Shade of Blue von Une Nuit Nomade – Lavendel ganz anders

Draußen ist es grau und trist. Der Regen peitscht gegen das Fenster meines Arbeitszimmers. Die Linden vor unserem Haus haben fast alle Blätter verloren. Es ist Herbst. Sogar schon November! Noch ein paar Wochen, dann beginnt die Adventszeit und bald schon ist auch das Jahr 2026 vorbei. Die aktuelle Jahreszeit kann wunderschön sein oder auch Tage wie heute bieten, an denen wir uns am liebsten auf dem Sofa einkuscheln und von Sommer und Wärme träumen würden. Ach, wie wäre das jetzt schön, die sonnige Provence zu genießen, das besondere Licht dieser Region einzufangen, zu konservieren. Dazu der Duft nahezu endloser Lavendelfelder.

Olfaktorische Unterstützung bekomme ich heute bei meinen Tagträumen von Shade of Blue von Une Nuit Nomade. Denn dieser Duft widmet sich genau jener südfranzösischen Landschaft, die von Lavendelblau geprägt ist.

Illustration violettblauer Lavendelfelder in der Provence unter einem rosafarbenen Abendhimmel mit Vollmond.

Lavendel, soweit das Auge reicht

Valensole ist eine kleine Gemeinde im Herzen der Provence. Auf einer Hochebene gelegen, zwischen den Flusstälern der Durance und der Asse, ist der Ort umgeben von Lavendelfeldern. Lilablaue Blütenteppiche, soweit das Auge reicht. Nicht umsonst liegt Valensole an den Routes de la Lavande, die sich quer durch die malerische provenzalische Landschaft ziehen.

Spannenderweise wird auf dem Plateau de Valensole gar kein Echter Lavendel angebaut, sondern vielmehr Lavandin, eine von Natur aus vorkommende Kreuzung zwischen dem bereits genannten Echten Lavendel (Lavandula angustifolia) und dem Breitblättrigen Lavendel (Lavandula latifolia). Dies hat einen einfachen Grund. Lavandin ist deutlich ertragreicher als der Echte Lavendel und besitzt einen kräftigeren, frischen, aromatischen Duft, während Lavandula angustifolia viel weicher, feiner und nur dezent krautig riecht. Die höheren Erträge an ätherischem Öl machen Lavandin besonders interessant für den großflächigen, kommerziellen Anbau, wie man ihn beispielsweise rund um Valensole betreibt.

Une Nuit Nomade ließ sich von eben jener wunderschönen Gegend rund um Valensole zu dem neuen Duft Shade of Blue inspirieren. Genau zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs, wenn die lilafarbenen Felder zunächst noch in goldgelbes Licht getaucht sind, um dann alsbald in einem kühlen, geheimnisvollen und faszinierenden Blauton zu erstrahlen.

Kopfnote: Bergamotte, Myrrhe
Herznote: Lavendel
Basisnote: Tonkabohne, Karamell

Shade of Blue von Une Nuit Nomade – Parfumflakon mit dunkelblauem Etikett und Verschluss, umgeben von violettblauen Lavendelblüten.

Lieblich-warm und würzig-frisch startet Shade of Blue mit karamellig-süßen, nach Vanille duftenden Noten, untermalt von einem Hauch Zitrusfrucht. Doch alsbald schieben sich die typischen Facetten des Lavendels ins Duftgeschehen. Krautig, herb, charakteristisch, Lavendel, wie man ihn kennt und dabei doch so ganz anders. Denn hier ist er in eine goldene Wärme getaucht, wird von lieblichen, umhüllenden Nuancen umflossen, die seiner sonst eher kantigen Krautigkeit sanfte, balsamische Züge verleihen. Ihm Weichheit und Behaglichkeit einhauchen, ihm, der selbst so ruhig und beruhigend wirkt.

Shade of Blue ist für mich ein wunderbares Eau de Parfum, das Lavendel auf eine außergewöhnliche Art und Weise interpretiert, ihm warme und gourmandige Akzente verleiht, die ich so nicht erwartet hätte. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Komposition und sorgen dafür, dass eben jene Pflanze, die man eher mit kühlen, krautig-aromatischen Düften und klassischen Fougères in Verbindung bringt, auch balsamisch-würzig und umhüllend-behaglich sein kann. Für mich eine große Überraschung, die mir ganz wunderbar gefällt. Ein perfekter Duft für Herbst und Winter, der nicht nur das Herz von Lavendelfans höherschlagen lassen dürfte.

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Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

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