Aus Liebe zum Duft Shop Duft Tagebuch

Costume National die Zweite.

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Blüten, Duft, Fruchtiges am 2.09.2010

Gestern hatte schon deren neuer Mann meinen Einstieg in die Costume National-Duftkollektio geleistet: Ropions Homme, welcher mich in Verzücken versetzte. Heute und morgen folgen die restlichen Düfte des italienischen Hauses, das sich durch seine (Mode)Designs schon seit Jahren einen exzellenten internationalen Ruf erarbeitet hat.

Für die Düfte des Hauses sind exakt zwei Herren verantwortlich: Herr Ropion, welcher meinen Mann schuf und hauptsächlich Laurent Bruyère, dem alle restlichen Düfte zuzurechnen sind. Bruyère war Parfumeur bei IFF, einem der großen Aromahersteller, und verstarb 2008 tragischerweise im viel zu jungen Alter von 43 Jahren. Ropion arbeitet ebenfalls seit 2000 bei IFF, die beiden kannten sich also, was vielleicht auch erklärt, daß sie viele Düfte zusammen gemacht haben: Muglers Alien sowie Innocent, Cacharels Amor Amor, Sentiment pour Homme für Escada und einige weitere. Zu Ropion selbst, dem Preisträger des begehrten Prix François Coty (heute: Cosmetic Valley’s International Fragrance Prize) des Jahres 2008, muß ich eigentlich nichts mehr sagen – das habe ich gestern bereits getan. Laurent Bruyère selbst hat alleine natürlich auch eine ganze Anzahl Düfte kreiert, unter anderem Paul Smiths Floral, Azzaros Azzara, Lalique Le Baiser, etc..

Um der Anzahl der Düfte Herr zu werden, beginne ich jetzt erstmal mit der sogenannten Scent-Trilogy und hier beim ersten, ganz einfach Scent benannten Duft, erschienen 2002. Scent hat folgende Ingredienzen: Jasmintee, Hibiskus, Ambra, Hölzer.

Die Kofpnoten von Scent werden beherrscht von fruchtigen Akzenten mit einem ökogummibärigen Touch, die ich ehrlicherweise nicht als Hibiskus enttarnt hätte, aber mit dem Wissen darum und jener Fruchtherbheit, die sie an den Tag legen, durchaus als solche zu identifizieren sind. Darunter legt sich auf meiner Haut ein zarter Wildlederschleier hellster Sorte, der eventuell der Ambra mitsamt ihren dezent animalischen Akzenten. Überhaupt entwickelt sich bei diesem Duft der Teststreifen fast schon kontradiktorisch zu meiner Haut: Auf jenem überwiegt eine fruchtig-florale Teenote, sehr prominent und durchdringend, für meine Nase ähnlich jenen Bio/Ökogummibärchen aus Fruchtsäften, unterstrichen von einer sanften Wärme und Hölzern. Auf meiner Haut entwickelt sich das ganze wie eine Schwester von Daim Blond aus dem Hause Lutens: Floral-Fruchtiges auf einem süßen (Wild)Lederlager. Beides schön und interessant, zeigt aber auch, daß ein Test auf der eigenen Haut vor dem Kauf angesagt ist ;)

Scent Intense erschien ebenfalls im Jahre 2002 und ist sowas wie der ältere Bruder von Scent, die Erwachsenenvariante, die düstere Seite: Wo Scent noch freundlich und dezent ledrig eher im Obstkorb wühlt mit seinen Hibiskusnoten, verstärkt das in Intense wohl beigefügte Labdanum die Ambra und dreht hier den Pegel voll auf: Harze stehen im Mittelpunkt, süß-würzige Wärme und dunkle, trockene Rauchigkeit. Sehr sehr lecker und meines Erachtens nach auch sehr schön an einem Mann.

Beide Düfte sind unisex tragbar, ich kann mir letzteren an einem Mann allerdings besser vorstellen. Ersterer benötigt schon ein junges und sehr stylisches Exemplar, da er eher metrosexuelle (nicht negativ gemeint!) Züge trägt.

Scent Sheer, 2003 lanciert, ist der dritte Duft im Bunde, ein Eau Fraîche und somit eine leichtere, transparentere Variante der beiden Vorgänger. Was die Ingredienzen angeht ist wieder alles strittig, man findet in vielerlei Quellen noch viel mehr Angaben… Im Pressematerial ist von fließender Seide die Rede sowie von der Essenz von Jasmintee… wenn ich ehrlich bin, ich rieche den nicht. Mit viel Vorstellungskraft auf dem Teststreifen, ok. Für mich aber in erster Linie eine sehr sanfte Moschusinterpretation mit einem Touch seeehr zivilisierter und über die Maßen heller freundlicher Ambra.

Soweit so gut für heute – morgen folgt der Rest der Düfte. Bis dahin viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

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Ein wenig skeptisch

Geschrieben in Blüten, Duft, Tropisches am 30.08.2010

stehe ich dieser Rezension gegenüber und zwar schon von Beginn an. Ist die Protagonistin des heute besprochenen Duftes eine, wie ich finde, verkannte Persönlichkeit: die Kokosnuss. Förmlich sehe ich schon wie der sonst interessierte Blogleser nach dieser Offenbarung eilig die Maus Richtung „Fenster schließen“ bewegt und doch möchte ich Euch alle bitten, auch die, die der Kokosnuss mit Vorbehalt, Vorbedacht und Vorurteil gegenüberstehen, ihr doch wenigstens in diesem kleinen Artikel eine Chance zu geben. ;-)

Auch ich muss zugeben, dass mein Verhältnis zu genannter Tropennuss (die botanisch gesehen keine Nuss ist, sondern vielmehr eine Steinfrucht) mitunter etwas angespannt ist. Zum einen weil die Guteste mir olfaktorisch durch so manches synthetische Billo-Duftwässerchen vergällt wurde, zum anderen weil ich sie gustatorisch fast ausschließlich nur mit klebriger Süße in Verbindung bringe; diese Assoziation schiebe ich insbesondere dem unsäglichen Bountyriegel in die Schuhe. Auch ich esse einen solchen alle Jubeljahre mal, wenn mich ein Künstlich-Süß-Gelüstchen überkommt. Aber, wenn man mal ganz ehrlich ist, wird der Schokoriegel der wahren Größe der Kokosnuss nur bedingt oder besser: überhaupt nicht gerecht. Aber wer eine geschmacklich-natürliche Umsetzung in Form eines Knusperriegels sucht, ist ja eigentlich ohnehin auf der falschen Fährte oder wahlweise auch auf dem Weg ins Reformhaus, was aber auch das Gleiche bedeuten könnte. ;-)

Wer von Euch dagegen schon einmal eine ganze Kokosnuss im Laden gekauft hat (oder gar eine eben geerntete in den Tropen selbst?), diese geknackt hat und das fasrig-frische, natürliche, nicht mit künstlichen Aromastoffen zugedröhnte Fruchtfleisch geknabbert hat, wird mir bestätigen können, dass da doch Unterschiede zu erkennen sind. Natürlich ist der charakteristische Kokosgeschmack deutlich erkennbar, aber diese klebrige Süße fehlt. Nach Duftrezensionkriterien würde ich den Geschmack aromatisch, milchig, mit aquatischen Tendenzen nennen. So mag, so liebe ich die Kokosnuss! Lecker!!

Doch bevor sich jetzt ein Mob erregter Kokosgegner und erzürnter Bountyverfechter auf den Weg Richtung Bodensee begibt, um mich zur Räson respektive zum Schweigen zu bringen – Gemach! Gemach! Bin ich doch seit jeher ein Freund der Worte Friedrichs II. : „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“ Wer Bounty liebt, der esse Bounty und wer generell bei Kokos flüchtet, nun, dem wünsche ich ‚Gute Reise’. Ganz nach dem Motto: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. ;-)

Ach, ihr seht, ich befinde mich in einer Art Bredouille. Irgendwie bin ich schon ein Kokosfreund und irgendwie auch wieder nicht so richtig. Dabei würde ich mich so gerne vorbehaltlos für sie einsetzen. Aber davor, also den Vorbehalten, bin selbst ich nicht gefeit. Was das Geschmackliche angeht, kann ich mich zwar unter bestimmten, bereits genannten Umständen für sie verbürgen, was Düfte angeht bin ich äußerst vorsichtig (ich erinnere da nur an erwähnte Billo-Deos,-Düftchen und -Bodylotions). Denn auch hier sind für mich Authentizität und Natürlichkeit das A und O. Wir hatten es kürzlich schon in einem Artikel von Ulrike davon, dass es wenige erwachsene Kokosdüfte ohne Bountynote gibt. Vittoria Apuana von Profumi del Forte wurde da genannt, Virgin Island Waters von Creed und eben auch Love Coco der Ökoduftlinie Honoré des Prés. Sehen wir mal, ob der heute rezensierte Duft dazugehört!

Letzte Woche habe ich sie Euch schon kurz (und begeistert) vorgestellt und dabei auch drei Ihrer Düfte: Patricia de Nicolaï. Auch heute stammt der rezensierte Duft aus ihrer Feder: Cococabana. Der Name ist meiner Meinung nach etwas unglücklich gewählt; eine Verunglimpfung des brasilianischen Vorzeigestrandes Copacabana, und lässt bei mir sofort den Klebrig-Süß-Bounty-Alarm im Kopf losschrillen – und das nur vom Hören beziehungsweise Lesen. Nichtsdestotrotz schreite ich mutig ans Testen (Frau de Nicolaïs Düfte waren bisher durchweg bezaubend, was soll also schiefgehen?). Hier zu allererst einmal die Duftnoten: Kokosnuss, Tiaré, Bitterorange, Galbanum, Ylang-Ylang, Neroli, Zedernholz, Sandelholz, Moschus, Vanille.

Frisch aufgesprüht ist von der erwarteten Kokosnote (die ja auch im Duftnamen extra erwähnt wird) weit und breit nichts zu entdecken. Satt und üppig duftet mir dagegen eine Armada an Weißblühern entgegen, in einer Intensität, die mir bisher in dieser Form noch nicht untergekommen ist und die mir ehrlicherweise kurzzeitig den Atem raubt. Tiaréblüte und Ylang-Ylang toben sich im Auftakt gehörig aus; mal mehr in die berauschend-cremige Richtung tendierend, mal mehr mit quietschigen Bubble Gum-Noten aufwartend. Im weiteren Verlauf beruhigt sich der Duft ein wenig. Die Weißblüher treten etwas in den Hintergrund, aber nicht völlig und da taucht sie plötzlich auf: die Kokosnuss. Authentisch, sehr zart, sehr dezent (was aber auch an dem starken Kontrast zum barocken Auftakt liegen könnte), flankiert von den allgegenwärtigen weißen Floralen und Noten, die ich intuitiv Sandelholz, Moschus und Vanille zuordnen würde, womit wohl auch schon das Ende dieser rasanten Duftachterbahnfahrt eingeläutet wird. In einer berauschend-floralen Note klingt der Duft langsam und gemächlich aus.

Tja, in Hinblick auf meine Ode an die Kokosnuss zu Beginn meines Artikels muss ich zugeben, dass sich der Duft etwas anders entwickelt hat als erwartet. Hierfür muss ich Tiaré und Ylang-Ylang zur Verantwortung ziehen, die den Duft vom Auftakt bis in die Basis hinein dominieren (auf Teststreifen und meiner Haut). Schade, wie ich finde, denn die anderen Duftnoten gehen beinahe völlig unter. Die von mir ersehnte Kokosnote präsentierte sich zwar recht authentisch, wurde aber von den wuchtbrummigen Weißblühern doch eher in den Hintergrund gedrängt und unterjocht.

Von daher würde ich den heute rezensierten Duft (so wie er sich auf meiner Haut und dem Teststreifen entwickelt hat) eigentlich gar nicht in die Kokosriege aufnehmen. Auch wenn der Name das eigentlich vermuten ließe, haben wir es hier doch mit einem weißen Prachtfloralen allererster Güte zu tun; tropische Tendenzen inklusive.

Tja, und somit ziehe ich zwei Lehren aus der heutigen Rezension, nämlich erstens: „Probieren geht über Studieren.“ Ein kleiner Vorabtest hätte mein ellenlanges Plädoyer für die Kokosnuss erübrigt. Außerdem sollte ich in Zukunft Vorsicht walten lassen, wenn mit die Duftnotenkombination Tiaré und Ylang-Ylang unter das Näschen kommt. Da mir doch eher transparente Düfte liegen und ich mit Weißblühern noch nicht ganz per Du, hat mich der Duft heute etwas überrollt. So hoffe ich, dass Ihr mir den abrupten Kurswechsel in meinem Artikel verzeiht. :-)

Immer noch platt wie eine Flunder grüßt Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Kopraherstellung von Robert Stein III und Cocos nucifera von Forest & Kim Starr – some rights reserved. Vielen Dank!

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Als alter Komplettist…

Geschrieben in Blüten, Duft, Grünes, Hesperiden am 18.08.2010

ist es für mich dieser Tage wirklich ein Graus: Momentan häuft sich einfach alles. Wir haben soo viele neue Düfte im Shop, die ich Euch gerne vorstellen möchte, dazu kommen etliche neue oder auch neue alte Linien, die ich ebenfalls gerne in ihrer Ganzheit rezensieren würde, dann gesellen sich noch meine 237 Ideen hinzu, Artikel, die ich schon lange einmal schreiben wollte… Ich komme mir gerade ein bißchen vor wie Sisyphos: Kaum habe ich einen Stapel Duftfelsen den Berg hinaufgerollt, ergo vorgestellt, entfleucht mir der Fels wieder und ich muß von Neuem starten oder vielmehr: fünf Düfte rezensiert, fünfundzwanzig Neue hinzu oder so ähnlich. Nun ja, da hilft wohl nichts anderes als Kontinuität und Beharrlichkeit, ich bleibe am Ball oder besser am Duft ;)

Gestern hatte ich Euch den Signatureduft von Iris von Arnim vorgestelllt, den jene zusammen mit der Hamburger Parfumeurin Kim Weisswange kreierte. Nebenbei hatte ich hier bemerkt, daß Frau Weisswange annähernd zeitgleich auch noch für zwei andere Hamburger Labels Düfte kreierte – für Uli Schneider und Herr von Eden, deren Düfte ich Euch deshalb noch den Rest der Woche vorstellen mag.

Das Label (von) Uli Schneider besteht seit 1990 und ist nach eigenem Bekunden ein „Avantgarde“-Label mit „eigener Handschrift“, welches mit seinen Kollektionen durch „Stilsicherheit und hochwertige eigene Materialien“ besticht, „auf Understatement und edelste Materialien“ setzt und sich zu „Transparenz und klaren Linien“ hingezogen fühlt. Für mich eine recht zutreffende Eigencharakterisierung: Ich nenne einige Teilchen von Frau Schneider mein Eigen und sie zeichnen sich eben gerade durch die ansonsten eher aus Japan oder Belgien stammenden, teils architektonisch anmutenden und sehr puristischen Schnitte aus.

Die beiden Düfte von Uli Schneider wurden 2009 erstmalig lanciert und ergeben zusammen das „two of a kind“ benannte Duftkonzept: „Ein blumig frischer Tagesbegleiter und eine kräftigere Variante für den großen Auftritt am Abend“ sollen sie darstellen und sich somit ergänzen . Dieses „Konzept“ hat mich ein bißchen an die beiden Boatengs erinnert oder an Norma Kamalis Baby und Incense – wobei letztere, eigentlich letzterer ungeschlagen sind… sollte jemand einmal einen Weihrauch für Fortgeschritttene suchen, einen für 18, keinen für Anfänger, einen kompromisslosen – dann empfehle ich diesen hier, immer wieder gerne. Das nur am Rande.

Wenden wir uns wieder Frau Schneider zu. Sie selbst definiert laut ihrer Homepage ihren Stil als „Mode für die moderne, anspruchsvolle Frau – feminin, sexy und elegant. Meine Kundinnen sollen sich in meinen Kreationen den ganzen Tag über rundum wohl fühlen – ob am Vormittag im Meeting oder Abends im Restaurant oder in der Oper.“ Diesen Anspruch hat sie auch an ihr Duftduo, die, natürlich, auch in schwarz und weiß gehalten sind wie zwei (Gegen)Pole, die sich perfekt ergänzen.

No. 1 ist der Duft für den Abend – Madame Schneiders Tage beginnen also mit den Nächten, interessant, eine klare Priorität ;)

Die Ingredienzen: Kopfnote: Piment, Anis, Rosenholz, Pflaume, Mazis (Muskatblüte), Mandarine, Orange; Herznote: Magnolie, Tuberose, Ylang-Ylang, Zimt, Nelke; Basisnote: Zedernholz, Opoponax, Vanille, Moschus, Sandelholz, Vetiver.

… ehrlich gesagt sitze ich jetzt schon seit geraumer Zeit und überlege, was ich den so schreiben könnte… Beim Thema Abend und besagtem großem Auftritt geht mir jede Menge durch den Kopf: Dramatik und Theatralik, Präsenz, große Feiern mit großen Augenblicken, Festlichkeit oder auch nur Eintauchen in die glitzernden Lichter einer Großstadt und sich treiben lassen von Stelle zu Stelle oder besser: Lokalität zu Lokalität bis der Morgen graut – und das eben gerade nicht als graue Katze.

Nur hat die No. 1 davon so gar nichts – sie ist weder opulent noch ausufernd, nicht wirklich verführerisch, auch nicht betont betörend…

Wenn schon Nacht findet sich hier eher vielleicht ein Romantiker wieder und ich fühle mich an Chopins Nocturnes erinnert, genauer an Opus 9 No. 2, dieses populäre Stück: Mitternächtliche Naturbetrachtungen stelle ich mir dazu immer vor, einen einsamen Spaziergang bei fahlem Mondenschein, in dem man sich ganz seinen Gedanken reflektierend hingibt, innehält und, Rast machend, jene vertiefend in der Stille der Nacht.

Ein leiser, zurückhaltender, unaufdringlicher und hautnaher Duft, insofern sicherlich Understatement wie von Frau Schneider verkündet – kurz nach dem Auftragen ein paar fruchtig-frische Anklänge, die umso schneller von dem Herzen eingeholt werden: Sanft floral anmutend, vordergründig aber weich und mit einer sauberen Süße ausgestattet, die mich in ihrer Leichtigkeit an Schaumgebäck erinnert. Alles in allem – eine zarte Aura, feminin und sinnlich, anschmiegsam. Aber kein Duft, um das Haus zu rocken, egal welches – was ja aber nicht von Nachteil sein muß meine Lieben ;)

Die No. 2 ist überwiegend grün im Auftakt, läßt aber wenige Momente später schon die ersten Blüten durchblitzen: Ein kräftiges Alpenveilchen mit seinen naturaliter kauzig-aquatischen Anmutungen, welche von Pfingstrose und einem sauber-frischen Maiglöckchen unterstrichen werden. Sämtliche Zitrusfrüchte schluckt zumindest meine Haut gänzlich – auf dem Teststreifen leuchten diese immer wieder am Rande auf in säuerlicher Spritzigkeit. Hier zeigt sich ohnehin eine krasse Differenz zwischen Papier und Arm: Auf letztem entwickelt sich die No. 2 in ein Blütenbouquet mit kräftig Blattgrün umrankt und in einem kleinen Holzkörbchen gelegen. Der Teststreifen dahingegen macht daraus ein Stilleben und ergänzt um die Hesperiden, welche den Duft dort ingesamt sportlicher und dynamischer wirken lassen als er sich an mir präsentiert – hier zeigt sich, oh Wunder, eher die feminine Seite. Macht nichts, heißt aber: Bitte in jedem Falle selbst auf der Haut testen.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Grüne Noten, Bergamotte, Zitrone, Melone, Pfirsich, Orangenblüte, Veilchen; Herznote: Pfingstrose, Alpenveilchen, Rose, Jasmin, Tee, Maiglöckchen, Lavendel

Basisnote: Zedernholz, Patchouli, Tonkabohne, Moschus, Sandelholz.

Resümierend läßt sich feststellen, daß der Understatementcharakter von Uli Schneiders Mode mit diesen Düften eingefangen werden konnte genauso wie deren Femininität – lediglich erwecken die vornehmlich in Schwarz, Weiß, Grau und Rot gehaltenen Modelle einen entschiedeneren Eindruck. Two of a kind gehört farbentechnisch eher in die Ecke der Taupe- und Schlammfarben, der wärmeren Töne… Für jemand, der mit klaren Formen und Minimalismus kantige Love-it-or-hate-it-Düfte verbindet dürfte das Duo nichts sein – für Freunde leiserer oflaktorischer Tonarten sehr wohl.

Gibt es schon Stimmen, kennt Ihr Sie schon?

Ganz viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Franz von Stuck (1920): Sisyphus von Ranveig via Wiki Commons, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Ab durch die Hecke

Geschrieben in Blüten, Duft am 12.08.2010

So wie das Leben an sich, hält auch das Schreiben von Duftrezensionen so manche Überraschung bereit. Der oftmals doch recht willkürliche Griff ins Schächtelchen mit den Pröbchen der verbleibenden, zu rezensierenden Düfte entführt uns (ich gehe mal davon aus, dass es der lieben Uli da nicht anders geht) nicht selten in ungeahnte Gefilde: seien es ferne Länder, fremde Kulturen, geschichtliche Ereignisse oder menschliche Schicksale. Fast jeder Duft, den ich bisher rezensiert habe, war mit etwas Bestimmtem assoziiert. Da der Name allein die Verknüpfung oft nicht bereitwillig preisgeben mag, offenbart erst eine intensive Recherche die wahren Hintergründe, die den Parfumeur zur Kreation und/oder Namensvergabe bewogen haben.

So auch in diesem Falle hier. Aus meinem Probenschächtelchen zog ich eine Phiole, die die Beschriftung La Haie Fleurie trug. Dank meiner eher rudimentären Französischkenntnisse konnte ich zumindest auf den ersten Blick ausmachen, dass da etwas blüht im Namen. Aber was? In einer ersten, zugegebenermaßen etwas vorschnellen und undurchdachten Annahme übersetzte ich die vorderen Teil des Namens mit dem für mich im morgendlichen Tran Naheliegendsten: der Hai. Aha, der blühende Hai. Das kam mir zwar als Name für einen Duft, ja eigentlich für so ziemlich alles, recht eigenartig vor, aber die Damen und Herren aus der Parfumbranche sind ja manchmal doch ganz schön crazy, also: wer weiß? Dem floralen Knorpelfisch beziehungsweise der Sache musste auf jeden Fall auf den Grund gegangen werden. Mein detektivischer Spürsinn war geweckt! Des Rätsels Lösung war schnell gefunden (dem Online-Wörterbuch sei Dank): mein vermeintlicher Hai entpuppte sich schlicht und einfach als Hecke. Die blühende Hecke also. Das klingt vernünftiger, wobei ich mich persönlich insgeheim schon so ein bisschen mit dem Raubfisch im Namen angefreundet hatte. Tja, schade. So verrückt sind sie dann doch nicht, die Nischendüftler.

Die wahre Identität des Duftes stellte mich nun aber vor ein weiteres Problem: was schreibt man über einen eindeutig floralen Duft, der „die blühende Hecke“ heißt? Der eifrige Blogleser mag sich an einen von Ulrikes Mai-Artikeln erinnern, in dem sie Bezug zu einem armen Kolumnisten nahm, der einen Artikel über das Maiglöckchen schreiben musste, dem dazu aber partout nichts einfiel. So ähnlich ging es mir anfangs auch, bis ich mich tiefer in die Materie einarbeitete und Zusammenhänge aufspürte, die ich so anfangs nicht im Geringsten erahnt hätte. Doch zuerst die (wenigen) harten Fakten: La Haie Fleurie wurde vom werten Herrn Jean-Claude Ellena im Jahre 1982 für das renommierte Parfumhaus L’Artisan Parfumeur geschaffen.

Es existieren zwei Namensvariationen des Duftes: La Haie Fleurie und La Haie Fleurie du Hameau. Letzteres scheint wohl der Originalname zu sein, ersteres heutzutage aber gängiger. Aber erst der ursprüngliche Anhang des Namens brachte mich schließlich auf die richtige Fährte. Hameau, der Weiler, nimmt Bezug auf die französische Königin Marie Antoinette, die zu Lebzeiten für ihre Verschwendungssucht bekannt und daher beim hungernden Volk verhasst war und infolge der Französischen Revolution 1793 auf dem Schafott ihr Ende fand. Eben diese Marie Antoinette ließ sich in den Parkanlagen des Versailler Schlosses rund um einen künstlich angelegten See herum ein kleines Bauerndorf errichten, das Hameau de la Reine; mit einer Mühle, einem Bauernhof, einer kleinen Fischerei, einer Molkerei und natürlich der Maison de la Reine, dem Haus der Königin. Die Häuser waren von außen recht schlicht im bäuerlichen Stil gehalten, strotzten innen aber nur so vor Luxus. In diesem recht verklärten Dörfchen (oder Weiler) spielte Marie Antoinette zum Zeitvertreib die einfache Bauersfrau. Sie ließ gar eigens eine echte Bauernfamilie im Weiler ansiedeln, um die Stimmung „authentisch“ und die landwirtschaftlichen Betriebe am Laufen zu halten. Natürlich hatte die von Armut, Hunger und Krankheit geprägte Realität der französischen Bauern des 18. Jahrhunderts nichts mit dem hochgradig idealisierten Bauernleben zu tun, das Marie Antoinette in ihrer Rolle als „einfache Bauersfrau“ spielte. Das französische Volk war verständlicherweise empört ob dieser Brüskierung seitens der ohnehin ungeliebten Königin.

Mit diesem Hintergrund widmen wir uns nun also dem eigentlichen Duft. Beim besten Willen kann ich mir unter der blühenden Hecke nun kein zartes Blumendüftchen mehr vorstellen; nein, viel eher etwas Opulentes, ganz im Stil der Marie Antoinette. Und tatsächlich, die Duftnoten sind bereits vielversprechend üppig: Jasmin, Narzisse, Orangenblüte, Ylang-Ylang, Geißblatt.

Frisch aufgesprüht zeigt der Duft sich sogleich von seiner prächtigsten Seite: stark floral mit dezenten Bubblegum-Untertönen. Diese sind auf dem Teststreifen sehr deutlich herauszuschnuppern, auf meiner Haut kommen sie wirklich nur ganz, ganz dezent und unterschwellig zum Tragen. Zart-grüne Nuancen vermag ich wahrzunehmen, die ich intuitiv der Narzisse zuordnen würde. Ganz subtil schwingen fruchtige Nuancen mit. Im weiteren Duftverlauf offenbaren sich außerdem aquatische Tendenzen. Aber im Mittelpunkt des Geschehens steht eindeutig ein Weißblüher: Jasmin, berauschend und leicht-indolisch. Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass La Haie Fleurie den Ruf besitzt, eine Ode an den Jasmin zu sein. Ja, ich sehe sie förmlich vor mir, die getrimmten Jasminhecken im bäuerlich-königlichen Weiler, an denen die in seidene Lumpen gekleideten Hofdamen vorbeischlendern. Jene Hofdamen, die das bizarre Rollenspiel der Königin komplettieren und sich mit silbernen Rechen sowie vergoldeten Porzellaneimern dem einfachen ländlichen Leben hingeben.

Trotz aller Ironie ist La Haie Fleurie ein wunderschön-weißer Florale, dessen Jasminnoten ebenso prächtig wie authentisch umgesetzt sind. Dessen Glanz und Üppigkeit verfliegt leider auf meiner Haut recht schnell. Zurück bleibt ein sehr dezenter und hautnaher Blütenduft, der ebenfalls sehr natürlich wirkt, mit der Opulenz des Auftakts aber wenig gemein hat. Auf dem Teststreifen hält sich der Duft besser, wirkt insgesamt intensiver. Da macht wohl meine Hautchemie wieder nicht so mit wie ich das gerne hätte. Böse Haut! ;-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Hameau de la Reine von deror avi und Ferme1 von Urban – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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Am Ende des Regenbogens…

Geschrieben in Blüten, Duft am 11.08.2010

Letzte Woche hatte ich mit den Morgane Le Fays begonnen – zu einer Zeit mistigen Wetters und zuviel Regen, oft leider gar ohne Regenbogen zwecks mangelnder Sonne. Den hatte ich Euch lediglich mit der Farbenpracht der Morgane Le Fayschen Duftkollektion beschert. Als letzten Duft der Kollektion möchte ich Euch Yellow vorstellen – quasi das Ende des Regenbogens. Der Regenbogen, jener vieldeutige, nach den Chinesen ein Riß im Himmel, von einer Göttin mit bunten Edelsteinen verschlossen, wird den allermeisten aber im Zusammenhang mit der irischen Sage in Erinnerung sein, oder? Jenewelche einen Topf Gold am Ende (oder Anfang?) desselben verspricht.

Morgane Le Fay Yellow ist für mich dieser Topf Gold in der Kollektion – nicht nur farblich, sondern für mich auch olfaktorisch mit Abstand der schönste Duft der Kollektion. Frau Cetto, die auch bereits für Fragranza Verde verantwortlich war, kreierte dieses Düftchen, welches mit seiner gelben Farbe all jene Assoziationen hervorruft, welche man mit derselben verbindet: Sonne, Gold, die Farbe der (Insignien der) Macht, Frische, Strahlkraft, Leuchten, Lebensfreude. Ein Duft für Königinnen soll es also sein oder vielmehr: die königlich weiblichen Seiten, die da wären Eleganz, Anmut und Stärke, Loyalität, Gelassenheit, Liebenswürdigkeit und… Understatement.

Es tut mir leid, mir fällt einfach kein anderes Wort dafür ein und auch dieses ist eigentlich nicht ganz passend und treffgenau in dem Zusammenhang: Ich meine jene Tugend der Selbstsicherheit in Verbindung mit Zurückhaltung, Selbstgewissheit und damit verbundenes Sich-Zurücknehmen, sich nicht beweisen müssen da man sich seines Wertes bewußt ist, dieses in sich ruhende Unprätentiöse, das einen ungeheuren Eindruck hinterläßt, eine unfassbare Präsenz besitzt, obgleich es sich nicht in den Mittelpunkt drängen muß.

Wißt Ihr, was ich meine? Vielleicht sollte ich es mal mit den dazugehörigen Duftnoten umschreiben: Yellow umgarnt einen mit zarten (!) zitrischen Noten, ein Duett aus Bergamotte und Zitrone, welche sich prickelnd-hesperidisch, aber doch auch ungewöhnlich weich und anmutig präsentieren und umgehend Blüten atmen, Vorboten des floralen Herzen: Hyazinthe und Lotosblüte, beide mit einer feinen Süße ausgestattet und der ihnen genuinen aquatischen Wässrigkeit. Jasmin und Pfingstrose bilden das Herz – letztere dominiert und unterstreicht das wässrig-florale Naturell ihrer Vorgänger, Jasmin zeigt sich nur sanft dahingehaucht und beschert eine subtile Blumensüße. Die Basis zeigt sich zurückhaltend irisholzig und präsentiert dezenten Moschus in sauberer Ausprägung, der gleich einem Federbette die Blüten zur Ruhe bittet.

Da Yellow seinem Vorgänger Classic, dem mittlerweile leider vergriffenen früheren Signatureduft der Linie frappierend ähnelt, habe ich beide parallel für Euch auf der Haut getestet. Ich muß schon sagen, sie weisen eine nicht von der Hand zu weisende, sehr starke Ähnlichkeit auf. MlF Classic hatte allerdings noch ein Maiglöckchen im Herzen, welches anbetungswürdig schön war – dieses fehlt Yellow, der im ganzen floraler wirkt als Classic. Classic zeigt sich etwas grüner und frischer, allerdings ist für beide Düfte eben jenes absolute Understatement kennzeichnend, das ein nicht weniger ausgeprägtes Statement ist: Formvollendet sind sie beide, sehr harmonisch und perfekt austariert. Classic ist grün-floral-frisch, Yellow floral-frisch mit grünen Anklängen und einem ebenfalls sauberen Anstrich sowie einer etwas süßeren Natur.

Ein bißchen erinnern mich die Düfte an die Kleidchen von Diane von Fürstenberg: Aus erlesenen Stoffen gefertigt – in diesem Falle sicher aus fließender Seide – entstehen Kleidchen von oft einfachen, aber raffinierten Schnitten, welche Frau perfekt zur Geltung bringen ohne jedoch effektheischend zu sein. Et voilà – das Kleidungspendant zu Yellow und Classic würde ich sagen.

Da ich Classic besitze mußte ich Yellow nicht unbedingt auch noch haben aufgrund der Ähnlichkeit – in jedem Falle sollte aber gesagt sein, daß Classic zu jenen wenigen Blüten gehört, die ich wirklich sehr gerne trage.

Liebe Grüße,

die heute etwas blümerante Uli.

Bildquelle: Rainbow in hand von Shannon Pifko via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Blau, blau, blau…

Geschrieben in Ambriertes & Harziges, Blüten, Duft am 10.08.2010

ist nicht nur der Himmel, sondern auch Gualtieris Duft Nummer zwei für Morgane Le Fay. Die Farbe Blau steht mir wahrscheinlich am nächsten in der ganzen Serie – als Farbe für die Ewigkeit, die Weite, für eine gewisse Harmonie – ähöm – , aber auch für Sehnsucht. Nicht umsonst war die Blume, die Friedrich von Hardenberg, besser bekannt unter seinem Pseudonym Novalis, in seinem unvollendet gebliebenen Fragment Heinrich von Ofterdingen beschreibt, blau.

Jene Blaue Blume, die Heinrich zuallererst in seinen Träumen erscheint, ist zum feststehenden Begriff und einem Leitmotiv der Romantik geworden, jener historisch als Schwellenzeit bezeichneten Epoche. Keine Epoche ist vielfältiger, heterogener, keine läßt sich schwerer eingrenzen und wenn überhaupt werden nur wenige Zeitspannen auf philosophischer, literarischer, musikalischer und künstlerischer Ebene fruchtbarer gewesen sein als jene: Der Mensch im Aufbruch, die Nachwirkungen der Aufklärung, der Enthusiasmus und die nachfolgende Enttäusch angesichts der napoleonischen Ära, die beginnende Industrialisierung – all das hat tiefgreifende gesellschaftliche Wandlungen nach sich gezogen und die Romantiker scheinen ein besonderes Gespür dafür gehabt zu haben, besondere Sensoren, scheinen vorausschauend gewesen zu sein und somit quasi die Vorhut des (post)modernen Menschen. Aber genug des Wissenschafttalks, obgleich diese Zeit und die Theorien, die Gedanken (und auch Gefühle) vieler bedeutender Menschen interessant und mitreißend sind – Ich empfehle als anspruchsvolle, aber sehr lesbare Lektüre Safranskis Werk Romantik – wenden wir uns wieder der Blauen Blume zu.

Als Symbol steht sie für das menschliche Streben nach Ganzheit und Erkenntnis, insofern für die Suche nach dem Selbst, nach Vervollkommnung und somit auch – für (die) Liebe. Die Romantiker waren ja ohnehin ein emotionales Grüppchen, auch ganz ohne daß man den heute etwas trivialer gefassten Begriff der Romantik bemühen muß – aber ich möchte mich hier an dieser Stelle nicht allzu sehr in deren komplizierter, aber faszinierender Theorie verlieren.

Eine schöne Motivik auf jeden Fall und durch und durch humanistisch geprägt. Gualtieris Fragranza Blu ist somit auch der ausgeglichenen, der harmonischen Seite gewidmet, der einfühlsamen, als Hommage an die weibliche Sensibilität und Intuition.

Würzig-warm im Auftakt offenbart er sogleich Noten von Pfeffer, die jedoch aufgrund der ihnen zur Seite gestellten Wärme nicht zornig daherkommen. Getragen von warmen Harzen schmeichelt er einem, kitzelt ein wenig die Nase – und gibt den Blick frei auf sein florales Gefolge: Ein zurückhaltender Harem aus Rose, Ylang-Ylang, Jasmin und Galbanum untermalt federleicht und dezent die süße Wärme oder warme Süße, jenes Naturell des Duftes, welches durch die Basis von Sandelholz, Benzoeharz und Moschus nochmals aufgegriffen wird. Ein Tupfer Weihrauch sowie leise (!) animalische Anklänge von dem Harz runden Morgane Le Fay Blue gelungen ab.

Entgegen eventuell gehegter Erwartungen oder auch namentlicher Assoziationen ist Blue nämlich eben kein Tribut an die See, kein aquatischer Zeitgenosse oder gar die Nischenduftvariante von Cool Water – hier ist weit und breit kein Meer zu entdecken und auch kein Tümpel, das war auch gar nicht die Intention.

Gemäß der eher meditativen, auf (zu erreichende innere) Balance angelegten Interpretation der Farbe Blau besitzt Blue einen gewollt kontemplativen Charakter. Als heller Sandelholz-Moschus-Duft mit einer zarten Würze und schüchternem Blütenkranz erinnert er mich persönlich vor allem an die Costes-Düfte sowie an 10 Corso Como. Ein ausgeglichener, weil wohltarierter, aber vor allem auch ausgleichender und ein wenig sehnsuchtsvoller Begleiter – ideal, um abzuschalten und zu sich zu kommen, ob nun beim Yoga, im Garten oder einfach nur auf dem Sofa.

Im Gegensatz zur „alten“ und ausverkauften Blue-Variante ist der Duft meines Erachtens nach sehr viel besser geworden, wobei das natürlich immer ein wenig Geschmackssache ist: Ich habe noch ein altes Pröbchen hervorgekramt und verglichen: Der alte Blue ist ungestümer, würziger, kantiger, riecht bisweilen sehr „gesund“. Wahrlich nicht schlecht, mir persönlich gefällt aber der weiche gefällige Unterton des neuen Blaus besser.

Die Ingredienzen: Kopfnote: rosa Pfeffer, Galbanum, Maiglöckchen; Herznote: weißer Jasmin, Rose, Ylang-Ylang; Basisnote: Sandelholz, Benzoe, Moschus, Weihrauch (nicht angegeben, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in homöopathischer Dosis vorhanden).

Einen schönen Tag wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Bud Opening von Robert Michie, Anemone von Makio Kusahara, Reflections von Winterdove, alles via stockxchng, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Die Farbe Lila…

Geschrieben in Blüten, Duft, Tropisches am 9.08.2010

… ist seit jeher als die Farbe des Urweiblichen bekannt (und gerne mal als Feministenfarbe verschrien). Das resultiert vielleicht auch gerade daraus, daß Lila gerne mal die Farbe der Magie war, des Geheimnisvollen, der Urmutter und so weiter…

So natürlich interpretiert sie auch Alessandro Gualtieri für Morgane Le Fays Duft Violet, der, etwas missverständlich, bei der Firma selbst auch Fragranza Rosa heißt. Nun ja, ob Lila oder Rosa, das ewig Weibliche und natürlich Mysteriöse lockte und lockt hier, ein Duft, der sich auf genau jene Seite oder vielmehr Facette der Frau bezieht, die Betörende, Geheimnisvolle, Mystische, die gleichermaßen stark als auch sensibel und hingebungsvoll ist… Ihr wißt schon…

Genug Süßholzgeraspel, dem aufmerksamen Leser mag es gerade schon aufgefallen sein: Alessandro Gualtieri hat den Duft gemacht, der Alessandro Gualtieri wird sich nun mancher fragen? Ja, genau, die verrückte Nase ist es, Herr Gualtieri, der uns mit seinem Label Nasomatto auch schon mit diversen Düften beglückte, die ich eigentlich auch mal vorstellen sollte. In jedem Falle dürfte Herr Gualtieri der Parfumista, die seine letzte Veröffentlichung getestet hat, mit Nuda bewiesen haben, daß er ganz gut mit Whiteflowers umgehen kann. Ein Jasmin war es, den er uns mit Nuda bescherte, nachdem er sich bereits mit Narcotiv Venus, Nomen est Omen, an der Tuberose versuchte. Insofern kein Ungeübter, wollen wir doch mal sehen, was Violet so zu bieten hat.

Im Auftakt präsentiert sich gleich eine Potenz der verführerischen Seite: Sämtliche Weißblüher ranken einem entgegen wie fleischfressende Pflanzen, betören betäubend oder betäuben betörend im Moment die geneigte Nase und benebeln das in irgendeiner Form mit dem Riechkolben verbundene Hirn. Hossa. Ein Moment des Durchatmens fordert die Hesperiden an den Tag, Bergamotte und Orange, in jedem Fall herb-saftig-zitrische Fruchtigkeit und, man sollte in diesem Augenblick genau aufpassen und hinriechen: ein ganz zauberhaftes Maiglöckchen, schüchtern und zurückhaltend, aber doch wahrnehmbar und standhaft im Hintergrund. Maiglöckchen haben Morgane Le Fay ohnehin sehr gut hinbekommen – ein gar wunderbares erwartet uns noch im Classic, den ich dieser Tage im Vergleich mit seinem Quasi-Nachfolger Yellow noch rezensieren werde.

Hier nun zeigt sich langsam die Komplexität des Duftes: Die Weißblüher Jasmin, Tuberose und Gardenie bleiben weiterhin präsent, bekommen aber Zuwachs durch Osmanthus, Ylang-Ylang und Tiaré, das heißt die üppigen weißen Blüten werden in ihrer raumgreifenden Wirkung noch unterstrichen, erhalten aber überdies einen exotischen Anstrich. Darüber hinaus zeigen sich, typisch für den Osmanthus, Anklänge samtiger, saftig-reifer Pfirsiche, die sich perfekt mit der Maiglöckchenfrische verbinden und zudem von einem feinen Blattgrün flankiert werden. Die Basis ergänzt dieses Zusammenspiel, das Blütenmeer mit cremig-buttriger Iris sowie pudrigem Moschus und sahnigen Vanillenoten.

Müßte ich jetzt auch in Farben denken, den Duft in Farben denken, mir ihn so vorstellen, hätte ich ein Bild mit Pfirsich-Terracotta und Fuchsiapink vor Augen: Zwei in sich übergehende Farben mit ineinander übergehenden Verläufen, oszillierend.

Feminin bis zum Geht-nicht-mehr würde ich sagen – dabei raffiniert und sehr tragbar. Obgleich: Weiße Blüten sollte man schon mögen und der Anfang ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Hernach verhält sich das Düftchen aber sehr zivilisiert für seine Gattung, wartet mit ungewohnt vielen Facetten auf und weiß sehr wohl zu faszinieren – eine echte Frau also, würde ich sagen ;)

Die Ingredienzen: Iris, Moschus, Vanille, Tiaré, Jasmin, Maiglöckchen, Osmanthus, Ylang-Ylang, Tuberose, Geranium, Gewürznelke, Bergamotte, Orange, Feigenblätter.

Einen guten Start in die Woche wünscht Euch

Eure Ulrike.

Bildquelle: Common Jasmin Orange von Huan Liu via stockxchng, Liquid Colors via www.kavewall.com, some rights reserved – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis L – Z


Land des Donnerdrachens

Geschrieben in Blüten, Duft, Gewürziges, Leder am 26.07.2010

…heißt das Königreich Bhutan in der eigenen Landessprache. Wenn Ihr mich fragt, klingt es ein bisschen wie eine Mischung aus einem Harry Potter-Titel und einem Gericht auf der Speisekarte beim Chinesen um die Ecke. Letzteres trifft geographisch gesehen auf Bhutan auch wirklich zu. Natürlich nicht ins Form eines Restaurants. Nein, die Volksrepublik grenzt direkt an das kleine Königreich im Himalaya.

Etwas eingezwängt zwischen China und Indien ist das Land hoch droben in den Bergen ungefähr so groß wie die Schweiz. Etwa zwei Drittel davon sind auch heute noch bewaldet. Da in der Verfassung des Königreiches der Umweltschutz einen festen Platz einnimmt – Nachhaltigkeit ist hier das A und O – kann sich Bhutan über einen unglaublichen Floren- und Faunenreichtum freuen. Der Schutz der Umwelt kommt selbst vor wirtschaftlichen Interessen und Vorhaben. Thimphu, die Hauptstadt des Landes befindet sich im vorderen Himalaya auf etwa 2300m Höhe und zählt etwa 80.000 Einwohner. Angeblich ist sie die einzige Hauptstadt der Welt ohne eine einzige Ampel. Einzig zwei Kreisverkehre und einige Polizisten regeln den, ohnehin nicht sehr zahlreichen Verkehr. Die meisten Einwohner Bhutans, wie auch die Königsfamilie, gehören dem tibetischen Völkerkreis an. Staatsreligion ist der Buddhismus und die bhutanische Amtssprache nennt sich Dzongkha.

Womit wir beim eigentlichen Thema dieses letzten Reiseduftartikels angekommen wären. Denn Dzongkha ist nicht nur der Name der Amtssprache des kleinen südasiatischen Binnenstaates, sondern auch der einer Duftkreation Bertrand Duchaufours. Eine Reise in das hochgelegene Königreich mit seinen weit verbreiteten Klosterburgen (Dzongs) inspirierte den unternehmungslustigen Chefparfumeur von L’Artisan Parfumeur zu diesem Düftchen.

Duftnoten: Pfingstrose, Litschi, Kardamom, Chai-Tee, Weihrauch, Zedernholz, Vetiver, Leder, Papyrus, Iris.

Da die Ergebnisse auf meiner Haut und dem Teststreifen sehr stark divergieren, möchte auf beide getrennt voneinander eingehen. Zuerst also der Teststreifen, der mich, das muss ich vorwegnehmen, ein bisschen enttäuscht hat. Hier dominieren zuerst intensiv herb-säuerliche Noten, zu denen sich, beinahe schleichend, süß-florale Nuancen gesellen, die schließlich in eine subtil-scharfe Würzigkeit übergehen. Mit der Zeit wird der Duft weicher, cremiger, ja fast milchig mit harzigen und holzigen Anklängen, stark weihrauchig. Viel zu schnell entschwebt Dzongkha dem Teststreifen, so dass ich mehrmals nachsprühen musste, um ihn in allen Facetten wahrnehmen zu können.

Ganz anders dagegen auf der Haut. Hier vernehme ich zuerst einen Duft, der mich spontan an Schnapspralinen denken lässt. Beim zweiten Schnupperer muss ich das allerdings revidieren: es ist Whiskey. Eindeutige Whiskeynoten duften mir da entgegen, würzig untermalt von Kardamom, der deutlich wahrnehmbar ist. Beinahe fließend ist der Übergang zu den Chai-Teenoten, in denen sich der Kardamom immer noch findet, die aber weitaus weicher, ja milchig-süßlicher erscheinen. Buttrige Iris kommt hinzu und unterstreicht in all ihrer erdigen Cremigkeit die warmen Milchnoten des Gewürztees. Doch das Schwertliliengewächs kommt nicht alleine. Im Schlepptau hat sie einen ihrer liebsten Kompagnons: samtig-weiches Leder. In diesem Fall, muss ich sagen, hat das Töpfchen sein Deckelchen gefunden. In harmonischer Eintracht schmiegen sich die beiden Duftnoten aneinander, verschmelzen und ergeben in einer wunderbaren Melange eine dermaßen prächtige Lederiris, so hell, so cremig-weich, dass ich meine Nase nicht mehr von meinem Arm wenden kann. Wunderschön! Lange, lange Zeit bleiben die beiden sich selbst überlassen, genießen ihr duftendes Glück, bis schließlich von Ferne dezente Weihrauchwölkchen vorbeischweben, gespickt mit ein paar salzig-skinnigen Vetivertupfern. Einfach umwerfend!

Ich kann es nicht anders sagen: hin und weg bin ich vom letzten Reisedüftchen, zumindest auf meiner Haut. Ja, Dzongkha und meine Hautchemie liegen wohl auf einer Wellenlänge. Ob da auch das Töpfchen sein duftendes Deckelchen gefunden hat? ;-)

Die warme Jahreszeit ist meiner Meinung nach für den Duft nicht ganz optimal (fast würde ich mir wünschen, es wäre schon Herbst), dafür ist er in der kühleren Hälfte des Jahres absolut alltagstauglich. Das werde ich auf jeden Fall ausnutzen! :-)

Damit wären wir am Ende unseres kleinen Ausfluges in die L’Artisansche Travel-Series. Wie findet Ihr denn die Düfte? An welchem Ort gefällt es Euch olfaktorisch am besten?

Einen schönen Wochenstart wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Himalayan Landscape in Bhutan von Jan und Taktshang von Douglas J. McLaughlin – some rights reserved. Vielen lieben Dank!


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Frenchman in NY.

Geschrieben in Blüten, Fruchtiges, Gourmand am 21.07.2010

Heute geht es weiter mit den restlichen beiden Düften aus Honoré des Prés We love NY-Kollektion.

Love Coco – Inhalation interdite, Inhalation verboten… Das „Gegengift“ zu all jenen „exotischen Gefahren“, nämlich: Kokos(milch) „pur, würzig, raffiniert“, im „Duell“ oder besser: Zusammenspiel mit Korianderblättern. Vielleicht auch – Liebesspiel, dazu erzählt das Pressematerial nämlich noch eine verschwirbelte Liebesgeschichte über eine heldenhafte Malaysierin. Nun, in jedem Falle soll Love Coco pikant sein, verheerend verführerisch und natürlich auch opulent.

Bevor ich den Duft teste, sollte ich vielleicht auf ein kleines Dilemma hinweisen: Die einzige, wirklich einzige Form, in der ich Kokos mag, ist – Bounty. Dieser kleine Schokoriegel mit seiner weißen Kokosfüllung, der mich durch die halbe Kindheit begleitet hat und den ich verschiedentlicher Reminiszenzen zuliebe immer noch all Schaltjahr verzehre. In Düften treibt mich Kokos regelmäßig in die Flucht – zu süß, zu klebrig, zu…

Bei Love Coco scheint sich das Naturdüftekonzept auszuzahlen: Vielleicht lag es bisher einfach nur an der Synthetik, die mich bei Kokosnoten oft angstvoll zurückschrecken ließ, an den vielen Kokosdeos (Wer zum Teufel kam eigentlich auf die Idee, Transpiration mit KOKOS zu übertünchen?) – ich mag Love Coco. Ok, es wird keine große Liebe werden, aaaaber… ich würde ihn tatsächlich tragen, das ist schon mehr, als ich vermutet hätte.

Eine Kokosnuss in Gänze erfaßt: Nussig-würzig und mit holzigen Anklängen, die einem ein Bild ihrer Schale vermitteln sowie cremiger Kokosmilch mit einem Hauch nicht zu süßer und auch nicht zu würziger Vanille verfeinert – lecker. Dazu Korianderblätter, die dem ganzen einen grünen und subtil pfeffrigen Frischekick bescheren – ehrlich gesagt sehe ich die Korrelation zu NY nicht ganz, aber vielleicht liegt das auch schlicht und ergreifend daran, daß ich noch niemals dort war, um mit den Worten von Udo Jürgens zu sprechen.

Frau Giacobetti aber wohl, ist sie doch gerade erst dorthin gezogen – nun, als frisch gebackene New Yorkerin wird sie es besser wissen… Das ist aber an dieser Stelle vollkommen egal. Love Coco ist ein unbeschwerter, beschwingter und fröhlicher Sommerduft, der sich um eine subtile, nicht im mindesten prollige Kokosnuss dreht und sicher dem einen oder anderen auch den Kopf verdrehen wird.

Vamp à NY – eine „artistische“ oder auch „künstlerische Performance“, Frausein, nackte Haut in der (be)rauschenden Nacht, Fragilität und Wollust, magische Momente, Sehnsucht, brennendes Verlangen nach dem Unerreichten… Na? Klingelt es? Was mag das wohl für ein Düftchen sein? Jaaa, richtig: Eine Tuberose, die Trendblüte dieses Sommers.

Giacobetti gibt keine Noten für ihren Duft an und verwirrt mich damit zutiefst: Denn diese Tuberose ist – eigenartig und bemerkenswert. Gleich im Auftakt offenbart sie zuerst Zuckerwattenoten, um dann die typischen pinkfarbenen Kaugumminoten, die den Tuberosenklassiker von Piguet, Fracas, so bekannt machten (und Madonna süchtig, nebenbei bemerkt) nachzuschieben, die allerdings auch nicht von Dauer sind. Sie gehen über in – glaubt es, oder glaubt es nicht – Karamalz. Ich rieche Malzbier. Das allerdings scheint eine Fata Morgana zu sein oder der Auftakt einer langen durchzechten Nacht, denn es wird alsbald von Rumnoten überlagert. Dazu gesellt sich eine geröstete Note sowie dezente grüne Banane(blätter) und die für Tuberosen typischen cremigen Kokosanleihen, die in diesem Falle auch Würzigkeit stiften. Im Herzen trägt Love Coco noch mehr Blüten als nur die Tuberose, ich tippe auf Frangipani, Ylang-Ylang und/oder eine Orchidee. Darüber hinaus tritt das geröstete im Duftverlauf ein wenig mehr in den Vordergrund, rauchig-würzig – könnte sich um ein Harz handeln, ich bin mir allerdings nicht sicher. In jedem Falle vermute ich noch einige Gewürze am Rande des Geschehens.

Für einen Giacobetti ist Love Coco Vamp à NY eine echte Überraschung – ist man doch (von Dzing mal abgesehen) sonst eher klare, transparente und luzide Düfte von der Dame gewöhnt scheint sie sich hier mit ihrem Lubin-Werk Idole beduftet hinaus in die Untiefen der New Yorker Nacht gestürzt zu haben, Hals über Kopf… Ich will gar nicht wissen, wo, wie und wie lange sie dort umhergezogen ist – wenn das das Ergebnis einer solchen Nacht war, war jene sicher respektabel.

So empfinde ich auch den Duft: Sehr besonders wird er sicher nicht jedem gefallen, es lohnt sich aber, hier einen Blick oder besser: eine Nase drauf zu werfen. Frau Giacobetti’s getting sexy – try it!

Bemerkenswert sind an der Kollektion im übrigen noch zwei Dinge, die originelle Verpackung und die Haltbarkeit. Als Umverpackung ließen sich Honoré des Prés etwas Besonderes und wahrscheinlich auch New York oder zumindest Amerikatypisches einfallen – die Schachtel, natürlich auch zu 100% organischen Ursprungs mutet an wie die Tasse eines Coffees-To-Go, dieses amerikanischen Phänomens, welches mitsamt der Kultkette Starbucks aus den Staaten herüberschwappte. Die Haltbarkeit der Düfte ist, entgegen dessen, was man im Zusammenhang mit dem Namen Giacobetti gerne mal vermutet und komplett natürlichen Düften gerne unterstellt, ziemlich gut.

Zum Abschluß habe ich hier noch einen Videoclip zur Produkteinführung mit dem Art-Director – auf englisch:

Einen schönen Tag Euch und viele liebe Grüße,

Eure Ulrike.

Bildquelle: Coconut von JGPHOTOS / Juliano Gribel via stockx.chng – vielen lieben Dank!

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Duftverzeichnis
Drei sind einer zuviel


„Wenn der Frühling kommt…

Geschrieben in Blüten, Duft, Fruchtiges, Grünes, Holziges am 12.07.2010

dann schick ich Dir Tulpen aus Amsterdam“, trällerte es in den 70er Jahren aus so manchem Radio. Ja, die bunten Frühlingsblüher sind in den Köpfen der Menschen immer noch genau so fest mit den Niederlanden verbunden wie Fleischtomaten, Gouda, Frau Antje, Clogs und Windmühlen (oder so wie Hape Kerkeling mit Königin Beatrix). Und diese Assoziation kommt nicht von ungefähr: aus den Niederlanden stammt etwa 80% der globalen Jahres-„Produktion“ an Tulpen.

Tja, aber die Zeiten ändern sich. In einer Welt, in der der Fernsehanschluss nur noch digital, dafür aber der Käse analog ist; in der der Normalbürger seinen täglichen Flüssigkeitsbedarf nicht mehr über wässriges Treibhausgemüse deckt, sondern stattdessen hyperdietätische Softdrinks oder stilles Vulkangestein-Mineralwasser zu sich nimmt (hehe… ich selbst bin hier ein blühendes Beispiel); in der die TV-Dinosaurier Frau Antje, Frau de Mol und Frau Amado schon seit Urzeiten von unserer hiesigen Mattscheibe verschwunden sind und sich dafür unzählige, prima an die neuen Fernsehunterhaltungsbedingungen angepasste Casting-Reality-Doku-Shows im TV-Programm durchsetzen konnten (tja, die Evolution ist nicht aufzuhalten); in der Hape Kerkeling (leider) nur noch als Gisela respektive Werner in Werbespots für Anrührkaffee zu sehen ist; ja, in einer solchen Welt kommen Tulpen auch nicht mehr zwingend aus Amsterdam.

Ein besonders hübsches Exemplar fand zum Beispiel erst vor ein paar Wochen seinen Weg aus Stockholm zu mir. Und das, obwohl die Tulpenzeit doch da schon längst vorbei war. Doch diese ach so kurze Zeit des Frühjahres, wenn es in sämtlichen Vorgärten, Super- und Wochenmarkteimern nur so vor Tülpchen wimmelt, wurde durch die Lancierung des neuen Byredo-Duftes La Tulipe, zumindest olfaktorisch, verlängert. Herr Gorham, dessen Vorgängerdüfte die gute Uli ja bereits vorgestellt hat (zum Beispiel hier und hier und hier), war nach eigener Aussage schon seit jeher ein Freund der Zwiebelpflanze, so lag die Idee eines eigenen Tulpenduftes für ihn nahe. Augenmerk legte er hierbei nicht unbedingt auf eine möglichst authentische Umsetzung, sondern vielmehr:

„La Tulipe is built around the idea of the tulip – a flower reminiscent of morning moist gardens and by being one of the season’s first flowers to open its bud; the tulip has become a symbol for the rebirth of spring.“

Die Wiedergeburt des Frühlings soll er also einfangen. Schade, dass ich erst vor ein paar Wochen seiner habhaft werden konnte. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte ihn bereits im März geschnuppert, als hier noch alles unter einer eisigen Winterdecke lag und es nicht so aussah, als ob es überhaupt jemals wieder einmal Frühling werden würde…. ja, ich glaube, ich hätte mit und durch La Tulipe neue Hoffnung geschöpft. Tja, so musste ich mir in des Märzens Iden ohne diesen wunderbaren Duft warme Gedanken machen. Und schließlich hat es der gute Zephyr ja doch noch geschafft, uns den Lenz hierher zu wehen, den wir jetzt schon seit geraumer Zeit genießen dürfen. Und so sitze ich nun in der nachmittäglichen Julisonne, vor mir die Byredo’sche Tulpe und schnuppere vor mich hin.

Hier schon einmal die Duftnoten: Rhabarber, Alpenveilchen, Freesie, Tulpe, Hölzer, Vetiver.

Leicht zitrisch im Auftakt, was ich ob der säuerlichen Fruchtigkeit dem Rhabarber zuordnen würde, wird es plötzlich floral. Noten von… ja, von was eigentlich? Intuitiv muss ich an Flieder denken, wobei ich im direkten Vergleich mit Frau Giacobettis En passant wieder ein wenig davon Abstand nehme. Allerdings mit Vorbehalt, denn En passant ist natürlich ein weitaus filigraneres, zarteres und dezenteres Kaliber als die Stockholmer Tulpe. Aber dennoch: die Authentizität des Fliederduftes in En passant (und diese ist wirklich vorhanden, wenn ich mich an all die duftenden Fliederdolden in den Lindauer Vorgärten erinnere, in die ich noch vor ein paar Wochen jauchzend und juchzend meinen Rüssel zum Schnuppern hing) lässt einen direkten Vergleich zu und so muss ich die Byredo’sche Ingredienzienangabe bestätigen: kein Flieder in der Tulpe. Was mir hier so einen vorfliedert ist wohl vielmehr die Freesie, die sich satt und wuchtbrummig im Duftverlauf breitmacht und diesen, einmal geentert, auch nicht mehr freigibt. Gleich einem tanzenden Derwisch tollt sie süßlich-flirrend durch den Duft, stets begleitet von den für sie typischen aquatischen Tendenzen. Grünliche Noten, die möglicherweise der Tulpe geschuldet sein könnten, schwirren mit in dem floralen Ringelreihen und bringen diesen schließlich auf den hell-holzigen Boden der Tatsachen zurück.

Ja, das Stockholmer Tülpchen ist wirklich ein hübscher und überraschend lang anhaltender Duft. Wie ein intensiv duftender Frühlingsstrauß zaubert er ein Lächeln auf’s Gesicht, sorgt für gute Laune und induziert Frühlingsgefühle. Der namentliche, sehr konkrete Bezug auf eine bestimmte Blume, nämlich die Tulpe, mag angesichts des tatsächlichen Duftes für Verwirrung sorgen, aber da selbige ja nach Herrn Gorham eher sinnbildlich zu betrachten ist, kann man da geflissentlich ein Auge zudrücken. Ich jedenfalls freue mich sehr über das Düftchen, werde es auch gewiss den Sommer über das ein oder andere Mal tragen, mir aber sicherlich ein paar Sprüher aufheben, um mich im Februar nächsten Jahres durch La Tulipe daran erinnern zu lassen, dass der Frühling ganz bestimmt irgendwann kommen wird und mit ihm auch die ersten (echten) Tulpen. :-)

Einen schönen Tag wünscht Euch,

Eure Stephanie.

Bildquelle: Tulpen von John O’Neill – some rights reserved. Vielen lieben Dank!

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