Emiro & Rand und Al-Andalus aus der Black Collection von Moresque …

… sind die vorerst letzten Düfte, die ich Euch hier präsentiere: Letzte Woche hatte ich dem neuen Mailänder Label bereits zwei Artikel gewidmet, heute schließe ich die Serie nun ab, denn dann sind wir erst einmal „durch“, sprich: wir haben uns alle Düfte angesehen. Ok, nicht alle – Contessa fehlt noch, war aber leider noch nicht als Pröbchen verfügbar, ich werde ihn beizeiten nachreichen.

Ob heute noch Männer folgen? Ich bin mir recht sicher, nachdem die bisherige Kollektion von Moresque Parfum fast ausschließlich reine Damendüfte offerierte. Emiro, unser erster Kandidat, hört sich doch zumindest mal vielversprechend maskulin an:

moresqueemiro „Emiro – the olfactory tribute to the „Emirs“, to the monarchs and those in command. A scent of royalty, power, freedom and prestige that conveys a sense of conquest and perfection.

Fleeting citrusy, elegant and light fruity notes lead to a rich floral garden of rose, jasmine, ylang-ylang and geranium. A soft and delicate heart fortified by the deepness of oud, exhilarated by the pungent and exciting leather, comforted by the warmth of amber. Sensual accords supported by contemporary and exotic patchouli.“

Der Emir, kraftvoll, königlich und charakterstark, wird im Minibooklet, das dem Pröbchen beiliegt, als „Oriental“ beschrieben … ja, das ist er. Und ein Oudduft ist es auch, genauer – ein Oudleder. Medizinische Facetten des Oudes zelebriert unser Emir, und die knallen selbstredend immer ordentlich rein: Ähnlich wie Birkenteer haben wir es hier mit einer sehr dominanten Note zu tun, die keine Widerrede duldet. Sie wird – begleitet. Untermalt, verstärkt, geschmeichelt. Aber keinesfalls kontrastiert – hier gibt es keine Opposition, auch keine duftende 😉 Noten von Glattleder, ebenfalls recht wuchtig wirkendem, gesellen sich dazu, den Charakter des Duftes mittragend. Unser Emir, der anfänglich temperamentvoll und bestimmt, vielleicht sogar ein wenig herrisch das Parkett betrat, zeigt sich im weiteren Verlauf auf den zweiten Blick – komplexer, ja, vielleicht gar weicher. Das darf natürlich nicht verraten werden, untergräbt es doch ganz bestimmt seine Authorität, aber … auch er hat ein weiches Herz … Die Oud-Leder-Kombination, die das Naturell des Duftes ausmacht, wird von grün-gelben Noten beleuchtet, ja angestrahlt. Einerseits haben wir hier Geranium, das wirklich außerordentlich präsent ist: Die ihm eigene, dumpfe Minzigkeit trifft auf indifferent grün-krautige Noten, im Hintergrund ein wenig moosig erscheinend. Und andererseits Hesperidenfrüchtchen, Zitrone vor allen Dingen, ganz sicher aber auch Bergamotte [Edit: Ich lese gerade, sie ist drin], prickelnd, flirrend, spritzig-frisch und herb. Und dann ist da noch diese Rose, die sich mittendrin tummelt, Frische ausstrahlend und die zitrisch-minzige Ausrichtung des Duftes bekräftigend.

Kawasaki

driver Photographer „Kawasaki“ via Flickr – CC BY-SA 2.0

Ein typisches Oudleder ist Emiro keineswegs, genauso wenig wie eine typische Oudrose. Mich erinnert er entfernt an zwei Düfte, die ich beide sehr gerne mag: Fars aus der Arabian Oud Stars Kollektion von Xerjoff, der allerdings etwas komplexer ist, feingliedriger. Und kurioserweise an Parfum d’Empires Chypre-Rose Eau Suave. Genau in dieser Reihenfolge. Je länger Emiro auf der Haut bleibt, sich entwickelt, desto mehr erinnert er mich an Eau Suave mit Oud kombiniert – und gefällt mir deshalb umso besser.

Keine Frage, ich denke, ich muss es nicht gesondert erwähnen: Eher auf die Männerwelt zielend ist Emiro aber genauso gut auch für uns Weibsen tragbar.

Weiter geht es mit dem nächsten Duft:

moresquerand „In Arabic, Rand is also used as a nickname that stands for „special flower“. It celebrates the stunning, the beautiful, the notable.

After being courted by floral and rosy notes, the heart of iris and ylang ylang succumbs to desire. It surrenders to the embrace of powerful, sturdy, rich – yet soft – sandalwood, and lets itself be transported by the subtle sensuality and the animalistic touches of musk. A scent of charm, seduction and attraction.“

„Floral-Oriental“ ist die Beschreibung, die Moresque Rand angedeihen lässt – und uns gedanklich auf völlig falsche Pfade lockt, das kann ich Euch versprechen …  und doch … Rand beginnt im Auftakt zitrisch-flirrend und spritzig, dachte ich … eine Ananas soll es sein, die ich da finde – und ja, ein Weilchen später erschließt sich mir diese in angenehmer,  keinesfalls aber überreifer Fruchtigkeit, eher noch in einem leicht grünen Stadium. Nichtsdestotrotz erfährt der Duft schon jetzt eine gehörige Portion Süße, die sich in Form von samtig-seidiger Pudrigkeit präsentiert. Ylang und Iris verschmelzen hier zu einer Allianz, die gleichzeitig Nektarsüße, florale, und Puder offeriert, darüber hinaus Cremigkeit stiftet. Feminin und sinnlich – aber noch nicht kinky. Diese Aspekte folgen allerdings später: Das Sandelholz spielt in Rand bereits in diesem Stadium mit hinein, mehr züchtig, entwickelt sich später hingegen im Zusammenspiel mit animalischen Anklängen und Moschus, einmal gar nicht sauber, eine deliziöse Wärme, würzig und erotisch, die für meine Nase auch dezent (hasel)nussige Anmutungen bietet, in jedem Falle aber einen guten Kontrast zum vorherigen Duft schafft. Und doch, Rand ist auf meiner Haut ein Chamäleon, gerade habe ich mich daran gewöhnt, dass diese Dame hier es faustdick hinter den Ohren haben könnte – und schon zeigt sie sich wieder hell-schillernd in ihrem Puderblütengewand.

125/365

Courtney Emery „125/365“ via Flickr – CC BY-ND 2.0

Das, was man sich unter einem „Orientalen“ gemeinhin vorstellt, ist Rand nicht – Gott sei Dank. Eine moderne orientalische Interpretation – ja, das kommt hin. Ich kann mich dessen nicht erwehren, mir beim Schnuppern am Handgelenk eine schöne Frau in einer Robe vorzustellen, die lustwandelt, irgendwo, gedankenverloren. Und bei so manchem Schritt, bei manchen Bewegungen, gibt die Robe Blicke frei – ein bisschen mehr Dekolleté, der Brustansatz am Armausschnitt, vielleicht ein paar transparentere oder zumindest transparent wirkendere Stellen im Stoff … Reizvoll, dieser Rand, eine wirklich rare Blüte.

Der letzte Kandidat ist Al-Andalus, dessen Namensursprung vermutlich klar sein dürfte:

moresqueAlAndalus „Named after one of the ancient cultural province of the Moors, Al-Andalus is a fiery and seductive scent that recalls the wildness/the vibrancy and the blazing sun of Andalusia.

The fragrance opens on energizing and cheerful spicy notes that awake like the first rays of the sun. The stimulating, burning and earthy trio of saffron, black pepper and ginger prepare for an explosion of warmth that gets deeper. Its rich heart of Oud is protected and strengthened by essences of character: vetiver, French labdanum and birch.“

Andalusien ist sonnig, sehr. Und bisweilen trocken. Al Andalus ist definitiv nicht „my cup of tea“, will sagen ich würde ihn nicht tragen, das ist aber eine Frage des persönlichen Geschmacks, denn er ist mit Sicherheit einer der interessantesten, wenn nicht gar der interessanteste, vielleicht auch beste Duft der Kollektion.

Nicht, dass die Noten wahnsinnig innovativ wären, die Kombination derselben ist es hier: Al-Andalus duftet warm, um nicht zu sagen heiß. Er duftet nach einer Region, in der Sand in der Luft liegt, der trockenen, sonnengewärmten. Eine hitzige Brise, die von einem nahen Souk kündet, auf dem auch zahlreiche Gewürze verkauft werden … Safran in Kombination mit dem trocken-fruchtig-holzigen Ingwer, dem herben, ist eine unglaublich tolle Kombination, vor allem vor dieser Kulisse: Man meint förmlich, die alte Stadt zu riechen, sie über den Duft wahrzunehmen. Alte Gassen, arabisch angehauchte Architektur, Steinmauern, die Geschichten erzählen könnten. Al-Andalus ist stolz, wehrhaft, charaktervoll und – vielseitig. Das gestrenge Oud im Herzen ist ein Kämpfer, Birkenteer unterstreicht und bekräftigt die kraftstrotzende Aussage, zu der sich Anklänge von Salzkristallen gesellen, dem Vetiver geschuldet. Und dann ist da aber noch eine Wärme, darunter, eine balsamische, von einer subtil-zimtigen Anmutung, die wiederum einen perfekten Gegenpol zu unserem Safran-Ingwer-Duo bildet.

Night view from Alhambra de Granada, Andalousia Spain - Image Picture Photography

SuperCar-RoadTrip.fr „Night view from Alhambra de Granada, Andalousia Spain“ via Flickr – CC BY 2.0

Nun sind wir am Ende angekommen mit Moresque Parfum – und ich bin natürlich gespannt: Was spricht Euch an, habt Ihr vielleicht schon getestet?

Viele herzliche Grüße,

Eure Ulrike

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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