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Pitti Fragranze 15 – Teil 3

Und weiter geht es mit der Pitti ūüôā

Florentinische Spezialitäten РMirko Buffini

Der letzte Artikel fand seinen Abschluss mit einer typischen Marke aus Florenz, Farmacia SS. Annunziata. Neueren Datums und ebenfalls in Florenz beheimatet ist Mirko Buffini, ich hatte Euch bereits letztes Jahr √ľber die Marke berichtet. Ich mag sie ausnehmend gerne und wei√ü immer noch nicht wirklich, weshalb sie in Deutschland noch nicht breiter vertreten ist. Eine Kollektion sehr sch√∂ner D√ľfte, originell und innovativ, aber tragbar. Man spielt wohl mit dem Gedanken, eventuell ein Gesch√§ft zu er√∂ffnen vor Ort – das ist eine Erkl√§rung daf√ľr, dass jetzt ordentlich „nachgelegt“ wurde mit einer demn√§chst erscheinenden neuen Kollektion. Wieviele D√ľfte waren es? Zehn, und alle in gewohnt exzellenter Qualit√§t. Das Thema ist Finnegans Wake von James Joyce, alle Namen orientieren sich an diesem Klassiker der Weltliteratur.

La Chute d’Eau ist keine Neuheit, daf√ľr st√§ndig ausverkauft. Der Name hei√üt √ľbersetzt soviel wie Wasserfall, hat etwas mit „nude“, ergo Nacktsein zu tun … ich denke an Brooke Shields Lagunenm√§rchen im Gegensatz zum Dschungelcamp, nackt unter dem Wasserfall stehen, Ihr wisst schon … ūüėČ In jedem Fall ist es ein tolles EdC mit Ankl√§ngen von Neroli, milchigen Noten und einem wunderbar weichen „Boden“ aus Ambrettesamen und Moschus.

Hier etwas, das viele von Euch erfreuen d√ľrfte – ein „Probenset“ des Hauses mit 10ml-Gr√∂√üen, insofern auch keine „Proben“ in dem Sinne. Ich denke, dass sich viele Parfumistas so etwas w√ľnschen, man hat ja schon zig Flaschen zu Hause stehen, manchmal m√∂chte man einen Duft einfach nur in Klein(st)gr√∂√üe f√ľr bestimmte Gelegenheiten besitzen. Ich wei√ü, es ist aufwendig und teuer f√ľr die Marken, so etwas herzustellen – aber ich bin mir sicher, dass es ankommt. Wie steht Ihr dazu?

Leider schlecht beleuchtet, aber das Wichtigste ist „drauf“: Unten die „alte“ Kollektion, oben die Neuen in transparentem Blau gehalten.

Baruti …

oder vielmehr der Mann dahinter, unser Freund Spyros, hatte keinen Stand auf der Messe, war aber wie viele andere dennoch vor Ort und hat mir in der Cafeteria verraten, was uns als n√§chstes erwartet – Raumd√ľfte! Ich habe sie gleich abfotografiert, obschon es noch ein bisschen dauern wird, bis sie in den Handel kommen.

Ein Oudduft ist dabei, dann war ein Wei√übl√ľher darunter, Nummer drei ist mir gerade entfallen, weil mich Nummer vier so begeistert hat: Rooibos/Roibusch und Honig. Spyros fragte mich, was ich von den Flaschen halte – wie findet Ihr sie? Ich pers√∂nlich finde sie cool, auch wenn sie in ihrer Optik an Reiniger oder √§hnliches erinnern. Moschino hat es auch getan, in der Nische geht das allemal durch, zumal: Bei einem Raumspray interessiert mich in allererster Linie, ob der Spr√ľhkopf gut verteilt und spr√ľht (check: tut er), die Flasche selbst dient bei mir nicht der Pr√§sentation in Form eines „Schmuckst√ľcks“. Davon ab – wie gesagt, ich finde die Optik witzig, meines Erachtens nach passt es zu einer Indie-Marke. Wie seht Ihr das? Verwendet Ihr Raumsprays?

Ulrich Lang …

… war auch hier – der geb√ľrtige Schwabe, der dort herkommt, wo Harmen heute lebt, war schwer besch√§ftigt. Das musste ich nat√ľrlich festhalten – Zeit f√ľr ein Schw√§tzchen gab es sp√§ter auch noch, allerdings war kein neuer Duft Thema, diesbez√ľglich m√ľssen wir uns wohl gedulden ūüôā

Technique Indiscr√®te …

… ist eine Indie-Marke, die man selten sieht in Parf√ľmerien. Leider. Ich mag die Kollektion von Technique Indiscr√®te ausnehmend gerne und besitze auch einige D√ľfte des Belgiers, der auch Mode macht. Einige ausgesprochen sch√∂ne Chypres mit Vintage-Charakter geh√∂ren dazu (Paname Paname und Plaisir d’Amour), Veloutine, ein herrliches Veilchen-Leder mit Beerennoten, Indiscr√®te, ein f√ľr mich ganz untypischer Duft, der … fr√∂hlich, √ľberaus fruchtig und sommerlich ist. Santa Subita ist ein Vollblutweihrauch, D√©livre Moi ein wahnsinnig sch√∂ner Eukalyptus-Honig mit Wei√übl√ľhern und Mandel. Einige f√ľr mich neue D√ľfte gab es auch, die ich allerdings erst in Ruhe zu Hause testen muss.

Lackliebe – Ferdua

… sind ein Familienunternehmen und fertigen Nagellacke, die nicht nur √∂kobewusst sind sowie tierversuchsfrei, sondern zudem eine tolle Deckkraft besitzen und eine exzellente Haltbarkeit aufweisen. Wer kennt es nicht – viele Lacke splittern gerne schon nach kurzer Zeit und/oder m√∂chten in zehn Schichten aufgetragen werden, um richtig zu decken. Das nervt, weil es unfassbar viel Zeit kostet. Zumal frau nicht den ganzen Tag unt√§tig herumsitzen kann, bis der Nagellack dann mal gedenkt, fest zu sein … Die Farbpalette ist toll und der Stand auf der Pitti war es auch.

Herrlich d√ľster – Beaufort London

Leo hatte einen Neuling mit im Gep√§ck, der in gewohnt sinistrer Aufmachung daherkommt, und zwar qualitativ erwartungsgem√§√ü ausf√§llt (n√§mlich richtig gut), aber erstaunlich „zahm“ ist – f√ľr die Verh√§ltnisse Beauforts ūüėČ

Iron Duke hei√üt er, und bildet den Auftakt zu einer neuen Linie namens Revenants. Die bisherigen D√ľfte geh√∂ren zu der Come Hell Or High Water-Linie, Iron Duke ist der erste Vertreter der Revenants:

„‚ÄėREVENANTS‚Äô presents a collection of olfactory impressions of figures from Britain‚Äôs past. Characters from our history whose presence lingers, subtly.

Vol 1 ‚Äď ‚ÄėIron Duke‚Äô is a tribute to Arthur Wellesley, Duke Of Wellington (1769 ‚Äď 1852). Here, perfumer Julie Dunkley has created a strikingly powerful fragrance with animalic depths ¬†‚Äď an apparition of the celebrated horseman, warrior politician and sartorial pioneer.“

Die Vertriebsmitarbeitern am Stand betonte, man w√ľrde bereits alle Zutaten auf dem Werbefoto sehen k√∂nnen als da w√§ren: Leder, Tabak, Schie√üpulver und ein Quentchen Tier.

Jovoy zeigte sich umtriebig …

… und hatte viel Neues am Stand – allerdings wird uns einiges davon leider (erst einmal?) nicht erreichen. Eine limitierte (?) und bisher nur in Frankreich zu erwerbende Rosensch√∂nheit zum Beispiel:

Dar√ľber hinaus haben Jovoy einen netten Contest veranstaltet, den ich mir f√ľr uns auch w√ľnschen w√ľrde in Deutschland:

„In 2017, Jovoy Parfums Rares, in collaboration with its official exclusive distributors and retailers in Iran and Italy, has launched an artistic project with the aim of creating perfumes for each country. Their first perfum was created for Italy to be sold exclusively there.

4 perfumers – Amelie Bourgeois, Andrea Casotti, Anne Sophie Behaghel and Thierry Bernard – participated in #What Matters is Inside Contest to translate in perfume what Italian people care and love in scents.

All 4 creations were presented in stores for customers to vote. Andea Casotti won the contest.“

Diese bunte Collage ist das Ergebnis dessen, was sich Kunden als Parfum gew√ľnscht hatten und war Vorgabe f√ľr die Parfumeure. Geplant ist es, diese Aktion auch auf andere L√§nder auszuweiten, in denen Jovoy vertreten ist.

Einen Neuling, den wir alsbald auch bekommen d√ľrften, war Incident Diplomatique, ein Vetiver mit Mandarine in der Kopfnote.

Einem neuen Trend folgt Laurent Mazzone …

… mit seiner neuesten Sch√∂pfung, Veleno Dor√©. Zumindest sehe ich ihn, diesen Trend – Gourmandd√ľfte, die sich Edelalkoholika widmen. Davon gibt es schon einige, aber bei weitem nicht genug, wie ich finde. In letzter Zeit habe ich das Gef√ľhl, dass das zunimmt – mir soll es recht sein, ich mag derlei Aromen, vor allem Rum. Das hat vielleicht dazu gef√ľhrt, dass meine Fotos von Mazzones wie immer aufwendigem Stand nicht so dolle sind, denn der Neuling hat es mir sehr angetan: ein Tabakduft mit einer raumgreifenden Note k√∂stlichen Rums samt trockenfruchtiger Ankl√§nge. Sehr sehr sch√∂n, ich muss ihn gleich testen, wenn er bei uns im Shop landet!

Heeley – Fotoscheu …

… war man bei dem Engl√§nder am Stand, was ich auf einer Messe immer so gar nicht nachvollziehen kann: Wieso sollte man einen Messeauftritt nicht fotografieren d√ľrfen? Das dient doch der Berichterstattung und ist insofern Werbung, oder nicht? Egal. In jedem Fall gibt es einen neuen Duft von James Heeley, eine Kooperation mit dem Fashionlabel Maison Kitsun√©, der auf den Namen Notes de Yuzu h√∂rt:

„An irresistible, eclectic mix – Note de Yuzu contains the energy and zest of Japanese yuzu layered over aquatic, marine notes. It‚Äôs immediate fruity freshness will soften to reveal a sensual saltiness on the skin, reminiscent of a traditional Japanese yuzu bath.

Created for Maison Kitsun√© in collaboration with Masaya Kuroki and Gildas Loa√ęc this perfume is a multicultural blend of English, French and Japanese notes.“

„Paris meets Tokyo. In a radiant Yuzu bath.“ So steht es auf Heeleys Webseite. Und es passt – genauso wie die Farbe, denn der Duft ist strahlend (und k√ľhl) GELB. Modern, minimalistisch und zitrisch, aber eben mit Yuzu, jener tollen Hesperidenfrucht, die viel h√§ufiger in der Parf√ľmerie in Erscheinung treten sollte!

… was das Nackedei dort soll? Keine Ahnung ūüėČ Und Kitsun√© kenne ich nicht gut genug, um es (besser) zu verstehen. Macht aber nichts, den Duft mag ich ūüėČ

Mein Messepulver ist noch nicht verschossen, bald geht es weiter, meine Lieben – jetzt w√ľnsche ich Euch aber zuallererst ein sch√∂nes Wochenende!

Viele Gr√ľ√üe

Eure Ulrike

[Bildquelle Vorschaubild: AKAstudio – collective]

Neueste Kommentare

Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem √Ąsthetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalit√§t, Design und Herzblut zu √ľberzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Qu√§ntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen ‚Ķ Ich bin der Nischenparf√ľmerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem ‚Äď oder vielmehr: einem ‚Äď neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung m√∂chte ich gerne mit Euch teilen!

2 Kommentare

  1. Christel
    3. Oktober 2017

    Ich bin inzwischen ein gro√üer Fan von kleineren Abf√ľllmengen, aus den von Dir schon angef√ľhrten Gr√ľnden (Platzmangel, 100-ml-Flaschen krieg‘ ich nie aufgebraucht … ), und grad 10-ml-„Travelsizes“ finde ich ganz prima (genau, danke Edition F. Malle). Au√üerdem ist da eher mal ein „Spontankauf“ im Budget ūüôā …
    Bei Sets sind dann aber meist auch D√ľfte enthalten, die mich nicht wirklich interessieren – und z.B. 5 x 10 ml sind dann preistechnisch meist richtig teuer. Gute Idee: die frei mischbaren Proben- und Explorersets von Andy Tauer (macht die Sache nicht g√ľnstiger, aber ich habe wirklich die D√ľfte, die mich interessieren).
    Viele Grße, Christel

  2. Avatar photo
    Ulrike Knöll
    25. Oktober 2017

    Hallo liebe Christel,

    ich denke, dass Du exemplarisch die W√ľnsche der meisten Parfumistas beschrieben hast. Ich glaube wirklich, dass es das Anliegen vieler ist, die Kiste mit den frei zusammenstellbaren „Proben“-Sets bzw. Travellergr√∂√üen. F√ľr viele kleinere Hersteller ist es allerdings leider schlecht machbar, weil letztendlich in der Herstellung der Preis in vielen F√§llen fast derselbe ist, sich aber kaum auf den Verkauf √ľbertragen l√§sst. Dennoch – ich w√ľrde mir auch mehr Kleingr√∂√üen w√ľnschen.

    Viele liebe Gr√ľ√üe

    Uli

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