Alles neu macht der Mai …

… macht die Seele frisch und frei – so dichtete der Herr von Kamp. Nein, nicht BrötchenKamps, der kann sicher auch nicht dichten, es war bereits anno dazumal, genauer: Anfang des 19. Jahrhunderts und der zugehörige Knabe ein deutscher Schriftsteller und Pädagoge, der sich mit jener Volksweise nicht nur in die Herzen der Menschen sondern auch nachfolgend in die deutschen Schulbücher schrieb.

Recht hat er aber, es steht im Parfummarkt wieder jede Menge Neues an, das ich für Euch zusammengesucht habe.

Der rührige Tom Ford hat nicht nur einen äußerst sehenswerten Film – A Single Man, Constantin hat ihn Euch bereits vorgestellt dieser Tage – geschaffen, auch seine Private Blend Kollektion erfreut sich über Zuwachs: Azure Lime heißt der Neue und sieht sich inspiriert durch die Insel karibische Insel Mustique. Blüten, gerne ein wenig tropisch (in ersten Blogrezensionen liest man natürlich von Gardenien) sind wohl darin enthalten genauso wie Hölzer, Moschus und Zitrusfrüchte. Wie üblich für die Private Kollektion gibt es die 50ml-Größe sowie den 250ml-Bottich.

Unser Herr Lutens läßt sich natürlich auch nicht lumpen und rückt wie jedes Jahr um diese Zeit mit Informationen über seine kommenden Neuveröffentlichungen raus: Zwei Düfte, einer für die Paris-exklusive Linie und einer für die Exportkollektion, wie immer. Boxeuses, der Pariser, wird der holzig-ledrigen Fraktion zugerechnet und soll Gourmandanklänge von Süßholz/Lakritze sowie Pflaume enthalten, was mich natürlich gleich hellhörig werden läßt. Bas de Soie, die seidenen Strümpfe, kommt in die Exportkollektion und ist ein Floraler, der, auf Hyazinthe basierend, Iris und pudrige Noten enthält. Boxeuses kommt im Herbst (September) und Bas de Soie wird uns bereits Mitte Juni erfreuen – ersterer in der 75ml-Größe und zweiterer in 50ml, preislich bei ca. 110 Euro und knapp 80 Euro.

Auf der Messe bereits entdeckt und geschnuppert hatte ich vollkommen die Neuen des Herrn Guillaume von Parfumerie Generale unterschlagen: Gardenia Grand Soir und Bois Naufragé, beide limitiert. Gardenia Grand Soir wird als authentische, sehr natürliche Gardenie beschrieben – ganz entgegen der Name vielleicht vermuten läßt, welcher eher auf den großen Auftritt am Abend hinweist. Den kann man mit diesem Duft aber durchaus auch haben – ich kann mich dem Pressematerial sowie den Worten des Herrn Guillaume nur anschließen, der mir jenes auch auf der Messe in Düsseldorf zu seinem Duft erzählte: Diese Gardenie, die mit Sandelholz versetzt wurde, ist annähernd fotorealistisch, lieblich, betörend, aber nicht narkotisierend, zauberhaft leicht für einen Weißblütler und mit grünen Noten angereichert. Bei mir hat sie eine sehr positive Erinnerung hinterlassen, bin gespannt auf den ausgedehnten Test. Hier auch ein nettes Interview zum Duft.

Auch Bois Naufragé habe ich als sehr interessant und schön in Erinnerung – namentlich angelehnt an Treibholz, untergegangenes (Schiffs)Holz evoziert der Duft mit seinen Noten von Feige und Feigenholz, Ambra und Fleur de Sel (dem Luxussalz der Sterneköche) grüne und salzige Noten, welche an die See erinnern, die das so lange beheimatete. Dazu gesellen sich eigentümlich warme Noten, welche an Sonnenmilch erinnern, die vom Meer von der sonnenverwöhnten Haut gespült wurden… Soweit ich mich erinnere ein bemerkenswerter und eigenständiger Duft mit skinnigen und gleichzeitig salzig-holzigen sowie grünen Elementen. Sobald er verfügbar ist folgt natürlich eine ausführliche Rezension 🙂

Die Italiener von Profumi del Forte ergänzen ihre Versilia-Linie nun mit Duft drei und vier, Versilia Aurum und Versilia Platinum. Versilia Aurum hört sich wie ein sommerlicher fruchtig-floraler Charmeur an mit seinen Ingredienzen: Kopfnote: Orange, Pflaume, Erdbeere; Herznote: Herznote: Rose, Jasmin,Tuberose, Maiglöckchen, Ylang-Ylang, Iris, Sonnenblume, Orchidee; Basisnote: Vanille, Tonkabohne, Perubalsam, Tolubalsam, Sandelholz, weißer Moschus, Ambra. Des Parfumeurs Intention war es, den Geist des Goldes wiederzugeben, einen Duft zu kreieren, „der kostbar ist, aber nicht anmaßend oder überheblich wirkt.“ Das ist im seiner Meinung nach gelungen: „ Am Ende habe ich, glaube ich, den richtigen Weg gefunden – mit einem Mix aus süß und warm, einer zarten Balance zwischen Früchten und Blumen, Hölzern, Harzen, Meeresbrisen und aphrodisierenden Erinnerungen.“

Versilia Platinum ist einem anderen Edelmetall gewidmet, dem Platin. Die Ingredienzen: Kopfnote: Bergamotte, Grapefruit, Rosa Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Rhabarber, Myrrhe; Herznote: Geranium, Freesie, Magnolie, Rose, Maiglöckchen; Basisnote: Vanille, Strohblume, Eichenmoos, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Patchouli. Auch hier war mal wieder der firmeneigene Poet am Werke, was die Duftbeschreibung angeht: „Aus dem Tagebuch des Chefparfumeurs: „An dem Tag, als ich die Gipfel der Apuanischen Alpen erreichte, versunken in die Betrachtung des Meeres, war ich gefangen zwischen ganz unterschiedlichen Welten, die ich mit einem Blick umfassen konnte: die brennende Sonne auf den Stränden und die glasklare Spiegelung der Marmorberge hinter mir, das intensive Blau des tyrrhenischen Meeres und das starke Grün der Kastanienwälder, die fließende Schönheit des Strandes im Sommer und die ewige Schlichtheit dieses glühend heißen Teils von Versilia. Ich stellte mir den Charme eines Parfums vor, das die Landschaft mit ihren weit auseinander liegenden Stimmungen, geschmeidig und mysteriös, bekannt und doch anders als jedes andere Parfum umfasst. Ein einzigartiger Duft, wie das kostbarste der Metalle, das Platin.’’ Wir dürfen gespannt sein…

Verwirrung hat auch noch eine andere Firma gestiftet, und zwar der verrückte Riechkolben von Alessandro Gualtieri, Kopf, Herz und Nase von Nasomatto: Nuda heißt deren neuester Streich, exakt so wie der Neue von Il Profumo. Von einer „Bombe“ ist die Rede, einer „Explosion“. Gewisse Ähnlichkeiten zu der Sexbomb Narcotic Venus sind wohl vorhanden, im Gegensatz zu der dort vorherrschenden Tuberose/Gardenie ist es hier deren Weißblütler-Schwester Jasmin aus Frankreich, die das zentrale Element des Duftes und somit die olfaktorische Verführerin darstellt.

Wenn wir es gerade von Nasomatto haben… Black Afgano, der limitiert im letzten Jahr erhältlich war und sich zügig ausverkaufte, wird aufgrund der sehr großen Nachfrage einmalig nochmals aufgelegt. Soweit wir über den Vertrieb erfahren haben wird es allerdings bei dieser einmaligen Neuauflage bleiben. Wer also noch ein Fläschchen mag – demnächst sollten sie in Bruchsal landen.

Ein weiterer Italiener hat auch noch etwas für uns in petto: Lorenzo Villoresi verspricht uns für Herbst diesen Jahres endlich, endlich mal wieder einen neuen Duft. Iberborea soll er heißen und ist eine Hommage an die Hyperboreer, die Einwohner des sagenhaften mythologischen Landes Hyperborea, den Lieblingen des Gottes des Lichts, des Frühlings, der Heilung und der Künste – Apollon. Sonne, Frühjahr und Kunst – was anderes soll daraus entsprießen als ein Blütenduft? Genau, ein solcher soll es werden, sogar mit (für Villoresi doch ungewöhnlichen) frischen Akzenten.

Des weiteren beehren und Nez à Nez mit einem neuen Parfum: Hiroshima Mon Amour heißt der Duft. Die Noten: Kopfnote: Yuzu, chinesische Mandarine, Pflaume; Herznote: Ambroxan, Wacholder, Birke, Sake, Kirschkerne; Basisnote: Bienenwachs, Moschus, Ambra, Vanille.

So, damit will ich es auch erst einmal wieder bewenden lassen mit den Neuigkeiten –

einen schönen Tag Euch allen und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ulrike Knöll Geschrieben von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

3 Kommentare

  1. Jutta L.
    17.Mai 2010
    Antworten

    Ich freue mich besonders auf Gardenia Grand Soir, liebe Uli. Gardenie, Sandelholz und grüne Noten klingt sehr vielversprechend als Kontrast zur „Mushroom“ Gardenie von Tom Ford, die ich mittlerweile sehr liebe. Wobei ich letztere eher abends trage und die Grand Soir Gardenie sich für mich mehr nach tagestauglichem Duft anhört.
    Ausserdem werde ich mir Narcotic Venus nochmal anschauen, bzw. anriechen….

    Danke Dir! Hab‘ einen schönen Wochenbeginn
    lieben Gruß
    Jutta

  2. fredi
    17.Mai 2010
    Antworten

    Die beiden neuen Düfte von Parfumerie Generale gehörten für mich zu den highlights der Düsseldorfer Parfummesse, ich habe sie ausgiebig getestet und mich auch von Pierre Guillaume, der übrigens ein sehr charmanter Gentleman ist, persönlich darüber informieren können.

    Gardenia Grand Soir ist sehr beeindruckend, „fotorealistisch“ trifft es sehr gut, ich würde fast sagen „hyperrealistisch“. Monsieur Guillaume ist zurecht sehr stolz auf diesen Duft, bei dem es ihm nach eigener Aussage gelungen ist, die Gardenie (die ja nicht destillierbar ist und meist durch Tuberosen- oder Jasminnoten olfaktorisch „zusammengesetzt“ wird), so natürlich wie nie zuvor abzubilden. So ist dieser Duft sehr viel grüner, in den Kopfnoten frischer, geradliniger und minimalistischer als die bekannten Gardeniendüfte, im Vergleich zu denen er unglaublich modern wirkt.

    Und Bois Naufragé ist ein Hölzchen so richtig nach meinem Geschmack!! Sehr zart und transparent für einen Holzduft, mit nur ganz leichten aquatischen und marinen Noten (Feige, Fleur de Sel), ansonsten skinnig, warm (nicht süss!) und eher auf der kuscheligen Seite. Er hat eine sehr schöne Duftentwicklung; ein dezenter und sanfter Geselle, für Freunde des gepflegten Understatements. Unisex ohne eindeutige Vorliebe für die eine oder andere Seite 😉 Unbedingt etwas für jeden Tag, besonders schön auch in der warmen Jahreszeit.

    Auf die anderen genannten bin ich auch schon sehr gespannt – vor allem auf die neuen Lutens!

    LG, fredi!

  3. Ulrike Knöll
    Ulrike
    20.Mai 2010
    Antworten

    Liebe Fredi, Du hast natürlich wie immer vollkommen recht – vielen Dank für Deine Beschreibungen!

    In der Tat ist die Guillaume’sche Gardenie etwas sehr besonderes und vor allem: sowas von tragbar. Ich bin Weißblühern gegenüber ja nicht immer zugeneigt, würde sie aber sofort tragen.

    Bois Naufragé muß ich unbedingt nochmals eines genaueren Tests unterziehen, sobald er da ist. Meine Aufmerksamkeit war von der Gardenie so in Anspruch genommen, daß ich das Hölzlein nur im Vorbeigehen als „sehr hübsch“ wahrgenommen habe. Nachholbedarf, definitiv!

    Liebe Grüße,

    die Uli.

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