Die Zahl Zwölf…

kormanndezember … steht in unserem Fall für den Monat Dezember, wie Ihr seit gestern wisst – denkt an unser Gewinnspiel! Erik Kormann aus Berlin war wieder fleißig und hat einen neuen Duft kreiert, der seine Kollektion der Monate erweitern wird. Jeder Monat – ein Duft. Und jeder Duft besitzt genau so viele Zutaten wie der entsprechende Monat.

Vor einiger Zeit sinnierte Erik noch in seinem tollen Aromatischen Blog, welche Hauptzutat es denn werden sollte, wonach der Dezember riechen sollte… bedeckt hielt er sich, und hatte es schon lange im Kopf: Rosa Pfeffer ist es, der den Dezember zu dem macht, was er ist, und zwar in einer ordentlichen Dosierung. Das mit dem Rosa Pfeffer ist gar nicht soo einfach – was genau ist das denn überhaupt? Erik hat sich in seinem Blog sehr hineinvertieft und ich zitiere ihn einfach einmal:

„Rosa Pfeffer und Schwarzer Pfeffer sind zwar beides Gewürzpflanzen, doch die Systematik könnte unterschiedlicher kaum sein. Schon beim Ordnungsbegriff wird dies sofort deutlich. Während der Brasilianische Pfefferbaum mit seinem Rosa Pfeffer zur Ordnung der Seifenbaumartigen/ Sapindales gehört, wird der Pfefferstrauch (Schwarzer Pfeffer) den Pfefferartigen/ Piperales zugeordnet. Der Brasilianische Pfefferbaum, der Rosa Pfeffer, gehört zur Familie der Sumachgewächse/ Anacardiaceae (dessen wohl berühmtester Vertreter Mangifera indica/ der Mangobaum ist), und der Pfefferstrauch mit seinem Schwarzen Pfeffer zur Familie der Pfeffergewächse/ Piperaceae. Bei der Gattung wird zwischen Pfefferbäumen/ Schinus (Rosa Pfeffer) und Pfeffer/ Piper (Schwarzer Pfeffer) unterschieden. Die Artnamen lauten: Brasilianischer Pfefferbaum, Wiss. Name Schinus terebinthifolius, Namenskürzel Raddi, nach Giuseppe Raddi, und Pfeffer, wiss. Name Piper nigrum, Namenskürzel L für Carl von Linné.“

Rosa Pfeffer ist allerdings keine botanische Herkunftsangabe oder -bezeichnung, insofern gibt es noch einen weiteren Vertreter neben dem brasilianischen Pfefferbaum aus der Gattung der Schinus (Pfefferbäume), der als solcher bezeichnet wird: Peruanischer Pfeffer oder auch Schinus Molle. Zuallererst war Kormann Feuer und Flamme für den Brasilianer, Schinus Terebinthifolius, jener, der in den meisten unserer Pfeffermischungen drin ist. Dann allerdings entschloss er sich in Zusammenarbeit mit dem Labor Bell Flavour and Fragrances in Leipzig, mit dem er mittlerweile eng zusammenarbeitet, doch auf Schinus Molle, den Peruaner, zurückzugreifen.

Schinus molle03

Bell Flavour and Fragrances war für Erik Kormann, wie er sagt, ein echter Glücksgriff:

„Man muss auch mal Glück haben.

Diese einfache Erkenntnis setzte sich im vergangenem Sommer in meinem Kopf fest und während ich so überlegte, wie ich die Sache mit dem Glück etwas befördern könnte, entdeckte ich in der Umgebung von Leipzig die Firma Bell Flavors & Fragrances, Duft und Aroma GmbH. Was für ein Zufall, wo ich doch selbst in Leipzig geboren wurde, einige Freunde dort leben, ich auf dem Cospudener See regelmäßig zum Windsurfen bin und mein Herz noch immer an der Stadt hängt.

Der Grund für meine Suche nach dem Glück ist nämlich schnell erklärt und hoffentlich leicht nachvollziehbar. Die von mir in kompletter Handarbeit hergestellten Parfums JULI, AUGUST, SEPTEMBER, EAU DE FROEHLICHE 1, EAU DE FROEHLICHE 2 und der STEAMPUNK verkauften und verkaufen sich so gut, daß ich einfach nicht immer wieder genügend davon neu anmischen konnte, und ich die Zeit, die ich für die Herstellung benötige, doch viel lieber für die Entwicklung neuer Ideen und Rezepte nutzen würde. Nur was soll man tun, wenn man in Kleinstmengen produziert und eine sprunghafte Steigerung des Umsatzes nicht für sofort zu erwarten ist?

Die Arbeit mit Kleinstmengen ist umständlich und bringt nicht viel ein – so die bisherigen Erfahrungen. Doch letztes Jahr im September sollte sich das schlagartig ändern. Nach einer schönen Surf-Session auf dem Cospudener See faßte ich mir ein Herz, rief bei Bell Flavors & Fragrances in Leipzig/ Miltitz einfach an, ließ mich mit der Parfumerieabteilung verbinden und hatte sofort den Parfumeur Dr. Sebastian Reuter am Telefon. Es war ein sehr interessantes Gespräch mit zahlreichen Tips und Empfehlungen und auf die Frage, ob man vielleicht auch eine Kleinstmenge eines Rezepts ausmischen könnte, kam nicht sofort ein Nein, sondern die Gegenfrage, „warum denn nicht, da werde ich mich sofort erkundigen. Wir sollten uns mal treffen.“

Mein Glück hat also einen Namen, sieht aus wie eine Glocke mit Erdbeere und befindet sich in Leipzig/ Miltitz.“

Bell_entrance_blog

Bell Flavour & Fragrances gibt es schon seit 1829 in verschiedenen Firmierungen und mit Dr. Sebastian Reuter hat Erik Kormann einen Freund, Fan, Kritiker und inspirierenden Gegenpart gefunden, mit dem er sehr gut harmoniert – die Zusammenarbeit verläuft toll, was auf viele schöne neue Düfte hoffen lässt, oder?

In jedem Fall hat Erik in seinem Blog unter dem Titel „Parfum und Glück“ noch einen zweiten Artikel veröffentlicht, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Parfums zu kreieren, zu erschaffen und zu verkaufen ist nämlich für jemand, der keine große Firma im Rücken hat, keine so leichte Aufgabe, wie man vielleicht denken möchte…

„Oft wurde und werde ich gefragt, wie ich meine Parfum herstelle. Welche Arbeitsschritte führen bis zum Endprodukt? Wo kaufe ich die Rohstoffe, wie entwickle ich die Rezepte und was muß ich tun, damit ich die Düfte überhaupt verkaufen darf? Wenn ich mir die ganzen Fragen dann so anhöre, wundere ich mich manchmal selber, wie das alles so funktioniert und weil ich aus der Arbeit nie ein großes Geheimnis gemacht habe, möchte ich heute noch einmal genauer darauf eingehen und die neusten Entwicklungen (wenn es die nicht gegeben hätte, wäre es so auch nicht weitergegangen) erläutern. Ganz ohne Hilfe geht es nämlich wirklich nicht. Jedenfalls nicht, wenn man kein Profi ist und versucht alles alleine zu machen. Ohne Edith Schwarz, Herrn Bernhardt, Geza [Schön], Marc [vom Ende] und Sebastian [Dr. Reuter] hätte ich es nie bis hierhin gebracht. Ein Rezept zu entwickeln ist nämlich nicht ganz so einfach.

Das dauert seine Zeit und ich benötige von der Idee, von der reinen Duftvorstellung in meinem Kopf, bis zur letzten endgültigen Mischung fast ein ganzes Jahr. Doch schon bei der Auswahl und Anschaffung der Rohstoffe muß ich darauf achten, zu jedem Rohstoff, egal ob natürlich oder synthetisch, die vorgeschriebenen Datenblätter (MSDS-Paper) zu bekommen. Anschließend schaue ich mir die Riechstoffe an und entscheide, wie ich welchen Stoff einsetze. Muss ich mir davon eine Lösung ansetzen, welches Lösungsmittel etc. Gäbe es die Freunde nicht, wäre es schon vom Start weg eine unbezahlbare Materialschlacht, weil meistens nicht klar ist, welches Lösungsmittel (vielleicht auch bei welcher Temperatur) geeignet ist. Was bei Ethylmaltol prima funktioniert, geht bei Maltol total in die Hose und zugleich ins Geld. Könnte ich mir gar nicht leisten. In Kleinstmengen taste ich mich an meine Duftidee heran, wobei alles schön dokumentiert wird, und ganz zum Schluss setze ich mir eine Minimenge als Eau de Toilette an. Man muss ja schließlich ausprobieren, ob es den Freunden gefällt.

Erst nach all diesen Arbeiten kann ich entscheiden, ob der Duft funktioniert oder nicht. Erst jetzt denke ich mir einen Namen aus, oder ordne den Duft einer Serie zu. Jetzt bestelle ich die Rohstoffe in der notwendigen Menge und mische 1 kg vom Rezept aus. Nun ist es Zeit Jo [Zarth] anzurufen und ein Bild für den Druck zu ordern. Flaschen und Zerstäuber bei Rosa Heinz bestellen, Ethanol bei Brüggemann bestellen und die Druckerei nicht vergessen. Duftöl, Ethanol und Wasser, Eiskasten für 14 Tage, dekantieren, filtern, abfüllen, säubern, verpacken. Papiere zum Gutachter. Geklärt, ob der Duft in dieser Form ok ist, hatte ich bereits Wochen vorher. Jetzt, nach einem Jahr Arbeit, halte ich meine 77 Flaschen in den Händen und kann nur hoffen, daß sich der Duft verkauft. Nur wer kauft ein Parfum, hinter dem keine bekannte Marke steht? Wer interessiert sich für eine Mischung, die nicht nur natürlich klingt, sondern es zu Großteilen auch ist? Wer ist wirklich so unvoreingenommen und neugierig, sich für Parfum zu interessieren, wofür es im Prinzip keine Werbung gibt? Hier muss man sich auf seine eigene Nase, die eigene Sachkenntnis und den eigenen Geschmack verlassen.

Doch an dieser Stelle kam vor einiger Zeit Georg Wuchsa mit seinem Onlineshop Aus Liebe zum Duft ins Spiel. Dass meine Düfte gut und überlegt komponiert, handwerklich sauber gefertigt und wenn auch nicht Mainstream, so doch gut und leicht tragbar waren, hatte nie jemanden interessiert. Wo immer ich auch damit ankam um nach Vertriebswegen zu suchen, schlugen mir Hochmut und Dünkel entgegen. Nicht so bei Georg und Aus Liebe zum Duft und ganz plötzlich wurde es nötig, die ersten Rezepte erneut auszumischen und nachzuproduzieren. Eine Aufgabe, mit der ich gar nicht gerechnet hatte und die auch recht aufwendig ist. Produziere ich nun Neues oder kümmere ich mich um die Pflege der vorhandenen Parfums? Um ehrlich zu sein, ich habe schon mehrfach darüber nachgedacht, die ganze Sache wieder hinzuschmeißen und es einfach zu lassen. Wie soll ich einen Duft erneut produzieren, wenn der wichtigste Rohstoff nach einem Jahr nicht mehr zu bestellen ist? Warum sollte ich einen Duft neu ausmischen, wenn selbsternannte Nasen und Kritiker in Onlineforen Äpfel mit Birnen vergleichen und mir ohne den geringsten Sachverstand nahelegen, es mal mit echtem Sandelholz zu versuchen, weil das viel besser wäre als mein geliebtes Javanol.

Warum ich hier und jetzt von Parfum und Glück schreibe ist trotzdem leicht erklärt. Zum einen habe ich mit meinen Düften durchaus so etwas wie Erfolg und zum anderen hatte ich das große Glück Sebastian kennenzulernen. Dr. Sebastian Reuter, der als Parfumeur bei Bell Flavors & Fragrances arbeitet.

SebastianReuter

Es war und ist nämlich Sebastian, der sich bei BELL um die Zusammenarbeit mit mir kümmert, der meine Rezepte auf den Schreibtisch bekommt und dann erstmal schauen muß, wie man den einen oder anderen Rohstoff gegebenenfalls ersetzen, Konservierung und Lichtschutzfilter hinzufügen und meine ganze Idee so sorgfältig und sinnvoll wie möglich den Anforderungen an einen industrialisierten Herstellungsprozess anpassen kann. Leicht ist das nicht.

“Warum nimmst Du kein Peru sondern Tolu?” lautet die einfache Frage. “Na weil Peru doch verboten ist”, antworte ich etwas unsicher und 10 Sekunden später steht eine Flasche mit Perubalsam-Öl auf dem Tisch. “Verboten ist nur Perubalsam, das Öl ist gar kein Problem.” Noch nie hatte ich die Auswahl an so vielen schönen Moschusriechstoffen. Endlich kann ich ein richtig tolles Iso e Super einsetzen und mit sehr viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen erläutert mir Sebastian, warum er die Veilchennote im Steampunk lieber ohne IONON beta machen würde. Mehrfach gehen jetzt Muster mit der Post hin und her und ich erlebe mit großer Freude, wie schön sich meine Ideen entwickeln. Der DEZEMBER wäre nicht der DEZEMBER wenn Sebastian mir nicht gezeigt hätte, wie man sich eine zarte Rosennote selber mischen kann (kann ich jetzt) und mir gesagt hätte, wo die Oberkante für dieses geniale Rosa-Pfeffer-Öl ist. Diese Gemeinschaftsarbeit, in deren Ergebnis ich mich zu 100% wiedererkenne und die mir am Ende das sichere Gefühl lässt, Herr meiner eigenen Arbeit zu sein… das ist Glück.“

Über das Glück könnte ich Euch nach etlichen Jahren Philosophiestudium natürlich einiges erzählen… Morgen gibt es nochmals ganz viel über das olfaktorische Glück von Erik Kormann, den Duft Dezember zu lesen, der mich, ja, um das Wort erneut anzubringen, dieser Tage ebenfalls richtig glücklich macht!

Bis dahin alles Liebe und herzliche Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

2 Kommentare

  1. Chris
    21. Januar 2014
    Antworten

    Vielen herzlichen Dank für diese wohltuenden und interessanten An- und Einsichten hinter die Kulissen, spannend zu lesen, schön geschrieben und ich drücke Erik alle Daumen für weiteren Erfolg!

  2. Avatar photo
    Ulrike
    3. Februar 2014
    Antworten

    Hallo lieber Chris, sehr gerne doch! Und ja, meine Daumen sind auch gedrückt für Erik, verdient hat er es!

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