Parfums de Marlys Iris-Dame und die schwarze Sehnsucht

Zwei neue Rösser verließen die Ställe von Parfums de Marly – für Euch habe ich die Nüstern ausgestreckt und die Witterung aufgenommen.

Athalia – Der ewige Luxus

PDM Athalia Packshot bottle R1 Jedes Mal aufs Neue stellen mich Parfums de Marly vor Namensrätsel, aber auch dieses Mal ist es mir gelungen, der Idee vermutlich ein wenig näherzukommen.

Da es sich auch bei Athalia um ein Pferd handeln muss, habe ich mich auf die Suche gemacht und mehrere Vollblut-Stuten mit diesem Namen gefunden. Nun schien mir nach einer kurzen Recherche keine davon zu den absoluten Legenden ihrer Art zu gehören, vielleicht war das auch gar nicht so wichtig und man dachte eher an die Königin Atalja aus dem Alten Testament oder die Verarbeitungen dieses Stoffes u. a. von Händel, Mendelssohn Bartholdy oder Jean Racine.

Parfümeurin Alexandra Kosinski von Givaudan, die bereits „Kuhuyan“ aus der Reihe Arabian Breeds für Parfums de Marly kreierte, steht hinter „Athalia“. Der Duft ist überaus feminin ausgefallen. Erst scheint der Duft ganz verspielt Orangenblüten regnen zu lassen und wird dann mit einer pudrigen Iris durchaus vornehm. Wichtiger Bestandteil, um nicht allzu ernsthaft zu werden, ist ein gutes Maß an Moschus bzw. Cashmeran, das die Pudrigkeit und Weichheit trefflich unterstreicht.

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„Athalia“ erscheint wie ein Gewand aus weißem Blütensamt, durch und durch feminin, voller frühlingshafter Jugend und von einer alles überstrahlenden Schönheit, wie sie sonst nur den geflügelten Himmelsboten nachgesagt wird.

Weißer Moschus sorgt für himmlische Lichterscheinungen und luftiges Rauschen, Orangenblüte strahlt in den hoffnungsvollen Stimmungen eines gerade erwachten Frühlings. Doch das jubeljunge Treiben wird von einem vornehmen und äußerst stilvollen Iriston angenehm gezügelt, der auf einem eleganten Amberakkord ruht.

„Athalia“ trägt weiße Blüten im Haar, ihr leuchtendes Herz wurde nur leicht von Orangenblüten verhüllt, um das Schillern und Schimmern der von Amber begleiteten Iris umso schöner hervorzuheben. Das stärkende Bad in Moschus ruft ein Gefühl hervor, als streichelten weiche Federn über die Haut. Die Schöpferin von „Athalia“, die Parfümeurin Alexandra Kosinski, deutet ganz besonders auf eine Protagonistin: „Die kostbare Iris erzeugt eine spielerische Abweichung, eine wunderschöne und unerwartete florale Note.“ So entstand unter den feinen Pinselstrichen der Meisterin eine zauberhafte Kreation voller Licht, Noblesse und weicher Weiblichkeit.

Es fällt mir recht schwer, die einzelnen Noten herauszubekommen, alles kommt wie aus einem Guss, deswegen bleibe ich bei der eher simplen Beschreibung einer blütengeladenen Iris-Moschus-Komposition, die aber durch ihre Vielzahl an Noten immer wieder neue Facetten zu zeigen vermag: hier und da schillert es z. B. süß oder gewürzig.

Die Duftnoten
Kopfnote: Weihrauch, Rose, Bitterorange
Herznote: Iris, Wildleder, Orangenblüte, Cashmeran
Basisnote: Amber, Vanille, Vetiver

Ein wunderbarer Damenduft, definitiv für jedes Alter geeignet, da frische und junge Elemente mit klassischen elegant verwoben wurden.

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Niséan – Die schwarze Sehnsucht

PDM AB Nisean bottle R2 Der Name „Niséan“ war eine harte Nuss. Natürlich bekommt man schnell heraus, dass es sich um eine ausgestorbene Pferderasse der Antike handelt, aber schon beim deutschen Namen scheiterte meine Suche. Vielleicht gibt es Pferdenarren unter den Lesern, die mir weiterhelfen können. Erst vermutete ich, dass die Rasse nach der Stadt Nicäa (heute ?znik) benannt wurde. Der englische Wikipedia-Artikel spricht aber von einer anderen Stadt  namens „Nisaia, located in the Nisaean Plains at the foot of the southern region of the Zagros Mountains, Iran“. Und auch sonst verdichten sich die Hinweise auf Persien. Vermutlich mache ich mir zu viele Gedanken über den Namen. 🙂

Sehen wir das Ganze als sagenumwobenes, legendäres Edelpferd der Antike, unerreichbar, da ausgestorben und von Göttern und Königen begehrt. So eingestimmt, sprühe ich den von der Parfümeurin Nathalie Gracia-Cetto kreierten Duft auf … ich weiß nicht, ob „huiuiui“ eine angemessene Duftbeschreibung ist, aber mein lieber Mann. Orientalische Opulenz! Im Zentrum steht meines Erachtens ein gehöriges Maß Patschuli und auch wie bei „Athalia“ verschmelzen die Noten nahtlos miteinander. Da sind dunkle Hölzer, kostbare Gewürze, ein Hauch Rose, Ambra, Harze, Leder … vehement und sehr kräftig vorgetragen.

Die Duftnoten
Kopfnote: Rosa Pfeffer, Limette, Grapefruit
Herznote: Rose, Geranium, Safran, Hölzer
Basisnote: Zedernholz, Patschuli, Labdanum (Zistrose), Amber

Nisean gehört übrigens zu den Arabian Breeds des Hauses. Die schwarze Sehnsucht nach den Rössern der Antike, ein maskuliner Statement-Duft, aber auch für alle Damen geeignet, die Zunder geben möchten. Nicht dass wir uns falsch verstehen, all dies wurde mit Sinn und Verstand komponiert, wie gesagt, kommt auch „Nisean“ fein abgestimmt.

„Nisean“ verbindet die Ledernoten von Labdanum und Safran mit einer Selektion feinster Hölzer: Zedernholz trifft auf Guajakholz, Sandelholz auf das aufsehenerregende Molekül Akigalawood. Dieses betörende Holz scheint von Patschuli-Essenzen getränkt zu sein und trägt darüber hinaus kostbar funkelnde Adlerholzreflexionen in sich. Ein dunkler, rauschhafter Duft, eine Vision der Parfümeurin Nathalie Gracia-Cetto, die das Räucherwerk fast überdosierte, die Holznoten erleuchtete und so ein Gefühl des Fließens in die Komposition brachte, einen lebendigen Puls, der den Takt des Ewigen vorgibt.

Da haben sich Parfums de Marly wieder nicht lumpen lassen und zwei feine und völlig unterschiedliche Düfte lanciert. Als Mann greife ich natürlich lieber zu Nisean, habe ich doch mit Erstaunen festgestellt, dass mich auch Orientalen und andere kräftige Kreationen nicht mehr so sehr schrecken wie noch vor ein paar Jahren, als man mir nur zitrisch-frische Duftwässerchen herantragen durfte. 🙂

Liebe Grüße und ein fröhliches Wiehern
von Harmen

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Harmen Biró Verfasst von:

Hallo, ich heiße Harmen, war bis vor Kurzem irgendwas­unddreißig und habe immer die Nase im Wind, um Duftschätze für Euch zu finden und hier vorzustellen. Selbst bevorzuge ich feine Lederdüfte oder Gewürzkompositionen, ohne mich da aber festzulegen. Warum auch? Es gibt ständig so viel Neues in der Welt der Düfte zu entdecken. → BIRÓ

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