Simone Andreolis Kollektion …

… durfte ich das erste Mal in Mailand auf der Esxence bewundern dieses Jahr: Vor einiger Zeit ist sie endlich bei uns im Shop gelandet und bisher leider etwas untergegangen in der fast unendlichen Menge an Neuerscheinungen – zu Unrecht, meine Lieben! Deshalb ändern wir das die nächsten Tage. Eine Gemeinsamkeit haben wir in jedem Fall schon einmal – die Kollektion trägt den Untertitel „Diario Olfattivo“, „Dufttagebuch“, und ist in verschiedene olfaktorische Kapitel eingeteilt. Den Anfang macht heute das 1. Kapitel „Synaesthesia of Scents“ getauft:

„Compositions that are born from ink soaked into coarse pages which marks afternoons aboard a sailing boat or the morning dawn on a balcony. They are walks by the sea, summer days and autumn afternoons revealing scents of brisk, fresh tones, full of life.“

Drei Düfte sind bisher Teil dieses Kapitels von Simone AndreoliDeep Island, Business Man und Moorea.

Deep Island ist unser erster Kandidat:

deep_island_profumo„Captured by the smoke, I question my depths to search for the most lost essence of my person: my soul. I cannot find clear answers, but I surf the dark of this inner peace that seems to guide me like a master in every fragment of my heart.

In this assiduous quests, I feel hosted in an oasis parallel to the world, where time stops and all refrains from haste and frenzy and becomes balance of silence, balance of senses.“

Von innerem Gleichgewicht ist die Rede, dem Simone, ein Er, mit Myrrhe und Moschus olfaktorischen Ausdruck verleiht. Wo von Balance die Rede ist, psychischer, denke ich automatisch an einen kontemplativen Duft, einen Duft, der ausgleicht, harmonisch ist, denke an zarte Harze, an Düfte wie … Costes, den Signature, Greylands von Montale, einige Düfte von Miller et Bertaux.

Der Tagebucheintrag zu Deep Island:

„I leave the look at my back while I drift away from Hiroshima, aboard this ferry which sails waters witnessing a time unspoilt in its abyss. I begin to glimpse the imposing Tori of the Itsukushima Sanctuary in the distance, where spirits and men live together in respect of ancient Japanese culture.

Mitsuko walks with us, with elegant and good posture, silky hair and a vivid brown horizon in her eyes.The pagoda welcomes and invites us to take away the heavy garments, letting us wear the essential only. The pagoda clothes itself with us and whispers our anxieties away, blowing them into exile from our present time.

I realise I am not rising through those suffused hallways anymore; I am slowly descending without seeing myself. Then I no longer distinguish between shadow and light.I become a distorted figure, blurred, who looks for itself amongst myrrh and musks.

I remember a sense of loss and of order in a mind troubled with doubts and uncertainties. Then, all of a sudden, clarity and temperance in the balance of research. Here is the quietness of my heart, aimed at listening to this island which speaks of itself with tired words that cherish its inwardness.“

Deep Island zielt in der Tat in eine sehr ähnliche Richtung: Von einem reduzierten, minimalistischen Charakter zelebriert Deep Island mineralische Anklänge, die an helles Gestein erinnern, vom Wasser weich geformt. An sachte Gischt, die über Sand huscht, von der Sonne gewärmt. Sanfte Würze von Myrrhe, wärmend und freundlich, verschmilzt mit kuschelweichem Moschus. Zitrische Akzente meine ich wahrzunehmen, darüber hinaus verströmt Deep Islands eine gewisse Frische, Für mich ist der Duft eine Mischung aus Grau, Sandfarben und Wollweiß, ein Seelenschmeichler, für Männlein wie Weiblein gleichermaßen tragbar und ein ausgewiesener Immergeher. Er mutet für mich an wie ein Kaschmirpullover, er umhüllt, stärkt und beruhigt.




Ich hatte es erst neulich mit guten Bekannten davon, als wir über Parfums sprachen: Meiner Meinung nach braucht jeder einen, gerne auch mehrere – und zwar Düfte, die jederzeit und für jede Gelegenheit gemacht sind. Düfte, die man sich nicht erarbeiten muss, die nicht hochkomplex sind und/oder „Kracher“, ob nun hinsichtlich der Sillage oder der Aussagekraft. Wir alle haben unseren Alltag und wollen, meiner Meinung nach, nicht immer für den großen Auftritt parfümiert sein. Somit haben Düfte, die einem einfach „nur“ schmeicheln, die immer passen und ein Wohlgefühl vermitteln, ohne aufmerksamkeitsheischend zu sein. Deep Islands gehört zu dieser Art Düfte.

Unser nächstes Objekt der Begierde ist Business Man:

business_man_packaging_profumo„Clutched by his damaged heart, he looked at the City from his glass office, despising values he had refused for the success of an image built among fog and applauses.

Dull, resigned perhaps, his eyes looked for someone among the people, in the noise of fleeing words, conveyed in that mess that attacked his mind like a crowd in the Greater London.“

Ok, wir haben es hier nicht mit einem Bankster zu tun oder mit Bret Easton Ellis‘ American Psycho, sondern mit einem Verlorenen oder zumindest einem … Unvollständigen, einem Sinnsucher? Das erinnert mich natürlich gleich an Filme wie Shame, in dem Michael Fassbender einen sexsüchtigen Highperfomer spielt, oder auch Falling Down, den Klassiker mit Michael Douglas.

Der Tagebucheintrag zu Business Man:

„Time ran fast through the streets interposing between Heathrow and Greater London; after a punctual landing, the cab leads us to the urban jungle, where seconds mark steps, beats and lives.

Finally I met Mr. R*******n who welcomed him inside his glass palace, where elegant essences were given off; they did not smelled like typically English scents; they were more sophisticated and original, like his firm handgrip that talked about success and classiness.

The pleasure of sitting at his table and listening to charming stories guarded within his knowledge, along with unspeakable secrets that darkened his look.

He then showed me Southwark’s streets and the City of Westminster, where he closed all his thoughts inside a memory, hidden behind that perfume that mesmerised his mind with a brilliant and perfect reality.“

Grapefruit, schwarze Johannisbeeren samt deren Blattwerk, frisch geschnittenes Gras und Vetiver sind die Zutaten unseres Faustschen Suchers des 21. Jahrhunderts – und er beeindruckt mich ein zweites Mal, war er mir doch bereits auf der Esxence aufgefallen: Eine zitrisch-prickelnde, herb-frische und bitter-saftige Grapefruit, leise Anklänge von Johannisbeeren, die eine perfekte Ergänzung zur Grapefruit bilden. Und natürlich Gras, Gras, Gras, frisch geschnitten und leuchtend grün. Sacht-salzig sowie von einem Quentchen Rauch eingehüllt – ja, das macht Spaß! Und wird ganz bestimmt die Suche für eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Parfumliebhabern beenden, denn es ist ein Wunsch vieler, einen Duft zu finden, der Gras abbildet, frisch geschnittenes Gras. Et voilà meine Lieben – hier ist er, Euer neuer Holy Grail!




Moorea bildet den Abschluss unserer „Synaesthesia of Scents“-Kollektion:

moorea_packaging„The voice of sea is host of thoughts, witness of memories brought to shore by the breeze. sometimes, sunk sensations surface with high tide to caress our mind like salt sets down on skin.

Every grain of sand has raised from the abyss and is shining again. A bright ray writes rebirth in my soul while the horizon of sky and sea melds with infinite blue.“

Moorea zeigt sich vom Naturell her komplexer als seine beiden Vorgänger – die Ingredienzen: Kopfnote: Limette, Neroli, Bergamotte, Salzige Noten; Herznote: Tiaréblüte, Veilchenblätter, Narzisse, Ylang-Ylang; Basisnote: Ambra, Patchouli, Vetiver.

Der Tagebucheintrag zu Moorea:

„The Sun sets slowly, down into your cobalt blue eyes and it brushes your skin with a kiss. You are light on water, you enlighten the empty beach and I no longer know whether I am observing your beauty or understanding its most hidden essence. We are not really in need of superfluous here, we just need a smile and its colours to rise up our thoughts and make them lighter.

The spirit of freedom is loud, it screams joy and smells of light heartedness. You wear its scent with your beloved white flowers, those petals so bright and so narcotic which surround you while you have a bath.

Tiaré among your hair without forgetting the Narcissus which connects you into your garden, your beloved land you always carry with you. You transform your skin into a voluptuous veil and you become a magnetic presence, an hypnotic aura walking on Moorea’s shores.

In that small bay where we used to go, we can’t but breath the breeze of vastness and admire the idyllic portrait we are part of.

Just stay.“

Moorea ist … wundervoll, und zwar wegen seiner in diesem Falle absolut positiven Unentschlossenheit, der olfaktorischen: Wir haben es hier mit einem Meerduft zu tun, er ist allerdings weder aquatisch noch wirklich maritim. Sanfte Salzigkeit, Wässrigkeit dank einiger Blüten, die zum Teil tropisch sind, aber nicht zwangsläufig in exotische Gefilde entführen. Wärme stiften sie, Sonne, aber nicht unbedingt Tropensonne. Eine gewisse Cremigkeit wohnt Moorea inne sowie eine zarte Süße, die eine schöne, zurückhaltende Wärme ausstrahlt. Eleganz und Understatement finde ich hier vor und sehe Moorea definitiv als femininen Duft, der allerdings mehr sinnliche Aura ist als „Parfum“. Ich mag ihn sehr gerne in seiner zurückhaltenden Schönheit. [Edit: Und ja, im weiteren Verlauf, nach einigen Tests: Wir befinden uns hier irgendwo in tropischen Gefilden, obgleich Moorea weit davon entfernt ist, diese Hitze auszustrahlen, aber dennoch mit seinen Blüten an irgendeinen friedlichen Strand entführt.]





Morgen geht es weiter mit dem nächsten Kapitel aus dem duftenden Tagebuch von Simone Andreoli – bis dahin alles Liebe und viele Grüße,

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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