Am Anfang war…

… das Wort, so erzählte es mir Erik Kormann,dem Besitzer von 1000&1 Seife: Steampunk. Irgendwo war unser Lieblingsberliner darauf gestoßen, im Internet – und dort machte er sich dann weiter diesbezüglich schlau. Als alter Waver, neudeutsch: Gothic-Anhänger, hätte ich ihm natürlich auch ein bisschen darüber erzählen können, was es mit dieser Strömung auf sich hat, die sich aus einem literarischen Phänomen entwickelte und sich zu einer modernen Subkultur gemausert hat. Wikipedia definiert folgendermaßen:

„Steampunk ist ein Phänomen, das als literarische Strömung in den 1980ern begann und sich zu einem Kunstgenre, einer kulturellen Bewegung, einem Stil und einer Subkultur ausgeweitet hat. Dabei werden einerseits moderne und futuristische technische Funktionen mit Mitteln und Materialien des viktorianischen Zeitalters verknüpft, wodurch ein deutlicher Retro-Look der Technik entsteht. Andererseits wird das viktorianische Zeitalter bezüglich der Mode und Kultur idealisiert wiedergegeben. Steampunk fällt damit in den Bereich des sogenannten Retro-Futurismus, also einer Sicht auf die Zukunft, wie sie in früheren Zeiten entstanden sein könnte. Häufige Elemente des Steampunk sind dampf- und zahnradgetriebene Mechanik, viktorianischer Kleidungsstil und ein viktorianisches Werte-Modell, eine gewisse Do-it-yourself-Mentalität und Abenteuerromantik. Elemente des Steampunk finden sich in vielen Bereichen der populären Kultur wieder, von Film und Fernsehen über Gesellschaftsspiele bis zu Musikprojekten.“

steampunk Wenn wir dann schon von Literatur reden: Jules Verne und H.G. Wells sind die Urahnen und Bezugspunkte des Steampunks: „Diese frühen Science-Fiction-Autoren beschrieben die Zukunft der Technik aus der Sicht ihrer Zeit heraus, dem frühen industriellen Zeitalter, in dem der Vorreiter der Technik die Dampfmaschine war, in der Uhrwerke zur höchsten Präzision gebracht wurden und die Nutzung der Elektrizität gerade einmal in den Kinderschuhen steckte und insbesondere von dem Stereotyp des verrückten Wissenschaftlers verwendet wurde.“

Alles in allem eine sehr heterogene Szene, ein weitläufiges Feld und nicht in zwei, drei Zeilen zu erklären – googelt ruhig mal, meine Lieben, wenn Euch Steampunk bisher fremd war 🙂

Unser Erik hat sich vertieft in die Materie – und es keimte in ihm die Idee, einen Duft zum Thema zu erschaffen. Vielmehr noch: Er war der Ansicht, dass sich dieses Thema perfekt mit einem langgehegten Wunsch verknüpfen lassen würde: Ein Parfum mit Zedernholz und Veilchen zu kreieren. Zedernholz sei für ihn ein durchweg positiv besetzter Duft, so Kormann: Er strahle etwas Gemütliches, Heimeliges, Vertrautes aus. Darüber hinaus evoziere er bei ihm Bilder einer alten Bibliothek, von alten Möbeln, polierten Holzflächen, vielleicht auch Schiffsplanken – somit wecke Zedernholz bei ihm unbestimmtes Fernweh und strahle Abenteuer aus, einen Entdeckerdrang.

Ich kann das vollkommen nachvollziehen sowie in seinen Worten schwelgen… und nicht nur in diesen, sondern auch in seinem Duft Steampunk. Elemiharz ist drinnen, genauso wie Veilchen, Zedernholz und Cashmeran. Mehr verrät Kormann uns nicht, das ist aber auch gar nicht nötig, um den Duft genießen zu können…

https://www.pexels.com/search/steampunk/

Zitrisch-prickelnd-herb, aber auch verhalten fruchtig-saftig beginnt Steampunk, der alsbald eine samtige Weiche zeigt, die von einer knetartigen Trockenheit begleitet wird. Veilchen – erdig, samtig, trockenseltsamfruchtigmehlig, lilablassblau leuchtend und pudrig, trifft auf cremiges Zedernholz mit einer seifig-sauberen Tendenz. Die Basis dominiert durch Weiche, Cremigkeit, Pudrigkeit und zarte Hölzer. Steampunk macht so seinem Namen alle Ehre: Er ist einerseits nostalgisch und gleichermaßen hypermodern, klassisch sowie ebenso zeitgemäß.

Und – ich finde ihn wirklich wunderbar. Ein betörende Amour Fou zwischen Veilchen und Zeder, skinnig, hautnah, herrlich. Genauso wie das Design, das wie gewohnt von Graphiker Jo Zarth geschaffen wurde: Eine Taucherglocke verziert die Flasche, eine Hommage an Vernes Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“. Und als Highlight ziert den Deckel eine große Schraube.

Ich bin rundum überzeugt – Ihr auch? Habt Ihr schon getestet? Und – wusstet Ihr auf Anhieb, was „Steampunk“ ist?

Viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

4 Kommentare

  1. Saskia
    23. Oktober 2013
    Antworten

    Liebe Ulrike,
    wie schön, ausgerechnet jetzt von Steampunk zu lesen! Ich habe ungeduldig hibbelnd mit dem Testen gewartet, bis du darüber schreibst – aber auch auf mich übte allein das Wort zu große Anziehungskraft aus, also habe ich ausnahmsweise mal nicht auf dein mir sonst immer zielsicher den Weg weisendes Urteil gewartet.
    Ich finde den Duft wunderbar, am wunderbarsten allerdings in den ersten fünf Minuten. Er riecht trocken, fast ein bisschen staubig, skinnig, aber auch würzig, die zitrischen Noten sind zurückhaltend. Für mich ist er grau-lila, dabei aber überhaupt nicht schwer(mütig). Ich empfinde ihn interessanterweise bei aller Prägnanz sehr sanft, geradezu kontemplativ, was ich so gar nicht mit dem Wort Steampunk verbinde (dessen Bedeutung ich auch erst nachlesen musste).
    Im Laufe der Zeit bleibt ein Duft zurück, den ich gerne an (m)einem Mann riechen würde – ich habe also die Wahl: selbigen überzeugen oder einfach dauernd nachsprühen ;).

    Ich suche mal weiter nach Herbstduftüberraschungen und freu mich über Tipps,
    viele Grüße,
    Saskia.

  2. Avatar photo
    Ulrike
    24. Oktober 2013
    Antworten

    Hallo liebe Saskia,

    schön, dass Du auch findest, dass Kormanns Neuer ein kleines Meisterwerk ist. Ich mag dieses Veilchen auch sehr, sehr. Und ja, für ein Veilchen ist er erstaunlich wenig bzw. gar nicht schwermütig oder melancholisch. Auch das ist einmal mehr eine Seltenheit.

    Und…? Hast Du den Man schon überzeugt? 😉

    Viele liebe Grüße,

    Uli.

  3. Margot
    26. Oktober 2013
    Antworten

    Hallo Uli,
    ich hab Steampunk erst mal gegoogelt und verstehe was Erik Kormann ausdrücken möchte.
    Ich liebe ja dieses Metallische und finde die ersten Minuten mit Steampunk grandios. Vielleicht kann Erik ja eine Sonderedition kreieren, die diese Macht beibehält! Für mich verschwindet dieser Auftakt viel zu schnell und ich war -ehrlich- anfangs enttäuscht, dass er so weich und sanft wird. Es ist einfach dieser Wechsel von hart zu zart den ich nicht akzeptieren wollte, da ich von der Kopfnote so gefangen war. Ich glaube, Steampunk muß man erst verstehen lernen und es ist mM kein Duft, den man spontan kauft. Dazu braucht es Zeit und einige Versuche. Nun nach mehreren Anläufen kann ich ihn gebührend schätzen.

    Den Auftakt des Duftes würde ich zweilfellos anders interpretieren. Nämlich dem Wortlaut entsprechend: Steam = Dampf (in dem Fall auch Rauch und/oder körperhitze) und eben punk = rebellisch/provozierend. Und um das bildlich auszusprechen, bei dieser heftigen Kopfnote ist mir eine Szene aus einem meiner Lieblingsfilme in den Kopf geschossen:
    Al Pacino in Cruising – die Szene in der er in dem Club tanzen geht. Da würde mM Steampunk zu 100 Prozent dazu passen.

    LG, Margot

  4. Avatar photo
    Ulrike
    28. Oktober 2013
    Antworten

    Huhuu liebe Margot,

    als alter Gruftie weiß ich ja, dass viele ebensolche „Weicheier“ sind hinter ihrem oftmals martialischen Aussehen. Dass Steampunk einen metallischen Auftakt hat und ein sanftes Herz sowie eine ruhige Basis passt für mich insofern sehr gut zu der so romantischen, von Nostalgie getragenen Steampunk-Szene.

    Aber ich kann sehr gut nachvollziehen, wie Du den Auftakt des Duftes bezüglich seines Namens interpretierst.

    An die Szene kann ich mich auch noch erinnern – habe sie auch gerade gefunden: http://www.youtube.com/watch?v=jR7y7g8h1y4
    … und dabei nebenbei mein Filmwissen erweitert: Wusste nicht, dass Cruising von W. Friedkin ist (Der Exorzist).

    Liebe Grüße,

    Uli.

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