Patchouli & Ylang Ylang Nosy Be heißen sie, …

… die neuen beiden Schönheiten von Perris Monte Carlo. Nosy Be – als ich von diesem Namenszusatz das erste Mal hörte, dachte ich an eine neugierige Biene, Nosy Bee 😉 Süß, aber nicht zutreffend: Nosy Be, auch Nossi-bé, bezieht sich auf eine Insel vor der Nordwestküste von Madagaskar. Diese gehört zur sogenannten Provinz Antsiranana und hat 60.000 Einwohner. In der madagassischen Sprache bedeutet Nosy Be „Große Insel“ (und es ist in der Tat die größte Insel des Archipels), sie ist jedoch vor allem unter ihrem Beinamen Nosy Manitra bekannt, was soviel wie „duftende Insel“ heißt.

Aha, da kommen wir der Sache näher! Intensiv duftet auf diesem Eiland vieles, allen voran Ylang-Ylang, Vanille, Kakao, Pfeffer, Geranien, Zimt und Frangipani, typisch madagassische Pflanzen. Vulkanischen Ursprungs und mit tropischem Klima ausgestattet, präsentiert sich Nosy Be wohl als Insel mit außergewöhnlicher Flora und Fauna, weswegen sie auch als kleines Paradies gilt: Vulkanseen, Hügel und niedrige Berge, Naturschutzgebiete und herrliche zerklüftete Küsten und kleine Buchten – das macht schon wieder unglaublich viel Lust auf Urlaub, oder nicht?

Allée des Baobabs near Morondava, Madagascar

Die Düfte könnten ebenfalls nach ebensolchem duften, vor allem vermutlich der Weißblüher, Ylang Ylang Nosy Be, der unser erster Kandidat ist.

ylang_ylang_nosy_be „Ylang-Ylang, was auf Tagalog „Blume der Blumen“ bedeutet, wurde im Jahr 1840 von den Franzosen auf die Insel gebracht, als die Bewohner von Nosy Be den französischen Schiffskommandanten Passot darum baten, die Insel unter den Schutz Frankreichs zu stellen. Passot unterbreitete Admiral Hell die Protektion, der seinerzeit als Gouverneur die Insel Bourbon (heute Réunion) regierte, und so wurde Nosy Be vom französischen Staat geschützt und die Hauptstadt von Nosy Be bekam den Namen Hell Ville. Im Jahr 1841 trat Königin Tsiomeko die Insel in einem Vertrag an Frankreich ab. Darauf folgte eine Zeit der wirtschaftlichen Entwicklung, des Anbaus von Zucker, Kaffee, Vanille und Ylang-Ylang.

Um diesen hervorragenden Rohstoff zu ehren, verwendet Perris Monte Carlo ausschließlich Ylang-Ylang von der Insel Nosy Be. Zitrone, Grapefruit und Kardamom in der Kopfnote erinnern an die Schönheit des Duftes, den die Blüte direkt nach der Ernte versprüht. Die Herznote besteht aus arabischem Jasmin, Orangenblüten und der Damaszener-Rose. Die verführerischen und exotischen Noten werden durch das nach Ambra duftende Labdanum, Vetiver, Zedernholz, Wiesenskabiose und Vanille gebildet.“

ylang-ylang flower

Auf meiner Haut gelandet überrascht mich Ylang Ylang Nosy Be, und zwar mit prickelnd-frischen Zitrusfrüchtchen, bitter-saftig und leuchtend, durch die bereits nektarsüßen Orangenblüten hindurchscheinen. Kardamom würzt grün-herb, was dem Duft außergewöhnlich gut zu Gesichte steht. Die Damaszener Rose, jene Schönheit, brilliert mit samtiger Frische und einer fragilen Fruchtigkeit und harmoniert so überaus gut mit den tropischen, an Honig erinnernden Ylang-Blüten und ihrer sanft-cremigen Süße, von Vanille untermalt. Die Basis wird von Harzen sacht gewärmt, von Vetiver zart rauchig-salzig geküsst, während Zedernholz für saubere Anklänge sorgt. Darüber hinaus scheinen mir Lilien das schöne exotische Bouquet abzurunden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ylang-Düften ist unser Exemplar hier nicht wächsern-süß oder fast öligen Charakters, ganz im Gegenteil: Er ist ein ausnehmend sanfter, tropischer Blütenkuss, eine herrliche Reminiszenz an einen ebenso herrlichen Urlaub, den ich hoffentlich auch einmal auf einer dieser Inselchen verbringen darf!

patchouli_nosy_be Patchouli Nosy Be, Kandidat Nummer Zwei, ist kein reiner monothematischer Patchouli-Duft, wie man bereits aus dem Pressetext erfährt:

„Robertet präsentiert weltweit erstmalig diesen herrlichen Rohstoff. Perris Monte Carlo ehrt dieses große Privileg durch den Wunsch, die einzigartigen Eigenschaften hervorzuheben, die nur Patchouli von Nosy Be in Kombination mit der seltenen würzigen Note des Peruanischen Pfefferbaums (Schinus Molle) erreicht; begleitet wird diese Kombination durch die holzige, trockene Note von Zedern- und Sandelholz sowie durch Anklänge von Kakao mit Labdanum und Vanille.“

Über Schinus Molle, jene rare Ingredienz, hatte ich bereits an früherer Stelle berichtet, nämlich in einem Artikel zu Erik Kormanns Dezember, siehe hier. Erik hatte sich in seinem Aromatischen Blog in die Thematik der unterschiedlichen Pfeffersorten hineingekniet und ich möchte ihn an dieser Stelle zitieren:

„Rosa Pfeffer und Schwarzer Pfeffer sind zwar beides Gewürzpflanzen, doch die Systematik könnte unterschiedlicher kaum sein. Schon beim Ordnungsbegriff wird dies sofort deutlich. Während der Brasilianische Pfefferbaum mit seinem Rosa Pfeffer zur Ordnung der Seifenbaumartigen/ Sapindales gehört, wird der Pfefferstrauch (Schwarzer Pfeffer) den Pfefferartigen/ Piperales zugeordnet. Der Brasilianische Pfefferbaum, der Rosa Pfeffer, gehört zur Familie der Sumachgewächse/ Anacardiaceae (dessen wohl berühmtester Vertreter Mangifera indica/ der Mangobaum ist), und der Pfefferstrauch mit seinem Schwarzen Pfeffer zur Familie der Pfeffergewächse/ Piperaceae. Bei der Gattung wird zwischen Pfefferbäumen/ Schinus (Rosa Pfeffer) und Pfeffer/ Piper (Schwarzer Pfeffer) unterschieden. Die Artnamen lauten: Brasilianischer Pfefferbaum, Wiss. Name Schinus terebinthifolius, Namenskürzel Raddi, nach Giuseppe Raddi, und Pfeffer, wiss. Name Piper nigrum, Namenskürzel L für Carl von Linné.“

Schinus molle

Rosa Pfeffer ist nämlich keine botanische Herkunftsangabe oder -bezeichnung, insofern gibt es noch einen weiteren Vertreter neben dem brasilianischen Pfefferbaum aus der Gattung der Schinus (Pfefferbäume), der als solcher bezeichnet wird: Peruanischer Pfeffer oder auch Schinus Molle – hier haben wir ihn also, unseren Pfeffer! Erik hat alles hübsch aufgeschlüsselt zu dessen Herkunft:

Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Sumachgewächse (Anacardiaceae)
Gattung: Pfefferbäume (Schinus)
Art: Peruanischer Pfefferbaum
Wiss. Name: Schinus molle L. (Carl von Linné, Erstbeschreibung 1753)
Synonym: Peru Mastix

Es handelt sich dabei um einen immergrünen, ca. 10-15 Meter hoch wachsenden Tropenbaum, dessen Äste teils weit herabhängen. Die Blätter sind gefiedert, die gelben Blüten sollen schön duften (da hab ich leider keine eigenen Erfahrungen vorzuweisen) und die rosafarbenen Früchte schmecken pfefferähnlich. An dieser Stelle sei aber noch einmal erwähnt, daß die bei uns handelsüblichen Beeren, die als Roter/ Rosa Pfeffer in den Gewürzregalen der Supermärkte angeboten werden, von Schinus terebinthifolius stammen. Ursprünglich in Mittelamerika beheimatet, wurde er inzwischen auch in Nordamerika eingebürgert und ist selbst im Mittelmeerraum weit verbreitet. Und da sich das Harz von S. molle auch kauen läßt, ganz ähnlich des Harzes von Pistacia lentiscus/ Mastixbaum, bietet sich hier vielleicht auch eine Erklärung des Namens/ des Synonyms.

Das Öl wird mittels Wasserdampfdest. oder neuerdings per CO2-Extraktion aus den Früchten gewonnen. Bei Dr. J. Lawless findet sich auch ein Hinweis auf auf die Blätter. Man kann daraus wohl auch ein berauschendes Getränk herstellen und als nach dem 2. Weltkrieg Schwarzer Pfeffer Mangelware war, kam Schinus molle auch verstärkt in der Küche zum Einsatz.

In der Aromatherapie wird das Öl auch sehr gerne eingesetzt. Schaut man sich an, was das Öl von Schinus molle alles kann, fragt man sich glatt, wo man ein Fläschelchen für den sofortigen Gebrauch herbekommen könnte und sollte der Winter doch noch hart werden: Es hilft sogar bei Frostbeulen und soll ein gute Grippemittel sein.“

Frostbeulen bekommen wir alsbald auch, wenn es so weitergeht – hört sich also so an, als könnte Patchouli Nosy Be ein perfekter Seelenschmeichler für die kalte Jahreszeit werden, oder nicht? Patchouli und Schinus Molle, Kakao, Labdanum, Vanille, Zedern- und Sandelholz enthält unser Schöner, der mich auf den ersten Schnupperer für sich erobert hat: Kräftige Pfeffernoten, aromatisch und balsamisch, vermählen sich mit kakaopudrigem und dezent erdigem Patchouli. Eine sehr schöne Angelegenheit, erst recht, wenn noch ein wenig Harzwärme dazukommt. Vor allem, meine Lieben: Düfte mit solch herrlichen, prägnanten Pfeffernoten sind rar gesät und überaus selten. Meiner Meinung nach gibt es viel zu wenige davon – und auf Anhieb fällt mir keiner ein, der mir so gut gefällt wie Nosy Be Patchouli, auch nicht Villoresis Piper Nigrum. Die Basis hat einen leichten Barbershop-Charakter durch die Verbindung von viel würzig-cremigem Sandelholz, durch Vanille unterstützt, und sauber-ernster Zeder. Ich mag das – Ihr auch?

Ich bin gespannt, was Ihr von den beiden Hübschen aus dem Hause Perris Monte Carlo haltet – und verabschiede mich mit den allerbesten Wünschen und Grüßen ins Wochenende,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

3 Kommentare

  1. Christiane
    31. Oktober 2014
    Antworten

    Der Ylang-Ylang Nosy Be ist gerade als netter Begleiter eines Pakets hier eingetroffen. Und als neugierige Biene 😉 musste ich ihn gleich testen. Obwohl ich ja Angst hatte, von Weißblühergirlanden erwürgt zu werden. Ich befürchtete ja einen tropisch-schwül-sinnlich-Vollweib erfordernden usw. Kracher. Und bin doch sehr angenehm überrascht – der ist wirklich sehr schön – blumig-frisch und zugleich warm und kuschlig, lecker doch nicht zu süß – klingt widersprüchlich, ist aber doch tatsächlich so. Ich kleb förmlich mit der Nase am Handgelenk Und meine Wunschliste ist um einen Kandidaten – an den ich nie gedacht hätte – gewachsen.

  2. Margot
    1. November 2014
    Antworten

    Hallo Uli,
    meiner Vorliebe entsprechend – Danke für die Weitsicht liebes ALzD-Team – hatte ich eine Probe des Patchouli Nosy-be in meinem letzten Paket. Vielen Dank dafür! Ich empfinde ihn als außerordentlich gut gelungen! Ein Haut- und Seelenschmeichler wobei Patchouli satt und weich in der Basis über den die Vanille ab und zu drüber weht. Barbershop-Charakter – welch treffender Ausdruck! Auf jeden Fall ist er nicht den üblichen Patchouli-Düften (wobei ich z.B. Mazzolari oder Bois 1920, oder auch S. Lutens Borneo 1834 meine) gleichzusetzten sondern eher zu der Kategorie von Micaleff’s Patchouli, der ein Kaschmir-Kuschel-Schmeichler ist und damit auch von Ablehnern dieses wunderbaren Stoffes anerkannt und nicht unbedingt in die Patchouli-Schublade einsortiert wird.

    LG, Margot

  3. Avatar photo
    Ulrike Knöll
    6. November 2014
    Antworten

    Gell, Ihr Beiden, beide Düfte sind nicht das, was man erwartet – und zwar im absolut positiven Sinne!

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