Masque Milano präsentieren uns zwei neue Duftkapitel …

… namens Mandala und Times Square – das kann ich mir selbstredend nicht nehmen lassen, mich umgehend auf die beiden Düfte der Italiener zu stürzen und mir diese näher anzusehen.

Masque Milano – Act II-II – Mandala

„Das ganze Universum.

Akt II, Szene 2
Leichte, verdünnte Luft. Äußerste Stille. Kühe liegen faul auf dem Gras und starren dich an, während sich die Gebetsmühlen zu drehen beginnen. Aus dem Kloster schallt der Obertongesang der Mönche – zwei Noten klingen in perfekter, friedvoller Harmonie.

Ein Myrrhe- und Weihrauchduft – leicht und zart. Eine kontemplative Atmosphäre. Vibrationen auf zwei Ebenen gleichzeitig.

Interpretiert von Christian Carbonnel
„Wenn Luci ed Ombre der Duft war, der für die Unentschlossenheit zwischen Licht und Schatten stand, dann wollten wir mit Mandala ‚zwei Noten zugleich singen‘. Es war wunderbar, die Möglichkeit zu haben, den Mönchen beim Obertongesang zuzuhören. Wir versuchten mit diesem Duft, dieses meditative, tranceartige Gefühl wiederzugeben. Myrrhe und Weihrauch sind die prominentesten Noten dieser Komposition.

Rania J. stellte uns vor einigen Jahren Christian Carbonnel vor. Wir erinnern uns daran, wie wir mit Rania bei einer Ausstellung in Deutschland über die Qualität einiger Rohstoffe in ihren Düften sprachen. Sie erzählte uns, dass sie einige Top-Rohstoffe über Carbonnel bezog. Wir trafen Christian und lernten sein Unternehmen kennen. Mit der Zeit entstand eine Freundschaft mit Christian und vor einem Jahr entschieden wir, dass es höchste Zeit war, mit ihm zusammenzuarbeiten. Über seine besondere Erfahrung mit orientalischen Düften hinaus müssen wir sagen, dass uns Christian außerdem mit einigen unglaublichen Rohstoffen überraschte.“ – Alessandro Brun and Ricardo Tedeschi“

Das ist eines der wenigen Male, das ich in einer Duftbeschreibung, einer von der Marke stammenden, etwas über den Hersteller der Aromastoffe lese – Christian Carbonell gehört zu eben diesen. Ein spanisches Unternehmen, einer jener vielen Aromastoffhersteller, die nicht zu den Riesen gehören (Givaudan, Firmenich, IFF, Symrise, Takasago, Mane – eine Übersicht findet Ihr hier, auch mit den Umsätzen, recht spannend; der Großteil des Marktes wird von wenigen Großen bestimmt).

Von Mönchen und Obertongesängen ist hier die Rede – bekannt dafür sind vor allem tibetische Mönche, allen voran die des Gyuto-Ordens, die mit dem Dalai Lama nach Indien geflohen waren. Der Orden kultiviert den Obertongesang schon seit Jahrhunderten, eine (wechselnde) Gruppe geht immer wieder auf Tournee und produziert Tonträger, die bereits Grammy-nominiert waren. Einen sehr persönlichen Einblick gibt dieser Artikel, den ich im Netz gefunden habe.

Hier ein Videoclip eines Auftritts:

Weihrauch und Myrrhe als Protagonisten in einem Duft, der als Inspirationsquelle auf Mönche verweist, auf Klöster – diese Wahl liegt auf der Hand, keine Frage.

Weihrauchdüfte gibt es viele auf dem Markt, mindestens genauso viele wie Liebhaber derselben. Allerdings ist Weihrauch selbstverständlich ein Spalter – man liebt ihn oder man hasst ihn, viel dazwischen gibt es wohl nicht. Myrrhe ist da sicherlich gefälliger, aber sehr viel seltener dominant in Düften anzutreffen. Zu beiden Duftthemen gibt es natürlich eine Übersicht bei uns im Shop, seht hier – Weihrauch & Myrrhe. Einer der schönsten Myrrhedüfte wurde leider eingestellt – Annick Goutals Myrrhe Ardente. Serge Lutens hat auch noch eine Myrrhe zu bieten in seiner Paris-exklusiven Kollektion, La Myrrhe. Mein unangefochtener Lieblingsweihrauch ist Amouages Jubilation XXV, darüber hinaus La Fumée von Miller Harris sowie der leider eingestellte Norma Kamali Signature. Wie sieht es bei Euch aus? Tragt Ihr Weihrauch und/oder Myrrhe – und welches sind Eure Lieblinge?

Mandala aus dem Hause Masque Milano verfügt natürlich noch über ein paar andere Ingredienzen außer Weihrauch und Myrrhe, die Duftnoten sind folgende: Kopfnote: Weihrauch, Muskatnuss, Angelika (Engelwurz); Herznote: Kardamom, Zimt, Nelke, Labdanum (Zistrose), Zedernholz, Weihrauch; Basisnote: Myrrhe, Sandelholz, Eichenmoos, Ambra.

Angelika – da muss ich gleich an Creeds Angelique Encens denken, den wundervollen, der leider … discontinued ist. Ob der Engelwurz bei Masque auch merkbar vertreten ist?

Zuallererst steigt mir ein Weihrauch in die Nase, ein prächtiger, voller. Einer, der gleichermaßen kühl-feucht wie trocken ist, ambivalent alle Facetten zitierend, für die Weihrauch so bekannt ist, für den wir Parfumistas ihn so lieben. Alsbald entscheidet sich unser Weihrauch für zwei seiner Facetten, die im weiteren Duftverlauf seinen Charakter prägen – einerseits eine warme, balsamische, kokett von süßer Zimtschärfe und Nelke gewürzte Seite, in die sich tatkräftig später die Myrrhe einbringt. Sandelholz untermalt wärmend diese Würzigkeit, die von Ambra in der Basis getragen wird. Die andere Seite lässt sich am besten mit einer Farbigkeit beschreiben – es ist ein dunkles, samtiges Grün, eines, dass die aromatischen und würzigen Aspekte des Engelwurz deutlich zur Geltung bringt, zumindest auf meiner Haut. Kardamom grünt hier ebenfalls mit hinein, seifige Akzente zeigend.

Mandala ist ein milder Weihrauch, eine grün-samtige Interpretation, die einhüllend und, wie oftmals, beschützend wirkt. Wir haben es hier nicht meinem Hardcore-Weihrauch zu tun, sondern mit einem sanften Vertreter, der sicherlich auch Weihrauch-Zögerer zu begeistern vermag, obschon er auch den Fans dieser Ingredienz etwas zu bieten hat. Diejenigen, die Angelique Encens nachtrauern, sollten ebenfalls einen Test wagen – Mandala ist so etwas wie die sanftmütige kleine Schwester dieses „verstorbenen“ Creed-Klassikers.

Masque Milano – Act I-IV – Times Square

„Ein Junge, ein winzig kleiner Punkt im Herzen des Big Apple, August 1993.

Akt I, Szene IV
New York stinkt. Es stinkt nach billigem, starkem Tabak und schweren Abgasen. Der Stau ist schier endlos. Es stinkt nach heißem Gummi und muffiger Luft. Die Leute sind bizarr. Die Fashionista mit den leuchtend grünen Stilettos bestellt eine riesige Brezel. Es stinkt nach allem möglichen schrecklichen Imbissessen. Zimt und Pommes. Senf und Karamell. Die Kirsche aus dem blutroten Lippenstift der Hure verschmilzt mit der Erdbeere aus ihrem Kaugummi. Die Seitenstraßen bestehen nur aus Müll und Urin. Ich bahne mir den Weg durch eine Horde Junggesellinnen, die auf die Männer-Strip-Show warten, eine Flut von Tuberose und Nelke. Ich muss heute Abend spazieren gehen. Um meinen Crab Cake und einen Burger zu holen. Und werde die Miasmen der Stadt einatmen, bis ich dort bin. Oh, ich liebe diese Stadt. Wie ich sie liebe. Diese Leute hatten trotz allem Recht.

Interpretiert von Bruno Jovanovic
Das erste Zusammentreffen mit dem Big Apple ist für Alessandro und Riccardo unvergesslich. In der komplexen – und in gewissem Ausmaß bizarren – Duftlandschaft des Times Square gibt es drei Elemente, die weit voneinander entfernt liegen, was die unwiderstehliche Faszination dieser Stadt in der Stadt erklärt: das Essen der Straßenverkäufer, wo Geschäftsleute und Touristen zusammenkommen; die Prostituierte mit ihrem vulgären Parfum und glänzendem Lippenstift; der Geruch von Reifen und Asphalt, Motoröl und Abgasen.

Alessandro und Riccardo lieben Manhattan, und obwohl der Times Square sich verändert hat (heute ist er sicherer als früher, aber New Yorker Freunde bezeichnen ihn als „Disneyland“), ist er immer noch eine Pflichtstation bei jeder Geschäftsreise nach New York.

Die Nase, die dazu berufen wurde, den Times Square zu interpretieren, ist Bruno Jovanovic, ein Superstarparfümeur. Der Gedanke, mit Bruno zu arbeiten, entstand bereits vor langer Zeit. Wie Sie wissen, arbeitete Bruno mit Laudamiel an der Entwicklung von Fierce, als er noch blutjung war (im Jahr 2002, er war gerade einmal 30). Ob man Fierce mag oder nicht, er war in jedem Fall ein Meilenstein der Duftbranche – im Guten oder Schlechten. So wie A&F ihre Geschäfte (und die Fifth Avenue) mit Fierce fluteten, wurde dies zu einer Fallstudie des sensorischen (Duft-)Marketings.

Hätte es eine bessere Nase geben können, um die Duftlandschaft des Times Square zu entwickeln? Es gab keine Budgetgrenze für die Kreation von Times Square (wie bei jeder anderen Kreation von Masque Milano) und die gesamte Belegschaft von IFF war unglaublich hilfsbereit. Eine extrem interessante und bereichernde Erfahrung war der Besuch der Einrichtung und des Gewächshauses in New Jersey, wo IFF den Dampfraum der Blüten exotischster Herkunft kreiert sowie auch andere Rohstoffe. Verschiedene Dampfraumanalysen wurden speziell durchgeführt, um die Schöpfung dieses Dufts zu unterstützen. Der Dekor auf der Flasche wurde von Art-déco-Mustern inspiriert und steht für die immer parallelen Straßen (Broadway) und Avenues von Manhattan.“

Parfumeur Jovanovic hat, wenn wir gerade schon von ihm sprechen, nicht nur Fierce mitgeschaffen, sondern hat unter anderem auch folgende Schönheiten kreiert: Für Frédéric Malle Monsieur als auch den Dries van Noten-Duft, Almost Transparent Blue für A Lab on Fire, einiges für Chopard und Calvin Klein, Idole d’Armani und Jil für Jil Sander, um nur einige zu nennen.

Times Square – ein Abbild einer berühmt-berüchtigten New Yorker Straße. Wir kennen es ja bereits von Bond No. 9, der Firma, die es sich zum Ziel gemacht hat, den Big Apple olfaktorisch nachzuzeichnen. Masque Milano haben sich hier selbstredend ein Vorbild ausgesucht, das für seine Vielseitigkeit und Lebhaftigkeit steht, wie man auch an der Duftbeschreibung ablesen kann. Wer New York kennt, wird es sicherlich bestätigen können – ich selbst war noch nie dort, habe aber einige eingefleischte Big Apple-Fans in meinem Freundeskreis, die auf Nachfrage auch gleich ins Schwärmen gekommen sind. Wie sieht es aus, sind auch New York-Fans unter Euch?

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Duftnoten von Times Square: Kopfnote: Rose, Veilchen, Haselnuss; Herznote: Osmanthus, Tuberose; Basisnote: Sandelholz, Styraxharz, Guajakholz.

Die oben in der Duftbeschreibung geschilderten Eindrücke sind nicht alle „schön“, was nicht weiter überrascht – Großstadtleben treibt eben alle möglichen Blüten, oder nicht? 😉 Selbstredend bin ich sehr gespannt, wie Times Square auf der Haut herauskommt, ob er eine wohlduftende Ambivalenz, eine interessante und spannende, zu kreieren vermag …

Times Square ist weiblich, definitiv. Ich sehe mich in Gedanken den Times Square entlangschlendern, flanieren, während sich um mich herum die Geschäftigkeit der Großstadt in turbulentem Geschehen äußert: Menschen, die es eilig haben, zu Terminen jedweder Natur zu kommen, Einkaufende, Touristen, paarweise oder auch in Grüppchen, genauso wie Vergnügen Suchende verschiedenster Couleur – auf Shoppingtour, auf dem Weg zum Essen oder in ein Café, eine Bar. Vor allem aber duftet es nach der Frauenschar, jener, die ich vielleicht noch vor mir sehe, vielleicht auch nur noch ihren Duft wahrnehme. Ihr denkt an Sex and the City? Ich auch 😉 In jedem Fall ist die Frauentruppe bunt gemischt, es sind Blüten, ein volles, dichtes Bouquet, das meine Nase wahrnimmt, ein bunter Strauß Blumen, sinnlich und, ja, sexy. Fruchtig-zitrische Rosen, ausladende und betörende Tuberosen, ein samtiges, erdig-pudriges und irisähnliches Veilchen sowie pfirsichhaft anmutende Osmanthusblüten, begleitet von Wildlederanklängen. Diese stellen das Bindeglied dar zwischen der Blütenpracht und der erotischen Wärme der holzig-harzigen Basis. Allerdings dürft Ihr Euch darunter keine orientalische vorstellen, wir haben es hier nicht mit einem Harzkracher zu tun und auch nicht mit opulentem Unterholz – die Basis in Times Square untermalt, wärmt auf subtile Weise, stiftet ein paar Quentchen animalisch anmutender Noten, die, versteckt im Hintergrund, hin und wieder aufleuchten. Prinzipiell zeigt sich Times Square aber in allererster Linie floral, Blüten, die eine gewisse Cremigkeit und Seidigkeit offenbaren. Die Basis trägt und untermalt, ist aber moderner und eher minimalistischer Natur.

Insgesamt ist Times Square ein schöner Duft, allerdings bin ich ein wenig enttäuscht, da ich mir a) eine präsentere (oder überhaupt eine) Haselnuss gewünscht hätte, die auf meiner Haut leider gar nicht zum Vorschein kam, und b) ein bisschen mehr Ambivalenz auch nicht geschadet hätte. Sprich: Times Square ist genauso zeitgemäß wie New York, aber auch stromlinienförmiger, als ich erwartet hätte. Das ist allerdings rein subjektiv, wie Ihr sicherlich schon bemerkt habt 😉

Kennt Ihr denn Masque Milano, befinden sich bereits Düfte aus der Kollektion der Italiener in Eurem Sortiment? Welches sind Eure Lieblinge? Mein Favorit ist definitiv immer noch und immer wieder Russian Tea, obgleich ich einige Düfte der Linie wirklich sehr gerne mag 😉

Einen schönen Sonntag noch Ihr Lieben!

Viele Grüße

Eure Ulrike

Neueste Kommentare

Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

4 Kommentare

  1. Waltraud S.
    6. November 2017

    2.Versuch, einen Kommentar zu platzieren, 1. gescheitert, Text gelöscht. Liebe Grüße

  2. Christel
    7. November 2017

    Hallo Waltraud,
    kenn‘ ich, das Problem – da textet frau sich einen Wolf, will ihren Kommentar abschicken und kriegt die dubbelige time over Meldung … und weg ist der Text. Ich bin dazu übergegangen, meinen Kommentar zu kopieren, bevor ich ihn abzuschicken versuche und im Falle des Scheiterns einfach gleich nochmal zu schicken. Ist aber definitiv NICHT besonders kommentar-fördernd.
    Liebe Grüße, Christel

  3. Avatar photo
    Ulrike Knöll
    8. November 2017

    … dabei freue ich mich, freuen wir uns doch so über Eure Kommentare, meine Damen (und Herren natürlich auch)!

  4. Avatar photo
    8. November 2017

    Hallo Waltraud,
    kam dann eine Fehlermeldung?
    Viele Grüße
    Harmen

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