Heimliche Stunden des Glücks – Eau d’Italies Rosa Greta …

… ist keine Neuveröffentlichung, sondern wurde bereits letztes Jahr auf der Pitti in Florenz vorgestellt – seht hier. Ich wollte ihn Euch eigentlich gleich nach seiner Lancierung rezensieren und ans Herz legen, was offensichtlich leider untergegangen ist – da mir dieser Tage die Probe in die Hände gefallen ist beim Aufräumen, muss ich das unbedingt nachholen!

Rosa Greta hat einen ganz besonderen Hintergrund, den mir Sebastián auf der Messe persönlich erzählte. Regelmäßige Leser werden wissen, dass Sebastián und seine Frau Marina nicht nur zwei Duftmarken besitzen, Eau d’Italie und Altaia, sondern dass die beiden ebenfalls Eigentümer eines ganz wundervollen und altehrwürdigen Hotels sind, dem Le Sirenuse in Positano, das zu den Leading Hotels of the World zählt. Positano liegt an der Amalfiküste in Kampanien, und zwar in der Provinz Salerno – ganz in der Nähe der Villa Cimbrone, auf die ich heute hinaus möchte. Jene Villa Cimbrone findet sich, eingebettet in einen großen Park, in Ravello, und hat folgende Geschichte:

„Der Schotte Ernest William Beckett, der spätere Lord Grimthorp, ließ im Jahre 1904 auf einem vorspringenden Felsen, zirka 350 m über dem Meeresspiegel, den aus dem 12. Jahrhundert stammenden bestehenden Palazzo umgestalten und einen Garten anlegen. Dem eklektischen Geist der Zeit entsprechend, inspiriert von der römischen Vergangenheit und dem mittelalterlichen Orienthandel des Städtchens Ravello, der die Kaufleute mit den unterschiedlichsten Kulturen in Kontakt gebracht hatte, wurden vielfältige Stilelemente kombiniert. Das Anwesen diente vor allem als Zentrum des Theaterlebens und als Treffpunkt von Politikern und Künstlern seiner Zeit. Heute beherbergt die Villa ein kleines luxuriöses Hotel, umgeben von einem öffentlich zugänglichen Garten. Lord Grimthorp starb 1917 und liegt in dem kleinen Tempel im Garten begraben.“

Bildquelle: https://www.hotelvillacimbrone.com/

Marina und Sebastián halten sich immer sehr bedeckt, was die Gäste ihres eigenen Hotels angeht, Fakt ist – es sind auch heute noch Prominente unter ihren Gästen vertreten. Soweit ich das verstanden habe, führte Marinas Familie das Hotel schon früher, es ist also ein Familienunternehmen. Die Amalfiküste war schon immer Anziehungspunkt und Sehnsuchtsort für Prominente, für Filmstars und -sternchen als auch den Adel, vor allem auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nicht wenige davon dürften im Le Sirenuse abgestiegen sein – oder in der Villa Cimbrone, die ebenfalls ein Hotel beheimatet, wie der Wiki-Artikel oben bereits anklingen ließ [Nebenbei bemerkt: Die Villa Cimbrone war auch schon Filmkulisse, unter anderem wandelte Romy Schneider im dritten Sissy-Teil über die dortige Terrasse]. Die Webseite des Hotels verrät einige Namen derer, die dort schon zu Gast waren und durch den Garten flanierten, so unter anderem auch Virginia Woolf, D. H. Lawrence, Winston Churchill, die Clintons und viele mehr. Die Geschichte der beiden Hotels sind sich in gewisser Weise ähnlich – und Marina und Sebastián gehören ebenfalls zu den Gästen des Hotels. Zumindest waren sie wohl schon im dortigen Restaurant als auch in der Parkanlage, vielleicht gehen sie ja gerne dort essen, die Bilder auf der Webseite sind ein echter Traum.

Bildquelle: beide Bilder via https://www.hotelvillacimbrone.com/

In jedem Fall entdeckten sie dort eine kleine Geschichte, die schon vor langer Zeit in den Medien verbreitet wurde – und die sie zu Rosa Greta inspirierte: Greta Garbo besuchte die Villa 1938 und verbrachte dort „ore di segreta felicita“, geheime, heimliche Stunden des Glücks, wie eine Steintafel in Erinnerung daran kundtut, die man dort voller Stolz zu Ehren Garbos anbrachte, seht zum Beispiel hier. Es gibt wohl bis heute eine Garbo-Suite.

Greta Garbo – included in the set of Rolf Armstrong’s 16 screen beauties – ca. 1930, via Wiki Commons –> https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Greta_Garbo_-_Ivory_Black.jpg

Alleine war Garbo dort ganz offensichtlich nicht, sonst wäre es nicht von solch öffentlichem Interesse gewesen 😉

Der Name des Mannes – Leopold Stokowski, Dirigent. Dieser Herr Stokowski scheint einen ganz guten Schnitt gemacht zu haben, was die Damenwelt angeht – er war laut Wiki dreimal verheiratet, zuerst mit der Pianistin und Pädagogin Olga Samaroff, danach mit Evangeline Johnson, deren Vater zu den Gründern des Pharmakonzerns Johnson & Johnson gehörte und mit der er die beiden Töchter Sadja und Luba hatte, und zuletzt mit der Schauspielerin Gloria Laura Vanderbilt. Besonders gut gefällt mir aber dieser Satz: „1937/38 stand er Greta Garbo nahe.“ Wie nahe? Bekommen wir es raus? Wenn sich der Wiki-Artikel so im Nebulösen verliert, gibt es vermutlich keine hundert Prozent sicheren Fakten, dennoch war ich neugierig und musste ein wenig weiterrecherchieren.

Dabei bin ich auf einen Buchauszug gestoßen, und zwar aus: Die Göttliche – Greta Garbo, Frederick Sands, Sven Broman, Blanvalet Verlag 1979, den Ihr auf der Seite www.greta-garbo.de findet und aus dem ich in Folge zitieren werde.

„Ich denke an die Zeit, wenn ich imstande sein werde, mich in Frieden nach Hause zurückzuziehen. Dann, Lasse, werden wir unsere Junggesellenabende feiern, denn ich werde wahrscheinlich Junggesellin bleiben. Ich sehe mit nicht als Ehefrau – ein häßliches Wort.“ – Greta Garbo, 23 Jahre alt, in einem Brief an ihren Freund Lars Saxon

In besagtem Buchauszug wird über die Garbo erzählt, sie hätte gegenüber einer guten Freundin einmal geäußert, dass sie nicht erobert werden wolle, weder geistig noch körperlich, und dass sie sich lange Zeit einfach entzog. Sie hatte Männer, sie war liiert, immer wieder, aber lief wohl kaum Gefahr, einem Mann mit Haut und Haaren zu verfallen – bis sie im Alter von zweiunddreißig Jahren Stokowski vorgestellt wurde. Dieser war damals, 1937, noch verheiratet, Dirigent des Philadelphia Orchestra und dreiundzwanzig Jahre älter als die Garbo.

Stokowskis Frau reichte einige Monate später die Scheidung ein, Garbo beendete die Dreharbeiten zu Conquest – und beide fanden sich in Ravello ein, in der Villa Cimbrone, die Stokowski von einem Freund für einen Monat gemietet hatte. Dort hatten sie wohl einige Tage ihre Ruhe, doch es dauerte nicht lange, bis man sie bei ihren Spaziergängen „enttarnte“ und die Presse anrückte. Es wurden eigens Polizisten vor der Villa postiert, um Neugierige abzuhalten, weswegen Garbo und Stokowski die nächsten drei Wochen so gut wie ausschließlich in der Villa verbrachten. Stokowski brachte Garbo Yoga nahe, darüber hinaus wird kolportiert, dass sie ihn „Stoky“ und „mein Liebster“ nannte, wie in dem Buchauszug erwähnt wird. Er soll ihr auch jeden Morgen Kamelien gepflückt haben. Garbo einigte sich mit der Presse auf ein einziges Interview unter der Bedingung, dass man sie danach bitte in Ruhe lassen möge. Nach den Wochen in Ravello verließen sie Italien mit dem Auto und fuhren quer durch Europa, bis sie im Mai in Schweden auf Garbos Landsitz Härby eintrafen, der sich südlich von Stockholm am Silensee befindet. Dort wiederum verbrachten sie wohl drei gemeinsame Monate abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Nachdem sie wieder (getrennt voneinander) in die Staaten zurückkehrten, fand ihre Liaison, die auf die eine oder andere Weise ein knappes Jahr früher begonnen hatte, ein genauso schnelles Ende, wie sie angefangen hatte – sie sahen sich wohl nie wieder, Näheres ist nicht wirklich  bekannt.

Das lädt natürlich zum Rätseln ein – und bot Marina und Sebastián Anlass zu einer olfaktorischen Hommage an die göttilche Garbo – Rosa Greta.

Die Ingredienzen: Kopfnote: Litschi, Weißer Tee; Herznote: Rose, Damaszener Rose; Basisnote: Zedernholz, Ambroxan.

Rosa Greta ist … so unbeschwert, wie es vermutlich die erste Woche in der Villa Cimbrone war: unerkannt, ungestört und flirrend, weil unsere beiden Lovebirds vermutlich verliebt waren, das erste Mal wirklich alleine und alles noch so neu und spannend war.

Wir haben es hier mit einer jungen, frischen, dynamischen und wundervollen Rose zu tun, die so taubenetzt ist wie ich mir den Park der Villa am Morgen vorstelle. Ein herrlicher Sonnenaufgang in Pastellfarben, das helle Blau des Meeres … Teenoten erfrischen genauso wie fruchtig-heitere und exotisch anmutende Litschi, die die herrliche Damaszenerrose flankieren. Viel mehr braucht es hier auch nicht, um glücklich zu sein – Zedernholz und Ambroxan tragen den Duft, seine kühle, frisch-saubere Ausstrahlung genauso betonend wie eine leise, wohlige Wärme verströmend.

Ich hatte es bereits erwähnt in meinem Messeartikel – für mich ist Rosa Greta die etwas komplexere, intellektuellere Schwester von Juliette has a Gun’s Miss Charming. Und dürfte auch Freunden von Düften wie beispielsweise Hermès Rose Ikebana oder Byredos Rose Noir gefallen. Ich in jedem Fall mag ihn sehr – er ist ein moderner Rosenduft, ein ganzjährig tragbarer Immergeher.

Eine schöne Geschichte, oder? Kennt Ihr den Duft schon, macht er Euch neugierig?

Herzlichst

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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