Neuigkeiten die Vierte – Mitte 2012.

Serge Lutens erfreut uns wie jedes Jahr mit zwei Neuveröffentlichungen: Santal Majuscule, die dritte Sandelholzinterpretation (nach Santal Blanc und Santal de Mysore) aus des meisterlichen Duos Lutens’/Sheldrakes Phiolen, wird demnächst die Exportkollektion erweitern, während Une Voix Noire die parisexklusive Kollektion ergänzen wird. Santal Majuscule wird als „Haute Concentration“ erscheinen (Ihr wisst schon, mit schwarzem Etikett) und es ist die Rede von Sandelholz satt, Kakao und Damaszener Rose – köstlich, oder nicht? Hier bei Fragrantica gibt es die wie immer kryptischen Erklärungen vom Meister zum Werk samt einem Interview. Une Voix Noire, die schwarze Stimme, zollt Billie Holiday Tribut, jener Bluessängerin. Deren Haarschmuck greift Lutens mit seinem Duft auf: Gardenienblüten, die er in hoffentlich genialer Art und Weise ambivalent inszenieren wird – die Schöne und das Biest, die Unschuld und ihre Nachtseite(n)…

Billie Holiday and Mister, Downbeat, New York, N.Y., ca. Feb. 1947 (William P. Gottlieb 04241)

Und wenn wir schon mit Serge Lutens bei den guten alten Weißblühern gelandet sind: Es gibt noch einen weiteren, den ich Euch nicht vorenthalten mag: Dominique Ropion hat Frédéric Malle eine weitere Kreation geschenkt, und zwar ein (leichteres) Haarwasser zu seiner genialen Tuberose Carnal Flower. Wem diese Komposition also bisher zu heftig war – Carnal Flower enthält die höchste Konzentration an reiner Tuberose, die in einem „normalen“ seriell gefertigten Parfum verfügbar ist – der kann es ja mal mit dem Duft für die Haare versuchen.

Juliette has a Gun beglücken uns mit einer neuen starken Frau im Chypre-Gewand – Mad Madame heißt sie, die Neue:

„Look out, Mad Madame is coming and already the rumors are flying. She fascinates, entertains and provokes, leaving a sensual perfumed trail in her wake. Chypre and rose oxide are reworked here in an ultra-modern fashion. Mad Madame dons a scandalous red perfume bottle, printed in black, and utterly bewitching.“

Die Noten hören sich gar nicht so verrückt an: Rosen, natürlich, begleitet von Pfingstrose, Tuberose, Jasmin und Freesie, des weiteren schwarze Johannisbeere, Ambra, weißer Moschus, Moos, Patchouli, Tolubalsam, Vanille und Castoreum.

Maître Parfumeur et Gantier besinnen sich wieder auf eine alte Spezialität – Ambradüfte. Ambre Précieux ist ja der Liebling vieler, nicht zuletzt auch ein jahrelanger Favorit meines Chefs. Nun kommt Ambre Doré, und man schlägt hier quasi gleich zwei Fliegen mit der Klappe: Einer neuer Ambraduft, der aber gleichzeitig auch ein Trendthema aufgreift – Oud. So neu ist der Duft eigentlich wohl auch nicht – er erschien bereits 2006 auf dem arabischen Markt, aufgrund der großen Nachfrage gliederte man ihn nun in die Les Accords Mystères-Kollektion mit ein. Ambra und Oud, begleitet von Safran, Sandelholz, Myrrhe, Styrax und Vetiver sind wohl enthalten.

Jean-Claude Ellenas Firma The Different Company schwelgen ebenfalls noch in Oudträumen: Oud for Love ist nach Oud Shamash der zweite Oudduft in der Collection Excessive und somit auch der zweite Oudduft des Unternehmens überhaupt. Auch Oud for Love stammt von Bertrand Duchaufour, der mal wieder eine ganze Menge spannender Ingredienzen aufzubieten hat: Aldehyde, Koriander, Kumin, Angelika/Engelwurz, Safran, Whisky, Iris, Tuberose, Ylang-Ylang, Gewürznelke, Sandelholz, Ambra, Castoreum, Immortelle, Heliotrop, Karamell, Tolubalsam, Vetiver und Moschus.

Auch Guerlain springt auf den Orientalen-Trend auf, und zwar mit ihrem neuen Les Déserts d’Orient-Trio, das sich drei typisch arabischen Ingredienzen verpflichtet sieht: Oud, Weihrauch und Rose sind es, denen man die Düfte widmet, die auf die Namen Rose Nacrée du Désert, Encens Mythique d’Orient sowie Songe d’un Bois d’Été.

Des weiteren steht dieses Jahr ein Geburtstag an im Hause Guerlain, den man gebührend feiert: Und zwar der 100. Geburtstag von L’Heure Bleue, jenem herrlichen Klassiker von Jacques Guerlain. Zu Ehren dieses Jahrhundertduftes (und das kann man nicht erst seit diesem Jahr behaupten!) lancieren Guerlain ein limitiertes Coffret, das eine Flasche des Originals sowie drei Interpretationen des Duftes beinhaltet (vier Mal 30 ml). Thierry Wasser ist die Nase hinter den Düften, L’Aurore, Le Crépuscule und Le Zénith genannt, die sich, wie man liest, wohl „nur“ durch verschiedene Konzentrationen unterscheiden sollen – wir wissen ja aber spätestens seit Maître Parfumeur et Gantiers Les Eaux Extravagantes, dass dabei komplett verschiedene Düfte herauskommen können. Le Zénith soll in jedem Fall laut Sylvaine Delacourt, die den Posten des Creative Directors bei Guerlain innehat, 2013 Teil der normalen Guerlain-Kollektion werden. Wer es also nicht zu einem stolzen Besitzer eines der Köfferchen gebracht hat, der kann sich nun trotzdem freuen.

Auch im Hause Dior tut sich etwas: Deren schöne Collection Privée Christian Dior erfährt Erweiterung – und zwar durch Grand Bal, der den Neuzugang der Collection Privée Christian Dior darstellt. Inspiriert durch, ja, große Bälle und die dazugehörige Couture, die man bei Dior seit je her finden kann, soll Grand Bal der olfaktorische Ausdruck eines solchen sein, vielmehr – des Morgens danach, des Zaubers, den die ersten Sonnenstrahlen am Morgen heraufbeschwören, die einen nach einer durchtanzten Sommernacht umfangen. Jasmin hat man dazu auserwählt, die dominierende Komponente zu sein in diesem Sommernachtstraum von François Demachy, der darüber hinaus Orangenblüten, Ylang-Ylang, Moschus und Sandelholz verwendete.

Seid Ihr neugierig? Wie steht Ihr überhaupt zu der ganzen Kollektion? Ich bin ja mittlerweile sehr froh, dass man die Düfte wieder alle bekommen kann, nachdem sie eine ganze Zeit ja nur in Paris erhältlich waren – es gibt schon einige Schmankerl darunter. Für Euch auch?

Viele liebe Grüße und bis morgen,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Geschrieben von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

4 Kommentare

  1. Evelyn
    8.Aug 2012
    Antworten

    Hallo liebe Uli,

    hmmmm, da kommt man ja wieder ins Schwärmen! 🙂

    Mir hast Du nun den Mund wässrig gemacht mit „Grand Bal“ – der liest sich ja wunderbar!!

    Als Revanche sage ich Dir nun aber, dass „Santal Majuscule“ sich nicht nur köstlich und spannend liest, sondern das tatsächlich auch IST. Ich konnte nämlich nicht widerstehen und hab einen Blindkauf in Paris getätigt. 😉 Und das hab ich keine Sekunde bereut, das ist ein wunderbarer, tiefer und satter Herbstkandidat. 🙂

    So, nun kratzen wir beide mit den Hufen. 😉

    Herzlichst
    Evelyn

  2. Ulrike Knöll
    Ulrike
    16.Aug 2012
    Antworten

    Huhuu liebe Evelyn,

    ich habe schon längst Muskelkater ob des Scharrens 😉
    Freue mich sehr auf einige Neuigkeiten – und natürlich auch auf den Santal 🙂

    Viele liebe Grüße,

    Uli.

  3. Kaddel
    2.Nov 2012
    Antworten

    Hui, da ist hier aber auch wer neugierig geworden. Der Maitre hört sich erschnuppernswert an und die weihrauchigen Guerlains lassen mich erst recht aufhorchen.

    Die bekloppte Madame wär ja rein schon vom Namen was für mich,…aber immer diese Rosen, hoch, ich weiss ja nicht.

    Da wird wohl bald mal wieder eine Probenbestellung fällig!

    Liebe Grüße und ´nen Drücker von mir an Dich, liebe Uli 🙂

  4. Ulrike Knöll
    Ulrike
    2.Nov 2012
    Antworten

    Hach liebe Kaddel, es gibt SO VIEL Tolles zu entdecken diesen Winter – da wird uns allen ganz bestimmt nicht langweilig 🙂

    Viele liebe Grüße zurück samt Drücker 😉

    Deine Uli.

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