet und kann was, gar keine Frage. Auf den ersten Blick mag er den einen oder die andere nicht vom Hocker hauen, es lohnt aber, die Nase ein wenig länger gen Düftchen zu recken. Zitrisch und frisch, prickelnd, belebend, erfrischend selbstredend auch zeigt er sich. Zitrone, für mich auch herbe Noten, die mich eher an Bergamotte denken lassen, darüber hinaus eine sehr leise Süße, weniger Vanille als vielmehr … nun, die Süße kommt in einer Cremigkeit verpackt daher, das erinnert mich alles in allem eher an eine hübsche Creme. Sonnencreme? Ja, vielleicht, allerdings hat Lemon in Zest keinerlei tropisch-exotische Blümelein im Angebot und keine Kokosnoten oder ähnliches, weswegen er für mich in eine Richtung tendiert, die ich ohnehin viel lieber mag …

Erinnert sich noch jemand an Acqua di Parmas Blu Mediterraneo Italian Resort, die Spa-Serie? Da gab, Betonung liegt auf der Vergangenheit, ein herrliches Körperspray, das leider, so meine ich, immer noch nicht wieder aufgelegt wurde. Hier existiert eine gewisse Verwandtschaft, finde ich: jene schöne, erlesene und luxuriös anmutende Cremigkeit, subtile (Sonnen)Wärme und Zitrusnoten, eine zitrische Brise als auch in diesem Fall Prise in Form von einem Schlückchen Limoncello, sahnigem.

Lemon in Zest ist ein federleichter und schöner Sommerbegleiter und wird nicht nur das Herz derjenigen erobern, die Acqua di Parmas Düftlein vermissen!

Dunkles Verlangen – Noir Aphrodisiaque

Kilian Hennessy’s Inspiration: A chocolate overdose spiked with jasmine from India and luminous cedrat from Italy gives Noir Aphrodisiaque its sensual, aphrodisiac quality.

The Perfume: Italian bergamot sprinkled with warm cinnamon drives the opening, melting into the heart, cocoa absolute, jasmine and cypriol dispel inhibition. In a state of total surrender, a warm ambery syrup of Indonesian patchouli, Australian sandalwood, tonka bean and tolu balm spills over with rapturous indulgence.“

Die Ingredienzen:
Schokolade, Jasmin, Cedrat (Citrus Medica)

Parfumeur: Calice Becker

The Cellars, die Keller, ist der Name der Kollektion, der Noir Aphrodisiaque angehört. In dieser finden sich etliche Alkoholika, köstliche, es liest sich demgemäß eher wie ein Raritätenkeller, ein Weinkeller, einer, der darüber hinaus noch edle Destillate beherbergt … Alles in allem geht es im Vergleich zu Lemon in Zest aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dunkler zu, würde ich vermuten – alleine schon wegen der Keller-Assoziation als auch wegen des Namens, das schwarze Aphrodisiakum …

Ich hoffe ja, wenn ich Schokolade lese, ein wenig auf einen ähnlichen Duft wie Serge Lutens‘ Borneo 1834, den herrlichen kakaopudrig-zartschmelzend-schokoladig-düsteren Schönling mit seinen Kampfernoten, der mich immer an Joseph Conrads Roman Heart of Darkness erinnert.

https://pixabay.com/de/photos/botti-decke-lichter-keller-wein-329366/

Nicht ganz, aber dennoch unglaublich lecker, wenngleich … unerwartet 😀 Schokolade, und zwar flüssige, irgendwo bei, ich würde sagen um die 50, 60 Prozent Kakaoanteil. Mein erster Gedanke – Lebkuchen. Lebkuchen mit doppelt und dreifach so dickem Schokoladenmantel, denn es würzt im Hintergrund gebäckartig und verlockend süß. Im weiteren Verlauf schwächt sich dieser erste Eindruck etwas ab, unser Lebkuchen tritt etwas in den Hintergrund, dennoch bin ich noch immer bei Gaumenfreuden hängengeblieben … Tartufo? Nein, zu warm dafür. Torta Formosa, jener an Schokoladenmousse erinnernde gehaltvolle italienische Kuchen – das kommt schon eher hin. Oder dann doch gleich Death by Chocolate, jener browniehafte Schokoladenkuchen mit flüssigem Schokoladen-Kern.

https://pixabay.com/de/photos/brownie-kuchen-gl%C3%BCckwunschkarte-4020349/

Das Wörtchen Schokolade habe ich für heute überstrapaziert, das sehe ich wohl ein. Aber Noir Aphrodisiaque ist eben genau das – Schokolade satt. Dunkle, kakaopudrig bestäubte, zarte, halb flüssige Schokolade, die auf der Zunge zergeht beim Schnuppern des Duftes. Ich kann sie schmecken, wirklich. Und habe jetzt unglaublich Lust auf … Schokoladeneis.

Wer Angst bekommen hat, dass Noir Aphrodisiaque zu süß sein könnte, kann getrost seine Zweifel über Bord werfen – mitnichten. Ein erwachsener Gourmand-Vertreter, den ich mir ehrlicherweise nicht nur an Frauen, sondern auch an manchen Männern vorstellen kann. Und er ist sooo köstlich …

Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende

Eure Ulrike – auf dem Weg zur Tiefkühltruhe 😉

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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