Blending Magic …

… lautet er, der Zusatz zu unserer neuesten Marke Al Kimiya, die ich Euch diese Woche vorstellen werde. Sehr arabisch muten sie für mich an, die zwei Attars, die zwei Extraits sowie die vier Eaux de Parfum und Oud werde ich vermutlich auch nicht lange suchen müssen – ob meine Oud Stars von Xerjoff, die ich so sehr liebe, Konkurrenz bekommen? Wir werden sehen.

Ja, ja, jaaa! ‚Ilm, mit dem ich beginne, bietet mir gleich Oud satt:

_ilm „‘Ilm“ ist der islamische Begriff für Wissen. Er beschreibt das Studium und die Entwicklung der Wissenschaft in der Blütezeit des Islam. Ungefähr vom 7. bis 13. Jahrhundert entwickelte sich in den islamischen Ländern eine Hochkultur der Kunst, Kultur und Wissenschaft: die Fachbereiche der Medizin, Mathematik, Astronomie, der Chemie bzw. Alchemie, Literatur, Philosophie und Musik waren hier führend.

Bei „‘Ilm“ handelt es sich um ein Extrait de Parfum, das aus dreierlei Oud besteht. Im Kopf befindet sich gereiftes indisches Assam-Oud, im Herzen Oud aus Bangladesch und in der Basis Oud aus Laos. Das Ergebnis ist eine klare, orientalische Oudkreation, die durch ihre Geradlinigkeit das Streben nach Wissen und Erkenntnis hervorragend darzustellen weiß.“

Dreifach Oud – und das in einer solchen Konzentration, das kann eigentlich nur gut werden! … und heftig, sollte ich vielleicht hinzufügen. Ein Projekt, das ich schon ganz lange vorhabe, ist, mir endlich mal Proben von verschiedenen Oudsorten zuzulegen, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen. Ich liebe und erkenne Oud, kann auch Unterschiede entdecken, bin allerdings nicht dazu in der Lage, Oud aufgrund seiner Herkunft zu unterscheiden, beispielsweise. Eine geübte Nase sollte diesbezüglich eigentlich weiterkommen – das würde ich auch können. Insofern kann ich Euch bei ‚Ilm auch nicht sagen, an welchem Punkt welches Oud ineinanderübergeht, wo diese kostbaren Sorten miteinander verschmelzen.

2 Arabian courtyard 100x100 cms.

‚Ilm ist – heftig. Und nur etwas für echte Oudliebhaber, die sich nach dieser Kostbarkeit in Reinform verzehren: Der Duft vereint alle Facetten, für die man Oud liebt – und das in einer solchen Intensität, dass Zögerliche und Unentschlossene die Aussage des Duftes wohl ein zu entschlossenes Statement sein dürfte. Dieses Oud hier holzt, kokelt, raucht, glüht, zündelt – und ist gleichzeitig kühler Natur. Ist heftig animalisch. Verfügt über jene Nuancen, die man bei Jasmindüften indolisch nennt. Betreibt Doktorspielchen mit medizinischen Anmutungen. Und offenbart Facetten, die an die köstlichen Edelschimmelakzente von gutem (!) Gorgonzola erinnern. Das ist alles – tragbar, ja. Aber es bedarf dafür eines Connaisseurs, eines mutigen. Und ja, ich würde ‚Ilm tragen 😉

Hayat ist unser zweiter Kandidat:

„Hayat“ ist das arabische Wort für „Leben“. Das gleichnamige Eau de Parfum aus dem Hause Al Kimiya widmet sich dem Leben und geht diesem bis zu seinen Wurzeln nach. Denn alles, was im Universum existiert, alles Lebendige, aber auch Unbelebte, besteht aus den vier Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer – so glaubte man dies bereits in der griechischen Antike vor rund 2500 Jahren. Diese Lehre gelangte nach Ägypten, später über die Araber in den Mittelmeerraum und dann nach Europa. Erst im 17. und 18. Jahrhundert spaltete sich die Chemie als exakte Wissenschaft von der Alchemie ab. Das Periodensystem der Elemente ersetzte die Vier-Elemente-Lehre.“

Leben – ich lebe auf, wenn ich einen Blick in die Ingredienzen von Hayat werfe: Kopfnote: Bitterorange, Lavendel, Safran; Herznote: Kardamom, Zimt, Ambra; Basisnote: Nagarmotha, Zedernholz, Patchouli, Adlerholz (Oud).

Oud und Nagarmotha? Da kann eigentlich, zumindest für mich, nicht mehr allzu viel daneben gehen, hoffe ich? … Nein. Kann nicht. Wunderbar! … was für ein herrlicher Duft: Animalisches, knarzig-kokeliges, medizinisch anmutendes Oud, dem sonderbar-seltsame Safrannoten assistieren. Lederne, krachlederne Anmutungen nebst einer feinen, würzig-scharfen Zimtsüße und als Gegenpol – Nagarmotha. Mein Lieblingskraut. Jenes gleißende, irgendwie wässrig-fruchtig-frisch wirkende, das ich nicht, nie näher beschreiben kann, das mich aber immer und immer wieder verzückt und in die Knie sinken lässt. So geschehen auch schon unter anderem und vor allem bei Xerjoffs Fars und Montales Steam Aoud. Safran, Oud, Nagarmotha und Leder – a match made in heaven!

Jãbir ist einem großen Geist gewidmet – sein Namenspatron ist folgender:

„Die Geschichte der Alchemie wäre nicht vollständig, würde man an Jãbir vorübergehen, der mit vollem Namen Ab? M?s? Dsch?bir ibn Hayy?n oder lateinisch „Geber“ hieß. Der arabische Universalgelehrte lebte höchstwahrscheinlich im 8. Jahrhundert, konnte sich ohne Übertreibung Alchemist, Astronom, Astrologe, Ingenieur, Geograph, Philosoph und Mediziner nennen und gilt als „Vater der Chemie“. Ihm werden die Entwicklung wissenschaftlicher Herangehensweisen, die Erfindung des Alambic und der Retorte zugeschrieben sowie Methoden wie die Filtration und Destillation. Mit letzterer begründete er ebenso die Herstellung von Parfums.“

Jabir ibn Hayyan

… so kommt es, wenn man vor dem Testen nicht auf die Inhaltsstoffe schaut: Ich hatte etwas komplett anderes erwartet und bin – überrascht. Aber sehr positiv überrascht! Einen kernigen Mann hatte ich erwartet, hätte doch aber schon bei dem Verweis auf Destillationsmethoden stutzig werden sollen … und an Blümchen denken müssen. Die finden sich nämlich in Jãbir zuhauf: Kopfnote: Rosa Pfeffer, Freesie, Veilchen; Herznote: Rose, Maiglöckchen, Pfingstrose; Basisnote: Vanille, Patchouli, Vetiver, Moschus, Adlerholz (Oud).

Jãbir ist – ganz wundervoll: Ein Blütenbouquet aus fruchtig-wässrigen, hell-transparenten, aber eindringlichen Schönheiten, gekonnt von Pfeffer akzentuiert. Und da ist diese Ambivalenz, die den Duft so spannend macht: Oud, deutlich animalisch, in Kombination mit den doch sehr frisch und vor allem auch sauber – Maiglöckchen sei Dank! – wirkenden Blumen. Vanille spielt die umhüllende Gouvernante, Moschus bettet ein wenig … und in der Basis bleibt Jãbir glockenhell und strahlend blühend, während das Oud nur noch eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Die Basis, meine Damen, ist ein Blütentraum, ein ganz besonderer: Ich wurde heute bei meinen Einkäufen zwei Mal auf den Duft angesprochen. Das ist mir bei einer kurzen Stippvisite in die Welt da draußen tagsüber so noch nie passiert. Aber: Mit dem Oud in Kopf und Herz muss man schon können – und es ist wie bei allen Düften von Al Kimiya bisher, arabisch ausgelegt.

Ich bin gespannt auf die nächsten Düfte der Kollektion und verbleibe bis dahin mit den allerliebsten Grüßen,

Eure Ulrike.

 

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Ulrike Knöll Verfasst von:

Meine Liebe gilt seit jeher dem Ästhetischen: Mir geht das Herz auf bei jeglichen Dingen, die durch Form, Funktionalität, Design und Herzblut zu überzeugen wissen. Und wenn dann noch ein Quäntchen Historie dazu kommt, ist es meist ganz um mich geschehen … Ich bin der Nischenparfümerie mit Haut und Haaren verfallen und immer auf der Suche nach dem – oder vielmehr: einem – neuen heiligen Gral. Diese Suche sowie mein ganzes Interesse und meine Begeisterung möchte ich gerne mit Euch teilen!

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