Kontroverse Werbung …

… gibt es jede Menge, das sind wir ja alle schon gewöhnt. Ob es nun alte Werbung ist, aus den Fünfzigern, Sechzigern, die krude Geschlechterbilder, Rollenklischees oder ähnliches transportiert oder neue Werbung, die keinerlei Grenzen kennt, weil wir ja in in einer ach so toleranten und offenen Gesellschaft leben und man alles zeigen kann (?), muss (?), darf. Gegen die meisten der Anzeigen, die ich für Euch zusammengetragen habe, erscheinen die früheren, fast immer kontroversen Anzeigen von Benetton wie von Chorknaben entworfen, meine Lieben. Insofern: Vorhang auf für unser heutiges Panoptikum!

Vor ein paar Tagen bin ich bei den Fragrance Friends auf Facebook über diese alte Werbung gestoßen, die heute so nicht mehr möglich ist, denke ich, hoffe ich:

lovescosmetics

Als ich diese Seite sah, bin ich fast vom Stuhl gefallen – und fühlte mich erinnert an die frühen Bilder des Starfotografen Gary Gross, die dieser von der zehnjährigen Brooke Shields machte – googelt mal bitte, die Badewannenfotos meine ich …

Die Krone setzt dem Ganzen aber der Werbespot dazu auf:

Fast schon harmlos nimmt sich dagegen die Bill Blass-Werbung aus den 80ern aus – sehr her:

billblass80er

Vorurteile, stille Tage im Klischee – „it really is wonderful“ …

Oder hier, noch ein bisschen besser, gefunden in diesem Spiegel-Artikel, der sich ebenfalls um gruselige Werbung dreht:

After-Shave-Werbung

Hat sie einen Schlübber an? Zugegeben – egal ob ja oder nein, das rettet nichts …

Ok, Parfums sind meine Droge. Und auch die vieler anderer. Und ja, es liegt nicht unbedingt fern, sie nach Rauschmitteln zu benennen – funktioniert ja auch oft, siehe Opium. Aber muss es denn dann derlei Werbung dafür sein?

CocainaEnFlor

Cocaina2

Die richtigen Klopper kommen aber noch, keine Angst 😉

In den erweiterten Bereich von Düften fallen natürlich auch Raumdüfte. Der Hersteller von Raumsprays Casa & Perfumes hat sich für seine Werbekampagne ganz auf die Bedarfsgerechtigkeit seiner Produkte konzentriert – „Trust us, smell it“:

casazigaretten

… geht für mich als Immer-Mal-Wieder-Raucher noch. Mit den anderen beiden Anzeigen habe ich aber meine Problemchen, und das obgleich ich weder zartbesaitet noch pingelig bin:

casafische

casawindeln

Wer jetzt, wie ich, die Nase voll hat, der kann sie sich mittels von Kaffeebohnen wieder neutralisieren. Funktioniert. Und wenn wir gerade bei Kaffeebohnen sind – die australischen Kaffeeröster von Fresh One „überzeugen“ ebenfalls mit ihren Werbungen:

freshone1

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freshone8

Ok, genug Kaffee oder vielmehr Fresh One, wenden wir uns wieder den Parfums zu.

Dolce & Gabbana kommen mit ihren absolut ästhetischen Anzeigen im Vergleich dazu natürlich rüber wie schöngeistige Waisenknaben, aber bei den folgenden beiden Anzeigen stellen sich mir dennoch einige Fragen:

dolcegabbana2

dolcegabbana1

dolcegabbana3

Was machen die ganzen Männer um diese (halbnackte) Frau herum? Bin ich ein Ferkel, wenn ich dabei an (ungewollten?) Gangbang denke? Wieso müssen die D&G-Düfte nackt beworben werden? Darf ich die nur als Supermodel tragen? Werde ich zu einem solchen WENN ich sie trage? Fragen über Fragen …

Nackte und (Parfum)Werbungen – da komme ich (leider?) nicht um Tom Ford herum … Und hier bin ich, ehrlicherweise, zwiegespalten. So gut wie jede Werbung von Tom Ford, die man als sexistisch bezeichnen könnte, stammt natürlich von Terry Richardson, dem amerikanischen Starfotografen. Und der ist – vermutlich eben auch ein Sexist. Und zwar einer, mit dem zusammenzuarbeiten für die Models wohl keine Freude ist, wie in letzter Zeit vermehrt kolportiert wurde, siehe zum Beispiel hier im Spiegel. Nichtsdestotrotz mag ich einige seiner Aufnahmen, auch und gerade einige der sexistischen, ich gestehe. Trotzdem kann ich keinem zu einem ästhetisch verleiteten Kauf von einem seiner Bildbände raten – die zwei, die ich hier stehen habe, hatte ich mir dummerweise von meiner Mutter einmal zu Weihnachten schenken lassen, die es sich nicht nehmen ließ, sie einmal grob durchzublättern … was soll ich sagen – es hat nicht nur ihr die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Ok, Terry Richardson für Tom Ford – Asche über mein Haupt, diese Ads mag ich … Mittlerweile gibt es sie kaum noch, es gab den Flakon natürlich auch noch im Schritt der Frau … aber zumindest auch zwischen den Pobacken eines (sehr behaarten) Mannes, insofern zumindest ist der Sexismus hier keine Einbahnstraße.

tomfordformen

Marc Jacobs Werbung für seinen Duft Lola mit Dakota Fannings ist auch gründlich unter die Gürtellinie gegangen, weswegen sie zum Teil nicht gezeigt werden durfte:

marcjacobslola

Die beiden hier finde ich auch ein wenig gewöhnungsbedürftig – mal abgesehen davon, dass sie mich etwas ratlos zurücklassen:

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Jaja.

Axe, der deutschen Männer Deo, lässt sich auch nicht lumpen …

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Mir passiert das eigentlich nur ab und an mit Strumpfhosen und den falschen Kleidern drüber, aber sei es drum, vielleicht habe ich … die falsche Einstellung?

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Bei der Axe-Werbung bekomme ich fast ein wenig Angst:

axechocolate

Justin Bieber bekommt man ganz einfach, wenn man(n) oder eher frau denn will:

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… irgendwann dann mal … oder hoffentlich auch nie.

justinbiebersomeday

Benefit Cosmetics, die ich eigentlich ziemlich gerne mag, haben sich in meinen Augen auch keinen Gefallen getan mit diesem Werbeclip:

Na, fehlen Euch die Worte oder lasst Ihr mir ein Feedback da? 😉

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike, die jetzt erst einmal wieder harmlose Katzenbildchen im Internet gucken geht …

Neueste Kommentare

Geschrieben von:

Meine Liebe galt schon seit je her dem Ästhetischen: So geht mir das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und seitdem immer auf der Suche nach dem oder vielmehr: einem neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse, meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

8 Kommentare

  1. Waltraud
    28.Okt 2014
    Antworten

    Ach wie gut, dass ich nie Werbung schaue, auch nicht in Zeitschriften. Mir reicht Deine Aufklärung heute wieder für einige Zeit. Es geht eben um viel Geld und Sex sells.
    Liebe Grüße, Waltraud

  2. Dorothea
    28.Okt 2014
    Antworten

    Autsch! Kann mich gar nicht entscheiden, welche ich am peinlichsten finde… Oh Lola? Oder doch Justin mit dem Hundeblick?
    Wobei manche auch schon wieder witzig sind (Tom Ford und Benefit).
    Trotzdem schaue ich mir lieber Simon’s Cat an 😉
    LG
    Dorothea

  3. Ulrike Knöll
    29.Okt 2014
    Antworten

    Simon’s Cat ist natürlich ungeschlagen – vor allem, wenn man selbst Katzen hat 😉 😀

    Liebe Grüße von mir und den Miezen 😉

  4. Petra
    30.Okt 2014
    Antworten

    Uuuaaahhh – ich kann ja über Werbung oft lachen, aber bei Deinen Fundstücken sind ja echt ein paar dabei, da bin ich entweder sprachlos (ungewollter gangbang – kommt auch bei mir irgendwie so an) oder ich grusel mich (Justin der Verführer *lach*)
    lg, Petra

  5. so, nachdem ich die Rechenaufgabe gepackt habe erscheint hoffentlich mein Post im Dufttagebuch. Liebe Uli: großartig. 🙂 Bitte finde regelmäßig so spezielle Werbebotschaften und erfreue uns hier damit. Ich finde es klasse. Viele liebe Grüsse Georg R. Wuchsa

  6. Margot
    1.Nov 2014
    Antworten

    Fleissig, fleissig,
    vielen Dank für diese wunderbare Informationen. Ich frag mich oft genug, was sich die Macher bei manchen Bildern/Videos denken. Konkret bin ich momentan sprachlos!

    LG, Margot

  7. Roland
    2.Nov 2014
    Antworten

    Danke für den überaus unterhaltsamen Ausflug in die Werbung! Dafür liebe ich diesen Blog hier ganz besonders! Ob man mit Fischen und Windeln tatsächlich die Verkaufszahlen anheben kann? Ein Schmuzeln zaubert es allemal!!
    Ich habe schon lange keine wirklich einprägsame Parfum-Werbung gesehen, wie den unvergesslichen Egoiste-Spot aus den frühen Neunzigern (Extrem-Feministinnen dürfen jetzt mit den Augen rollen).
    Vielleicht wäre das mal eine Anregung: Gelungene Werbung.
    Wünsche einen wunderschönen Spätherbst-Sonntag,
    Roland.

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