Drei auf einen Streich – die neuen Düfte von Oliver & Co.

Der Name Ambergreen mag manchem Nischenduftliebhaber bekannt vorkommen. Zurecht, denn dieser Duft von Oliver & Co. wurde bei den Duftstars 2017 von der Fragrance Foundation in der Kategorie „Best Artistic Independent Perfume“ ausgezeichnet. Voller Freude kann ich die frohe Kunde verbreiten, dass es diesen Preiskrönling nun ganz frisch bei Aus Liebe zum Duft zu erwerben gibt. 🙂 Den meisten Düften des spanischen Dufthauses Oliver & Co. hat sich Uli bereits vor einiger Zeit hier im Duft-Tagebuch angenommen (nachzulesen hier, hier und hier). Heute möchte ich die Düfte Vaninger und Gincense sowie den genannten Ambergreen rezensionstechnisch versorgen.

Das spanische Dufthaus Oliver & Co. existiert seit 2009 und wurde von Oliver Valverde (s. o.) in Madrid gegründet. Valverde ist ein reiner Autodidakt und war vor seiner Tätigkeit als Parfümeur für akustische Kreationen zuständig. Als Toningenieur und DJ mischte er in den späten 1990ern Klänge und Töne und erschuf so neue Melodien. Für einen kreativen Kopf wie Valverde war der Schritt ins olfaktorische Metier nur nahe liegend.

Oliver & Co. widmet sich der beständigen Suche nach Qualität und Abgrenzung. Alle Parfums werden in Spanien aus erstklassigen, reinen und natürlichen Materialien aus aller Welt sowie aus synthetischen Noten hergestellt, entwickelt von den angesehensten Parfumlabors. Oliver & Co.s Kompositionen sind absolut erstaunliche und unkonventionelle Duftkreationen. Die Kraft der natürlichen Inhaltsstoffe verändert auf ganz bestimmte Weise die wunderbaren künstlichen Moleküle.

Diese Parfums riechen nicht einfach nur gut, sondern sind tatsächlich Düfte, die unseren Geist berühren. Harmonische Düfte mit einem subtilen, fast linearen Verlauf. Düfte mit lang anhaltender Wirkung, einer echten Dufterfahrung, wie sie nur von ein paar wenigen Düften erreicht wird.

Ambergreen – die grüne Ambra

Das preisgekrönte Meisterwerk trägt einen Namen, der auf Englisch wie Evergreen klingt und auf Deutsch wie grüne Mamba sich aus seinen Hauptbestandteilen zusammensetzt: Ambra und Grün. Eine gewagte Mischung, wie ich finde, aber für genau diese Art von Vabanquespiel stehen ja Oliver Valverde und seine Kreationen. Für Ambergreen versammelt der parfumschaffende Toningenieur eine Vielzahl von Ingredienzien: Ambra, Kräuter, Basilikum, Koriander, Feigenblätter, Galbanum, Gras, Grüner Pfeffer, Mandarine, Guajakholz, Hedion, Iris, Grüne Noten und Shisoblätter. Wie zu erwarten recht grün. 😉

Eine grüne Bombe aus äußerst frischen und kühlen Noten, die aus der Ambra steigen und diese außergewöhnliche Kreation beschreiben. Die Stabilität und Ausbreitung des Ambroxans und andere Moleküle beschwören Amber und gereifte Ambra, die einen verlockenden Duft erzeugen, der wiederum eine üppige Dosis Blätter und Kräuter vor sich hertreibt und in eine leuchtende grüne Aura zerstiebt.

 

Oliver & Co. – Ambergreen Frisch aufgesprüht zeigt sich die grüne Bombe auf meiner Haut deutlich grün und krautig. Der Duft zerriebener Blätter und Kräuter, gespickt mit dezenter Pfefferschärfe und subtiler Minzfrische, durchdrungen von einer angenehmen Herbheit. Gleichsam wohnt Ambergreen eine zarte Seite inne: weiche und cremige Noten, die ich Iris und Ambra zuordne, verleihen dem Duft einen sanften Touch, trockene und helle Holznoten sorgen dafür, dass Ambergreen nicht in eine dämpfig-düstere Dschungelatmosphäre abgleitet. Nein, die grüne Ambra ist ein lichtdurchflutetes Duftkunstwerk. Helles leuchtendes Grün, eine saftige grüne Wiese im Sonnenschein, Brennnesseln am Wegesrand, ein Kräutergarten in voller Pracht, eine lichterfüllte Waldlichtung. Ambergreen ist ein äußerst komplexes grünes Gemisch, ein dicht gewebter olfaktorischer Teppich. Sicherlich kein Duft für jedermann, wer aber auf kantige grüne Düfte steht, sollte Ambergreen auf jeden Fall testen. 🙂

Oliver & Co. – Vaninger

Wieder ein Name, der meiner Fantasie Flügel verleiht und mich schwer an Kluftinger erinnert, jenen Allgäuer Kommissar mit den oftmals skurrilen Fällen. Der Name lässt sich auch richtig schön süddeutsch und guttural im Rachen aussprechen: Wanningrrh. Toll! 🙂 Doch dieser Vaninger ist kein Cousin des kauzigen Kluftingers und keine Hommage an die süddeutsche Aussprache, sondern setzt sich vielmehr aus den Ingredienzien Vanille und Ingwer zusammen. Oliver Valverde scheint ein echter Freund von Wortzusammensetzungen zu sein und ist damit bestimmt auch beim Scrabble äußerst erfolgreich. 😉

Die balsamische Vielschichtigkeit der Vanille vermischt sich mit der scharfen Würzigkeit von frischem Ingweröl. Das ist die Bedeutung von Vaninger. Süße wird pikant und andersherum. Der Duftkontrast wird vom luftigen Schimmer von Hedione und der Fluffigkeit von Heliotrop bedeckt, die sich warm miteinander verweben, die Komposition abrunden und sie zu einem süchtig machenden Parfum werden lassen.

 

Oliver & Co. – Vaninger Duftnoten: Ambroxan, Benzoeharz, Ingwer, Hedion, Heliotrop, Kumquat, Zitrone, Ise E Super, Tolubalsam, Kurkuma, Vanille, Weißer Moschus.

Vaninger startet mit deutlichen und recht authentischen Ingwernoten, deren zitrische Schärfe alsbald von cremiger Vanille untermalt wird. Eine herbe Hesperidenfrische gesellt sich im weiteren Verlauf zu den vanillig-balsamischen Ingwernoten und verleiht ihnen Luftigkeit und Leichtigkeit. Auch Vaninger zeigt sich als komplexe Kreation, der Duftverlauf ist zwar anfänglich wahrnehmbar, aber irgendwann vereinen sich die einzelnen Zutaten zu einem olfaktorischen … Teig. Diese Assoziation kommt sicher nicht von ungefähr, denn Vaninger riecht für mich wie ein Gebäckstück. Zitrone, Ingwer und Vanille verschmelzen zu einem leckeren und köstlichen Gourmandteilchen. Vor meinem inneren Auge sehe ich einen Doppeldecker aus zwei vanilligen Ingwerkeksen mit fluffig-leichter Zitronencremefüllung. Als Duft mag die Kombination von Ingwer, Vanille und Zitrusfrüchten eine abenteuerliche Mischung sein, aber Fans von ungewöhnlichen gourmandigen Zitrusdüften werden an Vaninger mit Sicherheit ihre Freude haben. 🙂

Gincense – der weihrauchige Ingwer

Ein weiteres Frankensteinsches Wortmonster ist der letzte Duft des heutigen Tages: Gincense. Wer beim ersten Hinsehen hofft vermutet, dass sich dieser Duft um Gin, also Wacholder(schnaps), und Weihrauch drehen könnte, den muss ich leider eines Besseren belehren. Weihrauch stimmt zwar, doch der erste Wortteil kommt von Ginger, also Ingwer. Noch ein Ingwerduft am heutigen Tage. Gut, dass ich Ingwer mag. 🙂

Erdig, scharf, nadelholzig, grün, moschusartig, frisch … dank seiner ungewöhnlichen Duftkomposition, die hohe Dosen an Ingwer- und Weihrauchöl enthält, – deswegen der Name „Gincense“. Oliver & Co. haben die Wahrnehmung einer der spirituellsten Düfte neu definiert.

Oliver & Co. – Gincense

Duftnoten: Aldehyde, Ambra, Lorbeer, Bergamotte, Galbanum, Ingwer, Weihrauch, Zypresse, Labdanum (Zistrose), Maritime Noten, Gewürze, Veilchenblätter, Weißer Moschus.

Gincense beginnt überraschend süßlich fruchtig und floral, doch schnell kommen herbere, dunklere Noten hinzu und überrollen den zarten Auftakt dieses Duftes. Gewürzig, ledrig, rauchig und düster zeigt sich Gincense und erinnert mich damit an ein altes Gemäuer mitten im (Nadel-)Wald, dunkel und feucht, vom Verfall bedroht. Vielleicht ein verlassenes Kloster, dessen kühle und marode Steinwände langsam von den erdig-dunkelgrünen Noten des Waldes überwuchert werden. Im Hintergrund deutlich wahrnehmbar ist die charakteristische scharfe Zitrusnote des Ingwers, der dem Weihrauchduft Frische und Leichtigkeit einhaucht. Gincense verlässt die große Dunkelheit, wird etwas heller, transparenter und trockener. Pudrige Moschusnoten und sauber-salzige maritime Noten untermalen den Weihrauch und besänftigen ihn auf ungewöhnliche und faszinierende Weise.

Damit schafft es Gincense in meinem persönlichen Duftranking dieses Blogartikels auf den ersten Platz. Diese Weihrauch-Ingwer-Kombi gefällt mir wirklich ungemein gut, obwohl modrige Gemäuerdüfte mit Räucherstäbchenaroma sonst nicht so mein Ding sind. 😉 Dieser hier ist aber anders, leichter, weniger gruftig (was an dem fehlenden Patchouli liegen mag). Gincense ist in sich ruhend, ein besinnlicher Duft. Kontemplativ, meditativ und harmonisch. Wahrlich eine tolle neue Definition des Weihrauchs. 🙂

Kennt Ihr die drei Düfte? Welcher schafft es bei Euch aufs Dufttreppchen?

Damit sei es genug für heute und ich verabschiede mich von Oliver & Co. und Euch, meinen lieben Lesern. 🙂

Einen schönen Tag wünscht
Steffi

Neueste Kommentare

Julia Biró Verfasst von:

Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

6 Kommentare

  1. 15. August 2017
    Antworten

    Vaninger, definitiv! Weich, aber nicht zu süß. Die Düfte von Oliver sind so angenehm unaufgeregt und nicht so bemüht besonders wie so viele grade. Hab bisschen gebraucht, um mit ihnen warmzuwerden, aber inzwischen schätze ich sie sehr. Ich bin halt ein Fan von synthetischen Molekülen, vor allem, wenn sie so schön verpackt werden 😉

    LG, Angi

  2. Avatar photo
    Ulrike Knöll
    17. August 2017
    Antworten

    Ich kann mich, ehrlich gesagt, kaum mehr an die Kollektion erinnern, obschon ich die letzten beiden Düfte definitiv auf einer Messe in Italien getestet hatte … muss ich wohl nochmals nachholen 😉

    Angi, was für Moleküle magst Du denn sonst noch? 🙂
    Kennst Du den efflor_esce von Nomenclature? Ich komme da ja gleich wieder ins Schwärmen, das Captive Paradisone ist SO toll!

  3. 18. August 2017
    Antworten

    Liebe Angi,

    Du sprichst mir voll aus der Seele. Auch ich habe etwas gebraucht, um mit den Düften von Oliver & Co. warm zu werden. Aber wenn sie einen mal an der Angel haben, kommt man nicht mehr los. 🙂

    Liebe Grüße,
    Steffi

  4. Dietmar Fischenich
    3. Oktober 2018
    Antworten

    Ich wollte heute den Flagship Store von Oliver kennen lernen – an der Adresse wie auf der Homepage beschrieben: Fehlanzeige! Kein Geschäft mehr vorhanden , Sprachmailbox voll! Da hat wohl ein Dufthaus aufgehört zu existieren. Schade!
    Noch trauriger, dass man falsche Informationen nicht vom Netz nimmt

  5. Avatar photo
    Ulrike Knöll
    9. Oktober 2018
    Antworten

    Hallo lieber Dietmar,

    die Marke gibt es noch, das kann ich Dir versichern! Es tut mir sehr leid, dass Du solch eine Erfahrung gemacht hast. Ich habe Oliver Valverde angeschrieben hinsichtlich des Shops – ich poste Dir mal seine Antwort:
    „Hello Ulrike, we announced that we are going to be closed for a period while we move everything to Berlin. On the google page it says “close permanently”. And on the website it says – We’ll be back soon. We will be back as soon as we set up everything in Berlin.“
    Vielleicht ja das nächste Mal in der Hauptstadt? Bis dahin versorgen wir Dich gerne 😉

    Viele herzliche Grüße

    Ulrike

  6. 9. Oktober 2018
    Antworten

    Als ich den Duft zum ersten Mal roch hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Eine Kollegin von mir trug ihn und wieder einmal bestätigt sich, dass das Parfum auch zum Träger bzw. Trägerin passen muss. Mir wurde der Duft zum Geburtstag geschenkt. Trotz Skepsis, aber mit der Neugier probierte ich ihn an mir. Mein Mann, mein Umfeld und schlussendlich ich selbst waren begeistert. Von Berufswegen nutze ich andere Düfte, aber dieser ist wirklich toll.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert