Oscar Wildes Aphorismen als Duft von Jardins d’Écrivains

WILDE Ein vorerst letztes Mal widme ich mich heute dem Hause „Jardins d’Écrivains“ und nehme den verbleibenden „Wilde“ unter die Lupe. Um welchen Schriftsteller es sich dabei handelt, muss ich nicht erläutern, denn Oscar Wilde ist bis heute höchst beliebt. Vor allem sein Witz, sein Spott, die bisweilen erfrischend dekadente Ermunterung zu den schönen und nicht immer vernünftigen Dingen des Lebens, aber auch die Eleganz seiner Sprache machen ihn bis heute zu einem viel gelesenen Autor.

Laut Hersteller schienen die Aphorismen dieses Herrn die Inspirationsquelle für den Duft gewesen zu sein, was direkt an mein Bücherregal führt, aus dem ich den entsprechenden Band herausziehe. Die Aphorismen – vor allem auch die Wilde seinem Lord Henry in „The Picture of Dorian Gray“ in den Mund legte, sind einfach legendär, so sagt dieser beispielsweise:

„Gute Vorsätze […] sind bloße Schecks, die man auf eine Bank ausstellt, bei der man kein Konto hat.“ – („Good resolutions […] are simply cheques that men draw on a bank where they have no account.“) – Wunderbar!

Die Duftnoten lauten:

Kopfnote: Bergamotte, Traube
Herznote: Feige, Nelke, Tee
Basisnote: Eichenmoos, Vetiver

Besonders gespannt bin ich, ob ich die Traubennote entdecken kann, denn das wäre absolutes Neuland (nein, nicht das Internet) für mich. Und in der Tat, da ist etwas, was mich an die Schale von Trauben oder auch an die Bitterkeit der Kerne denken lässt. Vor allem ist es aber dann die Feige, die an die Macht kommt, frisches Fruchtfleisch der Feige. Da er gerade greifbar ist, habe ich mir Olivia Giacobettis „Philosykos“ für Diptyque unter die Nase gehalten. Dieser ist zwar auch ein Feigenduft, ist aber luftiger und heller ausgefallen. „Wilde“ ist krautiger, grüner, herber und bitterer, sicherlich mag hierfür auch das Vetiver sorgen. Interessant, mit der Zeit lässt die Bitterkeit nach und eine saubere Pudrigkeit stellt sich ein. Woher könnte sie stammen? Vom Eichenmoos wahrscheinlich.

Tombe d'Oscar Wilde
Cat Dam [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons
Das Grabmal für Oscar Wilde – vom Bildhauer Jacob Epstein – war früher mit zahllosen Lippenstiftkussmündern bedeckt. Es wurde restauriert und jetzt ist das Küssen nicht mehr erlaubt.

Lippenabdrücke zu hinterlassen, gehört nicht zu meinem persönlichen Repertoire, Bewunderung für Schriftsteller auszudrücken. Letzteres möchte ich aber tun, und auch der Duft gefällt mir ausgesprochen gut. Wie in einem guten Aphorismus von Wilde vereinen sich hier Herbheit, manchmal auch etwas Bitterkeit, aber am Ende ist es eine runde Sache und zumindest ein süffisantes Grinsen wert.

Schließen möchte ich mit einem besonders selbstironischen Zitat: „Manchmal bin ich so geistreich, dass ich nicht ein einziges Wort von dem verstehe, was ich sage.“ („I am so clever that sometimes I don’t understand a single word of what I am saying.“)

Viele Grüße und testet „Wilde“ unbedingt einmal!
Harmen

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Harmen Biró Verfasst von:

Hallo, ich heiße Harmen, war bis vor Kurzem irgendwas­unddreißig und habe immer die Nase im Wind, um Duftschätze für Euch zu finden und hier vorzustellen. Selbst bevorzuge ich feine Lederdüfte oder Gewürzkompositionen, ohne mich da aber festzulegen. Warum auch? Es gibt ständig so viel Neues in der Welt der Düfte zu entdecken. → BIRÓ

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