Vento Forte und Vento Impetuoso von Filippo Sorcinelli – Wenn Wind zu Sturm wird

Gestern wehte noch ein laues Lüftchen im Duft-Tagebuch, heute wird es stürmisch mit Vento Forte und Vento Impetuoso aus der Atmosphere d’Emotion Collection von Filippo Sorcinelli. Die Linie widmet sich nicht nur dem Naturphänomen Wind, sondern auch Sorcinellis Spiritualität, seinem Glauben und seiner engen Verbindung zur Bibel.

Vento Forte von Filippo Sorcinelli – Der starke Wind

Innerhalb der Atmosphere d’Emotion Collection steht Vento Forte für die kraftvollere Seite des Windes. Der Name bedeutet „starker Wind“ und verweist auf eine der bekanntesten Szenen des Alten Testaments. Dem Duft ist ein Vers aus dem Buch Exodus zugeordnet: „Da streckte Mose seine Hand über das Meer, und der HERR trieb das Meer die ganze Nacht durch einen starken Ostwind zurück und machte es trocken. Und die Wasser teilten sich.“ (Exodus 14,21 – Lutherbibel 2017)

In dieser Passage wird der Wind zum Werkzeug göttlicher Macht. Er treibt das Meer zurück und erschafft so einen Weg durch das Wasser. Damit ist der Wind hier nicht nur eine sanfte Bewegung von Luft, sondern eine kraftvolle Naturgewalt.

Kopfnote: Wildleder, Aquatische Noten, Eichenmoos
Herznote: Erde, Grüne Noten
Basisnote: Ozonische Noten

Feuchte, dunkle Erde trifft in Vento Forte auf ozonisch-grünliche Nuancen und knarziges Leder, das ich nicht unbedingt mit Wildleder in Verbindung bringe, sondern mit derbem, tiefschwarzen Glattleder. Das Parfum von Filippo Sorcinelli ist vom ersten Moment an präsent. Kraftvoll, ausdrucksstark und von einer nicht zu verachtenden Intensität, beweist Vento Forte auf eindrucksvolle Art und Weise, wie man eine Naturgewalt olfaktorisch umsetzen kann.

Vento Forte ist damit kein leiser Duft, sondern eine Kreation mit Wumms. Erdige, ozonische und lederne Facetten verbinden sich zu einer Melange, die an aufziehende Gewitterfronten, nasse Erde und aufgewühlte Luft erinnert. Die Komposition wirkt roh, atmosphärisch und ein wenig ungezähmt. Wer ungewöhnliche, von der Natur inspirierte Düfte mit markanter Ausstrahlung und Petrichor-Anklängen schätzt, dürfte an Vento Forte große Freude haben.

Vento Impetuoso von Filippo Sorcinelli – Der Sturm

Noch dramatischer – und in Anbetracht der olfaktorischen Ausprägung von Vento Forte kann ich es mir kaum vorstellen – zeigt sich der Wind in Vento Impetuoso. Namentlich tobt hier ein heftiger Sturm und der Verweis auf das Buch Hiob unterstreicht dies: „Da antwortete der HERR dem Hiob aus dem Wettersturm und sprach“ (Hiob 38,1 – Lutherbibel 2017)

Der Sturm bildet hier den Rahmen für eine der zentralen Szenen im Buch Hiob. Aus dem Wettersturm heraus antwortet Gott auf Hiobs Klagen und spricht über die Ordnung der Welt und die Grenzen menschlichen Wissens.

Kopfnote: Vetiver, Guajakholz, Nagarmotha
Herznote: Birke, Mineralische Noten, Cashmeran
Basisnote: Styraxharz, Aquatische Noten, Ozonische Noten

Dunkel, rauchig und erdig zeigt sich Vento Impetuoso und erinnert mich an glimmendes Holz, an Asche, an nasse Erde und feuchte Steine. Außergewöhnlich ist der Auftakt dieser Kreation – rau, roh und kantig. Spannenderweise nehme ich inmitten dieses olfaktorischen Gewittersturms eine feine Süße wahr – sehr dicht, fast vanillig und balsamisch anmutend. Hierfür könnten mehrere Kandidaten verantwortlich sein: Das Guajakholz beispielsweise, dem ich auch diese feine Pudrigkeit zusprechen würde, die ich nach und nach erschnuppern kann. Das Styraxharz ist ebenfalls ein möglicher Verdächtiger, ebenso wie Cashmeran. Vermutlich ist es eine Mischung aus allen dreien, die diese Sweet Spots innerhalb der Komposition hervorrufen. Das Gewitter zieht übrigens im Duftverlauf weiter. So dunkel und gewaltig wie Vento Impetuoso gestartet ist, so luftig, ozonisch und zart-rauchig klingt das Parfum schließlich aus.

Vento Impetuoso ist damit sicherlich kein gefälliger Duft, sondern eine Kreation mit Ecken und Kanten. Rauchige, erdige und mineralische Facetten prägen das Bild ebenso wie diese überraschend balsamische Süße, die immer wieder zwischen den dunkleren Noten aufblitzt. Dadurch wirkt das Parfum durchaus wie eine olfaktorische Momentaufnahme eines aufziehenden Unwetters: unruhig, kraftvoll und von einer gewissen Wildheit geprägt. Eine ungewöhnliche und durchaus eigenwillige Interpretation des Themas Wind innerhalb der Atmosphere d’Emotion Collection.

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Julia Biró Verfasst von:

Bereits 2010 gingen so einige Blogbeiträge auf mein Konto. Dann war ich „kurz“ weg – sechs Jahre. Umso mehr freut es mich, dass ich nun wieder die Chance bekomme, mein Näschen im Dienste der Duftrezension schnuppern zu lassen und eifrig in die Tasten zu hauen. Was Nischendüfte angeht, habe ich damals übrigens schnell Feuer gefangen. Meine Ausbildung tat dazu ihr Übriges: Als diplomierte Biologin kenne ich mich nicht nur mit Fauna und Flora, sondern auch recht gut mit der Herstellung von Ölen und Extrakten aus, was den Reiz der Parfumwelt natürlich noch größer macht.

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